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Referat

TitelLondon, Jack (1876-1916) 
AutorCarlo  Viscione as NoorK cviscione@dtc.ch 
Anzahl Worte3800 
SpracheDeutsch 
ArtReferat 
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

(JL Folie)

Die Lebensgeschichte des Jack Londons


Jack London wurde am 12. Januar 1876 in San Francisco geboren. Armut, Kinderarbeit und Hunger prägten seine gesamte Kindheit sehr stark. Sein Traum war wegzukommen von er Arbeit, der Armut und vorallem von dem Hunger. Er wollte in den Westen.

(JL Folie weg!)

San Francisco


San Francisco um 1876 ist eine aufregende, eine schillernde Stadt, eine Stadt der Abenteurer, Goldsucher, Glücksspieler und Seeleute, eine Stadt der Unruhe und Habgier. Auf der einen Seite gibt das Elend der Obdachlosenquartiere, das Chinesenviertel, Kneipen, Bordellstrassen, Spielsalons und Opiumhölen. Andererseits gibt es die Schlossähnlichen Villen der Moneymaker, der wenigen, die es bereits geschafft haben, reichlich Geld zu verdienen. Der rasch erworbene Reichtum wird protzig zur Schau gestellt. Noch ist alles offen: Die Industrialisierung kriegt jetzt erst so richtig dampf. Die Eisenbahnverbindung zwischen Pazifik und Atlantik ist, als Jack geboren wird, gerade erst sieben Jahre alt. Jetzt kann man gross umsteigen und umladen in San Francisco. Von der Bahn aufs Schiff, von Ost nach West und umgekehrt.
Und schliesslich: San Francisco bietet phantastische Fluchtmöglichkeiten. Schon als kleiner Junge träumt Jack London seine ersten Segelbootträume von der grossen Reise durchs Golden Gate, das goldene Tor.

Jacks Kindheit


Seinen leiblichen Vater, William Harry Chaney, einen spiritistischen Philosophen, Astrologen und Wanderprediger hat Jack niemals persönlich kennengelernt. Als er zur Welt kommt, ist der “Professor” längst schon weitergezogen. Und zwanzig Jahre später leugnet William Chaney in einem Brief sogar die Vaterschaft: Er sei damals entkräftet und überhaupt nicht zeugungsfähig gewesen. Auf seinen Geschäftsreisen durch die Vereinigten Staaten von Amerika hat er sich auch anderorts mehrmals auf eheähnliche Verhältnisse eingelassen. Vermutlich wollte er sich auch nicht mehr an sein zweijähriges Zusammenleben mit Jacks Mutter erinnern und verdrängte, was damals als Skandalgeschichte Schlagzeilen machte. Im “Francisco Chronical” vom vierten Juni 1875 wurde gross und breit über den verzweifelten Selbstmordversuch einer “Miss Chaney” berichtet. Die schwangere Frau – so stand zu lesen – habe eine Überdosis Opium genommen und sich mit dem Revolver in die Schläfe geschossen, konnte aber in letzter Minute gerettet werden. Diese Frau war niemand anderes als Jacks Mutter. Der Grund ihrer Verzweiflung: Ihr Lebensgefährte Professor W. H. Chaney, ein “herzloser, brutaler Unmensch” so sagt Frau Chaney, habe sie aus dem Haus gejagt, weil sie sich weigerte “die Frucht ihres Leibes” abtreiben zu lassen. “Ein Kapitel menschlicher Herzlosigkeit und häuslichen Elends!” entsetzte sich die Zeitung und liess es sich nicht nehmen, die Tragödie in allen Einzelheiten genüsslich auszumalen.
Wieviel Wahrheit in dieser Dreigroschenstory steckt, lässt sich heute freilich nicht mehr feststellen. Fest steht, dass die Liebe zweier Menschen in einer Katastrophe endete und dass sich der “Professor” nach dem Skandal schleunigst aus dem Staub machte. All das hinderte aber Jacks Mutter nicht daran, Jack zu gebären. Jack London wurde unter dem Namen John Griffith Chaney geboren. Erst später nannte er sich Jack. Jacks Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Ohio und ist gut behütet als höhere Tochter mit viel Literatur und Klavierspiel aufgewachsen.
Ein Jahr nach der Trennung von Jacks Eltern, findet Jacks Mutter einen Mann, der bereit ist Jack zu adoptieren und das Unglück der Familie zu teilen. Dieser Mann hiess: John London und war ein Farmer ohne Farm. Jacks Mutter die zum Vornamen Flora heisst, hat den gutmütigen Mann auf einer spirituellen Sitzung kennengelernt. Gemeinsam verdoppeln sie ihre Sorgen, denn er fleissige Gelegenheitsarbeiter ist nicht nur arbeitslos, sondern auch lungenkrank und seit kurzem verwitwet. Von seinen sieben Kindern bringt er allerdings nur die jüngeren zwei Mädchen mit in die Ehe. Was die beiden Pechvögel verbindet, ist ihr gemeinsames Lebensziel, aus der Unterstadt rauszukommen. Beide sind Absteiger, und beide wollen wieder zurück. John aufs Land und Flora in die bürgerliche Idylle ihrer Kindheit. Sie fühlen sich beide im Arbeiter- und Armenviertel fehl am Platz. Jack London schrieb einmal: “Meine Umgebung war ungebildet, roh, hart. Mein Platz in der Gesellschaft tief unten, wo nichts als Schmutz und Elend war, wo Körper und Geist ausgehungert und gequält wurden. Zunächst einmal scheint es mit der Familie London aufwärts zu gehen. Flora stellt Horoskope, veranstaltet spirituelle Sitzungen und erteilt Musikunterricht. John nimmt jede Arbeit an, versucht sich als Zimmermann, Maurer, und Nähmaschienenverkäufer. Und schliesslich kommt der ehemalige Farmer seinem Traumziel näher: Ein kleiner Obst- und Gemüsegarten wirft Gewinn ab. Die Familie kann die Pacht für eine alte, heruntergewirtschaftete Farm zusammenkratzen, und zieht aufs Land.

Die Farm


Vom vierten bis zum neunten Lebensjahr lebt der kleine Jack auf drei verschiedenen Bauernhöfen und fühlt sich dort ziemlich allein. Er hat kaum Spielgefährten, die beiden Schwestern sind wesentlich älter, und Mutter Flora kümmert sich nur selten um ihren Sohn. Mutterliebe und Zuneigung findet Jack eher bei seinem Kindermädchen Jennie Prentiss.
Jack nannte sie “Mummy Jennie”. Später wird Jacks Lieblingsschwester Eliza seine Ersatzmutter und vertraute.

Die Schule


Nach einem langen Schulweg erwartet Jack in der Landschule ein wildes Chaos. Vier Klassen zusammengesperrt in einem viel zu kleinem Raum, der Lehrer als ein bisweilen recht hilfloser “Kinder-Dompteur” zwischen den verschieden altrigen Schülern.

John London, Freund und Vater von Jack


In John London fand der heranwachsende Jack einen väterlichen Freund. Gemeinsam gehen sie zur Jagd oder zum Fischen und Muschelsammeln an die nahe Küste. Jack hilft bei der Feldarbeit, beim Pflücken, bei der Weinlese und bei der Obsternte. Reichtümer sind auf den armseligen Farmen, die die Londons gepachtet haben zwar nicht zu finden, aber keiner muss hungern, die Familie hat ihr Auskommen.

Die Katastrophe bricht erst herein, als John London, getrieben von Floras Ehrgeiz, versucht, eine Ranch in Livermore Valley aus dem Minus herauszuwirtschaften. Diesmal hat die Familie alles auf eine Karte gesetzt: Hühnerzucht und Eierverkauf an ein Hotel in San Francisco. Eine Zeitlang läuft alles gut, bis plötzlich eine Epidemie in den Hühnerställen ausbricht, an der alle Legehennen zugrunde gehen. Das ist der Knock-out: Die Bank fordert die geliehenen Gelder zurück. Doch John London ist zahlungsunfähig und muss erneut als Farmer ohne Farm in die Stadt zurückkehren.
Jack ist zehn Jahre alt, als auch für ihn der Weg nach unten beginnt.

Der Weg nach unten


Doch die Mutter denkt auch jetzt noch nicht ans Aufgeben. Im Hafenviertel von Oakland mietet sie ein Achtzimmerhaus, benennt es als “Pension” und untervermietet Schlafstellen an zwanzig schottische Fabrikarbeiterinnen. Jack findet in seiner Familie immer weniger ein Zuhause. Die Mutter denkt nur noch an ihre Geschäfte, und auch von seiner Lieblingsschwester Eliza fühlt er sich im Stich gelassen. Eliza hat sich in die Ehe mit einem dreissig Jahre älteren Mann, einem Witwer mit drei Kindern, abgesetzt. Auch sein Vater, vom Misserfolg krank und mürbe gemacht, hat keine Zeit mehr für ihn. Er jagt Hilfsarbeiterjobs im Gemüsehandel nach oder betätigt sich als Nachtwächter. Es geht jedoch weiter nach unten. John London erkrankt und wird arbeitslos, und kann wiedereinmal die Schulden bei der Bank nicht zurückzahlen. Die “Pension” muss auch aufgegeben werden. Obdach finde die Londons in den Elendsvierteln von Oakland. Jack muss ab jetzt auch kräftig mitverdienen. Der Schlaf von Jack wird immer kürzer, weil er schon früh am Morgen aufstehen muss. Morgens um vier steht er fröstelnd in der Einfahrt des Verlagshauses und holt sein Paket mit den noch druckfrischen Zeitungen ab. Im Halbschlaf eilt der zehnjährige von Haustüre zu Haustüre und beliefert die ihm zugeteilten Strassenzüge. Nachmittags muss er sich mit der Abendausgabe in den Kneipen des Hafenviertels selbst seine Kundschaft suchen. Die drei Dollar die er monatlich verdient gibt er seiner Mutter. Für Taschengeld arbeitet er zusätzlich am Wochenende: Er fegt Kneipen aus, stellt auf er Kegelbahn alle neune zurecht oder hilft als Eisverkäufer aus. Nebenbei nimmt Jack natürlich auch noch am Schulunterricht teil, langweilt sich aber tödlich. Es geht ihm alles nicht schnell genug. Seine lieblingsfächer sind Geographie und Geschichte. Im Musikunterricht verweigert er das Singen und behauptet, er sei völlig unmusikalisch. Vorallem aber schreibt er gerne lange Aufsätze.
Jacks Begabung wird von seinen Lehrern erkannt. Zur Jahresabschlussfeier beauftragt man ihm, die Schülerrede zu halten. Eine grosse Ehre, doch Jack muss absagen, denn er besitzt keinen passenden Anzug. Am liebsten würde Jack seine Ausbildung selbst in die Hand nehmen. Ein Foto zeigt den zehnjährigen Zeitungsjungen am Tisch einer Hafenkneipe am intensiven studieren von “Websters Dictionary”. Seine Mutter hat ihm immer wieder eingepredigt, dass Bildung der einzige Weg sei, der aus dem Elend herausführt.

Jacks Selbststudium

Systematisch beginnt Jack damit, seinen Wortschatz zu erweitern. Schon damals hat er einen bemerkenswerten Drang zum Selbststudium. In der Volksbibliothek von Oakland entdeckt Jack schliesslich ein Eldorado, ein wahres Schlaraffenland für seinen Lesehunger. Miss Ira Coolbrith die Bibliothekarin, wird auf den bücherverschlingenden Strassenjungen in der zerschlissenen Kleidung aufmerksam. Kein Wunder, denn Jack ist einer ihrer besten Kunden. Miss Coolbrith nimmt sich seiner an, weist ihm den Weg durch das Labyrinth der Kataloge und bringt behutsam ein wenig System in die wilde Schmökerei. Verständnisvoll beantwortet sie Jacks Fragen, und wenn sie selbst nicht mehr weiterweiss, findet sie schnell Bücher, die Antwort geben. Die Volksbibliothek wird Jacks zweite Heimat, und Miss Ira Coolbrith eine mütterliche Freundinn, die “Göttin seiner Kindheit”, wie er sie beschreibt.
Zum Lesehunger gesellt sich der Wissensdurst. Neben Abenteuerromanen und Reiseerzählungen liest Jack zunehmend historische und geographische Abhandlungen, um noch tiefer in die fremden Welten eindringen zu können. Und mit der Zeit wachsen auch die literarischen Ansprüche: Werke von Flaubert, Melville, Tolstjoi und Dostojevskij finden sich auf seiner Ausleihkarte. In der Oaklander Volksbücherei bekommt Jacks Selbststudium Fundament, Methode und Ziel. Jack lernt das Lernen und stellt fest, dass er aus eigener Motivation heraus wesentlich leichter und schneller vorankommt, als auf der Schulbank. Jack wird Autodidakt, sein eigener Lehrmeister. Er weis, dass er es auch aus eigener Kraft schaffen kann. Eine wichtige Erfahrung, denn bald schon kann er sich den Luxus eines täglichen Schulbesuches nicht mehr leisten. Sein Vater ist krank und immer noch arbeitslos, die Familie braucht einen Ernährer. Jack wird in die Fabrik gesteckt. Ein knurrender Magen ist dringlicher als ein durstiger Kopf.
Das Jack das einsieht, wird von ihm erwartet.
Die Kindheit hat ein Ende.

Die Fabrik

Der dreizehnjährige findet sich als Arbeiter in einer Konservenfabrik wieder, und erhält einen Stundelohn von zehn Cent. Auf dem freiem Arbeitsmarkt jener Jahre sind Kinder nun mal die billigste Ware für den Unternehmer. Günstiger als irische Einwanderer, profitabler als Frauen, Schwarze oder Chinesen. So denken alle Arbeitgeber. Noch um 1900 arbeiten in den Vereinigten Staaten mehr als zwei Millionen Kinder für einen Hungerlohn in der Industrie. Jack steht jetzt, manchmal bis zu zehn Stunden hintereinander in der stickigen Luft am Fliessband. Oft muss er bis in die Nacht hinein arbeiten, träumt seinen kurzen Schlaf im Maschienenrythmus weiter und wird bereits um halb sechs am nächsten Morgen von seiner Mutter aus dem Bett geworfen. Jack fühlt sich als Arbeitssklave, ausgebeutet, verraten und verkauft. Im Hinterkopf hat er noch die Vorstellung seiner Mutter, dass er ja eigentlich etwas “besseres” sei. Aber hier ist er ohnmächtig, muss die Erniedrigung als Schicksal erdulden. Diese Zeit wird er nie vergessen. Sechzehn Jahre später verarbeitet er seine Erinnerungen in der Geschichte über einen elfjährigen Kinderarbeiter.
Das schlimmste aber ist, dass Jack sich nicht nur von den Fabrikherren, sondern auch von seiner Familie ausgebeutet fühlt. Zuhause hat er nur noch eine Schlafstelle. Seinen Vater, der inzwischen wieder eine Anstellung als Nachtwächter gefunden hat, bekommt er dadurch kaum mehr zu Gesicht. Seine Mutter behandelt ihn kühl und geschäftsmässig. Sie scheint ihn nur noch zur Kenntnis zu nehmen, wenn sie seinen Wochenlohn abkassiert. Um so zärtlicher verhätschelt sie ihr Enkelkind, den kleinen Johnny. Wenn Jack von der Arbeit nach Hause kommt, findet er kaum noch Beachtung. Kein freundliches Wort, keinen Dank. Aber gerade das darf er jetzt nicht mehr. Alle wollen in ihm einen Erwachsenen sehen. Das erspart ihnen das Nachdenken. Jack verhärtet sich und kapselt sich ab. Mit der Zeit wird er ruhiger und gewinnt Abstand zu seiner Familie. Seine Mutter ist jetzt für ihn keine grosse mythische Person mehr, sondern klein, verhämt und hässlich. Jack beginnt zu rebellieren. Zum ersten Mal fragt er nach seinen eigenen Interessen. Mit fünfzehn Jahren steigt Jack aus seiner Verantwortung für die Familie aus. Er kündigt in der Konservenfabrik und taucht im Hafenviertel unter.
Mutter Flora kann sich, selbst viele Jahre später, die plötzliche Wandlung ihres Sohnes, nicht erklären. Einem Zeitungsreporter erzählt sie:
“Er war ein recht guter Junge, aber er kam in schlechte Gesellschaft. Er hat schreckliche Kämpfe mit den Nachbarsjungen ausgetragen. Immer wieder ging er zum Hafen und wurde zu Hause schrecklich rechthaberisch. Manchmal konnten wir es mit ihm fast nicht mehr aushalten.”

Der Hafen und die Kneipen

In den Kneipen und Spelunken des Hafenviertels sieht der fünfzehnjährige ein Tor zur Freiheit, zum Abenteuer.
Jack hat schon früh bekanntschaften mit Matrosen, Abenteurer, Schmuggler und Hehlern gemacht. Jetzt ist er entschlossen, seine Kindheit zu vergessen, die Jugend zu überspringen und ab sofort erwachsen zu sein. Von jetzt an nimmt Jack sein Leben selbst in die Hand. Doch um in Johnnys Spelunke dazuzugehören und mitreden zu können, beginnt Jack sehr viel Alkohol zu trinken. Das fällt ihm zunächst gar nicht leicht, er muss sich regelrecht zwingen seinen Ekel zu überwinden. Eigentlich würde er nach wie vor seine süssen Pfefferminzbonbons lutschen. An der Theke verbrüdert sich Jack mit den Rauschträumern und Worthelden, den Seeleuten und Hafenarbeitern. Vorallem die Erzählungen der Austernpiraten reizen seine Phantasie. Jack ist erstaunlich schnell bereit, sich in der Piratenbranche als selbstständiger Unternehmer zu etablieren. Mit dreihundert Dollar, die ihm Mummy Jennie geliehen hat, steigt er gross ein. Vom Franzosen-Frank übernimmt er ein Segelboot, die berühmte “Razzle Dazzle” (JL Bild: Razzle Dazzle), und – mehr oder weniger unfreiwillig – auch dessen Geliebte, die sechszehnjährige Mamie, die sich im Hafenviertel den Ehrentitel “Königin der Austernräuber” erworben hat. Mamie hat gefallen an dem hübschen und kräftigen Jungunternehmer gefunden und bleibt der Einfachheit halber gleich mit an Bord. Jack gibt sich die grösste Mühe, seiner Mamie zu gefallen und sich mit den schlimmsten Ganoven trinkend, prügelnd und raufend aufzunehmen. Nach kurzer Zeit hat er sein Adelsprädikat der Piraten: Als er im Zweikampf den eifersüchtigen Franzosen-Franz in die Schranken weist, ernennt man ihn zum “Fürsten der Austernbänke”. Moralische Skrupel schiebt der jugendliche Ganove beiseite. Doch eines Tages wird es Jack klar, dass wenn er in der Piratenbranche noch mehr aufsteigt, er bald am Galgen baumeln würde.
Als Jacks Boot in eine Polizeikontrolle gerät, stellt man ihn vor die Wahl: Gefängnis oder Polizeidienst. Er entscheidet sich für das letztere und gilt ab sofort unter den Piraten als Verräter Nummer 1. Nachdem Jack versucht hatte, sich selbst umzubringen, ändert er seine Lebensweise radikal. Er will aufhören zu trinken, und nichts mehr mit krummen Geschäften zutun haben.

Jack wird Matrose

Jack ist gerade mal siebzehn als er sein neues Leben beginnt. Er wird Seemann. Da er sich nicht als Schiffsjunge ausnützen und schikanieren lassen will, gibt Jack sich als erfahrener Vollmatrose aus. Der jüngste, schwächste und unerfahrenste an Bord, gesellt sich zu neunzehn skandinavischen Seebären. Erneut muss er sich durchsetzen und Respekt verschaffen. Die Wikingergestalten mach es ihm nicht gerade leicht, denn sie versuchen ihn überall zu provozieren. Sie hänseln ihn, weil er Pfefferminzbonbonslutschend Romane von berühmten Schriftstellern liest. Doch bald erfährt Jack, dass das Schiff, die “Sofia Sutherland” ein Robbenfängerschiff ist, und er nur ein Handlanger in diesem sehr blutigen Geschäft ist. Hundert Tage dauert das bestialische Gemetzel der Robbenfänger. Danach in San Francisco heuert Jack wieder ab. Hier hat er ausgelernt. Trotz der gigantischen Trinkparty, mit der Jack seinen Abschied vom Matrosenleben feiert, bringt er noch einen beachtlichen Teil seines Lohnes der Familie. Jack hat sich sehr verrechnet, was sein Umgang mit dem Geld angeht. Er dachte, er könne den Winter mit dem Rest vom Lohn verbringen. Dem war aber gar nicht so.

(JL Bild: Couch)

Die Wirtschaftskrise

Jetzt sucht Jack wieder Arbeit, was aber gar nicht leicht ist, weil 1893 ein Jahr der schweren Wirtschaftskrise ist. Drei Millionen arbeitslose werden gezählt.
Als Jack ein Inserat in einer Zeitung entdeckt, und liest, man könnte 25 Dollar gewinnen, wenn man die beste Kurzgeschichte schreibt, fängt Jack sofort an, die Schreibmaschine hervorzukramen.
Seine Geschichte erhielt den Namen “Die Geschichte von einem Taifun vor der japanischen Küste”. Er holt sich damit die 25 Dollar!
Die Zahl der arbeitslosen wächst weiter. Millionen Menschen hungern, Hunderttausende sind obdachlos. Es kommt zu Krawallen, Streiks und Protestdemonstrationen. Doch die Regierung rührt sich nicht. Im Frühjahr 1894 wird es den arbeitslosen zu bunt. Von mehreren Bundesstaaten aus organisieren sie einen gewaltigen Sternförmigen Protestmarsch nach Washington. Ihr gemeinsames Ziel ist, dem Kongress Druck zu machen und ein Soforthilfeprogramm gegen die Arbeitslosigkeit – 5 Millionen Dollar für den Strassenbau – zu erzwingen. Jack schliesst sich der “Armee des Gemeinswohl” an. Anführer dieser zweitausend Mann starken Armee ist General Charles T. Kelly.
Jack ist aus purer Abenteuerlust und Erlebnishunger auf der Strasse, nicht als Arbeitsloser, sondern als Arbeitsverweigerer. Er will sich nie mehr ausbeuten lassen. Auf der Strasse lernt Jack schnell die vielen Überlebenstricks. Er lernt, sich ohne Geld zu Ernähren und zu Reisen. Als er achtzehn Jahre alt ist, ist er ein Profi-Hobo. Ein Hobo ist jemand, der aus Eisenbahnzüge aufspringt, um Schwarzfahren zu können.
Die Vagabunden sehen den Jugendlichen aus San Francisco bald als einer der ihren an, und geben ihm den Spitznamen “Frisco-boy”. Als Jack sich die Niagarafälle ansehen will, verhaftet ihn ein Polizist und führt ihn vor den Schnellrichter. Jack glaubt, nicht gegen das Gesetz verstossen zu haben, und glaubt an die Bürgerrechte. Doch nach fünfzehn Sekunden wurde er für einen Monat ins Gefängnis gesteckt.

Der Knast

Wenig später ist Jack zusammen mit Schwerverbrechern im Erie-County Zuchthaus. Jack hat den absoluten Tiefpunkt seines Lebens erreicht. Er bekommt es mit der Angst zu tun. Die Angst ist für ihn ein völlig neues Gefühl.
Der Knast hat seine eigenen Gesetze. Dreizehn Vertrauensmänner beherrschen als Vorhut des Wachpersonals das Zuchthaus und erpressen fünfhundert Mitgefangene. Mit brutalen Mafiamethoden kontrollieren sie die Tabak- und Lebensmittelversorgung, den heimlichen Nachrichtenverkehr und die innere Ordnung. Doch selbst hier erlangt Jack eine bevorzugte Stellung, sodass er vor Demütigungen, Vergewaltigungen und Schlägereien bewahrt bleibt. Zudem beschützt Jack ein alter Berufsverbrecher. Nachdem der Monat vorbei ist, entscheidet er sich, zurück zu seiner Familie nach San Francisco zu gehen.

Jack bildet sich weiter

Seit Jack geschuftet hat, und erkannt hat, dass man damit nicht sehr viel Geld machen kann, fällt Jack ins andere extrem. Ein ungeheuer grosser Wissensdurst überkommt ihn. Jacks hauptinteresse ist die Politik. Mit Erklärungen und Beschreibungen der Welt allein gibt sich Jack nicht mehr zufrieden. Er will auch wissen, wie man die Welt verändern und verbessern kann. Jack ist nicht der einzige, der sich für sozialistische Ideen interessiert. Die Probleme liegen schliesslich auf der Strasse: Arbeitslosigkeit, Lohndrückerei, Kinderarbeit und Ausbeutung. Jack hat das alles am eigenen Leib erfahren.
Im Henry-Clay Debattierclub lernt er bürgerliche Sympathisanten der Arbeiterbewegung kennen. Jack büffelt schon seit langem, um in die Universität in Barkley zu gelangen. Wenn er dort drin ist, so glaubt er, stünden ihm alle Türen offen. Im Herbst von 1896 ist es soweit: Jack hat die Aufnahmeprüfung bestanden. Jetzt hat er endlich einen direkten Zugang zu den Quellen des Wissens. Vorallem aber ist er Student, und das ist schon fast ein Gesellschaftlicher Status jenseits der Klassenschranken. Als Jack am ersten Schultag seine Biologielehrerin sieht, hat er sich sofort in sie verliebt. Doch über Nacht muss Jack seine Pläne über den Haufen werfen, denn sein Vater wurde schwer krank. Er muss sein Studium abbrechen und die Stelle in einer Wäscherei einnehmen. Er wird wieder das ausgebeutete Arbeitstier. Als Jack erfährt, das in Alaska Gold gefunden wurde, sieht er seine Chance, reich zu werden. Er fährt mit dem nächsten Dampfer nach Alaska.

Gold rush

Jack ist überzeugt, dass er einen riesengrossen Goldklumpen finden wird. Doch er findet nichteinmal Goldstaub. Das einzige was er findet ist “Mica” oder auch “Katzengold” genannt. Nach einiger Zeit erkrankt Jack an Skorbut. Die Preise für Früchte und Gemüse in Alaska sind unerschwinglich hoch, und so ist er gezwungen, ins Krankenhaus zu gehen. Nachdem er entlassen wurde, zimmert er sich ein Boot, und lässt sich 2500 Kilometer den Yukon bis Boning See hinuntertreiben. Von dort aus ging es mit einem Dampfer weiter nach Britisch-Kolumbien und danach zurück nach San Francisco. Dort erfährt er, dass sein Stiefvater John London gestorben ist.

Jack wird Schriftsteller

Um die Schulden die John hinterlassen hat, loszuwerden, nimmt Jack jede Arbeit an. Er fängt wieder an zu schreiben und im Januar 1899 erscheint Jack Londons Erzählung “Unterwegs” in der Zeitschrift “Overland monthly”. Sein Honorar: 5 Dollar. Ab jetzt geht es plötzlich Schlag auf Schlag: Für die nächste Story werden ihm 7 Dollar 50 gezahlt. Sein literarischer Marktwert beginnt zu steigen.

Am sechsten April 1900 heiratet Jack die Lehrerin Elizabeth Maddern, die ihm das Haus versorgt, ihm zwei Töchter schenkt, Manuskripte tippt und für den ungestörten Verlauf seiner Schriftstellerkarriere sorgt. Jack will ein geregeltes Leben führen, eine Fixpunkt haben. Jack geniesst seine erste Erfolge und seinen frischen Ruhm. Jetzt muss er keine Manuskripte mehr auf Rundreisen schicken, jetzt schreiben Redakteure und bitten um Beiträge. Mühelos kann er ihnen sogar seine alten, früher abgelehnten Kurzgeschichten neu anbieten, und den bevorzugen, der am meisten bezahlt. Jack sieht das ganz nüchtern und materialistisch:

“Die wichtigsten Werte im Leben werden heute in Geldwert ausgedrückt. Das, was für dieses Zeitalter am meisten kennzeichnend ist, das ist das Geldverdienen.”

Um die Jahrhundertwende erscheint Jacks erstes Buch, eine Sammlung alaskischer Kurzgeschichten, unter dem Titel “Der Sohn des Wolfs”. Es wird auf Anhieb ein Erfolg. Die Kritik feiert ihn, und binnen eines Jahres erscheinen drei weitere Bände. Der literarische Selfmademan hat es geschafft. Jetzt kann er sich und seiner Familie ein Haus in den Bergen kaufen. Jetzt hat er genug Geld.
Im Jahre 1902 erteilt man Jack den Auftrag, über den Burenkrieg in Südafrika zu berichten. Jack nimmt natürlich an. Doch als er endlich in Südafrika angekommen ist, ist der Krieg schon wieder vorbei. Telegraphisch wird der Auftrag zurückgenommen. Da er nun mal in Afrika ist, will er die Probleme und den Alltag in den Slums studieren. Drei Monate bleibt Jack in den Slums, kämpft wieder um sein Essen. Natürlich hätte er Geld, um sich etwas zu kaufen, doch er will aus seinen Erlebnissen ein Buch schreiben. Dieses Buch trägt den Titel: “Die Kinder des Abgrunds (Die Stadt der Verdammten)”.

Mit diesem Buch löst er in Amerika eine geradezu gewaltige Welle an Hilfsbereitschaft aus. Hunderte von Schriftstellern und Kritiker, schreiben ihm Briefe, in denen sie schreiben, sie seien geschockt über die Erniedrigung der Armen, und das sie helfen wollen, dass das ganze ein Ende hat.
1903 erscheint Jacks erfolgreichster Roman, die Tiergeschichte “Der Ruf der Wildnis”, ein Jahr später “Der Seewolf” und die 1906 die ebenfalls ausserordentlich populäre Erzählung “Weisszahn, der Wolfshund”, und “Wolfsblut”. (Filmausschnitt)

Depressionen

Während Jack an “Seewolf” schreibt, gerät sein Privatleben zunehmend in eine tiefe Krise. Jack ist unglücklich, fühlt sich eingeengt und wird depressiv. Er verfällt zunehmend dem Alkohol, bis er schliesslich an Morphium gelangt. Er scheidet sich von seiner Frau, und lässt sich in verworrene Liebesaffären ein. Eines Abends kann er nicht mehr. In einem kurzen Abschiedsbrief schreibt er: “Ich denke ernsthaft über Selbstmord nach, wie es ein griechischer Philosoph schon getan hat...”
Jack stirbt am 22. November 1916 mit 40 Jahren an einer Überdosis Morphium.
(JL Bild: Todesverifikation)






Ende des Auszuges


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