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Referat

TitelHaas, Wolfgang 
Anzahl Worte3215 
SpracheDeutsch 
ArtReferat 
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

1. Person Wolf Haas:

1.1. Biographie:

Wolf Haas wurde am 14. Dezember 1960 in Maria Alm am Steinernen Meer (Salzburg), einem Fremdenverkehrsdorf, geboren. Sein Vater war Kellner, seine Mutter Kellnerin. 1970 kommt er als Internatsschüler ins Borromäum nach Salzburg. Nachdem er 1978 die Matura erfolgreich bestanden hat, unternimmt er an der Universität Salzburg wenig ernsthafte Versuche, sich als Student der Psychologie zu verschreiben. 1980 entscheidet Haas sich dafür, Linguistik und Germanistik zu studieren (Dissertationsthema: „Die sprachtheoretischen Grundlagen der konkreten Poesie“). Im Anschluss daran arbeitete er zwei Jahre lang als Uni-Lektor in Swansea (Südwales).
Als Haas 1990 Südwales wieder verließ und nach Wien zurück kam, bewarb er sich, immerhin schon 30 Jahre alt, als Juniortexter bei verschiedenen Agenturen. Sein Motto lautete damals: „Ich hab’ keine Ahnung von Werbung, aber ich werd’ den Job schon gut machen“. 1992 begann er die Arbeit bei „Demner & Merlicek“ als Werbetexter. Allerdings klappte seine Idee nicht so, wie Haas es sich vorgestellt hatte. Zunächst blieb auch er nicht von den Arbeiten eines Juniors (z.B.: Wurstsemmeln holen) nicht verschont. Sein Vorteil war, dass er Studierter war und die Leute seinen Schmäh mochten. Radiospots wie „Lichtfahrer sind sichtbarer”, „Ö1 gehört gehört” (den er übrigens auch selbst gesprochen hat), die Mazda-Werbung („A Mazda müsst ma sein“), die Ö3-Wecker-Kasperliade „Peda & Peda” („Und sonst alles okay, Peter?“ – „Ja, ja, okay, okay, okay!“ – „All right, sag’n d’Leit!“) haben seinen Ruf als kreativer Werbe- bzw. Radiotexter begründet.
Der Autohersteller Mazda betraute Haas mit der Aufgabe einen Spot zu kreieren. Haas war zu der Zeit bei „Demner & Merlicek“ angestellt, wo er auch seine Vorschläge für Mazda erarbeitete. Die Erfolgsidee, die mit der unvergesslichen Zeile „A Mazda müsst ma sein“ schließt, sollte eigentlich nur eine Spielerei sein. Haas nahm seinen ersten Spot quasi als Zutat zu Hause auf Kassettenrecorder auf und hat nicht damit gerechnet, dass dieser genommen wird, da er nicht zu den ernsthaften Vorschlägen zählte. Nach der letzten Staffel der Mazda-Werbung fanden Wolf Haas und sein Pendant Werner Haider zu schade, die Idee skurriler Zwiegespräche einfach sterben zu lassen, und boten sie Ö3 an. Das war der Anfang von der fast schon legendären „Peda & Peda“-Sendung auf Ö3.
Doch genau als es mit seiner Karriere in der Werbung voran ging, kündigte er die Stelle bei „Demner & Merlicek“. Als Begründung dafür meinte er: „Es macht Spaß, etwas hinzuschmeißen, weil es funktioniert, und nicht, weil es nicht funktioniert. [...] Die Werbung, die frisst dich auf. Das kann man nicht so nebenbei machen. Drum mache ich es jetzt auch gar nicht mehr. Aber es war eine gute Schule für mich als Mensch.“
Seither arbeitet Wolf Haas mit großem Erfolg als freier Schriftsteller. Er schreibt seit einigen Jahren humorvolle, manchmal ins Makabre gleitende Kriminalromane, die in Österreich spielen. Die Folge war, dass er heute noch mehr in der Öffentlichkeit steht, was ihm aber nicht sonderlich liegt.

1.2. Haas’ Sicht und Einstellung zu (seinen) Krimis:

Wolf Haas bekennt sich dazu, dass er selber nur sehr wenige Krimis gelesen hat. Oft wird er gefragt, ob er einen bestimmten Krimiroman kennt und beinahe genauso oft lautet die Antwort nein. Aus diesem Grund setzt er sich nun mehr mit Krimis auseinander. Allerdings nicht unbedingt aus eigenem Interesse, als aus Strebsamkeit und auch um das Genre etwas besser kennen zu lernen. Die Regeln eines Krimis sind Haas zwar bekannt, jedoch nützt er überlegt die ihm zur Verfügung stehenden Mittel aus, etwas ganz eigenes zu schaffen.
Haas wundert sich vor allem über manche seiner Kollegen, die nur sechs Wochen brauchen um ein Buch zu schreiben. Er selber benötigt dafür schon ein Jahr oder manchmal sogar mehr.
Der Grund dafür liegt aber nicht daran, dass Haas vielleicht keine Ideen hätte. Wolf Haas macht sich, bevor einen Krimi beginnt, einen genauen Plan, den er dann aber im Laufe des Schreibens nicht einhält. Es kommt oft vor, dass ihm eine Situation bzw. ein Dialog einfällt, die er unbedingt in den Verlauf der Geschichte einbauen möchte. Da passiert es schon mal, dass er dadurch die gesamte Geschichte umbauen muss, weil diese Situation oder der Dialog nur an der Stelle stehen kann, wenn zum Beispiel die Person, die auf den vorherigen Seiten gestorben ist, noch am Leben ist. Dadurch ist das ganze Konzept, das Haas sich vorher zusammengestellt hat, hinfällig. Aber laut eigenen Angaben entstehen dadurch „die besten Sachen. [...] Ich schreibe ein Buch, das irgendwie passt, aber es ist alles noch sehr rational kontrolliert. Und erst, wenn man seine Bremsen löst, wenn sozusagen mir selbst die Geschichte erzählt wird, beginnt das eigentlich Interessante. Darum nehme ich mir sehr viel Zeit. Wenn ich fertig bin mit einem Buch, möchte ich es noch ein halbes Jahr bei mir liegen haben, und dann leiste ich mir den Luxus der Zerstörung der eigenen Geschichte. Und dabei entsteht eigentlich das Buch.“
Haas’ Arbeitsmethode ist sehr umständlich. Ein weiteres Beispiel dafür: wenn er zwei Kapitel hat, die nicht zusammenpassen, dann baut er eine Brücke. Diese Behelfsbrücke umfasst ca. 80 Seiten und ist oft besser, als der gesamte Roman. Wolf Haas bezeichnet dies als eine ständige Mischung aus Verzweiflung und Euphorie. Es soll auch der Autor leiden, und nicht nur die Figuren.
Gegen Ende seiner Krimiromane wird die Handlung immer recht gleichgültig abgehandelt. Haas liebt es, seine Geschichten förmlich abzustechen. Denn bei ihm ist die Handlung nur nebensächlich. Das eigentliche Thema ist das Erzählen an sich.
2. Kriminalromane:

2.1. Bücher:
2.1.1 Auferstehung der Toten:

Veröffentlichungsjahr: 1996

Inhalt:
Der Ort des Geschehens ist Zell am See. Am Tag vor Weihnachten
werden am Sessellift zwei Leichen gefunden. Es ist ein altes amerikanisches Ehepaar – die Schwiegereltern vom Andretter, einem reichen Vergolder aus Zell. Zu Beginn der Ermittlungen hat sich der Verdacht gegen ihn gerichtet, aber aus Mangel an Beweisen und einem angeblichen Alibi, das er von seinem Neffen, dem Lorenz bekommen hat, wurde das Verfahren im Jänner eingestellt.
Doch drei Wochen später kehrt der Ex-Kripobeamte und nunmehrige Privatdetektiv Simon Brenner zurück um den Fall doch noch aufzuklären. Da Brenner allerdings schon vorher als Polizist bei den Ermittlungen in Zell war, sind seine Untersuchungen nicht mehr geheim.
Zu Beginn seines Aufenthaltes findet Brenner auch weiterhin nichts wirklich neues heraus. Doch als er eines Tages bei einem Asphaltschießen zuschaut, lernt er eine Dame aus Hamburg kennen, die keine Arme mehr hat. Sie weiß erstaunlich viel über die Einwohner für eine Außenseiterin. Sie hat sich auch sichtlich gut mit dem Lorenz verstanden und wollte ihn aus der Irrenanstalt abholen. Jedoch kam sie mit dem Brenner zu spät. Der Vergolder war schon vor ihnen da und hat den Lorenz abgeholt, was aber alle verwundert hat. Ist doch allgemein bekannt, dass sich die beiden gar nicht wirklich leiden können. Dass sich der Vergolder immer zwei Tage vor Weihnachten mit seinem Neffen trifft und ihm dabei ein Sparbuch schenkt ist allen bekannt. Und genau diese Tatsache war auch das so wasserdichte Alibi vom Vergolder.
Nachdem Brenner mittlerweile mit fast allen Einwohnern von Zell gesprochen hat, ergeben sich einige Indizien für ihn. Als der Detektiv doch herausfindet, dass der Vergolder und sein Neffe damals zu Weihnachten etwas anderes als wie gewohnt gemacht hatten, sind die beiden allerdings schon tot. Also ermittelt Brenner weiter und kommt doch noch hinter die tatsächliche Intrigengeschichte.

Presse:
Der Roman erhielt einen der Deutschen Krimipreise 1997.
So viel Spaß, Weisheit und Spannung um einen wohlfeilen Preis, das gibt’s normal nicht.“ (Der Standard, Wien)
Ein erstaunliches Debüt. Vielleicht der beste deutschsprachige Kriminalroman des Jahres.“ (Frankfurter Rundschau)































2.1.2 Der Knochenmann:

Veröffentlichungsjahr: 1997

Inhalt:
Diesmal ist die Steiermark der Ort des Verbrechens. Genauer gesagt,
die Backhendlstation Löschenkohl, die nicht nur in der Umgebung, sondern in ganz Österreich bekannt ist.
Aber im Moment wäre dem Löschenkohl ein bisschen weniger Bekanntheit fast schon lieber. Denn nun ist die Station wirklich überall im Gespräch, da die Lebensmittelpolizei unter den vielen anfallenden Hühnerknochen, und bei knappen 1000 Hühner am Tag kommt da einiges zusammen, auch Menschenknochen gefunden hat. Das ganze Dorf wundert sich über den Vorfall.
Die Chefin vom Löschenkohl wendet sich ganz hysterisch an den Privatdetektiv Brenner. Der willigt ein und erscheint am nächsten Tag in der Station. Doch zu seinem Erstaunen ist die Chefin gar nicht anwesend. So erkundigt er sich bei deren Schwiegervater über die Vorfälle rund um die Menschenknochen. Er unterhält sich auch mit Goran Milovanovic, der nicht nur der Betreiber der Knochenmehlmaschine im Keller vom Löschenkohl, sondern auch Torhüter des hiesigen Fußballvereins ist.
Auch an den darauffolgenden Tagen ist von der Chefin noch immer keine Spur.
Auch die Polizei ist ratlos, denn die sucht nicht nur den oder die Täter. Es ist bis dahin auch unbekannt, wer denn nun überhaupt das Opfer ist. Der Fall kommt sogar in die populäre Sendung „Aktenzeichen XY“, wo ein öffentlicher Aufruf zur Aufklärung des Falles gemacht wird. Doch von dieser Sendung, von der er sich viel erwartet hat, erfährt Brenner nichts neues.
Am Tag nach dem Cupgewinn des FC. Klöch gegen den fünf Spielklassen höher spielenden Verein aus Oberwart, ereignet sich ein weiterer Mord. In einem Ballsack des FC. Klöch findet man den Kopf eines Feldbacher Stürmers.
Obwohl dieser Fall sehr mysteriös erscheint, gelingt es dem Privatdetektiv Brenner erneut mit seiner einzigartigen Vorgehensweise den Fall aufzudecken.

Presse:
Die Simon-Brenner-Bücher gehören zu den besten und komischsten deutschsprachigen Kriminalromanen der letzten Jahre.“ (Focus)
„...ein Muss für alle, die da süchtig sind nach vielversprechenden Talenten.“
(Die Welt)
































2.1.3. Komm, süßer Tod:

Veröffentlichungsjahr: 1998

Inhalt:
Der erste Kriminalroman von Haas, der in Wien seinen Schauplatz
hat, spielt im Rettungsfahrermilieu. In Wien gibt es zwei große Rettungsfahrerorganisationen: die Kreuzretter und den Rettungsbund.
Bei den Kreuzrettern kommt der Verdacht auf, dass der Rettungsbund ihren Funk abhört und ihnen so alle Aufträge sprichwörtlich vor der Nase wegnehmen.
Simon Brenner taucht auch in diesem Roman auf. Jedoch nicht als Detektiv, sondern als Rettungsfahrer der Kreuzretter – zumindest offiziell.
Als im Umfeld der Rettungsfahrer ein Doppelmord geschieht, fängt der Brenner an zu recherchieren. Bei dem Doppelmord kamen eine Angestellte der Blutbank, die Irmi und der Bruder des Chefs der Rettungsbündler, der Stenzl ums Leben. Brenner soll herausfinden, ob sich der Verdacht des Abhörens von Funkgesprächen des Rettungsbund bestätigen lässt.
In weiterer Folge passieren immer mehr Morde und ein unschuldiger Fahrer der Kreuzretter muss ins Gefängnis. Bei einem Versuch von Brenner, sich bei der Konkurrenz, dem Rettungsbund, umzuhören, wird er von jenen niedergeschlagen. Dabei stößt er aber auf wertvolle Indizien, die ihm äußerst nützlich sind.
Zum Beispiel, dass der Verlobte von der Irmi, der Lungauer früher Rettungsfahrer bei den Kreuzrettern war. Bis ihm bei einer Autoreparatur ein Kollege (un-)absichtlich mit einem Schraubenzieher ein Auge aussticht. Von ihm erfährt Brenner einiges über die Machenschaften der Kreuzretter.
Ihm wird klar, dass hinter den gesamten Morden jemand ganz anderer als vermutet steckt. Als dies publik wird, gerät Brenner selber in den Strudel hinein und muss fast mit seinem Leben dafür bezahlen. Doch auch diesen Fall löst der ehemalige Detektiv und deckt die gesamte Geschichte auf.

Presse:
Der Roman erhielt einen der Deutschen Krimipreise 1999.
So schön wie Haas hat lange keiner hingelangt.“ (Spiegel extra)
Die österreichische Antwort auf die Höllen der Cops in New York.“ (Der Standard)

Verfilmung:
Der gleichnamige Film kam Ende letzten Jahres in die Kinos. In der Hauptrolle spielt Josef Hader den ehemaligen Detektiv und nunmehrigen Rettungsfahrer Simon Brenner. In weiteren Rollen kommen Nina Pröll, Reinhard Nowak und auch Wolf Haas vor. Der Autor des Kriminalromans spielt einen Zivildiener, der aber, wie von Haas selbst gewünscht, nicht oft vorkommt. Im letzten Bild wird die Off-Erzählerstimme über sein Gesicht gelegt. So als ob der Zivildiener die Geschichte erzählen würde.
Der Film bekam fast ausschließlich gute Kritiken.



2.1.4. Ausgebremst! Der Roman zur Formel 1

Veröffentlichungsjahr: 1998

Inhalt:
Dieser Kriminalroman von Wolf Haas rückt etwas aus der Reihe.
Nicht nur, dass der schon bekannte Simon Brenner in diesem Roman gar nicht auftritt. Der Ort des Verbrechens ist nun kein Ort oder keine Stadt, es ist die Formel 1.
Der Krimi handelt von einem Fanartikelverkäufer, dessen größter Wunsch es schon immer gewesen ist, irgendwie in die Formel 1 zu gelangen. Das ist ihm nun geglückt. Sein Name wird allerdings nicht genannt und er ist in diesem Roman auch der Ich-Erzähler. Während des Romans sind immer wieder Briefe von ihm abgedruckt, die er seiner Ex-Freundin schreibt. Er schreibt ihr, wie leid es ihm tut, dass er so wenig Zeit für sie hatte. In den Briefen wird eindeutig klar, dass er ein Faible für die Formel 1 besitzt.
Der Fanartikelverkäufer schließt schnell Bekanntschaft mit den anderen Verkäufern Steve, den Finnen und den beiden Graziano Cousins Liberante und Bruno. Durch die anderen Fanartikelverkäufer erfährt er jede Menge Geschichten rund um die Formel 1. Er selber weiß jedoch auch einiges, hält sich aber bei den Gesprächen immer zurück.
Bei einem der Gespräche der fünf Verkäufer erzählt Liberante den anderen, dass in den letzten zwölf Jahren kein einziger Fahrer durch einen Unfall während des Rennens gestorben ist. Liberante geht sogar noch weiter und weist darauf hin, dass die meisten tödlich verunglückten Fahrer durch Flugzeugabstürze gestorben sind. Die Folge davon ist, dass Liberante am darauffolgenden Tag tot in seinem Verkaufsbus gefunden wird. Keiner der anderen Verkäufer glaubt an einen Unfall und so beginnen sie nachzuforschen. Als Steve und der Finne für ihre Nachforschungen mit dem Leben bezahlen müssen, beschließen die zwei übrig gebliebenen Fanartikelverkäufer sich von der Formel 1 zurück zu ziehen. Der Ich-Erzähler bemerkt in letzter Minute, dass er das nächste Ziel des Verbrechens ist und begeht aus Notwehr einen Mord, wofür er ins Gefängnis muss.

Presse:
Die Formel 1 entpuppt sich bei Wolf Haas als ein einziger riesiger Pfuhl des organisierten Verbrechens. Eine Art Nonsens-Sück bei Höchstgeschwindigkeit.“ (Österreichischer Rundfunk)
Im Grunde genommen liest sich zurzeit nichts so vergnüglich wie ein neuer Wolf Haas, außer natürlich ein alter Wolf Haas.“ (Der Falter)



2.1.5. Silentium!

Veröffentlichungsjahr: 1999

Inhalt:
Wolf Haas kehrt in diesem Kriminalroman zu seinem Erfolgsrezept
zurück. Der Ort des Verbrechens ist Salzburg, oder genauer gesagt das altehrwürdige Marianum Internat.
Aus dem Marianum Internat geht wieder einmal ein Bischofskandidat hervor und alle sind sehr stolz darauf. Monsignore Schorn ist sein Name und war vor Jahren im Marianum Spiritual. Es würde auch keinen Grund dazu geben es nicht zu sein, wenn da nicht die hässlichen Anschuldigungen eines Ex-Schüler wären.
Der Zögling Gottlieb, so heißt der ehemalige Schüler, beschuldigt Monsignore Schorn ihm vor Jahren im Duschkeller des Internats speziellen Hygiene-Unterricht erteilt zu haben. Diese Anschuldigungen erschüttern das Internat und kommen für den Monsignore zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Nun soll Privatdetektiv Brenner herausfinden, was an den Anschuldigungen dran ist. Ob der ehemalige Schüler Gottlieb tatsächlich speziellen Hygiene-Unterricht erteilt bekommen hat oder ob dem Zögling, der ohnehin psychisch etwas labil ist, auf der Psychiatercouch etwas die Phantasie durchgegangen ist.
Doch für Brenner stellt sich dabei ein großes Problem: bei Brenners Eintreffen ist der Zögling nun nicht mehr in der Lage sich den Fragen des Privatdetektivs zu stellen. Denn dummerweise befindet sich Gottlieb bei Brenners Ankunft bereits ganz unchristlich in dreiundzwanzig Teile zerschnippelt im Korpus des hauseigenen Tischfußballtisches.
Hinzu kommt noch, dass der ehemalige Internatsschüler auch noch der Hassschwiegersohn des mächtigen und sehr einflussreichen Vize-Präsidenten der Salzburger Festspiele war.
Diese Angelegenheit stellt sich als ein nicht allzu leichter Fall für den Privatdetektiv Brenner heraus. Aber durch Glück und seiner gewohnten Vorgangsweise kommt er auch in dieser Geschichte zur Wahrheit.

Presse:
Der Roman erhielt einen der Deutschen Krimipreise 2000.
Haas ist schlichtweg die Krimi-Entdeckung der letzten Jahre.“ (Die Woche, Hamburg)
Komischer war der Krimi nie, intelligenter nur selten. Weshalb auch Thomas Bernhard sicher von irgendwoher zuschaut und sich totlacht.“ (Die Woche)
2.2. Privatdetektiv Simon Brenner:

Der Privatdetektiv Simon Brenner ist ca. 44 Jahre alt und stammt aus Puntigam bei Graz. Er ist Junggeselle, breitschultrig, mit Kantschädel, roter Nase und wasserblauen Augen. Seit er sich das Rauchen abgewöhnt hat, bekommt er regelmäßig Migräneanfälle. Noch dazu kommt, dass ihn vor zwölf Jahren seine Verlobte Josefine, kurz Fini, davongelaufen ist.
Er ist bei der Kripo aufgrund seines eigenwilligen Vorgehens nie über den Rang eines einfachen Inspektors hinausgekommen. Durch Schwierigkeiten mit seinem neuen Vorgesetzten Nemec kündigte er bei der Kripo und versucht sich seit dem als Privatdetektiv beim Detektivbüro Meierling. Das Denken, das gezielte, systematische Hirnwerken ist nicht unbedingt seine Stärke. Es gehen ihm meistens die unterschiedlichsten Sachen auf einmal durch den Kopf. Bei seinen Ermittlungen lässt er auch jeden Grad an Dynamik vermissen. Etwa seine berühmte Aushorchtechnik, die nach dem Prinzip „Niemals nachfragen“ funktioniert, oder sein Talent weghören zu können, jedoch im richtigen Moment wieder ganz aufmerksam zu sein.
Genauso kennzeichnend ist seine mangelnde Begabung dafür, Hinweise oder Indizien nach dem Maßstab „wichtig“ oder „unwichtig“ zu klassifizieren. Und nicht nur, dass er über jede Kleinigkeit nachgrübelt, er arbeitet außerdem nach einem eisernen Grundsatz: keine vorschnellen Lösungen erzwingen.
Simon Brenner ist eine Figur, die einem gleich vertraut vorkommt, dass sich die Frage stellt, ob Wolf Haas diese oder so eine Person wirklich kennt. Das tut er aber nicht. Er wollte Brenner die typischen Männereigenschaften verleihen, ihn aber dennoch keineswegs unsympathisch erscheinen zu lassen. Es ist auch kein Zufall, dass Brenner ca. zehn Jahre älter als Haas selbst ist, „weil mir das fremd ist, und deshalb interessiert es mich.“
Eines steht aber sicher fest: auch wenn Simon Brenner nicht der schnellste Ermittler ist, hat er bis jetzt noch all seine Fälle ordentlich gelöst.


2.3. Der Erzähler:

Das ist ein Gschaftlhuber, der banale Ereignisse mit größtem Nachdruck erzählt.“ So beschreibt Wolf Haas den Ich-Erzähler in seinen vier Simon-Brenner-Kriminalromanen. Haas denkt dabei zurück an seine Kindheit, wie er mit seinen Eltern im Wirtshaus gesessen ist. Die Erwachsenen erzählen sich immer gegenseitig, wie es wirklich war, denn jeder weiß es besser als der andere. Dieser Erzähler weiß auch über alles bescheid, was der Privatdetektiv Brenner so denkt und tut.
Besonders auffällig ist, dass der Erzähler die Leser immer mit Du anspricht. Dieses Du ist für Haas sehr wichtig, denn er möchte eine gewisse Beziehung zwischen Leser und Erzähler heraufbeschwören.
Der Erzähler ist keineswegs eine Person, mit der man sich identifizieren kann, „weil er oft auch einen Blödsinn redet.“ Manchmal ist man für ihn und manchmal gegen ihn, wobei Haas oft damit ein Problem hat, weil es für ihn schwierig ist, das beim Schreiben „auszutarieren“.

2.4. Die Sprache:

Für Wolf Haas ist bei seinen Werken die Sprache sogar wichtiger als die Handlung selbst. Ihm geht es in erster Linie ums Erzählen „und nicht ob am Ende geheiratet wird oder so was.“ Bei Haas wird die Geschichte eher nebenbei erzählt.
Er bedient sich bei seinen Kriminalromanen einer ganz eigenen Sprache. Es kommt einem so vor, als ob man im Wirtshaus sitzt und die Geschichten von jemandem erzählt bekommt. Man kann sie aber auch als schlampig dahergetratschte Alltagsgeschichten wirken lassen.
Es ist eine Sprache, in der sich das Artifizielle und das Ordinäre auf eine Art und Weise paaren und einen Typus Gebrauchsliteratur hervorbringen, der zur Zeit in der österreichischen Literatur konkurrenzlos ist.
Auf die Frage, wie er zu so einer Sprache gekommen ist, antwortet er wie folgend, denn angefangen hat es während seine Lektorats in Swansea: „Da hat es mir diese Sprache richtig heraufgespült. Wenn ich zuhause anrief, habe ich plötzlich stärker im Dialekt geredet als vor meiner Abreise. Es war eine komische Erfahrung. [...] Bewusst schlampig schreiben, das erforderte allerdings Konzentration.“

Zum Abschluss möchte ich noch ein letztes Zitat von Wolf Haas einbringen:
Ich frage mich im Nachhinein selber, wo ich die Zuversicht hergenommen hab, dass das alles klappen wird. Aber es ist doch auch leicht zu erklären: Sonst taugt mir ja nix.

Ende des Auszuges


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