Bilder von Goethe bzw. Folien mit Bildern
kann ich auf Anfrage per E-Mail
schicken.
Pötscher Florian
Dammstraße 14
2632 Wimpassing
AUSTRIA
f_poetscher@hotmail.com
Wir möchten heute über “Götz von
Berlichingen” von Johann Wolfgang von Goethe sprechen. Es ist ein Drama
über einen Raubritter, der Selbstjustiz verübt.
Johann Wolfgang von Goethe
Biographie
Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des
Juristen Johann Caspar Goethe und seiner Frau Katharina Elisabeth in Frankfurt
am Main geboren. Goethe wuchs in einem vermögenden und kultivierten
Elternhaus auf und erhielt Privatunterricht von Hauslehrern. In seiner Jugend
wurde er Augenzeuge bedeutender historischer Ereignisse, wie der Unruhen des
Siebenjährigen Krieges. Bereits in frühen Jahren traten die
intellektuellen, dichterischen und schauspielerischen Begabungen Goethes hervor,
der jedoch auf Wunsch des Vaters die juristische Laufbahn einschlug und 1765 bis
1768 in Leipzig Rechtswissenschaften studierte. In philosophischen und
literaturgeschichtlichen Vorlesungen (u. a. bei Gottsched) kam er
außerdem mit Gedankengut und Poetik der Aufklärung und Empfindsamkeit
(Lessing) in Berührung.Im August 1771 eröffnete Goethe eine Kanzlei in
Frankfurt, beschränkte jedoch bewußt seine juristischen
Geschäfte, um Zeit für die Vollendung der in Straßburg
begonnenen dichterischen Versuche zu gewinnen, darunter die Urfassung des
Götz-Dramas .
1775 übersiedelte Goethe nach Weimar. Die
sächsische Residenzstadt genoß damals bereits einen Ruf als
“Musenhof”, an dem die bedeutende Persönlichkeiten des
deutschen Geisteslebens vereint waren.
Mitte 1794 traf Goethe auf Schiller. In der
Zusammenarbeit der beiden Dichter entwickelte sich der an Antike und Renaissance
orientierte Stil der “Weimarer Klassik”, wobei Goethe die
Objektivität der wissenschaftlichen Naturbetrachtung einbrachte, Schiller
dagegen die kritische Sittlichkeitslehre Kants. Ausführlich befaßten
sich beide mit der Theorie der literarischen Gattungen, u. a. mit der
Ballade. Trotz des intensiver werdenden Gedankenaustausches mit dem Kreis der
Jenaer Romantiker blieb Schiller die wichtigste Bezugsperson, und sein Tod im
Mai 1805 bedeutete eine schmerzliche Zäsur im Leben Goethes. Der
umfangreiche Briefwechsel der beiden Weggenossen bezeugt die Intensität der
geistigen Beziehung und des freundschaftlichen Verhältnisses und zählt
zu den eindrucksvollsten Zeugnissen dieser Art in der deutschen Literatur. Im
Epilog zu Schillers Glocke (1805) setzte Goethe dem Verstorbenen ein
einfühlsames literarisches Denkmal.
Goethe starb am 22. März 1832 in seinem Haus
am Frauenplan und wurde an der Seite Schillers in der Weimarer Fürstengruft
beigesetzt.
Götz von Berlichingen
Gottfried von Berlichingen war in Wirklichkeit ein
Reichsritter der von 1480 bis 1562 lebte. Berlichingen wurde in Jagsthausen bei
Heilbronn geboren. Im Landshuter Erbfolgekrieg verlor er 1504 die rechte Hand,
die er durch eine kunstvolle eiserne Prothese ersetzen ließ. Er war an
großen Fehden gegen die Städte Nürnberg und Köln und den
Bischof von Würzburg beteiligt und wurde zweimal, 1512 und 1518,
geächtet. Im Dienst Herzog Ulrichs von Württemberg kämpfte er
gegen den Schwäbischen Bund, wurde 1519 gefangengenommen und blieb bis 1522
in Heilbronn inhaftiert. Im Bauernkrieg übernahm Berlichingen 1525
erzwungenermaßen die Führung der fränkischen Bauern, ließ
jedoch seinen Trupp vor der entscheidenden Schlacht im Stich. 1542 focht er
für Kaiser Karl V. gegen die Türken und 1544 gegen Frankreich.
Berlichingen starb auf Burg Hornberg bei Neckarzimmern. Seine
Lebenserinnerungen, die 1731 herausgegeben wurden, dienten Goethe als
Quelle.
Das Drama
Es spielt in Süddeutschland in der ersten
Hälfte des 16. Jahrhundert
Uraufgeführt wurde es1774 in
Berlin
Es existieren mehrere Fassungen, mit zum Teil sehr
unterschiedlichen Schauplätzen.
Die erste Fassung schrieb Goethe 1771 innerhalb von 6
Wochen. Die Handschrift ist erhalten, der erste Druck erfolgte erst 1832 bei
Goethes Tod. In der Umarbeitung von 1773 hat Goethe einzelne Szenen in den
ersten vier Akten geändert, der fünfte Akt wurde tiefgreifend
geändert, viele Schauplätze wurden gestrichen.
1804 nahm Goethe eine Umarbeitung des Götz für
die Weimarer Bühne vor, deren Uraufführung jedoch 6 Stunden dauerte,
daraufhin nahm er einige Kürzungen vor.
Personen
In diesem Stück treten für die damalige Zeit
verhältnismäßig viele Personen auf.
Die wichtigsten sind:
Götz von Berlichingen: ist der oben
erwähnte Raubritter
Elisabeth seine Frau: dient im Stück nur als
Stellvertreterin für Götzes Ehefrauen
Karl sein Söhnchen: verkörpert seine 10
Kinder
Bischof von Bamberg, Abt von Fulda: Sie sind in
dem Stück Repräsentanten der Reichsfürsten, die allein am Ausbau
ihrer Territorien interessiert sind, ihr geistlicher Rang ist dabei
unwichtig
Weislingen: ist ein Repräsentant der
Reichsritter, die ohne Rücksicht auf ihre reichsunmittellbare Stellung sich
in den Dienst der Reichsfürsten stellen
Hans von Selbitz: Ein Freund und Verbündeter
von Götz, er existierte wirklich. Er ist ein Vertreter des
Unabhängigkeitsideals der Reichsritter wie auch Götz
Franz von Sickingen: ist im Drama Götz
Schwager. Er will tiefgreifende Änderungen in seinem Stand
erzwingen.
1.Akt
Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (er
trägt eine Prothese weil seine Hand im Kampf abgeschlagen wurde) liegt mit
dem Bischof von Bamberg in Fehde. Wie man zu Anfangs erfährt sind die
Bauern und auch einfache Klosterbrüder auf der Seite von Götz und
gegen den Bischof, der nur seinen Einfluß vergrößern will.
Weislingen, der an den Hof des Bischofs kommen soll weil er Einfluß beim
Kaiser hat, wird von Götz auf dessen Burg Jagsthausen entführt.
Weislingen war früher ein Freund von Götz, er ist nun aber ein
Untergebener des Bischofs von Bamberg, während Götz auf seine
Unabhängigkeit besteht, sich aber nur als Raubritter am Leben erhalten
kann. Götz will Weislingen zu seiner rechten Hand machen.
Leseprobe: Gespräch zwischen Weislingen und
Götz 22-1 bis 23-12Weislingen verliebt sich in Maria, Götzes
Schwester, die beiden verloben sich, er verspricht Götz zu helfen.
Franz, Weislingens Knappe, erzählt ihm aber von der
Schönheit der Adelheid von Walldorf; um ihn so zu überreden wieder an
den Hof zu kommen; er bringt ihn auch dazu an seinem Entschluß zu
zweifeln.
2.Akt
Der Bischof will Weislingen zurück an seinen Hof
haben und beauftragt Liebetraut ihn zu holen. Liebetraut benutzt Adelheids
Schönheit als Lockvogel und bringt Weislingen so dazu zum Bischof
zurückzukehren.
Götz und Hans von Selbitz, der nur ein Bein hat,
haben inzwischen mit den Nürnbergern eine Fehde angefangen. Als sie
erfahren, daß Weislingen mit Liebetraut zum Bischof geritten ist, schicken
sie den verkleideten Georg zu ihnen, um zu erfahren, ob Weislingen seine
Versprechen halten würde.
Der Bischof kann Weislingen nicht überreden zu
bleiben, aber als Weislingen Adelheid besucht, bringt diese ihn dazu zu bleiben.
Sie verspricht Weislingen, ihn zu heiraten, wenn er sich beim Kaiser dafür
einsetzt, daß sie ihre Güter wieder
zurückbekommt Leseprobe: Gespräch zwischen
Weislingen und Adelheid 50-29 bis 51-37. Weislingen ist von ihrer Schönheit
geblendet und denkt nicht mehr daran Götz zu helfen.
Georg berichtet Götz, daß Weislingen
bundbrüchig geworden ist und Maria nicht heiraten wird. Es kommt zum Kampf
zwischen Götz und den Nürnbergern.
3.Akt
Die Nürnberger Kaufleute beschweren sich beim
Kaiser über Götz und seine Überfälle. Der Kaiser
beschließt auf Weislingens Anraten, Götz und seine Kumpane gefangen
nehmen und Urfehde (ein Schwur, keine Fehden mehr zu führen) schwören
zu lassen.
Sickingen verlobt sich mit der von Weislingen
sitzengelassenen Maria, sie heiraten auf Jagsthausen. Da über Götz das
Todesurteil verhängt wurde, befiehlt er Sickingen und Maria die Burg zu
verlassen.
Es kommt zur Schlacht zwischen Götzes Reitern und
denen des Kaisers, in deren Verlauf Selbitz zu Götz stößt und
ihm hilft – Götz gewinnt anfangs doch schließlich wird
Jagsthausen belagert. Die Belagerer verlangen, daß er sich ergibt, doch
Götz weigert sich, sich als Räuber hinzustellen.
Leseprobe: Gespräch zwischen Götz und dem
Trompeter 72-20 bis 73-3Nach längerer Belagerung ziehen die Kaiserlichen
Ritter vermeintlich ab, als Götz aber fort reiten will, wird er
gefangengenommen.
4.Akt
In Heibronn soll Götz nun Urfehde schwören. Er
will dies zwar tun, möchte aber zuerst etwas über den Verbleib seiner
Gesellen erfahren. Als man ihm nichts sagt, wird er zornig. Als er den Text des
Schwurs hört: “...da ich mich neulich gegen Kaiser und Reich
rebellischerweise aufgelehnt” weigert er sich zu schwören, da er kein
Rebell sei. Bürger wollen ihn festsetzen, aber er kann sich zur Wehr
setzen. Als er kurz vor dem Zusammenbruch steht, meldet man, daß Sickingen
mit 200 Reitern im Anmarsch ist. Die Bürger flehen Götz um Gnade an.
Dieser läßt Sickingen ausrichten, die Stadt zu besetzen. Götz
will nur ritterliches Gefängnis doch Sickingen will mehr erreichen,
Götz soll wieder auf seiner Burg wohnen
dürfen
Leseprobe:
Gespräch zwischen Götz und Sickingen 85-1 bis 86-30.
Adelheid und Weislingen sind inzwischen verheiratet,
aber Franz, Weislingens Knappe, hat sich in sie verliebt, er hofft sie erobern
zu können.
Götz lebt wieder auf seiner Burg und schreibt seine
Lebensgeschichte, seine Knappen gehen jagen und berichten ihm vom
Bauernaufstand.
5.Akt
Der Bauernaufstand ist inzwischen in vollem Gange, die
Bauern ziehen plündernd und brandschatzend durchs Land. Sie wollen einen
neuen Anführer – Götz. Götz weigert sich zuerst sein Wort
– nicht mehr zu kämpfen – zu brechen, aber die Bauern drohen
ihm, seine Burg zu zerstören und ihn zu töten. Schließlich
willigt er ein, vier Wochen ihr Anführer zu sein. Weislingen will Adelheid
zwingen, den Hof zu verlassen und auf seine Burg zu ziehen. Sie weigert sich
aber und bringt Franz dazu, Weislingen zu vergiften. Die Bauern befolgen die
Anweisungen von Götz nicht, und brennen weiterhin Dörfer ab, Götz
will sich beschweren, doch man warnt ihn, daß er ermordet werden
könnte. Die Bauern werden gefangengenommen, Götz muß vor
Weislingen und seinen Reitern flüchten, er wird verwundet und
schließlich gefangen.
Maria besucht Weislingen, sie überredet ihn das
Todesurteil Götzes zu zerreißen. Franz vergiftet Weislingen, er
stirbt in den Armen Marias. Franz begeht Selbstmord indem er aus dem Fenster
springt, Adelheid wird von einem Gericht zum Tode durch Strang und Schwert
verurteilt.
Götz sitzt nun in Heilbronn im Turn, Georg ist tot,
er weiß aber nichts davon; seine Frau Elisabeth besucht ihn, sie gehen in
den Garten, er erfährt daß Georg einen Heldentod gestorben ist, er
stirbt mit den Worten “Freiheit,
Freiheit”.
Leseprobe: letztes Gespräch
Deutung
Goethes Dramenfigur Götz von Berlichingen ist ein
“Selbsthelfer”, der kraftvoll, selbstbewußt und trotzig seine
Rechte verteidigt, die ihm die Gesellschaft verweigert. Er will aus sich heraus
politische, gesellschaftliche und konventionelle Grenzen sprengen, geht dabei
aber unter.
Mit Götz stirbt ein ganzes Zeitalter, der
fürstliche Absolutismus; die moderne bürokratische Herrschaft der
Territorialfürsten, also die “neue Zeit”, ist nicht
aufzuhalten.
Inhaltlich stehen zwei Rechtssysteme gegenüber, das
Lehensrecht der alten Zeit, aufgebaut auf wechselseitiger Treueverpflichtung,
das Götz repräsentiert, und das neue römische Recht, ein
Untertanenrecht, das auf Befehl und Gehorsam aufgebaut ist.
Ich hoffe, unser Referat hat euch
gefallen.
Götz von
Berlichingen
mit der
eisernen Hand
Ein Schauspiel in fünf
Akten von J. W. von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832),
Dichter, Kritiker und Naturforscher. Goethe ist die bis heute bedeutendste
Gestalt der deutschen Literatur, die nicht nur innerhalb ihrer Epoche von
großem Einfluß war und ihr den Namen gab (Goethezeit), sondern
darüber hinaus für folgende Generationen zum Inbegriff deutscher
Geistigkeit wurde.
Die Entstehung des Stücks:
Goethe dramatisierte die Geschichte Gottfriedens von
Berlichingen mit der eisernen Hand.
Entstanden 1771-73
Erstausgabe der Originalversion 1832, der 2.
Fassung 1773
Uraufführung (2. Fassung):
12.4.1774 in Berlin
Personen
Kaiser Maximilian
Götz von Berlichingen
Elisabeth, seine Frau
Maria, seine Schwester
Karl, sein Söhnchen
Georg, sein Bube (Knappe)
Bischof von Bamberg
Weislingen
Adelheid von Walldorf
Liebetraut (die letzten drei gehören zum Hofe des
Bischofs)
Abt von Fulda
Olearius, Doktor beider Rechte
Bruder Martin
Hans von Selbitz
Franz von Sickingen
Lerse
Franz, Weislingens Bube
Kammerfräulein der Adelheid
Metzler, Sievers, Link, Kohl, Wild (diese fünf sind
Anführer der rebellischen Bauern)
Max Stumpf, pfalzgräflicher Diener
Hoffrauen und Hofleute am Bambergischen Hofe
Kaiserliche Räte Ratsherren von Heilbronn
Richter des heimlichen Gerichts
Zwei Nümberger Kaufleute
Ein Unbekannter
Brautvater und Bräutigam (Bauern)
Berlichingsche, Weislingsche und Bambergische Reiter
Hauptleute, Offiziere und Knechte von der Reichsarmee
Schenkwirt, Gerichtsdiener
Heilbronner Bürger
Stadtwache
Gefängniswärter
Bauern
Zigeunerhauptmann
Zigeuner und Zigeunerinnen
Inhaltsangabe
Ort und Zeit: Süddeutschland, erste
Hälfte des 16. Jahrhunderts
1. AKT
Götz von Berlichingen (er trägt statt einer im
Kampf eingebüßten Hand eine eiserne Faust) und der Bischof von
Bamberg liegen in Fehde; die aufrührerischen Bauern stehen auf der Seite
des Ritters. Es gelingt Götz, Weislingen, einen mächtigen
Günstling des Bischofs (zugleich des Ritters früherer Freund), in
seine Gewalt zu bringen. Er nimmt ihn mit auf seine Burg, wirft ihm vor,
daß er lieber Pfaffenknecht als freier Ritter sein wolle. Weislingen kommt
zur Einsicht, und Götz verlobt ihn mit seiner Schwester Maria. Auch
Götzens edle Hausfrau Elisabeth begünstigt den Bund. Doch Weislingen
wird schon wieder wankend, als sein aus Bamberg kommender Knappe Franz ihm in
glühenden Farben die Schönheit Adelheids von Walldorf malt, die
inzwischen an den Bischofshof gekommen ist.
2. AKT
Liebetraut, ein Vertrauter des Bischofs, erbietet sich,
Weislingen nach Bamberg zu locken.
Es gelingt ihm, und, wie vorausgesehen,
verfällt Weislingen der schönen Adelheid. Im Grunde spielt sie nur mit
ihm, sagt ihm aber ihre Hand zu, wenn er beim Kaiser für die gemeinsame
Sache eintrete. Götz hat seinen jungen Knappen Georg verkleidet nach
Bamberg geschickt und erfährt Weislingens Treubruch. Er selbst steht mit
dem einbeinigen Selbitz in Fehde gegen die Nürnberger.
3. AKT
Auf die Beschwerde Nürnberger Kaufleute, die
Götz überfallen hat, wird der Ritter mit der eisernen Hand in die
Reichsacht erklärt. Zwischen Adelheid und Weislingens Knappen Franz
entspinnt sich eine Liebelei. Inzwischen ist Götz nach anfänglichen
Kampferfolgen auf seine Burg Jaxthausen zurückgedrängt worden. Franz
von Sickingen wirbt um die von Weislingen schmählich verlassene Maria und
wird mit dieser auf Jaxthausen getraut. Dann aber verlassen die beiden auf
Götzens Verlangen die Burg. Elisabeth bleibt bei ihrem Mann. Ein Trompeter
der Belagerer fordert im Namen seines Hauptmanns, Götz solle sich ergeben.
Hier die Antwort Götzens, die bekannter ist als das Stück selbst:
»Mich ergeben! Auf Gnad und Ungnad! Mit wem redet ihr! Bin ich ein
Räuber! Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich,
wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich ...«
(schmeißt das Fenster zu.) Es steht schlecht um die Belagerten. Endlich
gewährt man ihnen freien Abzug, hält aber die Zusage nicht.
4. AKT
In Heilbronn soll der festgesetzte Götz Urfehde
schwören. Er ist bereit, wird jedoch zornig, weil man ihm nichts über
seine Kampfgenossen mitteilt. Als der Text des Schwurs ihn als Rebellen gegen
Kaiser und Reich bezeichnet, fährt er vollends auf: das beschwört er
nicht. Als Bewaffnete den Tobenden fest nehmen wollen, jagt sie der
Eisenfäustige zurück. In höchster Not kommt Schwager Sickingen
mit zweihundert Reitern. Vor seinem Zorn weichen die Heilbronner Bürger.
Götz wünscht ritterliches Gefängnis, aber Sickingen, der auf sein
gutes Verhältnis mit dem Kaiser baut, verlangt mehr. Götz zieht sich
auf seine Burg zurück, wird Ruhe halten und warten. Seine Knappen Georg
und Lerse jagen, er selbst schreibt, um über die Untätigkeit
hinwegzukommen, seine Lebensgeschichte. Weislingen und Adelheid haben die Ehe
vollzogen; doch ihre Pläne haben sich noch nicht verwirklichen lassen. Der
feurige Knappe Franz sieht sich dicht vor dem Ziel seiner Wünsche bei
Adelheid.
5. AKT
Der Bauernkrieg mit all seinen Schrecken ist entbrannt;
Götz ist Führer der Rebellen. Weislingen will Adelheid zur Abreise
zwingen; doch sie fügt sich nicht, sondern stiftet den verliebten Franz an,
ihren Gemahl zu vergiften. Tief erschüttert ist der todkranke Weislingen
durch den Besuch der von ihm verlassenen Maria. Er rafft sich auf, vernichtet
das Todesurteil gegen Götz und stirbt. Franz bereut die Untat an seinem
Herrn und stürzt sich aus dem Fenster. Adelheid wird durch das Gericht
wegen Ehebruchs und Anstiftung zum Mord zum Tode verurteilt. Inzwischen wurde
Götz, dem die Führung der aufständischen Bauern aus den
Händen geglitten war, im Felde besiegt und gefangen. Völlig gebrochen
sitzt er zu Heilbronn im Gefängnisturm. Auch Elisabeth kann den
geschlagenen Mann nicht aufrichten. Sie, Maria und Lerse stehen um ihn,
während er stirbt. »Freiheit! Freiheit! « sind seine letzen
Worte.
Deutung
Goethes Dramenfigur Götz von Berlichingen ist ein
“Selbsthelfer”, der kraftvoll, selbstbewußt und trotzig seine
Rechte verteidigt, die ihm die Gesellschaft verweigert. Er will aus sich heraus
politische, gesellschaftliche und konventionelle Grenzen sprengen, geht dabei
aber unter.