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Referat

Titel15. Szene Mozarts "Don Giovanni" 
Autortchaikovsky@gmx.de 
Anzahl Worte2947 
SpracheDeutsch 
ArtReferat 
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

Arbeitsauftrag:
Kommentieren Sie die 15. Szene aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ KV 527!

In der Oper „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart geht es um einen „sehr leicht-fertigen, jungen Edelmann“, der ein Leben führt, das anscheinend darauf abzielt, mit so vielen Frauen wie möglich zu schlafen. Er hat einen Diener namens Leporello, den er schlecht behandelt und mit solchen unangenehmen Aufgaben wie der Hilfe bei der Verführung seiner Frauen beauftragt. Als der Edelmann Donna Anna, die Schwiegertochter eines Mannes namens Komtur, verführt hat, fordert ihn dieser zum Duell heraus. Don Giovanni trifft den älteren Komtur tödlich. Einige Zeit und einige Frauen später lädt Giovanni aus Überschwang eine zum Andenken an den alten Mann errichtete Statue zum Essen ein. Die hier zu behandelnde Szene 15 schildert, wie die Statue diese Einladung tatsächlich wahrnimmt und den Mann auffordert, Reue für seinen Lebenswandel und seine Verbrechen zu zeigen und Besserung zu geloben. Leporello fordert seinen Herrn immer wieder auf, die Schuld, die er auf sich geladen hat, einzusehen. Als dieser stur bei seiner Entscheidung, er habe sich nichts vorzuwerfen, bleibt, kündigt der steinerne Komtur ein „Strafgericht“ an, welches dann auch in Form von Naturkatastrophen wie Feuer und Erdbeben eintritt und Don Giovanni verschlingt.

Die in der Handlung und im Text dargestellten Charaktere und Absichten der Figuren lassen sich auch an der musikalischen Gestaltung der Sing- und Orchesterstimmen nachvollziehen.

Der Gesang in dieser Szene wird ausschließlich syllabisch vorgetragen. Von Ornamenten oder Koloraturen hat Mozart weitestgehend abgesehen.

Komtur:

Der Gesang des Komtur weist als überwiegende Tondauern Halbe und Viertel auf. Wenn einmal Achtel auftreten, dann nur trochäisch mit vorausgehender punktierter Viertel. Diese relativ großen Tondauern lassen auf eine vergleichsweise geringe Aktionsdichte schließen. Bei seinen ersten Worten singt er z.B. nur durchschnittlich 2 Silben/Takt.
Die instrumentale Begleitung Komturs ist in der Regel trochäisch (punktierte Viertel + Achtel), was seine Worte eindringlich erscheinen läßt.
Am Text des Komtur ist auffällig, daß er als einzige der drei anwesenden Personen reimt. Dies weist einerseits auf seine Ruhe und Gelassenheit hin, andererseits aber auch auf den Sachverhalt, daß eine lebendige Statue eher in der Dichtung vorkommt als im realen Leben.

Don Giovanni:

Die im Gesang des Edelmannes vorherrschenden Tondauern sind 1/4 und 1/8. Dies weist auf eine vergleichsweise hohe Aktionsdichte hin, die sich bei seiner ersten Aussage auch schon deutlich herausstellt: er spricht er 31 Silben pro 5 Takte, also 6 Silben/Takt, was der dreifachen Aktionsdichte Komturs entspricht. Darüber hinaus läßt sich vielfach feststellen, daß Giovanni - besonders im Vergleich mit Komtur - die Pausen, die man erwarten würde, nicht voll ausschöpft, sondern vorher schon wieder beginnt zu reden. Generell macht er den Anschein, hastig zu sprechen. Beispielsweise wartet er nach dem eröffnenden Gruß Komturs nur eine Viertelpause, ehe er antwortet. Komtur läßt sich sogar innerhalb seiner eigenen Partien mehr Zeit und macht teilweise auch halbe Pausen. Diese Eile, ja sogar Hektik weist auf den Drang des jungen Schwerenöters hin, sich vor der eingeladenen Statue zu rechtfertigen.
Leporello:

Auch Leporello hat eine vergleichsweise hohe Tondichte, die ungefähr der seines Herren entspricht, teilweise sogar noch etwas darüber liegt. An seinem Text merkt man, daß er sich über die Lage Don Giovannis im Klaren ist („gnädiger Herr, wir sind verloren“; „alle Glieder schon zittern an mir“; „sagt, daß Ihr keine Zeit habt“). Seine Nervosität ist also nicht so beschaffen wie die Giovannis, der mit sich selbst nicht im Einklang ist, sondern ist „sachlicher“ Natur, da sie aus der Gefährlichkeit der Situation resultiert.

An der Gestaltung der drei Charaktere fällt auf, daß Leporello und Giovanni vielfach höhere Aktionsdichten ausführen als der versteinerte Komtur. Dies liegt wahrscheinlich daran, daß man als Statue nicht besonders beweglich ist und daß eine lebendige Statue die beiden nicht unerheblich einschüchtert.

Verlauf der Szene

Takte 1-4:

Die Eröffnungsakkorde der 15. Szene entsprechen fast denen der Ouvertüre. Durch diese Anspielung auf den Anfang der Oper wird darauf hingewiesen, daß jetzt, nach den vielen verschiedenen Szenen und Zwischenszenen (die Oper dauert über 2½ Std.!) eine Szene folge, die eine große und wahrscheinlich endgültige Rolle spiele. Die Eindringlichkeit der folgenden Vorgänge wird dadurch nahegelegt, daß - statt des ursprünglichen d-moll-Akkordes - ein d-verminderter Dreiklang angestimmt wird. Zusätzliche Spannung wird dadurch erzeugt, daß statt des ursprünglich doppelt im Baß gespielten Grundtones D das eine kleine Terz tiefer liegende H erklingt, wodurch die Bewegung auf das als Nächstes gespielte Cis - statt dem ursprünglichen Schritt abwärts - zu einer Aufwärtsbewegung wird. Das hat die Wirkung, daß der Drang zum Grundton und somit auch zu einem Ergebnis noch stärker erscheint. Der folgende Akkord - ursprünglich A-Dur - weist als zusätzlichen Ton ein G2 auf, was ihn zu einem Septakkord werden läßt und die wiederum die Spannung und Eindringlichkeit steigert.

Grußworte Komturs (Takte 4-11):

Hier singt Komtur in beständiger Abwechslung Viertel und Halbe. Hierin und überdies in den regelmäßigen Pausen, die Komtur einlegt, finden seine Standhaftigkeit und sein Selbstbewußtsein Ausdruck. Die harmonische Entwicklung - kadenzartig: d-moll, a-moll, g-moll, d-moll - verleiht seinem Auftreten Nachdruck und vermittelt zudem seine Rechtschaffenheit. Die Aktionsdichte beträgt hier 18 Silben auf 8 Takten, also kaum mehr als 2 Silben pro Takt. In der Orchesterbegleitung finden sich innerhalb eines Taktes ausschließlich die gleichen Akkorde und Tonstufen wieder, die Komtur bei seiner Rede unterstützen.

Grußworte Giovannis (Takte 12-17):

Abgesehen von den eben beschriebenen grundsätzlich auffälligen Verhaltensweisen Giovannis fällt hier auf, daß das Orchester, statt - wie bei Komtur - nur durch mehr oder weniger liegende Dreiklänge seine Ansprache zu unterstützen, in Aktion tritt und Sechzehn-tel spielt. Diese Bewegungen haben einen relativ geringen Ambitus (er erweitert sich im Laufe der Takte 12-17 von einer Quarte auf eine große Sexte) und spielen sich oft sogar in kleinen Sekundschritten auf- und abwärts ab, was der Zitterbewegung entspricht und die Nervosität des Edelmannes darstellt.

Flehen Leporellos (Takte 17-19):

Hier fällt die soeben bereits beschriebene noch etwas höhere Aktionsdichte auf: er singt 14 Silben auf 2, also 7 Silben pro Takt. Das liegt daran, daß er sich selbst die Gefährlichkeit der Situation eingesteht und die Frevelhaftigkeit der Aktionen seines Herren einsieht. Die Orchesterbegleitung ist nicht, wie im Falle Giovannis, melodisch aktiv; es werden in der Unterstimme des Klavierauszuges die Quinten der jeweiligen Dreiklänge als Viertel, in der Mittelstimme jedoch die Grundtöne doppelt, also eine Oktave voneinander entfernt als Sechzehntel, die durch eine Pause „eingerückt“ sind, gespielt. Hierdurch entsteht eine sich ergänzende, also komplementäre Rhythmik.

Ansprache Komturs (Takte 20-38):

Die ursprünglich vom Orchester gespielten eindringlichen Trochäen treten nun auch in der Singstimme auf, wodurch die Eindringlichkeit verstärkt wird. Das Unisono der Singstimme mit beiden Orchesterstimmen (Takte 22-23 und 26-27) weist darauf hin, daß Komtur selbst-bewußt und - im Gegensatz zu Don Giovanni - mit sich selbst im Einklang ist. In Takt 24 führt die Oberstimme des Klavierauszuges eine plötzliche und für die Partien Komturs ungewohnte 1/32-Bewegung aus. Das vermittelt die Bedrohlichkeit der Situation und des Handelns Komturs.
Mit den Worten „andre Sorgen“ treten die bereits aus der Ouvertüre bekannten Skalen-bewegungen auf- und abwärts wieder auf, die chromatisch aufwärts sequenziert werden (bei denen sich also der Ausgangs- bzw. Endton jeweils um eine halbe Stufe nach oben verschiebt), wodurch Seufzermotive eingearbeitet werden. Auffällig ist, daß diese Seufzer-motive synchron mit den Worten „andre Sorgen“ erscheinen, von denen hier das erste Mal die Rede ist (vorher ist nur über Belanglosigkeiten wie das Abendessen gesprochen worden). Sie unterstreichen also die Bekümmernis Komturs über das Leid, das von Giovanni zugefügt worden ist (er gibt selbst zu, aus diesem Grund bei dem Edelmann einge-kehrt zu sein) und räumen somit paradoxerweise dieser Statue Gefühle ein.
Zum Gesang Komturs ist zu sagen, daß dieser fast irrsinnig lange auf einem Ton verweilt. Langsam schiebt er sich in der Melodik höher und erweitert den Ambitus. Von Takt 30-33 singt er ausschließlich das a, dann bleibt er zwei Takte beim b und fällt, nachdem er noch einmal das c1 angestimmt hat, über das a auf das e zurück. Die langen Verweildauern auf einzelnen Tonstufen weisen darauf hin, daß Komtur standhaft ist und sich um keinen Preis von seinem Vorhaben abbringen lassen wird. Hierbei ist auffällig, daß sich die Harmonik wieder kadenzartig entwickelt, was seinem Handeln Nachdruck verleiht.

Reaktion Giovannis und Leporellos (Takte 38-41):

Hier ist eine erhebliche Veränderung der Aktionsdichten beider Figuren zu bemerken: Giovanni versucht sich zu beruhigen und den Komtur selbstbewußt nach seinen Absichten zu fragen. Seine Tondichte beträgt nur noch 3 Silben/Takt. Die Furcht des Dieners jedoch steigert sich: er singt jetzt auf 2 Takten 19 Silben, also fast 10 Silben/Takt. Auffällig ist, daß Leporello nun Triolen verwendet (3 Achtel auf einem Viertel), was kombiniert mit den Achteln seines Herren eine Polyrhythmik ergibt, die die Uneinigkeit zwischen den beiden hervorhebt.
Ansprache Komturs (Takte 42-45):

Neben der Tatsache, daß Komtur auf diesen 3½ Takten ausschließlich einen Ton singt, nämlich das aufgelöste h, und daß die für den Gesang des Komtur typische Metrik - Halbe mit nachfolgendem Trochäus, also punktierter Viertel und Achtel - in ausnahmslos jedem Takt wiederkehrt, fällt hier vor allem die Harmonik ins Auge: nach dem ursprünglichen a-moll Giovannis und seines Dieners stimmt die Statue hier das H-Dur an, das durch die Septime a erweitert ist. Dadurch und durch die generell weite Lage (Dreiklangstöne werden wieder doppelt, also jeweils eine Oktave voneinander entfernt im Baß gespielt) wird eine nicht geringe Spannung erzeugt. Nach diesem H-Dur werden die Töne A,H,E gespielt, wobei das A statt des eigentlich zu erwartenden gis gespielt wird, was wiederum die Spannung steigert, dann wird wieder zum H-Dur-Vierklang zurückgekehrt, und - wiederum eine kadenzähnliche Wirkung erzielend - wird jetzt der komplette E-Dur-Akkord angestimmt. Dies betont die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Worte Komturs („Piú tempo non ho“ ~ „ich habe nicht viel Zeit“).

Reaktion Giovannis und Leporellos (Takte 45-53):

Hier betont Don Giovanni ausdrücklich, daß er „bereit“ sei, mit Komtur zu sprechen. Auch er unternimmt den Versuch, durch das Ausführen von Kadenzen selbstbewußter zu wirken. Leporello indessen führt die ganze Zeit das zittrig-ängstliche Triolenmotiv aus, sowohl während der Worte Giovannis als auch während der Komturs. Daß er nun erstmalig gleich-zeitig mit dem Gast singt, was er bisher erfolgreich versucht hat zu unterlassen, läßt den Schluß zu, daß sich seine Angst steigert und er seine Umwelt nicht mehr richtig wahrnimmt. Die Motive der drei Akteure werden jeweils ein mal wiederholt.

Appell bzw. Einladung Komturs (Takte 53-69):

Schließlich spricht Komtur von seiner eigentlichen Absicht: er fordert Don Giovanni auf, ihm einen Gegenbesuch abzustatten (was ja auch seine eigentliche Absicht war, vgl. Duett 11. Szene). Es fällt auf, daß der einzige in den Takten 53 und 54 gespielte Ton das a ist (es wird in der Kontra-, großen und kleinen Oktave angestimmt, wobei die charakteristischen Trochäen den Einsatz Komturs ankündigen); der Hörer wird also auf a-moll eingestellt. Bei ihrem Einsatz in Takt 55 wird die Statue jedoch von einem wiederum spannungsgeladenen a-verminderten Septakkord begleitet, der wieder einmal eine extrem weite Lage aufweist (das a erstreckt sich bis in die Kontraoktave hinein). In der Einladung Komturs über die folgenden Takte moduliert er sehr oft: von a-moll über es-moll über f-moll über g-moll nach b-moll. Durch diese extrem großen Schritte lenkt der mahnende Komtur die Aufmerksamkeit auf sich und stellt seine Worte als äußerst wichtig und als eine große Rolle spielend dar.

Giovannis Annahme der Einladung (Takte 69-88):

Als Reaktion auf den Appell Komturs sieht Leporello die Gefahr in diesem und möchte ihr zunächst ausweichen. Dies bekundet er in einem kurzen Ausruf aus einiger Entfernung. Sein Ambitus beträgt eine verminderte Terz, also nur zwei Halbtöne Abstand, und er agiert sehr leise und zaghaft. Dadurch wird die örtliche Distanz verdeutlicht, aus der er spricht. Der appellative Charakter findet - im Gegensatz zum Trochäus des Komtur - in einem Daktylus Ausdruck (Takt 70), der nicht, wie der Trochäus, Rechtschaffenheit vermittelt, sondern die unmittelbare Notwendigkeit der Aktion nahezulegen versucht. In der Begleitstimme läßt sich wieder eine Komplementärrhythmik feststellen. Es fällt auf, daß Leporello im Gegensatz zu den beiden anderen Figuren nicht kadenziert. Dies ist als Anzeichen dafür zu deuten, daß er in dieser Situation nicht selbstbewußt und standhaft ist, sondern Angst hat und auch nicht, wie Don Giovanni, versucht, das zu überspielen.
In der Begleitstimme des folgenden Gesangs des Giovanni treten wieder die Sechzehntel-motive auf, die auch bei ihm Nervosität nahelegen. Er eignet sich die Trochäen seines Gegenspielers an, die er aber bald doppelt so schnell wie dieser (statt punkt. Viertel + Achtel verwendet er punkt. Achtel + Sechzehntel) singt, wodurch er aber statt eines ernsthaft-eindringlichen Tons eher einen etwas nervösen und hektischen erreicht In Takt 81-84 betont er, eine weitere Warnung des Leporello ignorierend, durch eine letzte Kadenz, daß er entschlossen sei, das Angebot Komturs anzunehmen.
Von einer monoton wirkenden g-moll-Harmonik, die sich von Takt 84-88 hinzieht, begleitet, vermittelt Komtur einerseits einen harmlosen Eindruck; durch ein sforzato bei seinem einmaligen Abweichen vom Grundton g (den er jetzt nicht mehr nur trochäisch, sondern auch - weniger eindringlich - spondäisch vorträgt) auf die Terz b für einen ganzen Takt erweckt er aber beim Zuhörer auch etwas Mißtrauen. In diesen Takten bittet er den Don Giovanni um „seine Hand zum Pfande“. Dieser antwortet sofort, ohne zu warten. Dieser Eifer ist wieder als Anzeichen für seine Nervosität und den Drang zur Rechtfertigung auszulegen.

„Più stretto“, Wortgefecht zwischen Giovanni und Komtur, Takte 89-121:

Nachdem er der Statue die Hand gegeben hat, nehmen die Ereignisse ihren Lauf: das Tempo wechselt vom anfänglichen Andante ins „Piú stretto“ (~ etwas angespannt), die Begleitstimme führt im Baß eine Sechzehntelbewegung aus und auf das die letzten Takte hindurch immer wieder betonte g-moll wird ein e-verminderter Septakkord gespielt. In Takt 92 weicht Komtur von seinem ursprünglichen Schema ab und singt trotz der Temposteige-rung sogar zwei Achtel, die zu einem Daktylus gehören, der hier - statt nur die trochäisch-moralische Bedeutung seines Anliegens zu vermitteln - auch die direkte Dringlichkeit nahe-legt, da Giovanni sonst körperliche Schmerzen erfährt. Überdies wird die Dynamik hier durch ein „crescendo“, ein Lauter-Werden, ein Heranschwellen bestimmt, das im nächsten Takt auch schon in ein forte ausbricht. Hier wird auch das erste Mal die irrsinnig schnelle, ruckartige 1/32-Aufwärtsbewegung im Baß ausgeführt, die in den nächsten 20 Takten alle zwei bis drei Takte wiederholt wird. Die Sechzehntelbewegungen in der Oberstimme werden bis Takt 115 unablässig wiederholt und grob sequenziert. Hierdurch wird eine immense Tondichte erreicht. Für die hohe Aktionsdichte in diesem Abschnitt ist aber auch die extrem hohe Anzahl der Modulationen verantwortlich: Auf diesen 25 Takten erfolgen ca. 20 Modulationen. Die Aktionsdichte ist hier aber nicht nur generell unglaublich hoch, sie nimmt im Verlauf des Abschnittes auch zu: die Worte Komturs und Giovannis, die inzwischen in ein erbittert-heftiges Streitgespräch geraten sind, werden jeweils immer kürzer, bis sie sich schließlich gegenseitig nur noch abwechselnd „Ja!“ und „Nein!“ zubrüllen. Während der ersten ca. 20 Takte des Abschnittes hält sich der Diener Leporello zurück, da er sich vermutlich nur noch, zu Tode erschreckt und zitternd, etwas entfernt vom Geschehen aufhält und von diesem total in Beschlag genommen wird. In Takt 113 jedoch stimmt er in die „Ja!“-Ausrufe des Komtur mit ein. Hier hat er eine Gelegenheit, seinen Herren wirksam zur Änderung seines Lebensstils aufzufordern, was er im bisherigen Verlauf der Oper bereits öfter, aber nie erfolgreich versucht hat. Als sich Don Giovanni, voll von Trotz, von allen Forderungen des Versteinerten nicht erweichen läßt, verkündet dieser, daß nun das Strafgericht für Giovanni nahe. In seiner Singstimme und im Baß der Instrumentalstimme werden hierbei Ganze, in der oberen Instrumentalstimme Achtel gespielt. Von punktierter Rhythmik ist hier nichts mehr zu bemerken. Das resultiert daraus, daß die Äußerungen Komturs hier nicht mehr appellativen, sondern lediglich informativen Charakters sind, daß der Versteinerte hier also die sich nähernde Ankunft der Bestrafung sachlich ankündigt. Auch harmonisch werden hier nicht mehr, wie in der Einladung Komturs in den Takten 53-69 (vgl. S.4), „Bocksprünge“ vollführt, sondern er verwendet eine mehr oder weniger regelmäßige, diesmal allerdings endgültig klingende Kadenz, bevor er abgeht. An dieser Stelle wechselt das Tempo zum

Allegro (Takt 122-170, Ende):

An dieser Stelle bricht laut den Regieanweisungen an verschiedenen Seiten der Bühne Feuer aus, und die Erde beginnt zu beben. In der instrumentalen Oberstimme fallen hektische, in sich abwärts, im Verlauf aber dreimal aufwärts sequenzierte Sechzehntel-motive auf, die möglicherweise die züngelnden Flammen darstellen sollen. Auch hier ist die Tondichte konstant sehr hoch, die Modulationsdichte aber etwas niedriger als im „Più stretto“-Teil, was darauf hinweist, daß dort noch etwas Wichtiges zu entscheiden war und eine Rolle spielte, im „Allegro“ aber die eigentliche Entscheidung schon passiert ist und nur noch die Ausführung des infernalischen Urteils folgt. Don Giovannis Metren sind nun vorwiegend Daktylen und Trochäen, die die Eindringlichkeit sowohl der moralischen als auch der tatsächlich-physikalischen Seite betonen. Wichtig ist der Einsatz des Männerchors in Takt 131, der - wie Komtur - anklagende Trochäen als Metrum und generell große Tondauern verwendet und von Text und Musik her wie Giovannis schlechtes Gewissen handelt. Giovanni selbst indessen leidet unsagbare Schmerzen, die Leporello kommentiert, wobei ersichtlich wird, daß er sie vor Angst nicht mit ansehen kann. Er verwendet nicht übermäßig viele punktierte Noten oder überhaupt einen selbständigen Rhythmus, sondern unterlegt die vordergründig-klagende Aktion seines Herren größtenteils durch gleichmäßige Viertel. Dieser Zustand hält über ca. 30 Takte ohne größere musikalische Entwicklungen an, die aber, um die Eindringlichkeit der Situation zu verschärfen, auch nicht benötigt werden. Vermutlich werden in diesem Abschnitt zudem bühnentechnische Spektakel verwendet, von denen sonst zu sehr abgelenkt würde.
In Takt 157 stößt Don Giovanni einen letzten, markerschütternden Schrei aus, er wird von den Flammen verschlungen, woraufhin auch Leporello schreit, schnelle Sechzehntel-Abwärtsbewegungen in der Oberstimme der Begleitung vermitteln eine Atmosphäre der Endgültigkeit, und die Coda der Szene spielt wiederum auf die Ouvertüre an, worin ihre über allen anderen Szenen stehende Wichtigkeit Ausdruck findet.




Literaturverzeichnis:

Mozart, Don Giovanni, Aufnahme PHILIPS 432 129-2 mit Solisten, dem Ambrosian Opera
Chorus, Academy of St Martin in the Fields, Sir Neville Marriner, London 7/1990

Mozart, Don Giovanni, Deutsche Bearbeitung von Georg Schünemann, Klavierauszug von
Kurt Soldan, Edition C.F. Peters 1940

Ende des Auszuges


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