Ein Referat über das dokumentarische
Theaterstück von Heinar Kipphardt
In der Sache J. Robert
Oppenheimer
von Christian Markus Grill, im Herbst 1993
Einleitung:
Leben und Werke des Autors Heinar Kipphardt
Der deutsche Dramatiker Heinar Kipphardt wurde am 8. März 1922 in
Heidersdorf (Oberschlesien) geboren und wuchs im Industriedorf Gnadenfrei auf.
Kipphardt studierte Medizin sowie Philosophie und Theaterwissenschaft.(1)
Seinen Beruf als Facharzt für Psychiatrie gab er auf und war ab
1950 Chefdramaturg am Deutschen Theater in Ost-Berlin tätig.(2)
"[...] Nach künstlerischen und politischen Auseinandersetzungen
[...] kündigte er seinen Vertrag, übersiedelte nach Düsseldorf
und ließ sich, nach zweijähriger Dramaturgentätigkeit am
Düsseldorfer Schauspielhaus, in München nieder.
Die kühle, doch nicht leidenschaftslose Beobachtungsgabe des
Mediziners hat sich K. [Kipphardt!] auch als Dramatiker bewahrt. Scharfer,
analytisch geschulter Verstand, sicheres Formgefühl und vor allem
zeitkritisches Bewußtsein, verbunden mit eindeutigem p olitischen
Engagement, verleihen seinen Stücken geistiges Profil und szenische
Wirkungskraft. Der Verwirklichung seiner Absicht, »die Vergangenheit mit
Bedeutung für heute zu berichten«, dient K.s [Kipphardts!] intensive
Beschäftigung mit Quellenmaterialie n zu Stoffen der Zeitgeschichte
[...]"(3)
Neben dem Drama In der Sache J. Robert Oppenheimer schrieb Heinar
Kipphardt die Werke Shakespeare dringend gesucht, Der Aufstieg des Alois
Piontek, Die Stühle des Herrn Szmil, Bartleby, Die Ganovenfresse und Die
Soldaten .(4)
Für seine hervorragenden Leistungen erhielt Kipphardt folgende
Auszeichnungen: 1953 Nationalpreis der DDR, 1962 Fördergabe des
Schiller-Gedächtnis-Preises, 1964 Gerhart-Hauptmann-Preis, 1964
Fernsehpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, 196 5
Adolf-Grimme-Preis, 1965 DAG-Fernsehpreis, 1975 Film- und Fernsehpreis des
Hartmannbundes, 1976 Prix Italia, 1977 Literaturpreis der Freien Hansestadt
Bremen, 1977 Arbeitsstipendium `Auswärtige Künstler zu Gast in
Hamburg`.
Heinar Kipphardt starb am 18. November 1982 in München.(5)
Hauptteil:
1. Inhaltsangabe des Dramas
Erste Szene
Das Verfahren gegen den Physiker Julius Robert Oppenheimer wird von
Gordon Gray, dem Vorsitzenden des Sicherheitsausschusses eröffnet. Herr
Gray gibt zu Protokoll, daß dieser Ausschuß untersucht, ob dem
Physiker Julius Robert Oppenheimer weiterhin die Sich erheitsgarantie erteilt
werden kann. [Die Sicherheitsgarantie ist notwendig, um an geheimen Projekten
mitarbeiten zu können.!] Es wird ausdrücklich betont, daß diese
Untersuchung kein Gerichtsverfahren ist. Oppenheimers Anwalt Herbert S. Marks
führt zu Beg inn der Untersuchung einen Teil eines Fernsehinterviews von
Senator McCarthy den Anwesenden vor. Anwalt Marks bezweifelt nämlich,
daß die Arbeit dieses Untersuchungsausschusses vertraulich zu halten sein
wird. Die Berufe der Anwesenden werden protokolliert .
Im Zeugenstand stellt der Anwalt der AEC Roger Robb an Oppenheimer
Fragen bezüglich Entwicklungen, Herstellung und Einsatz der Atombombe.
Oppenheimer gibt lediglich zu, an den wissenschaftlichen Beratungen zur
Bestimmung des Zielortes zum Abwurf der Atombo mbe beteiligt gewesen zu sein.
Eines der für den Abwurf besonders geeigneten Ziele war Hiroshima.
Oppenheimer verteidigt sein damaliges Handeln damit, daß er und seine
Kollegen nur die von ihnen erwarteten wissenschaftliche Arbeit leisteten. Obwohl
Dr. Opp enheimer sagt, daß der Abwurf der Atombombe nicht seine, sondern
eine politische Entscheidung war, gesteht er, moralische Skrupel nach dem Abwurf
der A-Bombe gehabt zu haben.
Dr. Oppenheimer erklärt, daß sie die Atombombe
ursprünglich nur deshalb entwickelten, um zu verhindern, daß die
A-Bombe von Hitler eingesetzt werden könnte. Später wurde die A-Bombe
nicht gegen Deutschland sondern gegen Japan eingesetzt.
Oppenheimers frühere freundschaftlichen Beziehungen zu
kommunistisch Gesinnten kommen zur Sprache. Ihm wird vorgeworfen, sich dem Bau
der Wasserstoff widersetzt sowie andere Wissenschaftler beeinflußt und
damit die Herstellung der H-Bombe zeitlich verzöger t zu haben. Dr.
Oppenheimer lehnt diese Anschuldigungen als schlicht nicht wahr zurück.
Erste Zwischenszene
Die Herren Robb, Rolander und Evans sind allein im Raum. Robb und Evans
unterhalten sich in einem kurzen Wortwechsel über die möglichen Motive
Oppenheimers, die dessen Verhalten für die Verzögerung der H-Bombe
begründen könnten.
Zweite Szene
Dr. Oppenheimer wird nach seinen Beziehungen zu Kommunisten befragt. Er
gesteht, daß seine Ehefrau und sein Bruder Frank sowie seine frühere
Verlobte Mitglieder der Kommunistischen Partei waren. Er selbst war nie
Parteimitglied, bezeichnet sich aber als eh emaliger "Mitreisender", weil er von
1936 bis 1942 den kommunistischen Ideen nahestand.
Anwalt Robb stellt im Anschluß Fragen bezüglich eines
privaten Treffens von Dr. Oppenheimer und seiner früheren Verlobten, welche
kurz nach diesem Treffen Selbstmord beging. Da diese Fragen Oppenheimers
Privatssphäre verletzen, verweigert er die Antwort un d verläßt
den Zeugenstand. Dem Einspruch seines Anwalts Garrison wird stattgegeben, und
Dr. Oppenheimer begibt sich zurück in den Zeugenstand.
Zweite Zwischenszene
Evans und Morgan unterhalten sich über die Notwendigkeit die
Privatssphäre eines Menschen zu schützen. Evans äußert
seine Befürchtungen, daß in Zukunft elektronische
Überwachungssysteme den Menschen kontrollieren werden, ob Freundschaften,
Gespräche und Ge danken den Normen entsprechen.
Dritte Szene
J. R. Oppenheimer unterstützte während des Spanischen
Bürgerkrieges die sogenannte Volksfront der Kommunisten mit
großzügigen Geldspenden von rund 300 $ monatlich. Diese Spenden
flossen durch kommunistische Kanäle und waren für die Leute bestimmt,
welche i n Spanien gegen Franco und die Nazis kämpften, verteidigt Dr.
Oppenheimer sein damaliges Handeln. Zudem besuchte er zu jener Zeit
Versammlungen, Gewerkschaftstreffen, hatte kommunistische Bekannte und Freunde,
gehörte kommunistenfreundlichen Organisationen an und unterstütze die
kommunistischen Ideen, indem er verschiedene Aufrufe unterschrieb.
Robb und Rolander stützen sich auf die Zeugenaussagen von Paul
Crouch und dessen Frau, Dr. Oppenheimer habe in der Zeit zwischen dem 23. und
30. Juli 1941 eine geschlossene Versammlung in seinem Haus in Berkeley,
Kalifornien abgehalten. Oppenheimers Anwält en Marks und Garrison gelingt
es allerdings nachzuweisen, daß diese Zeugenaussagen falsch sind, und
daß Dr. Oppenheimer zu jener Zeit mit seiner Frau in Neu-Mexiko war.
Dritte Zwischenszene
Marks und Garrison wollen die Verteidigungstaktik ändern und die
Öffentlichkeit aufmerksam machen. Sie befürchten, daß sie das
Verfahren verlieren könnten. Dr. Oppenheimer hingegen will die defensive
Verteidigung beibehalten und vertraut lieber auf die Macht der Argumente.
Vierte Szene
Oppenheimer erklärt, daß es früher in
Ausnahmefällen durchaus möglich gewesen wäre, daß ein
Kommunist an geheimen Kriegsobjekten mitarbeiten durfte. Er hält es aber
für gefährlich, daß ein kommunistisch gesinnter Mensch für
die Regierung arbeitet, welche er nach dem Parteiprogramm vernichten will.
Oppenheimer vermutet, daß es heute nicht mehr möglich wäre, das
Kommunisten an geheimen Kriegsprojekten beteiligt würden, da die Russen der
wahrscheinliche Kriegsgegner der USA sind. In diesem Zusammenhang wird e r
gefragt, weshalb er den Sicherheitsbehörden nicht erzählt habe,
daß sein Bruder Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen war. Dr.
Oppenheimer begründet sein damaliges Handeln damit, daß er nicht
verpflichtet gewesen sei, die Karriere seines Bruders zu zerstören.
Vierte Zwischenszene
Rolander hört sein Diktiergerät ab und spricht
anschließend seine Gedanken aufs Band. Er sieht die Aufgabe dieses
Verfahrens darin, objektiv zu untersuchen, ob Oppenheimer eine Gefahr darstellt.
Er hält fest, daß Vergangenes aus heutiger Sicht beurteilt werde.
Fünfte Szene
Dr. Oppenheimer stellt die Vermutung an, daß eine Vielzahl der
Physiker kommunistisch orientiert waren, weil sie gerne mit neuen Gedanken
experimentieren wollen. Einige ehemalige Schüler Oppenheimers waren aktive
Parteimitglieder der Kommunistischen Partei . Auf die Frage, ob er die
Verbindung zu diesen Schülern abgebrochen habe, als er erfuhr, daß es
Parteimitglieder waren, verneint er dies. Er habe die Verbindung zu ihnen nicht
abgebrochen, weil es seiner Vorstellung von Gesittung widersprechen würde.
Auße rdem habe er sie ins Laboratorium Berkeley empfohlen, weil sie gute
Wissenschaftler sind, gibt Dr. Oppenheimer zu Protokoll. Für Dr.
Oppenheimer stellt ein Physiker mit einer Vielzahl von kommunistischen Freunden
und Bekannten kein größeres Sicherheitsrisi ko dar und meint sich
damit.
Fünfte Zwischenszene
Thomas A. Morgan spricht mit Gordon Gray über die Notwendigkeit,
daß von den Wissenschaftlern eine klare Trennung zwischen ihren
subjektiven Ansichten und deren objektiven Arbeit zu fordern.
Sechste Szene
Dr. Oppenheimer berichtet von einem Gespräch mit Haakon Chevalier.
Dieser habe ihm erzählt, daß er mit dem Engländer und
Chemotechniker Eltenton gesprochen habe. Eltenton deutete in diesem
Gespräch an, daß er Möglichkeiten habe, geheime Informationen an
di e Russen zu verraten. Als Oppenheimer davon hört, bezeichnet er dies als
Verrat und Chevalier stimmte dem zu. Oppenheimer hat diese Unterhaltung
zunächst nicht für wichtig gehalten. Erst als ein halbes Jahr
später der damalige Geheimdienstoffizier Lansdale nach Los Alamos kam und
über die Sicherheitssituation beunruhigt war, beschloß Dr.
Oppenheimer, die Sicherheitsbehörden über Chevalier und Eltenton zu
informieren, sagt Oppenheimer im Zeugenstand aus. Dabei habe er den
Sicherheitsbehörden eine Räuberpisto le erzählt. Warum er dies
tat, kann er sich später auch nicht mehr erklären.
Der Sicherheitsbeamte Colonel Boris T. Pash berichtet im Zeugenstand
über seine spezielle Ausbildung für Spionageabwehr an Kriegsobjekten
und gibt zu Protokoll, daß er die Untersuchungen des FBI gegen Dr.
Oppenheimer wegen Spionageverdachts leitete. Herr P ash erläutert,
daß das FBI Dr. Oppenheimer verdächtige, Mitglied der Kommunistischen
Partei gewesen zu sein, kommunistischen Ideen nahegestanden und Kontakte zu
Kommunisten gehabt zu haben. Deswegen empfahl das FBI Dr. Oppenheimer von Los
Alamos zu entfern en bzw. ihn wenigstens beschatten zu lassen. Beides wurde
jedoch von Lansdale und General Groves abgelehnt. Pash spielt dem
Untersuchungssausschuß eine Bildkassette vor, die ein Interview zwischen
Pash und Dr. Oppenheimer wiedergibt. Er erklärt, daß er Dr.
Oppenheimer keine Sicherheitsgarantie geben würde. Im Kreuzverhör wird
Herr Pash gefragt, ob man Dr. Oppenheimer gut kennen müßte, um ihn
richtig beurteilen zu können. Pash bejaht dies und weist auf eine
umfangreiche Akte des FBI über Dr. Oppenheimer hin, auf diese er seine
Beurteilung stützt. Pash beurteilt ihn so, daß er ein Mensch sei, der
seine volle Loyalität nur der Wissenschaft und seiner Karriere geben
könne.
Anschließend kommt der Anwalt und ehemalige Geheimdienstoffizier
John Lansdale in den Zeugenstand. Er sagt aus, daß er Dr. Oppenheimer eine
Zeitlang beschatten ließ und abschließend zu dem Urteil gekommen
sei, daß Dr. Oppenheimer kein Kommunist sei, auch w enn dies das FBI
vermute. Nach den Kriterien Loyalität und Verschwiegenheit zu urteilen,
würde Lansdale ihm auf jeden Fall die Sicherheitsgarantie erteilen.
Lansdale empfindet es durchaus als legitim, daß Dr. Oppenheimer seine
frühere Verlobte besuchte, au ch wenn sie eine Kommunistin war. Da sie zu
jener Zeit einen seelischen Tiefpunkt erlebte, war es für Lansdale
verständlich, daß Dr. Oppenheimer die Sicherheitsbehörden nicht
über seinen nächtlichen Besuch informierte. Lansdale würde einen
Menschen dann al s Kommunisten bezeichnen, wenn dieser sich Rußland mehr
verpflichtet fühlen würde, als seinem eigenen Land. Die Frage von Ward
V. Evans, ob es überhaupt eine hundertprozentige Sicherheit geben
könne, verneint Lansdale und äußert die Befürchtung,
daß dazu a lle Freiheiten aufgegeben werden müßten, welche
gerade verteidigt würden.
Siebte Szene
Schlechte Schlagzeilen für Dr. Oppenheimer erscheinen in den
Zeitungen.
Der Anwalt der Atomenergiekommission Roger Robb wirft Dr. Oppenheimer
vor, sich im Herbst 1949 der Entwicklung der Wasserstoffbombe widersetzt zu
haben. Dr. Oppenheimer gesteht dies teilweise ein und begründet dies damit,
daß er eine gegenseitige Erklärung zwischen UdSSR und den Vereinigten
Staaten für wesentlich sinnvoller hielt, in der festgeschrieben würde,
die Wasserstoffbombe nicht zu entwickeln. Dr. Oppenheimer gibt zu bedenken,
daß die Wasserstoffbombe eine solch enorme Zerstörungskraft besitzt,
daß es nach einem eventuellen Einsatz weder Sieger noch Besiegte geben
könnte. Er bekundet, daß er nach Hiroshima Skrupel habt habe, als er
sah, daß die entwickelten Waffen tatsächlich eingesetzt werden.
Später sei er nur noch beratend an der Entwicklung der W asserstoffbombe
beteiligt gewesen. So initierte er beispielsweise eine Konferenz führender
Physiker. Er fand zwar die wissenschaftlichen Ideen faszinierend, hatte jedoch
auch Angst vor dem Ergebnis der Wasserstoffbombe. Dr. Oppenheimer unterzeichnete
damal s den Bericht des Wissenschaftsrates, in dessen Anhang empfohlen wird,
daß die Wasserstoffbombe niemals hergestellt werden sollte. Nachdem der
US-Präsident dennoch das Dringlichkeitsprogramm zur Entwicklung der H-Bombe
anordnete, bot er seinen Rücktritt an, erzählt Dr. Oppenheimer dem
Untersuchungsausschuß. Er schildert seine gespaltenen Eindrücke bei
der ersten Testzündung einer Atombombe in der Wüste von Alamogordo.
Der Physiker Dr. Edward Teller betritt den Zeugenstand und gibt zu
Protokoll, daß die besten Wissenschaftler nach dem Atombombentest in
Alamogordo, welcher auch Dreifäligkeit genannt wird, die Wasserstoffbombe
entwickeln wollten. Doch kurze Zeit nach dem A bwurf der A-Bombe auf Hiroshima
wurde die Entwicklungsarbeit eingestellt. Viele Physiker hatten einen schweren
Schock erliden. Dr. Teller vermutet, daß wenn bereits 1945 mit der
Entwicklung der Wasserstoffbombe begonnen worden wäre, daß dann die
USA wahrsc heinlich schon 1948 eine einsatzbereite H-Bombe gehabt hätte. Er
beklagt, daß er für die Entwicklung der Wasserstoffbombe keine
Unterstützung von Dr. Oppenheimer erhalten habe. Vielmehr habe Dr.
Oppenheimer versucht, Dr. Bethe davon zu überzeugen, daß er s ich
nicht an den Entwicklungsarbeiten der H-Bombe beteiligen sollte. Trotz allem hat
Dr. Teller den Eindruck, daß Dr. Oppenheimer von den theoretischen
Ergebnissen begeistert war. Da Dr. Oppenheimer nach dem Krieg überwiegend
in Komitees arbeitete, hält Dr . Teller ihn für ersetzbar und
würde sich sogar sicherer fühlen, wenn Oppenheimer weniger
Einfluß auf die Interessen des Landes hätte. Dennoch hält er ihn
nicht für ein Sicherheitsrisiko und würde ihm auch die notwendige
Sicherheitsgarantie weiterhin ertei len. Dr. Teller nutzt die Gelegenheit und
äußert, daß Entdeckungen weder gut noch böse, weder
moralisch noch unmoralisch, sondern rein tatsächlich sind.
Der Physiker Dr. Hans Bethe tritt nun als Zeuge auf und erzählt,
daß er trotz seiner starken, moralischen Skrupel an der Entwicklung der
Wasserstoffbombe mitwirkte, weil er sicherstellen wollte, daß Amerika als
erstes über die H-Bombe verfügen könnte. Obwo hl er die Forderung
favorisiert, das auf die Herstellung der H-Bombe durch ein Abkommen verzichtet
würde.
Der Chefwissenschaftler der Air Force und Geophysiker Dr. Griggs geht in
den Zeugenstand. Er ist überzeugt, daß Dr. Oppenheimer der
Anführer einer Gruppe verschwörerischer Wissenschaftler gegen die
Wasserstoffbombe ist. Er hält Dr. Oppenheimer für ein sehr
großes Sicherheitsrisiko.
Der Physiker Isadore Isaac Rabi wird nun als Zeuge befragt. Er war
entschiedener als Dr. Oppenheimer gegen das Dringlichkeitsprogramm zur
Entwicklung der Wasserstoffbombe gewesen, sagt er aus. Zudem hält er Dr.
Oppenheimer für den loyalsten Menschen, den e r kennt.
Achte Szene
In seinem Schlußplädoyer argumentiert Anwalt Roger Robb,
daß gegenwärtig die Sicherheit der Vereinigten Staaten durch die
Kommunisten bedroht sei, die ihre Herrschaft weltweit ausbreiten wollen. Dr.
Oppenheimer stehe immernoch dem kommunistischen Gedankeng ut nahe und durch ihn
ist es kommunistischen Physiker gelungen in Führungspositionen an
Kriegsobjekten zu kommen. Herr Robb beschuldigt Dr. Oppenheimer, erst ab dem
Zeitpunkt Skrupel bekommen zu haben, als deutlich wurde, daß die
Wasserstoffbombe nicht nur gegen die Nazi-Diktatur sondern auch gegen
kommunistische Diktaturen eingesetzt werden könnte. Dr. Oppenheimer ist
kein Verräter im üblichen Sinne, hat aber offensichtlich in den Fragen
betreffend der Wasserstoffbombe versagt, führt Herr Robb sein Plädoye
r fort. Abschließend würdigt er Dr. Oppenheimers Verdienste und
fordert, die Sicherheitsgarantie nicht mehr zu erteilen.
Dr. Oppenheimers Rechtsanwalt Herbert S. Marks spricht für die
Verteidigung. Er bezeichnet Dr. Oppenheimers damalige Beziehungen zu Kommunisten
als nichts außergewöhnliches. Schließlich haben sich die
meisten Intellektuellen in den 30er Jahren für kommuni stische Ideen
interessiert. Er bemängelt außerdem, daß Herr Robb sowie das
FBI keine neuen Materialen diesem Untersuchungsausschuß vorgelegt haben.
Herr Marks erklärt, daß Dr. Oppenheimer sich stets korrekt und loyal
verhalten hat und fordert daher, daß ih m die Sicherheitsgarantie
weiterhin erteilt wird.
Neunte (letzte) Szene
Die Mitglieder des Ausschusses Gordon Gray und Thomas A. Morgan
bezweifeln Oppenheimers Loyalität nicht. Aber sein undurchsichtiges
Verhalten läßt berechtigte Zweifel zu, welche ihm seinen
Ansprüche auf ein bedingungsloses Vertrauen entziehen.
Das dritte Mitglied dieses Ausschusses Dr. Evans hat einen eigenen
Bericht verfaßt. Er hält Dr. Oppenheimer für vollständig
loyal und empfiehlt, ihm die Sicherheitsgarantie zu erteilen. Er begründet
seinen Minderheitenbericht damit, daß Dr. Oppenheimers fr ühere
Verbindungen zu Kommunisten zeitlich vor seinen großen Verdiensten
für Amerika lagen. Außerdem habe Dr. Oppenheimer 1947 ebenfalls die
Sicherheitsgarantie unter den gleichen Belastungen erhalten. Dr. Evans ist
darüber beunruhigt, daß ein verändertes politisches Klima, auch
die Beurteilung gleicher Tatsachen verändern soll.
Dr. Oppenheimer fragt sich in seinem Schlußwort, ob die Physiker
den Geist der Wissenschaft verraten haben, als sie die Forschungsarbeiten dem
Militär übergaben, ohne die Folgen zu bedenken. Er denkt, daß
die Physiker den Regierungen eventuell zu viel unge prüfte Loyalität
gaben und kündigt an, das Urteil anzufechten. Aber an Kriegsprojekten will
er nicht mehr mitarbeiten und sagt abschließend, daß sie die Arbeit
des Teufels taten und nun zu den wirklichen Aufgaben zurückkehren
würden.
2.1. Darlegung des Hauptthemas / der Problematik
Der Autor Heinar Kipphardt versucht in diesem dokumentarischen
Theaterstück die Problematik der Verantwortung eines Naturwissenschaftlers
in der modernen Gesellschaft darzustellen.(6) Kipphardt stellt die
Gewissensfrage, ob die Wertfreiheit der Forschung u nd die Bindung an den
eigenen Staat die Verantwortung gegenüber der Menschheit aufhebt.(7)
2.2. Darlegung der Figurenkonstellation
Im tatsächlichen Verfahren sagten 40 Zeugen aus. In Kipphardts
Drama treten lediglich die beiden Sicherheitsbeamten Pash und Lansdale sowie die
vier Wissenschaftler Teller, Bethe, Griggs und Rabi als Zeugen auf. Die Zeugen
Pash, Griggs und Teller teilen den Standpunkt des Untersuchungsausschusses,
während Lansdale, Bethe und Rabi sich energisch für Oppenheimer
einsetzen.(8) "Durch diese Auswahl der Gewichtsverteilung erreicht Kipphardt ein
Auf und Ab der Meinungen und Argumente, das die für ein Bühnenges
chehen notwendige dramatische Spannung gewährleistet."9)
2.2.1. Julius Robert Oppenheimer
"Oppenheimer, einer der bedeutendsten Atomphysiker unserer Zeit, wurde
als Sohn eines nach den Vereinigten Staaten ausgewanderten deutschen Vaters und
einer amerikanischen Mutter 1904 in New York geboren. Nach dreijährigem
Physikstudium an der Harvard Univ ersity machte der 1925 seine
Abschlußprüfungen und setzte seine Studien in Europa fort,
zunächst in Cambridge, später in Göttingen, wo er zur Kolonie der
amerikanischen Studenten von James Franck und Max Born gehörte und 1927 zum
Dr. phil. promovierte. Nac h seiner Rückkehr in die USA widmete er sich
zwölf Jahre hindurch der wissenschaftlichen Lehr- und
Forschungstätigkeit. Seine technischen Fähigkeiten in der
theoretischen Physik waren bekannt, ebenso seine Umsicht in
Personalfragen.[...]"(10) Er leitete im Zeitraum von 1943 bis 1945 die
Laboratorien, in denen die amerikanische Atombombe entwickelt wurde. Nachdem
Abwurf der ersten Atombombe auf die japanische Stadt Hiroschima legte
Oppenheimer sein Amt nieder. In einem Verfahren, wurde Oppenheimers Staatstreue
überprüft.(11) "Wie so viele seiner Generation hatte Oppenheimer die
Geschehnisse der 30er Jahre, namentlich die Wirtschaftskrise in Europa und
Amerika und das Aufkommen der Nazi-Herrschaft in Deutschland, mit engagiertem
Interesse verfolgt und die kommunistischen Ideen als die richtige Antwort auf
die Weltprobleme betrachtet. [...]"(12)
2.2.2. Untersuchungsausschuß
Gordon Gray ist Vorsitzender des Sicherheitsausschusses und
Zeitungsverleger sowie ehemaliger Staatssekretär im Krriegsministerium.
Ward V. Evans ist Mitglied des Sicherheitsausschusses und Professor der Chemie
in Chicago. Thomas A. Morgan ist ebenfalls Mi tglied des Sicherheitsausschusses
und Generaldirektor der Sperry Groscope Company (Atomausrüstung).
2.2.3. Anwälte
Roger Robb ist als Anwalt der Atomenergiekommission (AEC) tätig. C.
A. Rolander ist ein Sicherheitsfachmann und Mitarbeiter des AEC-Anwalts Roger
Robb. Lloyd K. Garrisson und Herbert S. Marks sind die Anwälte von Julius
Robert Oppenheimer.
2.2.4. Zeugen
Boris T. Pash ist ein Zeuge im Verfahren und von Beruf
Geheimdienstoffizier. John Lansdale tritt ebenfalls als Zeuge im Verfahren auf.
Er ist von Beruf Anwalt und ehemaliger Geheimdienstoffizier. Edward Teller,
Isadore Isaac Rabi und Hans Bethe sind Zeugen im Verfahren und sind alle drei
von Beruf Physiker. David Tressel Griggs ist von Beruf Geophysiker sowie
Chefwissenschaftler der Air Force.
2.3. Zusätzliche Informationen
2.3.1. Die Atomenergiekommission
Die Atomic Energy Commision (AEC) wurde am 01. August 1946 eingesetzt.
Die Aufgaben dieser Kommission bestehen in der Planung und Kontrolle bei der
Erzeugung sowie Anwendung von Atomenergie in den Vereinigten Staaten. Das
oberste Organ der AEC ist die Komm ission, bestehend aus fünf
hauptamtlichen Mitgliedern, welche vom US-Präsidenten ernannt und vom Senat
bestätigt werden.(13)
3. Informationen zur Zeit (historische und literarische Epoche)
3.1. Historische Epoche
1936 vereinbarten Japan und das Deutsche Reich ein Abkommen zur Abwehr
der Kommunistischen Internationale. Dieses Abkommen richtete sich insbesondere
gegen die UdSSR. In geheimen Zusatzabkommen vereinbarten die Mitgliedsstaaten
des sogenannten Antikominter npaktes Neutralität im Falle eines Krieges.
Italien, Ungarn, Spanien, Rumänien u.a. Staaten schlossen sich diesem Pakt
an.(14) "Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Bündnispartner Deutschlands als
`Achsenmächte` bezeichnet."(15) Als Gegeninitiative verbündeten sich
die USA, Großbritanien und die UdSSR zur Anti-Hitler-Koalition mit dem
Ziel, die Nazityrannei zu überwinden.(16) "Seit 1941 arbeiteten in den USA
Wissenschaftler an der Herstellung einer Bombe, die freiwerdende
Kernbindungsenergie zur Zerstörung benu tzen sollte. In Deutschland war
1938 Otto Hahn die Atomspaltung erstmalig gelungen, und nun glaubten die
Wissenschaftler in den USA, unter denen sich Emigranten aus den
europäischen Diktaturen befanden, sie ständen im Wettlauf mit dem
nationalsozialistisch en Deutschland. Das traf jedoch nicht zu und die erst nach
der Niederlage Deutschlands einsatzbereite Bombe wurde gegen Japan eingesetzt.
[...] Vergeblich versuchten einige Physiker, die an der Herstellung der
Atombombe beteiligt waren, den Abwurf zu verhindern."(17)
"Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht erfolgte am 7.
und 8. Mai [1945!] in Reims und Berlin-Karlshorst. Der Krieg in Europa war
vorbei, das NS-Regime beseitigt. Der Krieg gegen Japan ging vier Monate
später mit weltweitem Schrecken zu En de. Nach jahrelangem erbitterten und
verlustreichen `Inselspringen` standen die Amerikaner vor einer Invasion Japans.
Am 6. August 1945 zündeten sie über Hiroshima die erste Atombombe, die
mit einer riesigen Druck- und Feuerwelle den Stadtkern vernichtete und das
umliegende Gebiet radioaktiv verseuchte. Von 320000 Einwohnern starben 200000,
Zehntausende erlitten Verbrennungen, unzählige siechten dahin, noch heute
sterben manche an den Folgen radioaktiver Strahlungen.
Als noch eine zweite Atombombe auf Nagasaki fiel, die 130000 Tote
forderte, kapitulierte Japan bedingungslos. Am 2. September [1945!]
unterzeichnete der US-General MacArthur als alliierter Oberbefehlshaber die
japanische Kapitulationsurkunde."(18)
3.2. Literarische Epoche
Politisierung der Literatur (1961-68)
Die sechziger Jahre waren für die Bundesrepublik Deutschland eine
Zeit der tiefgreifenden gesellschaftliche Krise. Der Selbstzweifel wurde
vorallem in der jungen Generation der Intellektuellen und der Arbeiter durch
eine Vielzahl von Faktoren innen- und au ßenpolitischer Art geweckt. Die
»deutsche Bildungskatastrophe«, die sozialen Kämpfe in der
Dritten Welt, der Vietnam-Krieg, die ökonomischen Krisen von 1966/67, die
Massenarbeitslosigkeit und die Zechenstillegungen, die Große Koalition von
SPD und CDU im J ahre 1966 sowie die weltweite Studentenrevolte waren Ausdruck
dieser sozialen und politischen Krise.
Diese Entwicklungsmomente hatten für die Literatur Konsequenzen
gehabt. Insbesondere die Kulturproduzenten begriffen,(19) "daß das Bild
vom »freischwebenden Intellektuellen«, der fern den sozialen
Auseinandersetzungen nur den eigenen schöpferischen Impulse n folgt, ein
Trugbild war. (...) Der Trennung von Kunst und Politik, Kennzeichen der
fünfziger Jahre, folgt in den sechziger Jahren die Politisierung der
Literatur."(20)
"Die gesellschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik ist
insbesondere für das deutsche Theater nicht ohne Folgen geblieben. [...] Es
entstehen zahlreiche Bühnenstücke mit zum Teil explizit politischer
Thematik, unverkennbarem gesellschaftlichem Engagem ent und einer durchaus
eigenständigen Formgebung. [...] Rolf Hochhuth sagt [...]:
»Politisches Theater kann nicht die Aufgabe haben, die Wirklichkeit - die
ja stets politisch ist - zu reproduzieren, sondern hat ihr entgegenzutreten
durch Objektion einer neuen.«"(21)
3.3. Informationen zur Textsorte
"Dokumentartheater
[lateinisch]: Stilrichtung des modernen Theaters, bei der durch die
Verwendung dokumentarischen Materials (z.B. Akten, Protokolle,
zeitgenössische Presseberichte, Einblendung von Filmszenen, Photos,
Tonbändern usw.) größtmögliche Glaubwürdigkeit und
Authen tizität erreicht werden soll. Das Dokumentartheater will in erster
Linie gesellschaftskritisch und politisch wirken. Es erreichte unter dem
Einfluß des russischen Revolutionstheaters in den späten 20er Jahren
in Deutschland durch E. Piscators Inszenierunge n seinen ersten Höhepunkt.
Einen neuen Aufschwung erlebte es in den 60er Jahren in der Folge von R.
Hochhuths Schauspiel `Der Stellvertreter` (1963, Regie: E.Piscator) mit
Dokumentarstücken wie `In der Sache J. Robert Oppenheimer` (1964) von H.
Kipphardt. `Die Ermittlung` (1965) von P. Weiss, `Toller` (1968) von T.
Dorst."(22)
4. Charakteristische Textstelle und Begründung
"5. SZENE
ROLANDER Stimmen Sie mit mir überein, daß ein
Fellow-Traveller für ein geheimes Kriegsprojekt eine potentiell
größere Gefahr der Indiskretion darstellt?
OPPENHEIMER
Potentiell ja. Es kommt auf den Menschen an.
ROLANDER Ist es
zutreffend, Dr. Oppenheimer, daß in Los Alamos eine beträchtliche
Anzahl von Wissenschaftlern Fellow-Travellers waren?
OPPENHEIMER
Nicht besonders viele. Weniger als in Berkeley zum Exempel. Aber wir hätten
damals einen Mann vom elektrischen Stuhl geholt, wenn wir ihn gebraucht
hätten, das Ding auf die Beine zu stellen.
ROLANDER Was ich mir
nicht erklären kann, Sir, warum gerade so viele Fellow-Travellers vom
elektrischen Stuhl geholt wurden?
OPPENHEIMER Weil es viele Physiker
mit linken Neigungen gab.
ROLANDER Wie erklären Sie sich das?
OPPENHEIMER Physiker interessieren sich für neue Dinge. Sie
experimentieren gern und ihre Gedanken sind auf Veränderungen gerichtet.
Bei ihrer Arbeit, und so auch in politischen Fragen.
ROLANDER Viele
Ihrer Schüler gerade waren tatsächlich Kommunisten oder Mitreisende,
nicht wahr?
OPPENHEIMER Einige, ja.
ROLANDER Weinberg,
Bohm, Lomanitz, Friedmann?
OPPENHEIMER Ja.
ROLANDER Und
Sie haben diese jungen Leute nach Berkeley oder Los Alamos empfohlen?
OPPENHEIMER Ich habe sie als Wissenschaftler empfohlen, ja. -Weil sie
gut waren.-
ROLANDER Rein fachlich. Ich verstehe.
OPPENHEIMER Ja.
ROLANDER Viele Ihrer intimen Bekannten und
Freunde, fachlich und jenseits des Fachlichen, waren ebenfalls
Fellow-Travellers, nicht wahr?
OPPENHEIMER Ja. Ich finde das nicht
unnatürlich. Es gab eine Zeit, da das sowjetische Experiment eine
große Anziehungskraft auf alle diejenigen ausübte, die den Zustand
unserer Welt nicht befriedigend fanden, und ich denke, er ist wirklich nicht
befriedige nd. Heute, da wir das sowjetische Experiment ohne Illusionen
betrachten, heute, da uns Rußland als eine feindliche Weltmacht
gegenübersteht, verurteilen wir die Hoffnungen, die viele Menschen an den
Versuch geknüpft hatten, vernünftigere Formen des menschl ichen
Zusammenlebens mit größeren Freiheiten und größerer
sozialer Sicherheit zu finden. Das scheint mir unweise, und es ist
unzulässig, sie dieser Ansicht wegen herabzusetzen oder verfolgen zu
wollen.
ROLANDER Ich will niemanden herabsetzen, Sir, und ich
verfolge nur die Frage, ob nicht ein Physiker, der soundsoviel Freunde und
Bekannte hat, die Kommunisten oder Mitreisende waren, ein größeres
Sicherheitsrisiko ist. Ist er nicht tatsächlich ein größeres
Sicherheitsrisiko?
OPPENHEIMER Nein.
ROLANDER Sie meinen,
es ist auch heute gleichgültig, wie viele kommunistenfreundliche Bekannte -
OPPENHEIMER Ich meine, daß man einen Menschen nicht
auseinandernehmen kann wie einen Zündsatz. Die und die Ansichten, die und
die Sicherheit. Soundsoviel Bekannte, die Fellow-Travellers sind, soundsoviel
Sicherheit. Das sind mechanische Torheiten, und wenn wir in Los Alamos so
verfahren wären, so hätten wir die besten Leute nicht eingestellt. Wir
hätten dann vielleicht das Laboratorium mit den tadellosesten Ansichten der
Welt gehabt, aber ich glaube nicht, daß es funktioniert hätte. Die
Wege der Leute mit erstklassigen Ideen verlaufen nicht so gradlinig, wie sich
das die Sicherheitsbeamten träumen. Mit tadellosen, das heißt
konformen Ansichten macht man keine Atombombe. Ja-Sager sind bequem aber
uneffektiv."(23)
Begründung:
Diese Textstelle zeigt deutlich, in welcher Situtation die
Wissenschaftler damals steckten. In diesem Wettrennen mit der Zeit kam es nur
darauf an, als erstes die Bombe (Atom- und Wasserstoffbombe) zu entwickeln.
Jahre später werden Wissenschaftler, die im Auftrag ihres Landes die Bombe
erfolgreich entwickelten daran gemessen, welcher politischen Richtung sie
angehörten. Besonders der Satz "Ja-Sager sind bequem aber uneffektiv." hat
für mich einen bleibenden Eindruck.
III. Schluß
Persönliche Stellungnahme / Meinung
An diesem dokumentarischen Theaterstück hat mir besonders gut
gefallen, daß man ständig - sogar bis ans Ende des Dramas - in der
Argumentation hin- und hergerissen wurde. Der Text war relativ leicht zu lesen
und gut zu verstehen. Es wurden unnötig Fremdwör ter vermieden, was
dieses Buch angenehm macht. Ein empfehlenswertes Buch.
Christian Markus Grill
Literaturverzeichnis
I. Primärliteratur
Kipphardt, Heinar: In der Sache J. Robert Oppenheimer, Ein stück
und seine Geschichte, Reibeck bei Hamburg, 1. Auflage, Werksaus-gabe, 1987
II. Sekundärliteratur
Arnold, Heinz Ludwig, in: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur, 1. Auflage, Band 5, 1992
Bibliographisches Institut: Meyers Enzyklopäidisches Lexikon,
Mannheim, Wien, Zürich, 1. Auflage, Band 2 Alv-Atz, 1971,
Bibliographisches Institut: Schüler-Duden, Die Literatur, Ein
Sachlexikon für die Schule, Mannheim, Wien, Zürich, 1. Auflage, 1980
Hug, Wolfgang, Hoffmann, Joachim, Krautkrämer, Elmar, Bahl, Franz
und Danner, Wilfried: Unsere Geschichte, Von der Zeit des Imperialismus bis zur
Gegenwart, Frankfurt am Main, 1. Auflage, 1986
Kunsch, Hermann, in: Kleines Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur,
München, 2. verbesserte und erweiterte Auflage, 1969
van Ingen, Ferdinand: Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert
Oppenheimer, Grundlagen und Gedanken zum Verständnis des Dramas, Frankfurt
am Main, 5. Auflage, 1990
van Rinsum, Annemarie und Wolfgang: Lexikon literarischer Gestalten,
Stuttgart, 1. Auflage, 1988
Fußnoten :
(1) Zitat vgl. Hauck, Herbert: Kipphardt, Heinar, in: Kunisch, Hermann:
Kleines Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur, München, 2. verbesserte
und erweiterte Auflage, 1969, Seite 371
(2) Zitat vgl.
Baumgärtel, Regine, Brandlmeiner, Gertraud, Dr. Eckert, Hubert,
Eversmeyer,Vinzent, Dr. Graf, Peter, Graffonara, Hilde, etc. : Knaurs Lexikon
der Welt-Literatur, Autoren - Werke - Sachbegriffe, München und
Zürich, 1. Auflage, 1979, Seite 383
(3) Zitat s. Hauck, Herbert:
Kipphardt, Heinar, in: Kunisch, Hermann: Kleines Handbuch der deutschen
Gegenwartsliteratur, München, 2. verbesserte und erweiterte Auflage, 1969,
Seiten Seite 371 bis 372
(4) Zitat vgl. a.a.O., Seite 373
(5) Zitat vgl. Peters, Heinrich und Töteberg, Michael: Heinar
Kipphardt, in: Arnold, Heinz Ludwig: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur, Band 5, 1992, Seite 1
(6) Zitat vgl. Peters,
Heinrich und Töteberg, Michael: Heinar Kipphardt, in: Arnold, Heinz Ludwig:
Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Band 5, 1992,
Seite 8
(7) Zitat vgl. van Rinsum, Annemarie und Wolfgang: Lexikon
literarischer Gestalten, Stuttgart, 1. Auflage, 1988, Seite 355
(8)
Zitat vgl. van Ingen, Ferdinand: Heinar Kipphardt, In der Sache J. Robert
Oppenheimer, Grundlagen und Gedanken zum Verständnis des Dramas, Frankfurt
am Main, 5. Auflage, 1990, Seite 47 und 48
(9)Zitat s. a.a.O., Seite
48
(10) Zitat s. van Ingen, Ferdinand: Heinar Kipphardt, In der Sache
J. Rober Oppenheimer, Grundlagen und Gedanken zum Verständnis des Dramas,
Frankfurt am Main, 1990, 5. Auflage, Seite 6
(11) Zitat vgl. van
Rinsum, Annemarie und Wolfgang: Lexikon literarischer Gestalten, Stuttgart, 1.
Auflage, 1988, Seite 355
(12) Zitat s. van Ingen, Ferdinand: Heinar
Kipphardt, In der Sache J. Robert Oppenheimer, Grundlagen und Gedanken zum
Verständnis des Dramas, Frankfurt am Main, 1990, 5. Auflage, Seite 6
(13) Zitat vgl. Bibliograhisches Institut: Meyers
Enzyklopädisches Lexikon, Mannheim, Wien, Zürich, 1. Auflage, 1971,
Band 2 Alv-Atz, Seite 882
(14) Zitat vgl. Hug, Wolgang, Hoffmann,
Joachim, Krautkrämer, Elmar, Bahl, Franz und Danner, Wilfried: Unsere
Geschichte, Von der Zeit des Imperialismus bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main,
1. Auflage, 1986, Seite 170
(15) Zitat s. a.a.O., Seite 170
(16) Zitat vgl. a.a.O., Seite 211
(17) Zitat s. a.a.O.,
Seite 209
(18) Zitat s. a.a.O., Seite 203
(19) Zitat vgl.
Schnell, Ralf: Die Politisierung der Literatur (1961-68), in: Beutin, Wolfang,
Ehlert, Klaus, Emmerich, Wolfgang, Hoffacker, Helmut, Lutz, Bernd, Meid, Volker,
Schnell, Ralf, Stein, Peter und Stephan, Inge: Deutsche Literatur Geschichte,
Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart, 2. überarbeitete und
erweiterte Auflage, 1984, Seite 528-529
(20) Zitat s. a.a.O., Seite
529
(21) Zitat s. a.a.O., Seite 530
(22) Zitat s.
Bibliographisches Institut: Schüler-Duden, Die Literatur, Ein Sachlexikon
für die Schule, Mannheim, 1. Auflage, 1980, Seite 108
(23) Zitat
s. Kipphardt, Heinar: In der Sache J. Robert Oppenheimer, Ein Stück und
seine Geschichte, Reibeck bei Hamburg, 1. Auflage, Werksausgabe, 1987, Seite 35
und 36