Übersicht
• Zusammenfassung der größten Werke Bölls à
Arbeitsblatt
• Ausführlich vorgestelltes wichtiges Werk Bölls: Billard um
halb zehn, 1959
• Inhaltsangabe (ausführlich)
• Deutung (ausführlich)
• Zusammenfassung und Deutung: Ansichten eines Clowns, 1963
• Zusammenfassung und Deutung: Gruppenbild mit Dame, 1971
• Zusammenfassung und Deutung: Frauen vor Flußlandschaft. (letzter
vor seinem Tod veröffentlichte Roman, 1985)
Billard um halb
zehn
Personen
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Dr. Robert Fähmel
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Chef eines Büros für statische Berechnungen,
Frau, 2 Kinder
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Edith Fähmel
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Roberts Frau, ist im Krieg umgekommen.
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Heinrich Fähmel
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Vater von Dr. Fähmel, hat am beschriebenen Tag 80.
Geburtstag (1958). Hat einen Sohn im Krieg verloren.
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Johanna Fähmel (geb. Kilb)
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Heinrich Fähmels Frau, lebt seit 16 Jahren in der
Heilanstalt Denklingen. Sie hat ihr Zeitgefühl verloren.
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Joseph Fähmel
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Robert Fähmels Sohn
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Marianne Fähmel
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Josephs Freundin.
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Ruth Fähmel
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Robert Fähmels Tochter
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Schrella
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Wurde in seiner Schulzeit von seinen Mitschülern
gequält, Fähmels Freund.
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Dr. Nettlinger
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Mitschüler von Robert Fähmel
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Leonore
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Robert Fähmels Sekretärin
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Liftboy Hugo
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Angestellter des Hotels Prinz Heinrich. Leistet Robert
Fähmel beim Billiardspielen immer Gesellschaft.
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Handlung
- Büro
Dr.
Fähmel ist von halb zehn bis elf Uhr morgens für seine Verwandten und
seine Sekretärin unter einer bestimmten Telefonnummer zu erreichen, die er
allerdings nicht verrät. Leonore findet heraus, daß es der
Anschluß des Hotels ist, in dem Robert täglich zu dieser Zeit Billard
spielt. Dr. Nettlinger will in dieser Zeit zu Robert, Leonore schickt ihn also
ins Hotel. Dr. Fähmel ist darüber verärgert.
- Hotel Prinz Heinrich,
Portiersloge
In dieser Szene spielt Robert aus
Gewohnheit in Gesellschaft von Hugo Billard, was dem Portier merkwürdig
erscheint. Daraufhin erkundigt sich dieser über Fähmel, er kann jedoch
nichts ungewöhnliches über ihn erfahren. Zum Schluß dieser Szene
betritt Dr. Nettlinger das Zimmer.
- Billardzimmer
Beim
Billardspielen erzählt Fähmel Hugo immer aus seiner Vergangenheit.
Heute erzählt er ihm von Schrella, seinem ehemaligen Mitschüler. Er
berichtet Hugo von der Situation, als er Schrella fragte, ob er Jude sei,
woraufhin er antwortete: „Wir sind Lämmer, die geschworen haben, nie
vom Sakrament des Büffels zu essen.“ Mehr dazu später. Er
vertraut ihm an, daß er Ende des Zweiten Weltkrieges die Abtei St. Anton
gesprengt hat, die der Architekt Heinrich Fähmel konstruiert hat. Als
Nettlinger das Zimmer betritt, verläßt Fähmel das Hotel durch
einen Hinterausgang.
- Heinrich Fähmels
Atelier
Als sich Leonore mit Heinrich
Fähmel unterhält, erzählt er ihr, daß Robert im Krieg
für 20 Jahre nach Holland flüchten mußte und daß die von
ihm konstruierte Abtei 1945 von einem für ihn Unbekannten gesprengt
wurde.
- Heilanstalt
Denklingen
Robert und Heinrich Fähmel
besuchen Johanna Fähmel in der Heilanstalt. Robert geht auf ihr Spiel ein,
bei der sie ihm aus ihrer Vergangenheit berichtet. Als Heinrich dies jedoch
nicht tut, merkt man, daß sie sich ihren Wahnvorstellungen bewußt
ist.
- Bahnhofsgaststätte
Robert
wartet mit seinem Vater in einem Raum, in dem Robert früher wegen der
Sprengung der Abtei verhört wurde. In diesem Raum wird ihm bewußt,
daß er überhaupt nicht weiß, warum er eigentlich die Abtei
gesprengt hat. Sein Vater kennt, wie bereits erwähnt, den Täter
nicht.
- Hotel Prinz Heinrich,
Gefängnispforte
Schrella wurde aufgrund
eines längst vergangenen Attentates auf seinen Lehrer kürzlich
verhaftet, woraufhin Nettlinger für seine schnelle Freilassung sorgt.
Nettlinger und Schrella essen miteinander, wobei Schrella erfährt,
daß sich die Familie Fähmel abends in einem Café treffen
wollen.
- Flußufer, Weg nach
Kisslingen
Joseph und seine Freundin Marianne
sind in einem Café, als er durch Zufall auf einem stehengebliebenen
Mauerstück der Abtei die Sprengungsformel in der Handschrift seines Vaters
entdeckt. Vor Erschütterung kündigt er die Baufirma, die für den
Wiederaufbau der Abtei zuständig ist.
- Blessenfeld
Nachdem
Schrella den Ort mit der Straßenbahn wieder angesehen hat, werden viele
Erinnerungen wach. Nach seiner Tour läßt er sich ein billiges Zimmer
für die Nacht geben.
- Abtei St. Anton
Die
Fähmels und Marianne fahren zur Einweihung des neuen Gebäudes zur
Abtei St. Anton. Robert hat sich die Sprengung noch nicht verziehen. Ruth, seine
Tochter, weiß, daß er die Abtei gesprengt hat, findet es im
Vergleich zu anderen Verbrechen dieser Zeit relativ harmlos.
- Heilanstalt
Denklingen
Roberts ehemaliger General wird
neuer Insasse der Heilanstalt. Er gibt Johanna Fähmel außerhalb der
Anstalt auf Verlangen Auskunft über die Treffsicherheit einer Pistole, die
sie ihm zeigt und anschließend einpackt. Sie nimmt sich ein Taxi und kommt
zeitgleich mit der Familie Fähmel, die sie besuchen wollen, wieder an der
Anstalt an.
- Hotel Prinz
Heinrich
Im Hotel bekommen die Fähmels ein
Zimmer neben einem Minister zugewiesen, auf den Johanna Fähmel später
schießt.
- Römische
Kindergräber
Marianne, Ruth und Joseph
nehmen an einer Besichtigung der römischen Kindergräber teil. Da die
Feier im Café abgesagt wurde, kehren die drei ins Hotel zurück und
hören einen Schuß. Auch Leonore hört den Schuß, nachdem
sie ihren Chef angerufen und ihn über falsche Berechnungen eines geheimen
Bauauftrages informiert hat. Wie in alten Zeiten spielen Robert und Schrella
Billard, bis Leonore anruft, danach fällt der Schuß. Der Minister
wird dabei schwer verletzt, stirbt jedoch nicht. Danach wird endlich der 80.
Geburtstag von Heinrich Fähmel gefeiert
werden.
Deutung
Zuerst zu den zwei Leitmotiven des Textes. Diese
wären die Sakramente des Büffels und die der
Lämmer. Man kann für beide grundsätzlich sagen , daß
sie symbolisch für zwei Menschengruppen stehen. Außerdem kann man bei
beiden einen eindeutigen Bezug zum Christentum erkennen. Allein der Begriff
Sakrament deutet auf eine religiöse Sphäre hin.
Nun muß man die beiden Symbole getrennt
betrachten:
Einmal, das Lamm, was relativ einfach
zu deuten ist. Es steht für die Unschuld und die Wehrlosigkeit. Hier sind
es die Personen, die verfolgt werden: Edith, Schrella, Ferdinand, Hugo und
Marianne à ihr
Kosename „Lämmchen“.
Zum anderen das Sakrament des Büffels. Dies steht
für die Dummheit und die pure, rohe Kraft. Hiermit ist die Masse der
Menschen gemeint. Hier sind allerdings größtenteils nur
„Mitläufer“ dabei. Allerdings ist in dem Text nicht immer nur
von Büffeln die Rede, es werden auch andere Tiere genannt, wie Wölfe,
Böcke oder Wildgänse. Diese haben aber dieselbe Bedeutung wie der
Büffel. Sie stehen im krassen Gegensatz zum Lamm.
Diese beiden Symbole sind auch konkret mit dem
politischen und geschichtlichen Hintergrund der letzten 50 Jahre verknüpft,
insbesondere auch mit der Nazizeit. Flucht und Verfolgung Schrellas und Roberts
werden damit nicht nur politisch, sondern auch religiös
motiviert.
Als weiteren Aspekt, der in die Deutung miteingeht ist
die Zeit, welche ein sehr wichtiges Element des Romans ist. Der ganze Text
spielt zwar nur an einem Tag, aber der insgesamt begrenzende Zeitraum spielt
sich von 1907-1958 ab. Hierbei kann man gleich erkennen, daß sich
geschichtlich sehr viel in diesem Abschnitt abspielte. Dies wären die 2
Weltkriege, die Inflation, die Arbeitslosigkeit, die Nazizeit, die
Zusammenbruch, der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder. Es wird zwar nicht
allgemein sichtbar, aber man kann es an jedem einzelnen Menschen, also am
Individuum, sehen, z.B. spiegelt sich das Wirtschaftswunder im Leben des Hotels
Prinz Heinrich am deutlichsten wider.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Verlust und das
Wiederfinden der Zeit. Es gibt drei Protagonisten die im laufe des Romans ihre
Zeit wiederfinden: Heinrich Fähmel, Johanna Fähmel und Robert. Alle
lebten gewissermaßen außerhalb der Zeit und damit auch der
Wirklichkeit. Heinrich lebte immer in seinen Erinnerungen, bis zum Schluß
bei seiner Feier, wo er den Kuchen in Form der Abtei anschneidet. Dadurch
befreit er sich von seiner Vergangenheit, den Legenden und den Mythen. Johanna
lebt wegen ihres Zeitverlustes in der Heilanstalt. Sie findet die Zeit bei einer
Telefonansage wieder. Robert lebt ebenfalls außerhalb der Zeit und damit
auch der Realität. Dies zeigt sich durch die immer wiederkehrenden
Handlungen und Erinnerungen. Er entflieht dem ganzen indem er Hugo zum
Schluß adoptiert.
Zum Schluß der Deutung möchte ich noch auf
die sprachlichen und stilistischen Elemente eingehen. Ein sehr wichtiges
Erzählmittel wird hier von Heinrich Böll angewendet, nämlich der
Innere Monolog. Dieser ist im modernen Roman ein häufig verwendetes
Stilmittel. Er enthält die nicht ausgesprochenen Gedanken, Assoziationen
oder Ahnungen des Romanpersonals. Seine Funktion kann verschiedener Art sein. Da
Böll nicht psychologisch vorgeht, dient der innere Monolog bei ihm nicht
der Analyse des Unbewußten (wie etwa bei Joyce, James Augustine Aloysius
(1882-1941), irischer Romancier und Dichter. Seine psychologisch differenzierte
Darstellung und innovativen literarischen Techniken machten ihn zu einem der
einflußreichsten Schriftsteller des 20. Jhdt. Sein Ulysses gilt als
Prototyp des modernen Experimentalromans.) In den meisten Fällen
enthält er Erinnerungen, die – ausgelöst durch Eindrücke
von außen – in den Personen lebendig werden. Deshalb wird diese Form
des Inneren Monologs auch „Erinnerungsmonolog“ genannt. Ein weiteres
wichtiges Stilmittel in diesem Roman ist die Monotonie. Dies bedeutet,
daß einige Satzteile oder Zitate, die für den Inhalt des Buches von
Bedeutung sind immer wiederkehren. Dies verleiht der Sprache etwas monotones und
formelhaftes, hier kann das Billardspiel als Beispiel zeigen, daß auch ein
Tag im Leben einer Person immer wiederkehrt.