Klassenarbeit Nr. 4 März 1998
Daniel Penk Klasse
9c
Theodor Fontane, “John
Maynard”
- Beschreibe die äußere Form des
Gedichts, bestimme seine Gattung.
- Fasse den Inhalt kurz zusammen.
- Interpretiere, äußere deine Gedanken
zum Gedicht.
- Wie gefällt dir das Werk?
Urteile.
- Die Ballade “John Maynard” von
Theodor Fontane enthält neun Strophen mit unterschiedlich langen Zeilen.
Fontane verwendet dabei aber immer den Kreuzreim (AB). Die Ballade erkennt man
daran, daß lyrische, epische und dramatische Elemente vereint wurden. Es
ist eine Erzählung (episch) in der Form eines Gedichtes (lyrisch) und es
enthält Dialoge (dramatisch). Es ist typisch für Fontane, daß er
einzelne Strophen mit Dialogen mischt oder daß sogar einzelne Strophen nur
aus Dialogen bestehen (Strophe 1,7). Auffallend sind auch die vielen
Wiederholungen des Namen John Maynard. Fontane macht auch von dem literarischen
Mittel Gebrauch, innerhalb einer Strophe die Zeilen mit denselben Wörtern
beginnen zu lassen (Zeile 5 Am, Zeile 2 Er, Zeile 4 Ein, Zeile 6 Der, Zeile 7
Und, Zeile 10 Ein, Zeile 11 Er). Der Rhythmus der Ballade ist
unregelmäßig, hat jedoch trotzdem einen: meistens folgt auf mehrere
Senkungen eine Hebung. Die Strophe 3 enthält eine der berühmten
Beschreibungen Fontanes. Er vergleicht dabei z.B. das Schiff mit einer Schwalbe,
die geschwind über das Wasser hinwegfliegt.
- Die Ballade “John Maynard” von
Theodor Fontane handelt von einem Schiffsunglück, bei dem der Steuermann
John Maynard ums Leben kommt und so zum tragischen Helden wird.
Ein Schiff befindet sich auf dem Weg von Detroit nach Buffalo, als zwanzig
Minuten vor der Ankunft in der Schiffskajüte ein Feuer ausbricht. Der
Steuermann John Maynard aber trotzt dem Flammen und bugsiert das Schiff noch zum
rettenden Ufer, muß aber letztendlich doch sein Leben lassen und wird nun
als Held gefeiert.
- John Maynard ist ein Held, ohne Frage. Er starb
und rettete dafür die Leben vieler Menschen. Er starb sehr jung, machte
sich aber trotzdem unsterblich in den Köpfen der Menschen . Aber ist das
ein erfülltes Leben ? Er hatte noch sein Leben vor sich. Aber er wurde
geopfert. Der Kapitän und das jubelnde Schiffsvolk sind mitverantwortlich
für seinen Tod, wenn nicht sogar schuld. Das jubelnde Schiffsvolk
drängte John Maynard praktisch zu seiner selbstlosen Heldentat. In diesem
Moment war es dem Volk aber egal , was mit Maynard geschah. Sie benutzten ihn
nur, um ihre eigenen Seelen zu retten. Und nun verehren sie ihn als Helden und
weinen um ihn. Vielleicht weinen sie sogar über sich selbst. Fontane
verarbeitet in der Ballade sicher auch seine Erfahrungen, die er im Krieg
gemacht hat. Dort haben andere Menschen auch über das Schicksal einzelner
geherrscht und tote Soldaten wurden als Helden, die für ihr Vaterland
starben, gefeiert. Das tragische Schicksal dieser Männer wurde dabei
übergangen. Darauf wollte Fontane aufmerksam machen und die Menschen zum
Nachdenken anregen.
- Ich bin der Meinung, daß Fontane mit
“John Maynard” eine sehr gute, vielschichtige Ballade gelungen ist.
Fontane verwendet sehr knappe Dialoge aber diese charakterisieren die
Betreffenden sehr genau. Besonders die Einstellung Maynards wird durch die
“Ich halte drauf hin” Wiederholung sehr deutlich. Wenn man die
Ballade genau analysiert, erschließen sich immer neue Zusammenhänge,
bis letztendlich sogar ein Transfer auf die heutige Zeit möglich ist. Dies
ist Fontane geradezu meisterlich gelungen. Außerdem ist die Ballade sehr
gesellschaftskritisch, ohne dabei mit erhobenem Zeigefinger zu erzählen. Es
beruht alles auf wahren Tatsachen, was es so authentisch macht. Im Grunde
genommen schreibt Fontane nur Fakten nieder und übt dabei trotzdem Kritik
an der (heutigen) Gesellschaft und speziell am Heldentum aus. Das macht die
Ballade so einmalig und unerreicht. Fontane schrieb dies zu einer Zeit, in der
das Heldentum gefeiert und respektiert war. Das zeigt, daß er sich nie
einem gesellschaftlichen Zwang angepaßt
hat.