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Referat

TitelBehinderung und Sexualität 
AutorChristian Gretz ocean99@surfeu.de 
Anzahl Worte1870 
SpracheDeutsch 
ArtReferat 
Schlagworte 
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

Kempten, den 02.02.01

Christian Gretz
Heinz-Templer-Weg 8
87435 Kempten


Einrichtung : Wohnheim IV; Gruppe 3, der Lebenshilfe Kempten
Gruppenleiterin : Karin Hillenbrand
Praxislehrerin : Heidi Sailer



Sexualität

Gliederung:

  1. Was bedeutet Sexualität und Geschlechtlichkeit für Menschen mit Behinderung
  2. Geistigbehinderte Menschen
  3. Körperbehinderte Menschen


  1. Was bedeutet Partnerschaft ?


  1. Welche Rolle spielen Bezugspersonen ?


  1. Was kann getan werden, daß sich der beh. Mensch als Frau/Mann erfährt ?


  1. Tabuisierte Bereiche


  1. Nachwort







I. Was bedeutet Sexualität und Geschlechtlichkeit
für Menschen mit Behinderung


Triebkraft Sexualität


Sexualität ist die Triebkraft des Menschen, die ihn durch das ganze Leben lenkt und leitet. Unsere Sexualität beinflußt unser Verhalten als Mann/Frau im Alltag, läßt uns zwischenmenschliche Kontakte, Beziehungen und Partnerschaften eingehen. Sexualität begrenzt sich also nicht nur auf den genitalen Bereich, sondern muß weiträumig gesehen werden.
Sexualität behinhaltet die zwischenmenschliche Kommunikation, die gesamte Reifung der Person physisch wie psychisch, sich als Mann oder Frau fühlen, so denken und handeln.

Geistig behinderte Menschen

Durch Defizite der kognitiven Fähigkeiten, tritt bei geistig behinderten
Menschen das körperliche oftmals in den Vordergrund.
Sie können einem nahe stehenden Menschen schlecht durch Worte Freundschaft, Zuneigung oder Liebe ausdrücken. Daher kommunizieren sie mehr durch die Ausdrucksweise ihres Körpers. Sie gehen daher offener auf einen Menschen zu, mit Streicheln, Berühren, Umarmen zeigen sie ihm Freude, Verständnis , Liebe, Trauer. Geistig beh. Menschen werden in unserer Gesellschaft oft nicht verstanden, wenn sie ihre Zuneigung zu einem nahe stehenden Menschen eben nur so ausdrücken, wie sie können. Dieses Verhalten ist uns ungewohnt und unverständlich denn es entspricht nicht der Norm. Wir sind es nämlich gewohnt, Gefühle der Zärtlichkeit gesellschaftlichen Konventionen zu unterwerfen, sie fortwährend zu kontrollieren und letzten Endes durch massive Hemmungen zu verstellen.











Durch die geistige Behinderung ist es oft schwierig beh. Menschen das „richtige“ Verhältnis von NäheçèDistanz, die Normen der Gesellschaft zu verdeutlichen.
Zu diesem Problem trägt auch bei, daß in den Einrichtungen für beh. Menschen die persönlichen Grenzen, durch ständiges Umsorgen von Betreuern, kein oder wenig Privatleben (auch behinderungsbedingt eingeschränkt), rücksichtslose Betreuer (ohne Klopfen eintreten, beim Wickeln Türe auflassen) oft verschwimmen, gar nicht vorhanden sind oder nicht gewahrt werden.
Ständiges Umsorgen, ständiger Körperkontakt in der Pflege verhindert, daß ein Bezug von Nähe und Distanz gelernt werden kann.

Institutionelle Probleme: Z.B. bei der Pflege im Intimbereich bei v.a. bei beh. Menschen, die sich schlecht äußern können, wird Pflegepersonal eingesetzt, von dem man nicht weiß, ob der beh. Mensch eine gute Beziehung zu dieser Person hat oder Pflegepersonal, das fremd/neu ist.
Intimsphäre muß auch durch Anklopfen an die Zimmertür oder nur im Beisammensein des Bewohners sein Zimmer zu betreten, gewahrt werden.

Körperbehinderte Menschen

Körperbeh. Menschen erleben ständig ihren eigenen Körper als Grenze.
Sie können nicht mit anderen (fremden) Menschen kommunizieren. Bewegungseinschränkungen verhindern, daß anderen Menschen in der Öffentlichkeit frei (ohne Hilfe) begegnet werden kann.

Körperbeh. Menschen, die stark in ihrer Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt sind, sind im täglichen Lebensalltag auf die Hilfe der Betreuer angewiesen. Alle Berührungen an ihrem eigenen Körper werden durch andere Personen ausgeführt.
Sie können ihre Sexualität nicht selbst ausleben, sie ist unauslebbar.
Hier sollten Hilfen zur Sexualität angeboten werden. Bereitstellen und Heranführen von sexuellen Hilfsmitteln (Vibrator, künstl. Vagina) bedeutet für Menschen mit motorischen oder anderen behinderungsbedingten Schwierigkeiten oft die einzige Möglichkeit, sich zu befriedigen.











Wichtig ist also eine positive Einstellung zu sexueller Vielfalt, was eine größtmögliche Freizügigkeit in der Zulasssung „anderer“ oder uns ungewohnter Bedürfnisse und Praktiken für den behinderten Menschen bedeutet.

Unsere eigene Meinung, Normen, Anschauungen, Praktiken...dürfen hier nicht Maßstab sein, denn jede Person lebt seine eigene, persönliche Sexualität unterschiedlich aus.




II. Was bedeutet Partnerschaft

* Genau das Gleiche wie für nichtbehinderte Menschen
Durch eine Partnerschaft steigt das Selbstwertgefühl. Achtung vor der eigenen Person wächst und wird durch Kleidung, Aussehen, Grundstimmung und Verhalten dem sozialen Umfeld gegenüber gezeigt.

* Einen Partner zu haben, ist „normal“ und in unserer Gesellschaft manchmal höchst wichtig, um akzeptiert zu werden. Dadurch kommen behinderte Menschen sich „normaler“ vor, sie können sich so wieder als Teil der Geselllschaft sehen.

* Beide Partner ergänzen sich und lösen sich so von der Betreuung/den Eltern. Das Loslassen und die Sorgen der Eltern werden geschwächt, wenn sich beide Partner in ihren Fähigkeiten ergänzen und Defizite durch Hilfe des anderen ausgleichen.


Erneutes Bewußtmachen, daß ein „normales Leben/Partnerschaft nicht gelebt werden kann, wenn sich der beh. Mensch an den Normen der Gesellschaft orientiert oder wenn weniger beh. Arbeitskollegen oder Freunde heiraten oder Partner finden. Gefährliche Abhängigkeit, weil der beh. Mensch auf die Hilfe des Partners, auch bei Streitereien angewiesen ist.








Was eine Partnerschaft ermöglicht und zusammenhält ist Liebe. Liebe ist Kommunikation und heißt, daß zwei Menschen einander ohne Vorbehalte annehmen. Erwartungen sind Maßstäbe und damit das Gegenteil von Liebe, weil sie den anderen nach einem Ideal umformen wollen. Erwartungen werden vom Verstand formuliert, weil der Verläßlichkeit der Gefühle mißtraut wird.
Wenn man sich an Erwartungen festklammert, ist man wir auf ein bestimmtes Ziel fixiert und verlieret die Offenheit für neue Begegnungen (Scheuklappen). Erwartungen sind Vorstufen für Herrschaft und Unterwerfung, weil sie die Gleichheit der Liebenden beseitigen. Mit Erwartungen werden die Normen der Gesellschaft ausgedrückt; geliebt werden kann nur, wenn man den eigenen Gefühlen folgt. Liebe kann aber auch nur aus dem jeweiligen Umfeld (oder
In Ausnahme durch Medien) entstehen.

Beispiel

In einer WG von uns lebt eine 53 Jahre alte Frau. Mit Ihrer Körpergröße von 1.34 m und einem momentanen Gewicht von 36 kg ist Sie eine sehr zierliche Erscheinung. Sie hat das Turner-Syndrom mit Intelligenzminderung, Diabetes mellitus, eine hypochondrische Neurose und Spitzfüße wodurch leichte kognitive Einschränkungen vorhanden sind.

Diese Bewohnerin hat nach meiner Meinung ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis
nach Partnerschaft und Liebe. Doch dieses Bedürfnis kann zum größten Teil
aufgrund Ihres Umfeldes (es gibt nur zwei männliche Mitbewohner in Ihrer Gruppe, wovon einer davon „seinen eigenen Weg“ geht / Bei Ihrem Arbeits-
platz in der Förderstätte sind auch vorwiegend nur Frauen) nicht gänzlich be-
friedigt werden.

Deshalb muß Sie sich eben auf Ihr momentanes Umfeld
konzentrieren, wozu auch die jüngeren, männlichen Mitarbeiter zählen,
die diese Art der Annäherung (große Freude bei Dienstbeginn des jeweiligen Mitarbeiters und ständiges Mitteilen der eigenen Person, aber auch äußeres Erscheinungsbild, wie z.B. Frisur, Kettchen und Kleidung) eher als eine freundschaftliche Geste sehen.








III. Welche Rolle spielen hier Bezugspersonen und Mitbewohner ?

Für Betreuer und Bezugspersonen (Eltern) ist offene Kommunikation über Sexualität mit all ihren Erscheinungsformen ein Problem.
Die eigene Meinung, Scham... trägt dazu bei wie ich mich im Umgang mit Sexualität verhalte. Die eigene Person (Betreuer) muß Stellung beziehen und für sich selbst ausmachen, wie oder wo stehe ich zu dem Thema Sexualität.
Hier stellt sich die Frage, hat der Betreuer das Recht alle Wünsche und Vorstellungen des beh.Menschen zu erfahren und er (Betreuer) bleibt im Dunkeln. Der beh. Mensch wird für uns zu einem gläsernen Menschen, wir wissen alles über ihn, seine Fähigkeiten und Schwächen sind uns bekannt.
Doch das müssen sie ja auch, um überhaupt irgendwelche Hebel ansetzen zu
können.

Zu Fragen, soweit sie sich nicht auf den eigenen Intimbereich beziehen, sollte offen Stellung bezogen werden. Auch muß eine offene Sexualaufklärung betrieben werden, da der beh. Mensch von zu hause oft wenig oder falsche Informationen mitbekam und somit verzerrte Vorstellungen von Sexualität hat.

Bezugspersonen(Betreuer) stehen behinderten Menschen tagtäglich am Nächsten. Ihr Kontakt beschränkt sich nicht nur auf Kommunikation. Viele Behinderte Menschen brauchen Hilfe bei der Verrichtung des Alltags, waschen, duschen, Toilette, anziehen. Betreuer sind meist die einzigen (körperlichen) Kontaktmöglichkeiten. è Wünsche entstehen
In Extremfällen kann der Betreuer mißbraucht werden, indem der beh. Mensch die Pflege sexualisiert.

Für viele behinderte Menschen sind Bezugspersonen und Betreuer die einzige Kontaktstelle zur Außenwelt, wenn die gesammte Kommunikation durch die Behinderung erschwert wird und erst Zeit bedarf um mit fremden Menschen kommunizieren zu können.
Hier müssen Betreuer motivierend und unterstützend wirken, daß auch einmal z.B ein Ausflug eines einzelnen Bewohners ermöglicht wird, denn in der großen Gruppe ist es schwierig Kontakte zu knüpfen.









Mitbewohner können Partner fürs Leben werden, sei es innerhalb oder selbständig außerhalb der WG. Für beide wäre es unmöglich alleine zu leben.
Durch Unterstützung des Partners wird der Alltag außerhalb der Wohngruppe selbständig gemeistert.

Wie auch bei nichtbehinderten Menschen kommt Mißbrauch vor.



IV. Was kann getan werden, daß sich der beh. Mensch als Frau/Mann erfährt ?


Für die Entwicklung der Beziehung zum eigenen Körper und damit auch zur eigentlichen Sexualität, ist die Körperwahrnehmung wesentlich. Schwerbehinderte Menschen können die Erfahrung machen, daß andere gerne mit ihrem Körper umgehen und es durch Massage, Streicheln... zeigen.
Dadurch kann eine positive Einstellung zum eigenen Körper/Sexualität enwickelt werden.
Im Gegensatz dazu verkümmert, bzw. kann keine Beziehung zum eigenen Körper aufgebaut werden, wenn die Ablehnung zum eigenen Körper ständig durch das soz. Umfeld mit nur sachlich funktionaler Pflege oder ständigen Distanzmitteln wie Gummihandschuhe (außer im notwendigen Pflegebereich) verstärkt wird. Der behinderte Mensch fühlt sich, seinen Körper als Belastung für andere und sich selbst. Er entwickelt ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper und damit zur eigenen Sexualität.


a) Wahrung der Intimshäre
Grundvorsussetzung im Pflegebereich, v.a. im Intimbereich solltes sein, daß gleichgeschlechtl. Betreuer pflegen, was aber durch die heutzutage gängige Personaleinschränkung nicht möglich ist. Wenn Äußerungen möglich sind, dann bestimmt der beh. Mensch, mit wem er duschen will oder nicht.
Auf jeden fall muß darauf geachtet werden, daß die Intimsphäre nicht durch Duschen bei offener Tür, nackt durch den Gang fahren...verletzt wird.








b) Seine Sexualität fühlen und annehmen
Durch Unterstützung und Anregungen beim Schminken, Kauf schöner Unterwäsche entdeckt und fühlt die beh. Frau ihre Weiblichkeit und kann sie akzeptieren. Durch „Frauenkaffeerunden“ oder „Frauennachmittag“ wird die pos. Bestärkung der eigenen Geschlechtsrolle deutlich gemacht.
Beim geistig behinderten Mann, dem seine Körperpflege egal ist, kann durch Klarmachen, daß Kontakte mit anderen Menschen (Frauen) ausbleiben, wenn er sich nicht wäscht, nicht rasiert oder keinen Wert auf schöne Kleidung legt.



V. Welche Bereiche erscheinen mir in diesem Zusammenhang kritisch bzw.tabuisiert ?

a) Pflegebereich
Im Pflegebereich ist ständig Körperkontakt nötig. Der beh. Mensch erlebt nur so sexuelle, körperliche Reize und äußert dann auch Wünsche. In Extremfällen kann die Pflege sexualisiert werden.

  1. Probleme im weiteren sozielen Umfeld (Eltern/Gesellschaft)
Kinder können sich nicht selbst versorgen. Eltern nehmen sich ihrer an und versorgen und pflegen sie, bis sie auf eigenen Beinen stehen.
Behinderte Menschen sind oft ihr ganzes Leben lang auf Pflege und Betreuung, sei es durch die Eltern oder sonst. Betreuer, angewiesen. Der beh. Mensch wird also nie ganz selbständig werden. Eltern erkennen nicht, wann aus ihrem Kind ein Erwachsener Mensch geworden ist, denn sie müssen ihn ja umsorgen wie ein Kind. Sie sehen nur von außen nur ihr „hilfloses Kind“ und den Körper mit Behinderung. V.a. die gesellschaftliche Sichtweise beschränkt Sexualität nur auf den genitalen, körperlichen Bereich. Das durch die Behinderung fehlerhafte Körperliche wird gesehen und Sexualität von vorneherein ausgeschlossen und verurteilt („Das geht doch gar nicht“)










  1. Nachwort


Wir wissen alles über die Wünsche, Vorstellungen, Sorgen, Schwächen.....
des beh. Menschen. Die Gefahr des gläsernen, einsichtigen Menschen, der jede Privatsphäre verloren hat, besteht. Wir (Betreuer) weisen immer zurecht, kritisieren und sind Vorbild.
Wie eine Art „Übermensch“ nehmen wir uns das Recht heraus, alles über den beh. Menschen zu wissen, ohne von uns mehr preisgeben zu müssen.

Ich habe ein Problem damit als Übermensch agieren zu müssen, denn ich bin keiner.


Dieser Bericht muß mit dem Vorbehalt gelesen und bewertet werden, daß er ein sehr perönl. Bericht mit ist, denn in ihn fließen meine ganzen Vorstellungen und Ansichten mit ein.



Ende des Auszuges


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