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Spezialgebiet Deutsch
M A X F R I S C H
(1911 –
1991)
1. Zum Autor
2. Werke
3. Andorra
4. Biedermann und die
Brandstifter
5. Homo Faber
6. Faber und sein Amerikanisches
Weltbild
7. Die Rolle der Frau
8. Don Juan oder die Liebe zur
Geometrie
9. Mein Name sei Gantenbein
10. Quellenverzeichnis
1. Zum Autor
Max Frisch wurde am 15.05.1911 in Zürich
geboren. Nach dem Abschluss des dortigen Realgymnasiums 1930 begann er 1931 an
der Züricher Universität Germanistik zu studieren. Das Studium brach
er 1933 jedoch ab, da er durch den Tod seines Vaters in finanzielle
Schwierigkeiten geraten war. So widmete Frisch sich fürs erste dem
Journalismus und schrieb für "Die neue Zürcher Zeitung". Nebenbei
schrieb er erste Reiseberichte und verfasste sogar seinen ersten Roman.
Wachsende Selbstzweifel und und eine daraus resultierende Bewusstseinskrise
führten dazu, dass er alles von sich Geschriebene verbrannte. Fortan
vermied er jegliche schriftstellerische Tätigkeit.
1936 entschloss Frisch sich zum Beginn eines
Architekturstudiums. Ein Freund von ihm unterstützte ihn dabei finanziell.
Als er von 1939 bis 1945 seinen Militärdienst leisten musste, führte
ihn unter anderem dieser Dienst, unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges, zur
Schriftstellerei zurück. Noch während seines Militärdienstes
beendet er 1941 sein Studium mit dem Erwerb des Diploms. 1942 heiratet er
Constanze von Meyenburg und eröffnet im gleichen Jahr nach Gewinn eines
Architekturwettbewerbes ein Architekturbüro. Frisch führte
während dieser Zeit einen Doppelberuf als Architekt und Schriftsteller
aus.
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In den darauffolgenden Jahren unternahm Frisch
sehr viele Reisen in das Nachkriegseuropa.
Seine Begegnung mit Brecht und seinen Ideen vom
"epischen Theater" am Genfer See 1948 prägte Frisch zunehmend.
1951 ermöglichte ihm ein
Rockefeller-Stipendium einen Aufenthalt in den USA, dessen neue Erfahrungen sich
u.a. in Frischs "Homo faber" niederschlugen.
1954 war Frisch auf dem literarischen Markt so
etabliert, dass er sein Architekturbüro aufgab und sich nur noch der
Schriftstellerei widmete. Zu seiner beruflichen Veränderung kam auch ein
privater Wandel hinzu. Er trennte sich von seiner Frau Constanze und wechselte
fortan häufig seinen Wohnsitz.
1958 wurde sein Stück "Biedermann und die
Brandstifter" in Zürich uraufgeführt. 1968 heiratete Frisch erneut.
Seine Ehe mit Marianne Öllers wurde jedoch 1978 getrennt. In den 80'er
Jahren engagierte sich Frisch zunehmend politisch und hielt häufig
Vorträge auf sozialdemokratischen Parteitagen. Seine neuen Dramen verloren
immer mehr an Popularität. Zu verworren waren die Verstrickungen seiner
Figuren in ihrer undurch- sichtigen Umwelt. Teilweise waren die Vorlagen
für diese Dramen einfach nicht spielbar.
Am 4. April 1991 starb Frisch in Zürich.
2. Werke
Tagebuchberichte
– “Blätter aus dem
Brotsack”
– “Tagebuch
1946-49”
Romane
–
“Stiller”
– “Homo
Faber”
– “Mein Name sei
Gantenbein
Dramen
– “Die chinesische
Mauer”
– “Graf
Oederland”
– “Biedermann
und die Brandstifter”
–
“Don Juan oder die Liebe zur Geometrie“
- “Andorra“
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- Andorra
Inhalt
In einem imaginären Kleinstaat Andorra,
leben die Einwohner in Vorurteilen voneinander getrennt als "Schwarze" und als
"Weiße". Der junge Andri wächst nun im weißen Andorra auf. Auf
Grund des Gerüchts, sein Pflegevater, der Lehrer, habe ihn als Judenkind
vor dem Zugriff der "Schwarzen" gerettet und aufgezogen, wird ihm das Schandmahl
des Andersartigen aufgeprägt. Die "Weißen" haben nun einerseits die
Angriffe auf die Juden seitens der "Schwarzen" geächtet und als Andri klein
war ihn liebevoll behandelt, andererseits demaskieren sie ihre heuchlerische
Mildtätigkeit nun, da sie Andri in ein für Juden bestimmtes
Klischeeverhalten hineindrängen wollen. Sie wollen gar nicht in ihm einen
Menschen erkennen, sondern sehen in ihm nur einen Juden, der er nun gar nicht
ist. Der Tischlermeister meint er sei als Tischler untragbar, da ja jeder wisse,
dass Juden nur für das Geschäftliche, nicht aber für ein Handwerk
taugen.
Der Tischler verlangt nun einen hohen Betrag
für die Ausbildung Andris zum Tischler, da er meint er tauge nichts als
Handwerker. Andri erweist sich zwar als sehr geschickt, doch der Tischler testet
den fertigen Stuhl des Gesellen, dieser zerbricht, Geselle und Tischler
behaupten nun der Stuhl sei von Andri. Der Soldat misshandelt ihn - der Arzt
beleidigt ihn aus bornierter Eitelkeit. Der Pater hält ihn vor "er solle
sich selber helfen", vermag ihm aber nicht zu helfen, da auch er sich an ein
falsches Bild hält. Von einer Mauer des Vorurteils umgeben, klammert sich
Andri an seine Liebe zu Barblin, der ehelichen Tochter seines Pflegevaters. Er
will mit ihr, um seinen Quälgeistern zu entkommen, sobald er Geld genug
hat, fliehen. Als ihm die Hand des Mädchens verweigert wird - da sie ja in
Wirklichkeit seine Halbschwester ist - ,bildet Andri eben jene Eigenschaften
aus, die seine Umgebung ihm unablässig einzuhämmern versucht. Der Wahn
seiner Umwelt wird zum Wunschbild seiner Existenz: "Ich will anders sein." Das
Verhängnis nimmt nun seinen Lauf.
Andris Mutter, eine "Schwarze", kommt nun in
das Dorf Andris. Da Gerüchte umgehen, es solle Krieg geben zwischen den
"Schwarzen", und den "Weißen", spielt sich der Soldat auf - die
hübsche Frau soll eine Spionin sein.
Als Andris Mutter ihn zu seinem Vater
führt, erkennt sie seinen Vater, und verlangt von ihm Rechenschaft, warum
er dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat.
Nun kommt die Feigheit des Vaters zum
Vorschein, die Mutter versucht nun Andri verzweifelt zu erklären, dass
Barblin seine Halbschwester ist. Sie schenkt ihm ihren Ring, damit er eine
Existenz hätte.
Auf dem Rückweg, wird sie mit einem Stein
erschlagen. Wer der Mörder ist, bleibt unklar. Die "Schwarzen" versuchen
natürlich den Mord an der Frau zu klären - dass ein Jude in dem Dorf
ist, ist natürlich sehr angenehm.
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Der Vater versucht nun verzweifelt den Menschen
klarzumachen, dass Andri sein leibhaftiger Sohn ist. Doch es ist bereits zu
spät - selbst wenn sie ihm glauben - sie benötigen einen Schuldigen,
und sie wollen lieber den unbeliebten Andri, als den tatsächlichen
Mörder preisgeben. Die "Schwarzen" veranstalten nun eine "Judenschau": Ein
eigener "Judenschauer" soll den Schuldigen erkennen. Andri, der nun die Rolle in
der er hineingedrängt wurde, angenommen hat, wird "erkannt" und erschossen.
Sein Vater, sich seiner Schuld bewusst, erhängt sich. Seine Schwester,
übrigens die Einzige die wenn auch schwach, Widerstand leistete, kann den
psychischen Druck nicht verarbeiten und wird geisteskrank. Mit irrer
Gebärde weißelt sie die Stadt, als Mahnmal erinnert sie so an die
Grausamkeit, Feigheit und Verlogenheit der Dorfbewohner.
Charakterisierung
Die Andorraner
Die Andorraner sind die tatsächlichen
Akteure, Andris Aktion ist Reaktion im eigentlichen Sinne des Wortes. Das
strukturelle Grundmerkmal der schicksalhaften Begegnung ist geprägt von
dieser Aktion und Reaktion, wobei bezeichnenderweise die Aktionen der Andorraner
nach dem Mord und der Machtübernahme durch die Schwarzen kaum noch
auszumachen sind.
Das Tun der Andorraner ist nicht also Handeln
im eigentlichen Sinn, sondern Denken, Sagen, Geisteshaltung. Deshalb kann man
den Andorranern auch direkt nichts vorwerfen, lässt man einmal streng
moralische Kategorien außer acht. Die Andorraner verfallen also dem
Klischeedenken, indem sie die Züge des "Judas" erkennen wollen.
Andri
Andri ist der Pflegesohn des Lehrers Can. Andri
ist aber in Wirklichkeit der leibliche Sohn Cans und der Senora, einer Schwarzen
von drüben, was aber niemand weiß, auch Andri nicht. So sehen die
Andorraner in ihm den typischen Juden und behandeln ihn nach diesem vorgefassten
Bild. Unter dem Zwang, der an ihn herangetretene Vorurteile übernimmt Andri
nach und nach dieses Bild des Juden und sieht sich schließlich in seinem
Anderssein bestätigt. Von dieser aufgezwungenen Identität rückt
er auch nicht mehr ab, als ihm nach einem Besuch der Senora seine wahre Herkunft
mitgeteilt wird.
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Lehrer
Neben Andri ist er die wichtigste
Person.
Zwischen dem Lehrer und den Andorranern gibt es
Spannungen; er hasst sie ( weil sie falsch sind) und diese behandeln ihn
schlecht ( weil er aggressiv ist und trinkt).
Er ist oft betrunken--weist daraufhin, dass er
Probleme hat--traut sich die Wahrheit nicht zu sagen. Der Lehrer erscheint mit
seinem Verhalten als Choleriker. Nach außen tritt er furchtlos, hart und
grob auf, ohne auf sein Ansehen Wert zu legen. Er erscheint aber gleichzeitig
schwach und feige gegenüber seiner Familie und den Andorranern. Er
ist außerdem wahrscheinlich ein Alkoholiker.
Nach Andris Tod erhängt sich der Lehrer
wegen seinen Schuldgefühlen in seinem Schulzimmer.
Barblin
Außer Andri ist sie die einzige Person,
die mit Namen genannt wird. Sie stellt damit keinen Gesellschaftstyp dar (wie
der Wirt oder Tischler), sondern eine ganz bestimmte Person. Der Soldat
belästigt sie. Barblin sagt zwar, sie sei verlobt, traut sich aber nicht
Andri zu nennen. Sie wirkt durch diese Annäherung irritiert.
Soldat
Er gehört in den öffentlichen
gesellschaftlichen Bereich. Genau wie die anderen Personen stellt er mit seinem
Typ ein Gruppe dar; nämlich die der andorranischen Armee. Er vertritt die
Arme und alle Leute, die feige, prahlerisch und brutal sind, die auf eignes
Denken verzichten, alles nachplappern und sich jeder führenden Macht
bedenkenlos zur Verfügung stellt.
An der Zeugenschranke erklärt der in zivil
gekleidete Soldat ja nur seine Pflicht getan zu haben. Er bestätigt,
Andri nicht gemocht zu haben. Er hat aber die Macht der Gruppe- Armee- dazu
gebraucht, Andri zu vernichten
Tischler
Er scheint ein reicher Mann zu sein; Handwerker
mit alter Tradition.
Er bringt mit die
meisten Vorurteile. Er presst Andri am deutlichsten in die Rolle des Juden und
beeinflusst seine Entwicklung am negativsten.
Er verhält sich genauso geldgierig ,
wie er es den Juden unterstellt ,
Der Tischler findet es nicht gut, dass ein Jude
Tischler werden will; er hat es nicht im Blut.
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Er vertritt alle die, die
geschäftstüchtig und durch Vorurteile befangen sind. Gibt sich
großzügig, meint es angeblich gut, doch feilscht er, als es um Andris
Bezahlung geht , -will aus der jüdischen Geschäftstüchtigkeit
selbst Profit ziehen.
Außerdem
lehnt er berechtigte Reklamation seiner Kundschaft ab.
und geldgierig ist er auch noch, denn er
verlangt überhöhtes Lehrgeld, um sich die Ausbildung eines Juden gut
bezahlen zu lassen.
Wirt
Der Wirt gibt vor nichts gegen Juden und gegen
Andri zu haben; hält Andri für eine "regelrechte Ausnahme". Andri
verhält sich nicht so negativ, wie es Juden seiner Meinung nach tun, sonst
hätte er Andri ja auch nicht als Küchenjunge eingestellt. Doch der
Wirt hat allerdings was gegen Juden, weil Andri doch nur eingestellt wurde, weil
er eine Ausnahme sei .
Er bestätigt zwar, dass das Lehrgeld
Wucher ist, - er zeigt sich verständnisvoll. " Aber wenn's um Geld geht
verhalten sich die Andorraner wie der Jude". Und genau nach diesem Vorurteil
verhält sich auch der Wirt: Er nutzt nämlich die Geldnot des Lehrers
aus, um ihn sein Land weit unter Preis abzukaufen. er nutzt die Notlage
gewinnbringend für sich aus.
Den Stein hat er aber bestimmt nicht aus Hass
auf die Schwarzen geworfen. Er hat der Senora als eifriger Geschäftsmann
Unterkunft gewährt. Mit dem Steinwurf möchte er den fremdenfeindlichen
Andorranern beweisen, dass er trotzdem hinter ihnen steht. Er legt Wert auf das
Gastrecht und zeigt sich pflichtbewusst , doch er hat es nur auf das Geld der
Senora abgesehen. Gemütlich möchte er wirken; doch doch den Steinwurf
zeigt er sich tatsächlich gewalttätig.
Er vertritt alle , die sich jeder Situation
anpassen, um an seinen Profit zu kommen und die auch nicht vor einer
heimtückischen Gewalt zurückschrecken
Doktor
Er verkörpert alle, die beschränkt
und vorurteilsbefangen sind, die aber in einer gesellschaftlichen anerkannten
Position sind und ihr Fehlverhalten nicht eingestehen, sondern es mit
schönen Phrasen zudecken und die Schuld daran anderen
zuschieben
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Interpretation
Max Frischs "Andorra" kann als ein
Lehrstück der Nachkriegszeit aufgefasst werden, da es die Probleme der
Juden zur Zeit des 2. Weltkrieges deutlich erkennen lässt. Er zeigt
deutlich die Probleme des Rassismus und der Vorurteile gegenüber
Minderheiten. Auch zeigt er seine Abneigung gegen das Militär, da er die
Soldaten als äußerst primitive Menschen darstellt. Gegen all diese
Verbrechen an den Juden geht Max Frisch in seinem Lehrstück "Andorra" vor.
Aber sein Drama "Andorra" bezieht sich nicht nur auf
Vergangenheitsbewältigung, es geht ebenso um Heutiges, Gelebtes und
Zukünftiges.
Nennung der schlimmsten Charaktereigenschaften:
Geiz, Feigheit.
Die Bedeutung des Namens "Andorra"
Gemeint ist natürlich nicht der wirkliche
Kleinstaat dieses Namens. Andorra ist der Name für ein Modell. Es zeigt den
Prozess einer Bewusstseinsveränderung, abgehandelt an der Figur des jungen
Andri, den die Umwelt so lange zum Anderssein zwingt, bis er es als sein
Schicksal annimmt. Dieses Schicksal heißt in Max Frischs Stück
"Judsein". Aus diesem Grunde liegt Andorra natürlich auch in Deutschland.
Doch ebenso gut könnte es sich auf einem anderen Teil der Erde befinden.
Die Länder, die Staaten sind austauschbar,
denn Andorra könnte immer dort sein wo es Minoritäten gibt, die am
Rande der Gesellschaft existieren und dadurch Vorurteilen und Repressalien
ausgesetzt sind.
Die Symbolik in dem Stück
Zum einen wird die Symbolik der Farben in
diesem Stück offenkundig. Da wird immer dieses schneeweiße Andorra in
den Mittelpunkt gestellt. Doch dieses Andorra ist in Wirklichkeit blutrot. Die
Bedrohung durch das Nachbarland, Tod und Hinrichtung sind alles Hinweise auf das
katastrophale Ende.
Bedeutung der Zeugenschranke
Dies soll nur die öffentliche Meinung
vertreten! An der Zeugenschranke erscheinen nach und nach alle andorranischen
Personen des öffentlichen Lebens. Sie sind nicht als einzelne individuelle
Person zu sehen, sondern sie verkörpern jeweils einen bestimmen Typ in der
andorranischen Gesellschaft.
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Sie stehen für das breite Volk, das sich
eine Meinung gebildet hat, bzw. das sich ein Bildnis von Andri gemacht hat.
Die Darsteller des öffentlichen
Lebens rechtfertigen sich, und zeigen sich einsichtig, Fehler gemacht zu haben:
erhöhte Lehrgeldforderung, die Stuhlverwechslung, dass man sich über
Andris Herkunft getäuscht hat, ihn nicht leiden konnte, der Steinwurf nicht
erwiesen ist
Diese Verfehlungen sind
offensichtlich, der Hauptfehler, Andri in die Judenrolle gepresst zu haben- mit
den Vorurteilen- wird aber verdrängt. Außerdem sagen sie , Andri
wäre mit schuld an dem ganzen Ausgang.
Deutlich wird auch folgendes: Nur weil
Andri kein Jude nun gewesen ist, bedauern alle das Geschehene. Also wenn er
wirklich Jude gewesen wäre, hätten sie auch keine
Schuld.
Damit wird gezeigt, dass die Andorraner an
ihren Vorurteilen festhalten und dass sie unbelehrbar sind. Sie verdecken und
verdrängen ihr Versagen. Sie haben nichts dazu gelernt. Das
wird deutlich an der Zeugenschranke gezeigt
Der einzige, der sich wirklich schuldig zeigt
ist der Pater - Er hätte sich kein Bildnis machen dürfen. Auf seine
Schuld nicht als Entlastungszeuge bei dem Steinwurf ausgesagt zu haben, geht er
nicht ein.
Gedanken, Weltbild und Menschbild
Frischs
Frisch will mit seinem Werk dem Leser
verdeutlichen, wie schlimm es ist, sich von einem Menschen ein Bild zu machen.
Dem Juden werden viele negative Eigenschaften unterstellt. Ganz gleich wie er
sich verhält, scheint er angeblich das Böse in sich zu
verkörpern. Frisch lässt Andri als angeblichen Juden auftreten und
zeigt uns, wie die gesellschaftlichen antisemitischen Vorurteile Andri zu Fall
bringen. Ich denke, der Autor will uns mit seinem Stück auffordern, auf
Bildnisse zu verzichten.
Frisch erkennt,
dass sich Menschen oft Bildnisse von seinen Mitmenschen machen. Diese Personen
werden dadurch in Rollen gedrängt, die ihrem Wesen nicht entsprechen.
Er kritisiert die negativen Vorurteile,
die wir Minderheiten- wie z.B. Juden oder auch Ausländer gegenüber
entgegenbringen. Eigenschaften, die uns an uns selbst stören, schiebt man
gerne Minderheiten zu und macht diese zu Sündenbock . Diese Gedanken, die
Frisch wohl bewogen haben, dieses Stück zu schreiben, zeigen eigentlich,
dass sein Welt- bzw. Menschbild nicht allzu positiv ist.
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- Biedermann und die Brandstifter
(Lehrstück ohne Lehre)
Inhalt
In einer Stadt kommt es immer wieder vor, dass
sich Untermieter in ein Haus einnisten und dann dieses Haus niederbrennen.
Gottlieb Biedermann ist sich sicher, dass ihm so etwas nie passieren kann. Eines
Tages dringt ein lästiger Besuch in sein Heim: der Ringer Josef Schmitz,
ein Mensch von triefender Sentimentalität und höhnischer
Verschlagenheit, bittet um Obdach auf dem feuergefährlichen Estrich.
Biedermann sträubt sich, erliegt aber der Schmeichelei, mit der Schmitz
seine Spießermentalität, seinen Egoismus, sein Misstrauen, schlechtes
Gewissen und sein Sicherheitsdenken geschickt zu manipulieren weiß. Er
wirft den Ringer nicht hinaus. Herr Biedermann ist aber nicht immer so
nachgiebig, wie es hier scheint. In seinen eigenen geschäftlichen
Angelegenheiten zeigt er sich als kalter, nüchterner Rechner.
Seinen Angestellten Knechtling, der
offensichtlich eine Erfindung in Biedermanns Haarwasserfabrik gemacht hat und
der sich durch eine Beteiligung an der Ausnutzung der Erfindung eine
wirtschaftliche Verbesserung seiner Lage verspricht, wird rücksichtslos von
Biedermann gekündigt und damit seiner Existenzgrundlage beraubt.
Er empfiehlt Knechtling, entweder sich einen
Anwalt zu nehmen, was Knechtling finanziell gänzlich unmöglich ist,
oder sich unter dem Gasherd zu legen. Das Verhalten Biedermanns gegenüber
Knechtling macht ihn zum potentiellen Mörder, da sein ehemaliger
Angestellte seinen Rat befolgt und Selbstmord begeht.
Nachdem sich Schmitz immer stärker in die
Häuslichkeit Biedermanns gedrängt hat und sich von seiner Frau ein
Frühstück servieren lässt, kündet er seinen Helfershelfer,
den ehemaligen Kellner Willi Eisenring an. Die ganze Nacht lang sind die beiden
Brandstifter damit beschäftigt, Benzinfässer auf dem Dachboden zu
stapeln, um das Feuerwerk sachgemäß vorzubereiten. Als Biedermann den
Neuankömmling und Schmitz aus dem Haus weisen will, da seine Frau Babette
durch das Gepolter der herangerollten Fässern am Schlaf gehindert wird,
trifft ein Polizist ein.
Gottlieb der gerade kurz vorher erfahren hat,
dass Benzin in den Fässern lagert, könnte sich nun dem Polizisten
anvertrauen, doch hat er sich Knechtling gegenüber in eine schiefe Lage
gebracht, denn Schmitz ist darüber informiert, dass Biedermann Knechtling
empfahl, sich unter den Gasherd zu legen. Als der, auf die Anzeige Frau
Knechtlings eintreffender Polizist ihm nun mitteilt, Knechtling habe sich
tatsächlich unter den Gashahn gelegt, hält ihn die Furcht vor dem
unangenehmen Zeugen Schmitz, die beiden Brandstiftern zu
verraten.
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Am Nachmittag hilft Biedermann Willi die
Zündschnur anzulegen, während Schmitz dabei ist, Holzwolle
aufzutreiben, die ideal für die Funkenvertreibung sei. Biedermann hingegen
versucht alles als Scherz auszulegen, während ihm Eisenrings offenes
Bekenntnis tatsächlich keinen Zweifel an ihrer Absicht lässt.
Biedermann kommt nicht zur Einsicht und bietet ihnen selbst Streichhölzer
an.
Nachspiel
Nach dem Brand befindet sich die Familie
Biedermann in der Hölle. Schmitz und Eisenring entpuppen sich als Teufel
und Beelzebub auf der Jagd nach den Großen der Welt. Aber nur die Kleinen
werden gefangen, da die uniformierten Übeltäter vom Himmel Amnestie
erhalten. Also streikt die Hölle, und die verbrannte Stadt ersteht neu in
Chrom und Nickel, da die Hölle sich erhofft, beim nächsten Mal
größere Beute zu erzielen.
Charakteristik
Gottlieb Biedermann
Biedermann ist ein unverbesserlicher,
charakterloser Schwächling, der mit seinen Artgenossen zusammen die meisten
Katastrophen dieser Welt dadurch herbeiführt, dass er zunächst seinen
Vorteil daraus zieht, dann aber nichts mehr damit zu tun haben will und sich aus
der Verantwortung stiehlt. Er ist eine Art Prototyp eines heuchlerischen
Spießers und strebt nach Ansehen und Beliebtheit. Er ist ein ehrgeiziger
Geschäftsmann.
Babette
Ist die Ehefrau Gottliebs und die typische
Kleinbürgerfrau. Sie zeigt sich sehr ängstlich und wirkt sympathischer
als ihr Ehemann. Kann kein wahres Mitleid zeigen (Knechtling).
Josef Schmitz
Josef Schmitz ist ein großer
stämmiger Mann der um die 45 Jahre alt ist. Er ist arbeitslos und
obdachlos. Früher war er Ringer in der Kategorie
„Schwergewicht“, was man an seinen Muskeln und seinem stämmigen
Körperbau erkennen kann. Schmitz tut so, als wäre er der unschuldigste
und harmloseste Mensch auf Erden, jagt Biedermann aber trotzdem ein bisschen
Angst ein.
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Er betont immer, das man sich wegen ihm
bloß keine Umstände machen solle, spricht aber ohne sich zu genieren
jeden Wunsch aus, den er dann auch von Biedermann oder von der Dienerin
erfüllt bekommt. Schmitz hat auch keine Manieren und kein Benehmen, was
vielleicht daran liegt, dass er der Sohn eines Köhlers ist und immer in
Armut gelebt hat. Schmitz war auch schon einmal im Gefängnis. Wie man
später durch DR. Phil. erfährt, hat Schmitz nur aus purer Lust
Brände gelegt. Schmitz war sicher auch ein bisschen verrückt.
Willi Eisenring
Willi Eisenring ist ein vornehmer Mann der wie
Josef Schmitz um die 45 Jahre alt ist. Sein typisches Kennzeichen ist, dass er
immer einen Frack trägt. Diesen Frack trägt er wahrscheinlich, weil er
einmal Kellner war. Auch er ist obdachlos und arbeitslos. Wie sein bester Freund
Josef Schmitz war auch er schon einmal im Gefängnis. Und wie es der Zufall
so gewollt hat, haben sich Schmitz und Eisenring im Gefängnis
kennengelernt. Im Gegensatz zu Schmitz hat Eisenring aber ein sehr gutes
Benehmen und auch Manieren, was wahrscheinlich daran liegt dass er einmal
Kellner war.
Wenn Eisenring manchmal mit Schmitz schimpft,
weil dieser sich unkorrekt verhalten hat, könnte man glauben, dass
Eisenring der Vater von Schmitz ist. Die vornehme, ruhige Art, hat auf
Biedermann einen guten Einfluss und Biedermann kommt auch nicht auf den
Gedanken, dass ein so gescheiter Mann ein Brandstifter sein könnte.
Interpretation
+) Modell für die Gefährlichkeit der
politischen Dummheit des Bürgers
+) Bequemlichkeit, wenn es heißt, gegen
Mächtigere etwas zu unternehmen
+) Neigung, gegen besseres Wissen zum
Mitläufer zu werden und damit zum Mitschuldigen.
Max Frisch deutet um die Darstellung eines
durchschnittlichen Bürgers, der ein schlechtes Gewissen hat...und der ein
gutes haben möchte, ohne irgend etwas zu
verändern”.
Max Frisch nennt sein Spiel “Ein
Lehrstück ohne Lehre”. Er deckt in ihm schonungslos Missstände
auf, weist auf die Notwendigkeit einer radikalen Änderung hin, zeigt sie
aber nicht selbst, sondern überlässt das dem Nachdenken der
Leser(Zuschauer). Das Stück ist die Kritik zu einer Gesellschaft, die aus
reinen egoistischen Motiven nur zu gern bereit ist ein Bündnis mit den
Brandstiftern zu schließen, ohne jedoch zu wissen, dass sie selbst als
erste vernichtet wird.
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Frisch zeigt im Stück keine Einsicht und
Wirkung.
Man kann die Moral dieses >Lehrstücks
ohne Lehre< auf die jüngste Vergangenheit anlegen.
Es kann bedeuten:
Wir wussten, dass Hitler Krieg, Vorherrschaft,
Brand und Ausrottung meinte. Er hat es deutlich genug gesagt, trotzdem hat man
es nicht recht geglaubt.
Lehrstück ohne Lehre
Max Frisch orientiert sich an Berthold Brecht,
der auch einige Lehrstücke geschrieben hat. Durch die Beifügung ,,ohne
Lehre" weist er aber darauf hin, dass die betroffenen Personen in seinem
Stück nichts aus der Situation gelernt haben.
- Homo
Faber
Inhalt
Der Bericht beginnt damit, dass sich Walter
Faber von seiner Geliebten Ivy verabschiedet und nach Caracas fliegt, wo er die
Montage einer Turbine überwachen soll. Während des Fluges lernt er den
Deutschen Herbert Hencke kennen, dessen Bruder Joachim versucht in Guatemala
eine Tabakplantage aufzubauen. Wegen eines Motorschadens muss die Maschine in
der Wüste notlanden. Faber erfährt, dass Joachim, sein Jugendfreund,
seine (Fabers) ehemalige Verlobte Hanna geheiratet hat, dass diese Ehe aber bald
wieder in die Brüche gegangen ist, obwohl sie eine Tochter gehabt
haben.
In der nun folgenden Rückblende
erzählt Faber die Geschichte seines Verhältnisses mit Hanna Landsberg,
einer Halbjüdin, die ihn obwohl sie ein Kind von ihm erwartet, nicht
heiraten will. Damit beendet er den Rückblick wieder, teilt Herbert mit,
dass er sich entschlossen hat seinen Caracasaufenthalt zu verabschieden und
statt dessen Joachim zu besuchen. Nach einer schwierigen Fahrt durch den
Dschungel erreichen sie Joachims Plantage, finden diesen dort aber erhängt
vor.
Daraufhin übernimmt Herbert die Plantage
und Faber fliegt nach New York zurück. Als ihn Ivy bei seiner Ankunft in
New York erwartet, obwohl er ihr mitgeteilt hat, dass er auf eine weitere
Beziehung keinen Wert legt, beschließt er, schon am nächsten Tag mit
dem Schiff nach Europa weiterzureisen. Während der Überfahrt lernt er
Sabeth kennen, die zu ihrer Mutter nach Griechenland unterwegs ist. In Paris, wo
Faber beruflich zu tun hat, trifft er zufällig Sabeth wieder und
beschließt mit ihr nach Griechenland zu fahren.
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Auf ihrer Kulturreise durch Oberitalien wird
Sabeth zu Fabers Geliebten und er erfährt dann auch, dass sie die Tochter
von Hanna ist, glaubt aber noch immer, dass Joachim Sabeths Vater ist. Nach der
Überfahrt nach Griechenland wird Sabeth von einer Schlange gebissen. Faber
bringt die verletzte Bewusstlose unter großen Schwierigkeiten nach Athen.
Dort trifft er im Spital Hanna
wieder.
Das Buch endet in einem Krankenhaus, wo sich
Faber befindet, um heraus zu finden ob er Magenkrebs hat oder nicht. Er ist fest
davon überzeugt, aber Max Frisch lässt das Ende
offen.
Charakteristik
Walter (Homo) Faber
Das Beiwort Faber bedeutet geschickt und
kunstfertig. Homo Faber ist von heute aus gesehen der Mensch der exakten
Wissenschaft und der Technik, er beobachtet, misst und wägt, zieht
Schlüsse, fällt Entscheidungen und erlässt den entsprechenden
Befehl.
Sein Weltbild ist rein
naturwissenschaftlich-rationalistisch bestimmt. Er denkt nur in mathematischen
Verhältnissen und technischen Fakten. Für ihn bedeuten Welt, Natur,
Leben und Gefühle nur etwas Berechenbares, er betrachtet alles Geschehen
unter dem Aspekt des kausalen Zusammenhanges von Ursache und Wirkung. Sogar das
Seelenheil und die Liebe sind für ihn nur Ergebnisse von Bewegungen
molekularer Substanzen. Um Schicksalsschlägen ihre Wirkung zu nehmen,
flüchtet er sich in Statistiken und rationelle Gedanken. Für Faber
gibt es weder Unvorhergesehenes nach Gott, denn dafür gibt es in seiner
rationalistischen Welt keinen Platz.
Mit Sabeth tritt jemand in sein Leben, der
seine Theorien über ein gefühlskaltes Leben wiederstößt.
Faber muss beginnen umzudenken und erkennt schließlich am Endes seines
Lebens, dass seine Weltbilder nur Trugbilder einer industriellen
Konsumgesellschaft waren.
Walter Faber ist ein Mensch, der seinen
Mitmenschen, in unserem Fall den Lesern, seine Gefühle nicht
zeigt
Hanna Landsberg
Sie ist deutsche Halbjüdin, und das genaue
Gegenteil von ihrem früheren Liebhaber Faber. Sie ist sehr emanzipiert,
interessiert und intelligent, ähnlich wie Faber, aber sie glaubt auch an
den Tod und Zufall. Gefühle zu zeigen stellt kein Problem für Hanna
dar. Es ist ihr vorzuwerfen, dass sie Homo Faber die Existenz der gemeinsamen
Tochter verschwiegen hat.
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(Eli)Sabeth Landsberg
ist Homo Fabers und Hanna Landbergs Tochter.
Sie hat gerade erst die Schule abgeschlossen, und ist auf der Reise mit einem
Schiff von New York nach Europa, als sie das erste Mal Homo Faber begegnet.
Faber fällt sie sofort auf, aber er weiß nicht wem sie ähnlich
sieht. Er hat zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Ahnung, dass er sich
mit seiner Tochter trifft. Sie ist eine junge, interessierte,
gefühlsbetonte und lebensfreudige Frau. Sabeth und Walter lassen sich
während der Reise in Frankreich, Italien und Griechenland auf eine
Affäre ein, welche im Inzest endet.
Interpretation
1. Die Zerstörung des rationellen
Weltbildes Walter (Homo) Fabers
2. Die Lebensbeziehung zwischen Vater und
Tochter
3. Identitätsproblem
Die 3 Punkte: der
Flugzeugabsturz in Mexiko, der Suizid seines Freundes und die Tatsache eine
Tochter zu haben, lassen Homo Fabers rationales Weltbild verschwinden, welches
sich durch das Gefühl ersetzt einen Teil seines Leben verschlafen zu haben.
" ... aber auch Hanna hat nicht ahnen können, dass Sabeth auf dieser
Reise gerade ihrem Vater begegnet, der alles zerstört - " Er begreift
den Großteil des Lebens als gefühlloser, berechnender und asozialer
Mensch verbracht zu haben.
Homo Faber ist ein erfolgreicher Ingenieur, der
bei Frauen sehr viel Anklang findet. Er nutzt dieses aus, aber eigentlich hat er
immer nur oberflächliche Beziehungen, mit Frauen als auch mit
männlichen Freunden. Nach den drei, für Homo Faber eher statistisch
unwahrscheinlichen Hergängen; der Flugzeugabsturz, der Selbstmord seines
Freundes und der Tod seiner eigenen Tochter, ist er zu einem anderem Menschen
geworden. Er glaubt einen Teil seines Lebens verpasst zu haben, und das Leben
eines anderen zerstört zu haben. Plötzlich scheint er auch
überzeugt zu sein, Magenkrebs zu haben. Früher hat er das sicher auch
anhand Statistik abgestritten. Am Ende hat Zufall und Tod doch Platz im Leben
des Homo Fabers gefunden.
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- Faber und sein Amerikanisches
Weltbild
Amerika, „Land der unbegrenzten
Möglichkeiten“, hat in Max Frischs „Homo Faber“ wohl
nicht nur die Aufgabe eines x-beliebigen Schauplatzes. Vielmehr benutzt Frisch
die USA in seinem Roman zur Charakterbildung Fabers, indem sich Walter Fabers
Einstellung diesem Land gegenüber genauso wie Fabers Leben selbst
fortlaufend verändert.
Fabers Haltung Amerika gegenüber kann, wie
der gesamte Roman an sich, in zwei Teile unterteilt werden. Der erste Teil
besteht aus dem ursprünglichen Leben Fabers, das von Technikbezug und
Rationalität geprägt ist. Amerika stellt für Faber die geistige
Heimat, die Realität und die Technik der Welt dar. Er sieht nicht ein,
warum andere Menschen behaupten, dieses Land hätte keine Tradition und
Kultur: „Er war zum ersten Mal in den Staaten, [...] wobei er das eine
oder andere (im ganzen fand er die Amerikaner kulturlos) trotzdem anerkennen
musste“. Den gesamten Roman hindurch ist Walter Fabers Einstellung zu
Amerika ein Symbol für seine Lebensfähigkeit und wirkliche
Selbständigkeit:
Konnte er anfangs noch als
pseudo-selbstständiger weltreisender Amerikaner nicht vom amerikanischen
Weltbild loskommen, so ist er am Ende wirklich frei: Er kann denken, fühlen
und erleben. Er ist nicht mehr oberflächlich und beherrscht von Technik,
und gleichzeitig hasst er die USA und deren Bewohner. Seine Haltung Amerika
gegenüber ist also in Frischs Homo faber das Symbol für Fabers
Entwicklungsstand zum „echten“ Menschen schlechthin.
Frisch lässt Amerika in seinem Roman zum
Sündenbock für die Gefühl- und Kulturlosigkeit der Welt werden.
Ob das berechtigt ist, darüber lässt sich streiten. Fest steht: Viele
der Klischees des typischen Amerikaners sind nicht einfach aus der Luft
gegriffen: Die USA sind das wohl am meisten technisierte Land der Welt, und
viele Amerikaner sind dank der Vormachtstellung der USA in der Welt
Kulturbanausen.
- Die Rolle der
Frau
Walter Fabers Einstellung zu Frauen erscheint
für die heutige Zeit diskriminierend. Er sieht sie als schwaches Geschlecht
an und behandelt sie oft wie Objekte. Er hält
„grundsätzlich“ nicht viel von festen Beziehungen oder Heirat,
weil Menschen für ihn „eine Anstrengung“ sind, und er
Gefühle als „Ermüdungserscheinungen“ sieht. Dafür
fühlt er sich in Kontakt mit technischen Geräten umso wohler, da diese
keine Gefühle von ihm verlangen; diese brauchen nur technisches Verstehen.
Er äußert sich fast nur über die Gesamtheit der Frauen, wobei er
ihre Individualität vernachlässigt.
- 16 -
So haben seiner Meinung nach „Alle Frauen
einen Hang zum Aberglauben, und weil er sie nicht verstehen kann, sind sie ihm
„unheimlich“.
Außerdem ist er überzeugt davon,
jeder „wirkliche Mann“ lebe in seiner Arbeit, er „schätze
sich glücklich , allein zu wohnen [...] [für ihn] der
einzigmögliche Zustand“. Sein Verhältnis zu Frauen wird durch
ein Erlebnis in seiner Kindheit geprägt, bei dem die Gattin seines
Professors ihn verführte. Er sagt über dieses Erlebnis, dass die
Gattin ihm „wie eine Irre [...] oder wie eine Hündin“ (S.99)
vorkam. Überhaupt nennt er die Sexualität als solche des öfteren
„absurd“.
8. Don Juan oder Die liebe zur
Geometrie
Inhalt
Don Juan, Mathematiker und Offizier, der sich
bisher wenig aus Frauen gemacht hat, soll nun gegen seinen Willen mit Donna
Anna, Tochter des Komturs Don Gonzales und der Donna Elvira, verheiratet werden.
Der Hochzeit geht ein Maskenball voraus. Juan, der seinen Freund Rodrigo
vergeblich bittet, ihm zur Flucht zu verhelfen, hat im Park nachts die Gunst
einer Unbekannten errungen.
Als er am nächsten Tag erfährt, dass
er in der Dunkelheit seine eigene Braut umarmt hat, verzichtet er auf die Ehe.
Er will sich lieber seinem Hobby, der geliebten Geometrie, widmen, die ihm als
exakte Wissenschaft mehr zu geben hat als alle Liebeserlebnisse. Da tritt ihm
Donna Anna in Schleier und Brautkleid entgegen, und er lässt sich noch
einmal von seinen Gefühlen hinreißen. Gerade als er mit der
Schönen gehen will, bringt Pater Diego die tote Donna Anna, die sich aus
Kummer ertränkt hat. Die scheinbare Donna Anna enthüllt sich nun als
Miranda. Nun hat Don Juan genug von diesen Nachstellungen und geht in eine
Klosterzelle, um sich ganz der Mathematik zu widmen. Vorher scheint es ihm aber
angebracht, sich bei den vielen Anbeterinnen einen Abgang zu verschaffen und
verschwindet in den Keller durch einen geheimen Gang der zum Kloster führt.
Überall glaubt man nun Don Juan sei
endlich zur Hölle gefahren, doch er lebt tatsächlich unter der Fuchtel
der zur Herzogin von Ronda gewordenen Hetäre Miranda, die ihm als reiche
Witwe auf ihrem Schloss Obdach gewährt und ihn zum Vater eines Kindes
macht.
- 17 -
Charakteristik
Don Juan
Zu Beginn des Stückes wird er von seinem
Vater und Don Gonzalo in drei wesentlichen Punkten vorgestellt: Er hatte bisher
noch nie etwas mit Frauen, spielt selbst im Bordell nur Schach; er liebt die
abstrakte Wissenschaft der Geometrie über alles und gilt als Held von
Cordoba, weil er die feindliche Festung exakt vermessen hat.
Don Juan versucht bis auf die Szene wo er die
als Anna verkleidete Miranda umarmt und seinen Gefühlen freien Lauf die
Rationalität über das Gefühl zu stellen.
Er weißt durchaus narzisstische Züge
auf, die jedoch erst nach der Nacht im Schlosspark mit Anna zum Vorschein
kommen.
Was er im Park in aller Natürlichkeit
erlebt hat, wird für ihn durch die kirchliche und gesellschaftliche
Sanktionierung unmöglich.
Nachdem er ein klares Nein bei der Hochzeit
verkündet, zeigt er seine zynische Seite. Don Juan stellt die Liebe als
etwas Negatives hin, wie einen Rausch, der den Geist verwirrt.
Er möchte nach diesen Erlebnissen die
Liebe vergessen und sich nur mehr der Geometrie widmen. In einem Dialog mit Don
Rodrigo sagt er selbst: „Ich habe ausgeliebt.“ Jedoch nach dieser
Szene muss er sich noch einmal der verkleideten Miranda hingeben. In dieser
Situation wird er zur tragischen Figur. Annas Tod ist wohl der tragischste
Moment in dem Leben von Don Juan. Er reagiert darauf sehr verschieden: Zuerst
entsetzt beim Anblick der Leiche derer, die er lebend vor sich zu sehen glaubte,
danach sogar bis zur Verzweiflung auf Grund der zerstörten Hoffnung. Jedoch
nach Annas Tod fürchtet er nichts und niemanden.
Im vierten Akt entpuppt sich Don Juan als
derjenige, für den man ihn gemeinhin hält: der große
Verführer der Frauen - wobei weitgehend unklar bleibt, ob er die Frauen
oder sie ihn verführt haben. Überdies bleiben auch keine Zweifel
darüber - da alle Frauen, die im vierten Akt zu ihm kommen, gestandene
Ehefrauen sind -, ob nicht Don Juan für sie ein Objekt verspäteter
Lust darstellte, das sie nur im Nachhinein beschuldigen, weil er nicht treu
geblieben ist.
Mit seinem Verschwinden will er nun alle
zufrieden stellen, die Frauen, die Kirche, die Konvention (Regeln des sozialen
Verhaltens, die für die Gesellschaft als Verhaltensnorm gelten) und auch
sich selbst. Außerdem ist er bankrott. Seine inszenierte Höllenfahrt
gelingt.
Im letzten Akt hat Juan es endlich erreicht. Er
hat seine Geometrie. Juan ist ein alter Mann geworden, der nörgelt, wenn
man ihn nicht pünktlich zum Essen ruft.
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Donna Anna
Donna Anna ist von außerordentlicher
Schönheit, die jedoch nur kaum an Persönlichkeit besitzt. Sie spricht
selten mehr als einen Satz und ist überhaupt ein sehr verträumtes
Mädchen.
Grundsätzlich will sie ihrem Vater alles
recht machen, jedoch sogar bei den Hochzeitsvorbereitungen spricht sie nur von
der Nacht im Park, wo sie Don Juan kennengelernt hat. Als Don Juan sie nicht
heiraten will, kann sie die Argumentation von Don Juan nicht verstehen, da sie
zu naiv ist.
Donna Anna wählt als Ausweg den Tod, indem
sie sich im Teich ertränkt.
Tenorio
Tenorio ist als er erfährt, dass sein Sohn
der Held von Cordoba ist erstmals stolz auf Don Juan. Jedes Mal wenn er
über etwas erstaunt ist äußert er sich mit einem „Junge,
Junge“. Max Frisch macht sich in seiner Komödie lustig über die
vorbestimmte Haltung des Vaters.
Don Gonzalo
Als Vater der Braut spielt er eine wesentliche
Rolle in Frischs Komödie. Er steht mit ganzen Herzen hinter seiner Tochter.
Er ist ein guter Christ, der sogar vor der Hochzeit noch
beichtet.
Als Don Juan die Ehre seiner Tochter verletzt,
will sich Don Gonzalo sofort für sie rächen, jedoch geht Don Juan
vorerst nicht auf einen Kampf ein. In der Nacht der Hochzeit ist er der Gegner
von Don Juan. Er hat sich als einziges Ziel gesetzt, seine Tochter zu
rächen. Er wird jedoch dabei zur komischen Figur. Als er Don Juan endlich
dazu bringt mit ihm zu kämpfen, wird er erstochen. Er musste dies
allerdings riskieren, da er sonst ein schlechtes Bild als Vater vor dem Volk
abgibt.
Donna Elvira
Sie ist von Don Juan hingerissen und
wünscht sich, dass sie nicht die Brautmutter sondern die Braut ist. In
ihren Dialogen erkennt man, dass sie eine lebenslustige und lebenskundige Frau
ist. Die Ehe zwischen ihr und Don Gonzalo ist schon länger nicht mehr
intakt und sie hat ein Verhältnis mit Pater Diego.
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Eigentlich verspürt sie keine Trauer, als
Don Juan die Verbindung mit Donna Anna ablehnt. Auch beim Kampf zwischen Don
Gonzalo und Don Juan wirft sie sich einmal dazwischen, jedoch nur um Don Juan zu
schützen.
Im letzten Intermezzo tritt sie nochmals in
einem Kloster auf. Sie ist dort hingegangen, da sie enttäuscht ist, dass
sie Don Juan nicht bekommen hat.
Don Rodrigo
Don Rodrigo ist ein Jugendfreund Don Juans, den
einzigen Freund, den er hat und den er dann im Verlauf des Dramas bewusst
herausfordert.
Interpretation
Frisch liefert mit seiner Bearbeitung des
Don-Juan-Dramas eine der originellsten und eigenwilligsten Deutungen, die dieses
Motiv im Laufe der Jahrhunderte erhalten hat. Max Frisch selbst
äußerte in einem Kommentar, dass Don Juan mehr mit Ikarus und Faust
verwandt sei als mit Casanova. Im Gegensatz zu allen anderen Deutungen von Rang
erscheint bei Frisch Don Juan nicht in erster Linie als ein von den Frauen
besessener Verführer, der nur fähig zur Eroberung, nicht aber zur
Liebe ist. Vielmehr entpuppt er sich in seinem Wesenskern als ein geradezu
unsinnlicher Mensch: Er liebt mathematisch klar erfassbare Wahrheiten, nicht die
verwirrende Vielfalt letztlich unausdeutbarer Gefühle.
Don Juans Sinnlichkeit ist äußere
Maskerade, während er in seinem Innern einer glasklaren, streng
disziplinierten Logik zuneigt, die seiner Meinung nach allein für
Männer reserviert ist. Indem er so die Geschlechter in schroff getrennte
Welten einsperrt - der Mann steht für Geist, die Frau für Sinnlichkeit
- muss er das weibliche Wesen stets als das Unbekannte fürchten, muss er
sich ängstlich auf seine eigene Domäne zurückziehen. Während
er im Bereich des Denkens zu Pioniertaten fähig sein mag, ähneln seine
Kontakt zu Frauen flüchtigen Expeditionen ohne größeren
Entdeckungswert. Eine alte Männer- Neurose in neuen
Worten.
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9. Mein Name sei
Gantenbein
Inhalt
Ein Ich rekapituliert sein Leben. Es versetzt
sich in drei verschiedene Persönlichkeiten: Gantenbein. Enderlin. Svoboda.
Diese Person, welche ja eine Erfindung des Ich - Erzählers ist,
schlüpft nun wiederum in eine andere Identität, nämlich in
diejenige eines Blinden. Obwohl Gantenbein sehen kann, wie jeder andere auch,
besorgt er sich eine Blindenbrille und einen Stock. In dieser Tarnung kann
Gantenbein nun seine Mitmenschen beobachten, ohne dass diese irgendeinen
Verdacht hegen. Er wird unterschätzt, weil man glaubt, er sehe
nichts. Oft stellt sich
Gantenbein auch vor, wie es wäre, wenn er diese gespielte Blindheit auf
einmal wieder aufgäbe. Er spielt das Spiel mit, er nutzt sein Rolle
und spielt sie gegen die Gesellschaft aus. Er hat Erfolg damit. Der Zweite ist
ein verunsicherter Intellektueller. Er wurde nach Harvard berufen, er hat es
geschafft, aber er kann mit seiner neuen Rolle nicht umgehen, er kann sein Leben
nicht so einfach verändern wie Gantenbein. Der Dritte ist ein Verlierertyp.
Er verliert seine Frau an einen anderen. Er kann damit nicht umgehen, er dreht
durch, er ,,fällt aus der Rolle".
Diese drei Persönlichkeiten sind offenbar
Teile des dahinterstehenden und erzählenden Ichs. Gemeinsam ist ihnen, dass
sich ihr Leben verändert, dass sie ihre ,,Rollen" verändern bzw.
verändern müssen. Gantenbein kann dies. Enderlin und Svoboda
können dies nicht. Alle drei Erzählstränge sind verbunden durch
die Figur einer Frau, genannt Lila. Sie war die Gattin Svobodas, ist die
Geliebte Enderlin und schließlich erneut die Frau Gantenbeins. Die
Hauptperson, der "Held" der Geschichte ist zweifelsfrei die Person Gantenbein.
Es handelt sich hier um einen Antihelden, welcher nicht einmal mehr Träger
eines individuellen Bewusstseins ist. Er liefert sich bewusst seiner Umwelt aus
und nimmt als Blinder an den meisten Situationen nur passiv
teil.
Interpretation
Frisch setzt sich in diesem Roman vermutlich
stärker und deutlicher als zuvor mit dem Problem der Identitätsfindung
auseinander: indem das erzählende Ich verschiedene Situationen als einer
der drei Protagonisten ,,durchspielt", sucht es nach seiner eigenen
Identität. Dabei findet es besonders Gefallen an Gantenbein, deshalb der
Titel. Gantenbein ist in der Lage seine Rolle zu wechseln, sein Spiel mit der
Gesellschaft hat Erfolg. Svoboda wird nie richtig angenommen, er ist von
vornherein der Verlierer. Enderlin kann seine Rolle nicht verändern.
Enderlin endet in der Vorausschau eines alltäglichen Ehelebens, eines
Lebens, in dem alles voraussehbar ist, indem der Erzähler erstarren
würde.
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Dieser Roman ist einen neue, ungewöhnliche
Version des einen Frisch’schen Grundthemas, nämlich des Problems von
Rolle und Wirklichkeit.
Er erfindet durch sein "Erzähler - Ich"
viele Wirklichkeiten, viele mögliche Begebenheiten, und ebenso erfindet er
mehrere mögliche Rollen für das "Ich" sowie für die
Partnerin.
Der Roman bietet eine unendliche Fülle von
Randgeschichten, die das Wichtigste sind. Eine eigentliche "Story" gibt es ja
nicht zu suchen, da das erzählende "Ich" keine Geschichte, sondern nur eine
Erfahrung hat. Mit den Fabeln, Märchen, Träumen und Vorkommnissen
steht und fällt denn auch dieses Werk. Ein Teil von ihnen offenbart Witz
bis hin zu hintergründigem Humor, andere sind voller Irrationalität,
manche voller Lebensphilosophie oder leben von Frischs Thesen, die durchaus
nicht ohne Widerspruch bleiben müssen.
Was hinter der Blinden - Rolle des Gantenbein
steckt, wird im Roman deutlich ausgesprochen. Man wird ihm eine Welt vorstellen,
wie sie in der Zeitung steht, und indem Gantenbein tut, als glaube er’s,
wird er Karriere machen. Mangel an Fähigkeit braucht ihn nicht zu
kümmern; was die Welt braucht, sind Leute wie Gantenbein, die nie sagen,
was sie sehen, und seine Vorgesetzten werden ihn schätzen." Hier wird
hinter der speziellen Intention des Blind - Spielens eine scharfe Zeitkritik
sichtbar, welche die vielen, tatsächlich lebenden "Gantenbeins" aufs Korn
nimmt.
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- Quellenverzeichnis
Frisch, Max: „Don Juan oder die Liebe
zur Geometrie“. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag, 1963
© &® 1993-1999 Microsoft
Corporation: „Microsoft Encarta Enzyclopädie 2000“.
Frisch, Max: Andorra/Biedermann und die
Brandstifter
Biographie und
Interpretation
Beyer
Verlag
Frisch, Max: Homo Faber
Suhrkamp Taschenbuch 354,
1977
Frisch, Max: dtv-Lexikon
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