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Referat

TitelBäder und Thermen im Alten Rom 
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SpracheDeutsch 
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

Bäder und Thermen im Alten Rom

Inhalt
1. Einleitung
  1. Bäder und Thermen im Alten Rom
  2. Ursprünge des römischen Bades
2.1.1. Das griechische Bad
2.1.2. Die Entwicklung der römischen Bäder
2.1.3. Exkurs: Hypokaustheizung
  1. Arten und Einrichtung der Bäder
  2. Die verschiedenen Typen der Bäder
  3. Einrichtung
  4. Badebetrieb und Kultur in den Thermen
2.3.1. Badebetrieb (mit Textstelle)
2.3.2. Badesitten
2.3.3. Finanzierung
2.4. Die Caracallathermen
  1. Anhang

1. Einleitung
Bei einem Bad nach römischem Vorbild steht nicht die Reinigung allein im Vordergrund. Es geht vielmehr um Erholung, Entspannung und Teilnahme am öffentlichen Leben. Die zentrale Fragestellung meines Referates lässt sich in drei Teile aufspalten:
  1. Wo liegt der Ursprung des römischen Badewesens?
  2. Wie waren die Thermen aufgebaut?
  3. Wie gestaltete sich der Badebetrieb?

2. Ursprung des römischen Bades
Seneca erwähnt bei der Beschreibung von Scipios Villa[1]:
„Man wusch sich damals zwar täglich Arme und Beine, an denen natürlich der Schmutz der Arbeit haftete; am ganzen Körper indessen badete man sich jede Woche nur einmal. Wie mögen sie gerochen haben! Nun, nach Waffenübung, nach Arbeit, kurz, nach Mannhaftigkeit! Seitdem die feinen Bäder erfunden sind, ist man viel schweinischer geworden.“
Trotz seines Kampfes gegen den Verlust altrömischer Tugenden und für einen maßvollen Lebensstil konnte Seneca die Entwicklung und Verfeinerung der römischen Thermen und Bäder nicht aufhalten.
„Aber jetzt? Gibt es einen, der es ertrüge, sich so zu reinigen? Dürftig dünkt sich ein jeder und armselig, wenn seine Wände nicht von großen, kostbaren Rundscheiben aus Marmor funkeln, wenn ihm nicht alexandrinische Marmortafeln mit Einlagen numidischen Steins verziert sind, wenn nicht überall eine mühevolle, kunstmässig abschattierte Tönung den Marmor am Rande gleichsam verbrämt; wenn die Deckenwölbung nicht hinter Glasmosaik versteckt liegt, wenn nicht weißer Marmor, einst ein seltenes Schaustück in diesem oder jenem Tempel, unsere Schwimmbecken umrandet, in die wir den durch ausgiebige Schwitzkur von allem Unreinen befreiten Körper tauchen; ja, wenn nicht silberne Speier das Wasser spenden".
Seneca zeigt uns hier, mit welcher Pracht, welchem Luxus die römischen Privatbäder bereits um 30 n.Chr. ausgestattet waren oder zumindest sein konnten. Seine Schilderung vergleicht das voll entwickelte Bäderwesen der frühen römischen Kaiserzeit mit den Gepflogenheiten zwei Jahrhunderte zuvor. Diese Quelle zeigt auch, daß das römische Bad eine lange Entwicklungszeit brauchte, bis es schließlich um die Zeitenwende herum zu derjenigen Institution geworden ist, als die wir es gemeinhin verstehen. Wie bei so vielen anderen „römischen“ Erfindungen, trifft auch hier Horaz’ Spruch "Graecia capta ferum victorem capit et artes / intulit agresti Latio" zu. Das liesse sich ungefähr folgendermassen übersetzen: „Das eingenommene Griechenland ergriff (Präsens) den rohen Sieger und brachte dem plumpen/ unkultivierten Latium die Künste.“ Die römischen Bäder blieben nämlich bis ins Zeitalter Neros so bestehen wie die Griechen es vorgemacht hatten.


2.1.2. Das griechische Bad
Die Griechen hatten ihre Badegewohnheiten von den alten Hochkulturen übernommen und sie ihren Bräuchen entsprechend umgeformt. Im griechischen Kulturkreis tauchen zum ersten Mal öffentliche Badeanlagen auf, die, neben kultischen Zwecken, auch der Körperpflege und der Behandlung von Krankheiten dienten. Spuren von grösseren Badeanlagen sind von Archäologen seit Mitte des 20. Jahrhunderts an mehreren Orten freigelegt worden. Wie ein solches Bad ausgesehen hat, zeige ich euch hier am Beispiel Olympias:
In Olympia wurde in den Jahren 1940/41 ein beheiztes Warmwasserbad ausgegraben. Es handelt sich dabei um das am weitesten entwickelte einer Reihe aus verschiedenen Epochen stammender Bäder. Die Entwicklung beginnt mit einer ziemlich primitiven Anlage vom Beginn des 5. Jh. v.Chr. In der 2. Periode besassen die Griechen schon einen Heizkanal, einen eingebauten, heizbaren Heißwasserkessel und eine Reihe von Sitzbadewannen. In der 3. Periode, die um 200 v. Chr. begann, gab es zum ersten Mal eine Hypokaustheizung, also eine Fussbodenheizung, auf die ich später noch eingehen werde. In der hellenistischen Zeit hat sich das Baden also grundlegend entwickelt

2.1.3. Die Entwicklung der römischen Bäder
In der frühen republikanischen Zeit stand für das Reinigungsbad nur eine Wanne zur Verfügung, die von Hand mit warmem Wasser gefüllt und entleert wurde. Die ersten römischen Bäder (balnea) vermutet man als Bäder von Privathäusern in Campanien, aufgrund der lokalen Warmwasserquellen. Der folgende Textausschnitt aus einem Brief Senecas[2] gibt Auskunft über ein solches Bad.


4. Vidi villam ... (et) balneum angustum, tenebricosum ex consuetudine antiqua: non videbatur maioribus nostris caldum nisi obscurum
8. In hoc balneo Scipionis minimae sunt rimae magis quam fenestrae muro lapideo exsectae [...]: at nunc blattaria vocant balnea, si non ita aptata sunt, ut totius diei solem fenestris amplissimis (Elativ: absoluter Gebrauch) recipiant, nisi lavantur simul et colorantur, nisi ex solio agros et maria prospiciunt.

4. Ich habe das Landhaus (gemeint ist dasjenige des Scipio) und (darin) das Bad gesehen, eng und dunkel, <wie> aus alter Gewohnheit (zu den alten Zeiten üblich): nichts ausser dem Dunklen/Düsteren schien unseren Vorfahren warm.
8. In diesem Bad des Scipio sind kleine Ritzen eher als Fenster aus der steinernen Mauer ausgespart [...]: jetzt aber nennt man <alle> Bäder "Ungezieferwinkel", wenn sie nicht so angelegt sind, dass sie die Sonne des ganzen Tages durch riesige Fenster aufnehmen (einlassen), wenn sie (die Badegäste) sich nicht gleichzeitig waschen und bräunen <können> <und> wenn sie nicht von der Badewanne aus das Land und das Meer betrachten <können>.

Man badete in engen Räumen in Wannen: meist muffig und dunkel. Das Badewasser war oft trübe und verschmutzt. Den entscheidenden Fortschritt in der Entwicklung der Bäder gelang mit der Einführung der Hypokaustheizung. Mit dem Prinzip der Unterbodenheizung eröffnete sich die Möglichkeit einer zentralen Wärmeregulierung für einzelne Wannen oder ganzer Räume. Als erste grosse Therme mit Hypokaustheizung gilt die Stabianertherme in Pompeji. Sie entstand ca. 150 v. Chr. als erste öffentliche Badeanstalt. In den folgenden Jahren gewannen die Thermen im Leben des Römers immer mehr an Bedeutung. Denn die Thermen förderten nicht nur das allgemeine Wohlbefinden sondern gelten auch als Mittelpunkt des mondänen Lebens in Rom.

2.1.4. Exkurs zur Hypokaustheizung (Unterbodenheizung)
Die Hypokaustheizung und die mit ihr verbundene Warmwasserbereitung erforderte in der hellenistischen, römisch-republikanischen Zeit eine relativ einfache Anlage. Die Bezeichnung hypokaustum und hypokausis deutet auf die Latinisierung griechischer Worte für die Befeuerung von unten bzw. die Erwärmung der Räume vom Fußboden her. Genau datieren lässt sich die Heizung bekanntlich nicht. Die ersten Hypokaustheizungen vermutet man heute in Olympia oder Gortys, um 200 v. Chr.


Die Schemaskizze zeigt das System der Hypokaustheizung. Vom tiefer gelegenen Heizraum aus wurde im praefurnium ein Feuer entfacht. Durch den Heizkanal gelangte die heisse Luft unter den auf Pfeiler gestützten Boden. Durch spezielle Wandheizungsziegel mit Hohlräumen wurden auch die Wände erhitzt.
Ihre fundamentale Bedeutung hat die Hypokaustheizung, weil erst sie es erlaubte, grössere Thermenanlagen zu bauen. Dank ihr gelang es erstmals grössere Wassermengen und Räume gleichmässig zu beheizen, was für eine Bäderanlage unerlässlich ist.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich die römischen Bäder immer weiter. Auf eine genaue Angabe, wann und wo sich eine neue Idee durchgesetzt hat, möchte ich hier verzichten. Vielmehr möchte ich auf die endgültigen Arten und Funktionen der Bäder eingehen.

2.2. Arten und Funktionen der Bäder
2.2.1. Die verschiedenen Bädertypen
In Städten und Gemeinden wurden Bäder für die Öffentlichkeit eingerichtet; an vorgeschobenen Außenposten bauten Militärarchitekten Garnisonsbäder; wo es heiße Quellen gab, sollte deren heilende Kraft in Thermalbädern genützt werden. Insgesamt werden römische Bäder in fünf Arten eingeteilt, die ich nun im Folgenden vorstellen werde. Unterschiede bestehen allerdings mehr im organisatorischen Bereich oder bei den Besuchergruppen, als in der Bauart.
Die für das Volk errichteten Bauten bilden die bedeutendste Gruppe der römischen Bäder, also die öffentlichen Bäder, die balnea publica und die Mietbäder, die balnea meritoria.
Zu den balnea publica gehören alle Bauten, die sich in öffentlichem Besitz befanden und die vom Volk unentgeltlich benutzt werden durften. Oft handelte es sich dabei um Gebäude, die von reichen Privatleuten oder später Kaisern gestiftet wurden. Als Pionier des Mäzenwesens dieser Art gilt Marcus Vipsanius Agrippa (63-12 v. Chr.), einflussreicher Freund und Schwiegersohn des Kaisers Augustus. Bereits im Jahre 33 v. Chr. begann er mit dem Bau von Wasserleitungen und Bädern in Rom. Alle Bäder in Rom, die bereits bestehenden sowie die neu erbauten, - damals waren es etwa 130 - standen unter der Ädilität Agrippas dem Volk offen, ohne dass Eintritt erhoben wurde. Berühmt waren die Agrippa-Thermen, die zwischen 25 und 19 v. Chr. erbaut und dem populus Romanus, dem römischen Volk, vermacht wurden. Doch nicht nur Kaiser stifteten prächtige Badanlagen. Auch normale Bürger gründeten Stiftungen um die Bäder für alle offen zu halten.
Die zweite Gruppe öffentlich benutzter Bäder bilden die balnea meritoria, also diejenigen Bäder, die auf gewisse Zeit einem Pächter, vermietet wurden. Durch eine erhaltene Bronzetafel[3] sind wir über ein solches Pachtverhältnis gut unterrichtet. Darauf sind die Bedingungen festgehalten, unter denen ein Pächter in einem kleinen Ort in Portugal das öffentliche Bad betreiben durfte. Er hatte täglich das Bad zu beheizen und es morgens den Frauen, nachmittags den Männern zur Verfügung zu stellen. Dafür durfte er als Eintrittsgeld von den Frauen 1 As, von den Männern 1/2 As kassieren, also nur kleine Beträge. Von noch geringeren Eintrittspreisen, nämlich einem Quadrans (1/4 As), erzählt Horaz[4].
Die beiden oben vorgestellten Gruppen öffentlich zugänglicher Bäder unterscheiden sich architektonisch kaum. Anders verhält es sich mit den Heilbädern, welche auch für die Öffentlichkeit gebaut wurden. Die Architektur musste oft den örtlichen Begebenheiten angepasst werden, da nur dort gebaut werden konnte, wo es Thermal- oder Mineralquellen gab.
Des weiteren erforderten Thermalquellen zum Beispiel weniger Heizungsanlagen und dafür erlaubten grössere Wasserbecken. In Baiae, einem Heilbadeort, wurde die Badanlage teilweise in den Fels gebaut.

Zu den nicht öffentlichen Bädern gehören in der Regel die Kastell- oder Militärbäder. Diese sind nicht aufwendig gebaut, doch fehlen die notwendigen Räumlichkeiten nicht. Das Bad des Saalburg-Kastells etwa, nur wenige Meter außerhalb des umwehrten Kastellbezirks gelegen, entspricht einer kompletten Anlage: aufeinanderfolgende Räume zum Auskleiden (A, apodyterium), ein Kaltbad (F, frigidarium), dann sogar zwei lauwarme Übergangsräume (T, tepidarium), sowie ein Heißbad (C, caldarium). Ein eigenes Schwitzbad (S, sudatorium) fehlt ebenso wenig wie die Wanne mit kaltem Wasser (P) oder eine Toilette (L, latrina).
Architektonisch unterscheiden sich die Militärbäder also nicht von öffentlichen Bauten. Durch neuste Ausgrabungen wird die Sonderstellung der Militärbäder als nichtöffentliche Bäder jedoch relativiert. Es scheint, daß zumindest gelegentlich auch die Zivilbevölkerung die Militärbäder mitbenutzen durfte.

Mosaik in Piazza Armerina
Zu den nichtöffentlichen Bädern gehören schließlich auch die Villenbäder. Ebenso wie bei den öffentlichen Bäderbauten gab es auch hier grosse Unterschiede in Grösse und Ausstattung, je nach Vermögen des Bauherrn. Die meisten Villenbäder sind integriert in den Komplex des Herrenhauses. Es gab aber auch freistehende Bäder, allerdings weniger zahlreich. Diese waren meist hinzu gebaut worden und hatten oft eine direkte Verbindung zur Villa. Eine besonders schöne private Anlage fand man in Piazza Armerina.

Einrichtung
Grundsätzlich erwartete der römische Badegast von einem Bad eine Kleiderablage, ein stufenweises Aufwärmen, anschliessende Abkühlung und ein Platz um Sport zu betreiben, die Palaestra. Zunächst begab sich der Badegast in das apodyterium um sich seiner Kleidung zu entledigen. Dieses war allerdings unbewacht und so wurde oft ein Sklave zur Bewachung zurückgelassen. Danach ging man ins frigidarium, welches nicht unterheizt war und über ein bis zwei Schwimmbecken verfügt.

Frauentherme von Augst


Rekonstruktion der Holzsandale
Das Frigidarium wurde nur durchschritten und erst am Ende des Bades zur Abkühlung benutzt. Die Becken des Frigidariums waren nur in den grösseren Thermenanlagen zum Schwimmen geeignet. Dafür baute man allenfalls, wie hier in Augst, eine natatio an. Zum ersten mal mit Wasser in Berührung kam der Badende im Tepidarium, auch cella media genannt. Im Tepidarium bereitete man sich auf das heisse Caldarium vor. Stets unterheizt war dieses der wärmste Raum mit dem wärmsten Wasser. Gebadet wurde in kleinen Wannen, da die Heizleistung für heutige Schwimmbecken nie ausgereicht hätte. Bisweilen wurde das Angebot durch ein kleines Becken mit kaltem Wasser, das Labrum erweitert. Die Temperatur[5] im Caldarium wird auf ca. 50°C geschätzt, das Wasser auf 40°C. Wegen der noch höheren Bodentemperatur von bis zu 60°C nimmt man heute an, dass die Römer Holzsandalen trugen. Ein weiteres wichtiges Element des römischen Bades war das Sudatorium, das Schwitzbad. Man besuchte es entweder vor oder nach dem Caldarium. Das Sudatorium darf aber nicht mit der heutigen Sauna gleichgesetzt werden. Die Luft wird von den antiken Autoren nämlich als trocken empfunden. Geheizt wurde im Raum drinnen, in einer Feuerstelle in der Mitte des rundgewölbten Sudatorium. Die Temperatur wurde durch den Öffnungsgrad einer Bronzeplatte vor einer Deckenöffnung reguliert. Dass das Sudatorium nicht jedermann Sache war, beweist folgende Äusserung[6] Senecas: "Was soll denn die Sache mit den Schwitzbädern, in denen heisse Luft eingeschlossen wird, um die Körper auszulaugen?"


2.3. Badebetrieb und Kultur in den Thermen
2.3.1. Badebetrieb
In den Badeanstalten herrschte ein buntes und geselliges Treiben. Ein reges Kommen und Gehen, Aufschreien und Spässe, Spiel und Sport prägten die Atmosphäre eines römischen Bades, vergleichbar mit öffentlichen Bädern heutzutage. Besonders eindrücklich ist das Stimmungsbild, das Seneca Lucilius übermittelt.[7]
Denk dir, von allen Seiten umdröhnt mich vielfältiger Lärm: Ausgerechnet oberhalb einer Badeanstalt wohne ich. Stell' dir nun alle Arten von Geräuschen vor, die einen so weit bringen können, dass man seine Ohren hasst: Wenn die Sportbeflissenen ihre Übungen machen und dabei ihre mit Bleihanteln beschwerten Fäuste schleudern, wenn sie sich anstrengen oder wenigstens so tun als ob, dann höre ich ihr Schnaufen; immer wenn sie den angehaltenen Atem ausstoßen, vernehme ich das Zischen und heftigstes Keuchen. Handelt es sich mal um einen Trägeren, der sich mit der plebejischen Massage begnügt, höre ich das Klatschen der auf die Schultern schlagenden Hand, die dabei, je nachdem, ob sie flach oder hohl auftrifft, so auch ein immer anderes Geräusch hervorbringt. Wenn aber ein Ballspieler dazukommt und anfängt, seine Treffer zu zählen, dann ist es aus.
Denke dir dann noch einen Streithammel und einen ertappten Dieb und einen, dem seine Stimme im Bad gefällt; nimm dazu die, welche unter fürchterlichem Aufklatschen ins Wasser des Schwimmbeckens springen. Außer diesen Menschen, deren Stimmen - normalerweise wenigstens - unverstellt sind, stelle dir einen Haarauszupfer vor, der, um sich besser bemerkbar zu machen, seine dünne und schrille Stimme hervorpresst und der nur dann schweigt, wenn er jemandem die Achselhöhlen leerzupft und so einen anderen statt seiner schreien lässt; ferner die verschiedenen Ausrufe eines Getränkeverkäufers, der Wurst- und Backwarenhändler und aller Gehilfen der Garküchen, die ihre Ware in einer bestimmten, individuellen Tonart feilbieten.
Der Philosoph Seneca schrieb diesen Brief aus Baiae, welches schon damals als Kur- und Heilbad bekannt war. Ebenso vielfältig und lebhaft darf man sich den Badebetrieb in den größeren Anlagen vorstellen, die sich in der Allgemeinheit grösster Beliebtheit erfreuten. Die Besucher gingen also nicht nur wegen der säubernden und heilenden Kräfte des Wassers in die Bäder, sie nutzten diese auch zur intensiven Körperpflege, zu der auch kosmetische Schönheitsbehandlungen gehörten, zur Entspannung und zum Spiel. Die ursprüngliche Funktion des Bades, Befriedigung eines hygienischen Bedürfnisses, wurde mehr und mehr ergänzt durch praktische Anwendungen und vergnügliche Unterhaltung. Nach der täglichen Arbeit kam man ins Bad, entspannte sich, erholte sich, tobte sich aus, ließ sich einen Imbiss schmecken oder trank Wein. All das wurde uns durch antike Autoren, wie Seneca überliefert. Eine Beschreibung Lukians[8] erwähnt gar eigene Restaurationsräume. Von Übertreibungen beim Essen und Trinken erzählt Plinius in seiner Naturkunde. Er prangert das Laster zu vielen Essens und Trinkens in den Bädern an; er habe schon Leute gesehen, teilt er mit, die durch unmässigen Konsum von Mineralwasser so aufgedunsen gewesen seien, dass man sie habe bandagieren müssen. Und Seneca[9] bemerkt lakonisch: „Trinken und Schwitzen ist das Leben Magenkranker“. Auch Ausschweifungen sind bezeugt. Beispielsweise Gelage wie diejenigen Neros, die sich bis tief in die Nacht hineinzogen und bei denen er sich zwischendurch immer wieder in den Bädern ernüchtert haben soll[10], fanden in ähnlicher Weise auch bei anderen Imperatoren statt. Es wurde geschlemmt, Völlerei betrieben, orgiastisch gefeiert. Man darf solchen Beispielen, die als Gerüchte ausgeschmückt wurden, allerdingsnur teilweise Glauben schenken.
Die Bäder hatten aber auch einen sozialen Charakter. Dass sie Treffpunkt aller Schichten waren, zeigt nichts deutlicher, als dass so mancher Kaiser pflegte, gemeinsam mit seinem Volk zu baden. Eine Anekdote in der Biographie des Kaisers Hadrian[11] erzählt folgendes: Einst habe ein Veteran sein Rücken an der Wand abgeschabt. Warum er das tue, fragte Kaiser Hadrian. Er habe keinen Sklaven dafür, war die Antwort. Sogleich gab Hadrian dem alten Soldaten Geld, damit er sich einen Sklaven leisten konnte. Am anderen Tag kamen auffällig viele Leute ins Bad, die meisten wohl in der Hoffnung auch vom Kaiser begünstigt zu werden. Der merkte jedoch wie der Hase läuft und befahl, sie sollen, da sie nun genug seien, sich die Rücken gegenseitig vom Öl befreien.

2.3.2. Badesitten
Nach Vitruv[12] badete man nachmittags bis zum Eindunkeln. Deshalb wurden die Heissbaderäume gegen Südwesten gebaut um möglichst viel Sonnenwärme einzufangen. Wann das Bad genau geöffnet wurde hing jedoch vom jeweiligen Kaiser und den regionalen Bräuchen ab. Üblicherweise verkündete eine Glocke die Öffnungszeit und gemäss den damaligen Autoren strömten die Besucher dann scharenweise herbei. Je nach Machthaber schlossen sie bei Sonnenuntergang oder später.

Doppelanlage, Vieil-Evreux
Die Tatsache, dass man nackt badete, führte zwangsläufig zur Annahme, dass Männer und Frauen getrennt badeten. Wenn das Baden nicht in getrennten Thermen stattfand, wurde zu verschiedenen Zeiten oder in getrennten Räumen gebadet. Für die Trennung von Männer- und Frauenbädern gibt es inschriftliche und literarische Belege. Vitruv[13] fordert ausdrücklich, dass die Caldarien der Männer- und der Frauenbäder nebeneinander liegen sollen, um ihnen eine gemeinsame Heizung geben zu können. Varro[14] weist in seiner Erläuterung des Begriffs balnea publica auf die Verdoppelung hin; in einem Teil der Anlage wuschen sich die Männer, im anderen die Frauen. Nicht nur die architektonische Form der Doppelanlagen deutet also auf eine Geschlechtertrennung hin, sondern auch die historischen Quellen. Die unterschiedlichen Badezeiten für Männer und Frauen auf der bekannten Bronzetafel über die Pachtverhältnisse unterstreichen diese Vermutung. Die Erwähnung Martials eines Badeschurzes für Frauen widerspricht allerdings dieser Theorie. Des weiter bestätigt Plinius[15] das gemeinsame Bad der Geschlechter. Andere Quellen zeigen, dass das gemeinschaftliche Bad bereits ab dem 1. Jh. n. Chr. bekannt war. Als erster scheint Kaiser Hadrian ein Verbot über das Gemeinschaftsbad verhängt zu haben. In der Folge änderten die Baderegeln grob gesagt mit den Kaiserwechseln. Mancher Kaiser brach mit den alten Sitten und verbot oder erlaubte das gemeinsame Baden wieder.

2.3.3. Finanzierung
Wie schon gesagt waren die Bäder gratis oder kosteten nur wenig Eintritt. Ein Vergleich der Währung ist schwierig, nur so viel: 1/4 As ist die kleinste Münze die es gab, genau soviel kostete nach Horaz der Eintritt. Im Gegensatz dazu stehen die hohen Baukosten der Thermen. Grössere Anlagen kosteten 2 bis 3 Millionen Sesterzen, das Privatbad Maecenas wird auf 300'000 Sesterzen geschätzt. Bei solchen Investitionskosten und derart geringen Einnahmemöglichkeiten wäre das Geschäft kaum profitabel gewesen. Es wird angenommen, dass sich die Pächter durch sonstige Verdienstmöglichkeiten den Lebensunterhalt verdienten. Beispiele dafür sind der Verkauf von Back- und anderen Esswaren, der durch Seneca bestätigt ist, sowie der Verkauf von Dienstleistungen. Wird zudem davon ausgegangen, dass der Pächter nur wenig Pacht bezahlen musste, scheint es möglich, dass sich das Pachtverhältnis für ihn lohnte. Doch wie sah es für dem Besitzer aus? Die wahrscheinlichste Erklärung ist, das der Bäderbau und -besitz damals zum guten Ton gehörte. Wie man heute Museen stiftet, gehörte es für einen besonders reichen Römer oder Kaiser zm guten Ton eine neue Thermenanlage zu errichten. Aufgrund der Badebegeisterung des Volkes mochte eine solche Stiftung das eigene Ansehen in der Öffentlichkeit sicherlich beträchtlich steigern.

2.4. Die Caracallathermen
Die berühmteste der römischen Thermen ist wohl die Caracallatherme in Rom.
Kaiser Caracalla
Weitab vom Stadtzentrum liess Kaiser Carcalla (211-217 n. Chr.) am Aventin eine der grossartigsten Thermenanlagen bauen. Die Anlage ist heute deshalb so gut erhalten geblieben, weil sie dank ihrer abseits gelegenen Lage, im Mittelalter nur bedingt als Steinbruch ausgebeutet wurde. M. Aurelius Antonius, wegen seiner Vorliebe für keltische Gewänder Caracalla genannt, wurde 188 n. Chr. als ältester Sohn des Kaisers Septimus Severus geboren. Nach dem Tod seines Vaters, bestieg er zusammen mit seinem Bruder Geta den Thron. Ein Jahr später liess Caracalla seinen Bruder töten. Man vermutet, dass etwa 20'000 weitere politische Morde folgten.

Genauso zügellos wie er politisch ans Werke ging, liess er die Thermen bauen. Die Masse von 337 m auf 328 Meter, die palästra umfassend, erstaunen noch heute.
Das eigentliche Badegebäude war 220 m auf 114 m, die Kuppel des Caldarium 35 m hoch. Ein Rundgang durch die Caracallathermen beginnt beim rechten Eingangsraum (E). Durch das Apodyterium (A) führt der Weg zu einer großen Palaestra (P). Man passiert von hier aus den Bereich der ehemaligen Schwitzbäder, der Sudatorien (S) und gelangt schliesslich in das kreisrunde Caldarium (C). Von hier an reihen sich die Hauptbaderäume auf einer Achse aneinander: Tepidarium (T), Frigidarium (F) und das Schwimmbecken im Freien, die Natatio (N).
Der Grundriß zeigt die riesigen Abmessungen der gesamten Anlage und lässt dabei die Lage

Rekonstruktionsversuch des Frigidarium
der Gärten, Bibliotheken sowie eines Stadions vor den gewaltigen Zisternen erkennen. Für die diversen Zusatzeinrichtungen, wie Behandlungsräume, kleinere Restaurants und Verkaufsstände, boten die Portiken ringsum Platz. Wie prächtig eine solche Thermenanlage gewesen sein könnte, zeigt dieser Rekonstruktionsversuch.

[1] Epist. morales. 86, 4
[2] ad Lucilium epistulae morales, 86, 4 und 8
[3] CIL II Suppl. Nr. 5181Grunauer (1977) 53 ff
[4] Satiren, I 3, 137 4
[5] nach Kretzschmer (1961)
[6] epistulae 51, 6
[7] epistulae morales, 56, 1 und 2
[8] Lukian, Hippias sive balneum § 5
[9] Episteln 15, 3
[10] Sueton, Nero 27, 2
[11]Merten (1983), S. 127
[12] Vitruv V 10, 1
[13] ebenda
[14] Varro, Ling. 9, 68
[15] Plinius, N. Hist 33, 153

Ende des Auszuges


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