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clemens clemens clemens
Referat

TitelDie naturalistischen Frühwerke Gerhart Hauptmanns 
Anzahl Worte9866 
SpracheDeutsch 
ArtReferat 
SchlagworteVor Sonnenaufgang, Bahnwärther Thiel, Die Weber,  
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

Das Naturalistische Frühwerk Gerhart Hauptmanns
Spezialgebiet von Jakob Brossmann

Biographie

Am 15. November des Jahres 1862 wird der naturalistische Dichter Gerhart Hauptmann im Hotel seiner Eltern „Zur (Preußischen) Krone“ in Ober-Salzbrunn, Schlesien (heute Szczawano Zdroj in Polen oder Tschechien) geboren. Allerdings verlebt er die ersten 24 Jahre seines Lebens unter dem Namen Gerhard, erst im Laufe des Jahres1887, in dem er immer wieder im Rahmen des Sozialistenprozess in Breslau aussagen muss, beginnt er seinen Namen mit „t“ zu schreiben. Nach seinem vorzeitigen Abgang von der Breslauer Realschule arbeitet er 2 Jahre als Landwirtschaftseleve (-lehrling) bei seinem Onkel. Diese Ausbildung scheitert allerdings an seiner Gesundheit. Das Examen für den 1-jährig freiwilligen Militärdienst besteht er ebenfalls nicht. Er besucht 2 Jahre die Bildhauerklasse der Königl. Kunst- und Gewerbeakademie in Breslau. Wird zwischendurch wegen schlechten Betragens ausgeschlossen, aber wieder aufgenommen. Die Brüder Georg, Carl und Gerhard/t (18) lernen die Schwestern Thienemann kennen. Bei der noch im selben Jahr (1881) gefeierten Hochzeit zwischen Adele und Georg wird Gerharts erstes Stück Liebesfrühling aufgeführt. Gerhart verlobt sich heimlich mit Marie (1860-1914). (Martha + Carl heiraten später ebenfalls).
In Jena studiert mit seinem Bruder Carl (ebenfalls Schriftsteller) an der wissenschaftlichen Fakultät, bricht das Studium allerdings innerhalb weniger Monate ab. Er absolviert darauf eine Mittelmeerreise, auf der er von Mitleid für die Armen erfasst wird und ihn eine 15 jährige Weberin, die ihm einen Webstuhl erklärt, äußerst fasziniert.
In Rom scheitert er als freier Bildhauer.
1884 läst er seine Absicht fallen, Bildhauer zu werden und zieht nach Berlin und verlobt sich offiziell. Im Jahr darauf heiratet er die seine unter den Töchtern der Großkaufmannsfamilie Thienemann und ist damit seiner finanziellen Sorgen entledigt. In Berlin kommt er in Kontakt mit einem Kreis junger Dichter um Arno Holz und Johannes Schlaf
Er beginnt zu schreiben und wird mit seinen Sozialdramen "Vor Sonnenaufgang" (1889) und "Die Weber" (1893) bekannt – obwohl sie zunächst nur in geschlossenen Veranstaltungen der Berliner "Freien Bühne" am Lessing- bzw. am Neuen Theater aufgeführt werden können.

1891 übersiedelt Gerhart Hauptmann mit seiner Familie nach Schlesien, doch 1894 geht er allein nach Berlin zurück, während seine Frau mit den drei Söhnen nach Dresden zog. 1901 ziehen sich Gerhart Hauptmann und seine zweite Ehefrau, die Geigenvirtuosin Margarete Marschalk die er schon 1889 als 14jährige kennenlernt, mit ihrem 1900 geborenen Sohn nach Agnetendorf (polnisch: Jagniatkow) im nördlichen Riesengebirge zurück. Er lässt sich erst 1904 offiziell scheiden.

1912 wurde Gerhart Hauptmann mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. 1918 bekannte er sich ausdrücklich zur Weimarer Republik. Mit der Figur "Mynheer Peeperkorn" setzte ihm Thomas Mann 1924 in "Der Zauberberg" ein literarisches Denkmal. 1933 zog Gerhart Hauptmann sich für längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurück, versäumte es jedoch, gegen das NS-Regime Stellung zu nehmen; schlimmer: Er ließ es zu, dass Joseph Goebbels seinen 80. Geburtstag zum Anlass einer offiziellen Ehrung nahm. Gerhart Hauptmann starb am 6. Juni 1946 in Agnetendorf.

Obwohl er in permanentem Kontakt zu den unterschiedlichsten revolutionären Kreisen und Ideen hat, leugnet er im Alter sogar oft den Einfluss dieser Ideen auf sein Werk. Das allgemein als „sozialdemokratisch“ bezeichnete Drama „die Weber“ nannte er selbst 1905 ein „echt christliches Werk“. Auch in seiner Autobiographie „Das Abenteuer meines Lebens“ biegt er kräftig an den Tatsachen. Er leugnet hier die Leistungen seiner Wegbereiter, und stellt sich gerne als Pionier dar.

Gerhart Hauptmann hatte Kontakte zu folgenden Organisationen, Kreisen und Gruppierungen:

Werke von Gerhart Hauptmann:

  • Bahnwärter Thiel (Novelle, 1888)
  • Vor Sonnenaufgang (Drama, 1889)
  • Das Friedensfest (Drama, 1890)
  • Die Weber (Drama, 1893)
  • Der Biberpelz (Drama, 1893)
  • Hanneles Himmelfahrt (Drama, 1894)
  • Florian Geyer (Drama, 1896)
  • Fuhrmann Henschel (Drama, 1898)
  • Rose Bernd (Drama, 1903)
  • Und Pippa tanzt (Drama, 1906)
  • Der Narr in Christo Emanuel Quint (Roman, 1910)
  • Die Ratten (Drama, 1911)
  • Der Ketzer von Soana (Novelle, 1918)
  • Veland (Drama, 1925)
  • Vor Sonnenuntergang (Drama, 1932)
  • Das Abenteuer meines Lebens (1937)
  • Atriden-Tetralogie (Dramen, 1940 - 1944)


Der Naturalismus

„Zola, Ibsen, Leo Tolstoi
eine Welt liegt in den Worten,
eine die noch kerngesund ist!
Unsre Welt ist nicht mehr klassisch,
Unsre Welt ist nicht mehr romantisch,
Unsre Welt ist nur modern!“ Arno Holz

Der Naturalismus ist eine Weiterentwicklung der vom Realismus angestrebten empirischen Darstellungsweise der Wirklichkeit. Im Sog des wissenschaftlichen Fortschrittes strebt man schon im Realismus eine Objektivierung der Kunst an. Im Naturalismus, über den in Deutschland eine breite theoretische Auseinadersetzung stattfindet, werden diese Elemente radikaler. Die Definition Zolas „Ein Kunstwerk ist ein Stück Natur gesehen durch ein Temperament“ wird durch Arno Holz als „Kunst = Natur – x“ noch strenger gefasst. Wobei sich „x“ als der Einfluss des Künstlers gegen Null bewegen soll und die Kunst sich so der idealen, unerreichbaren Übereinstimmung mit der Natur nähern kann. Die Auswahl des Wiedergegebenen ist daher eine nahezu Zufällige – oder soll zumindest so wirken. Daraus ergibt sich, dass das Hässliche, Krankhafte und Schlechte nie ausgeblendet, sondern gnadenlos dargestellt wird. Die Naturalisten entwickeln allerdings einen Hang zum Hässlichen, zu den finstersten Milieus, zur harten Darstellung sozialer Einflüsse. Der Mensch wird von den Naturalisten zu einem großen Teil als Produkt genetischer und sozialer Einflüsse begriffen. Durch die Analyse dieser Einflüsse erhält der Naturalismus seine soziale Prägung. Weiters entwickelt er eine Nähe zur Sozialdemokratie, die aus der Zeit der Sozialistengesetze gestärkt hervorgeht.

Naturalistische Größen vor und um Gerhart Hauptmann:

Besonders das naturalistische „soziale Drama“ ist äußerst erfolgreich. Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ ist, obwohl in einigen Punkten als typisch „naturalistisch“ umstritten, das berühmteste und gereifteste seiner Gattung. Sein dramatischer Erstling in Sachen Naturalismus „Vor Sonnenaufgang“ (1889) ist weit weniger bekannt.
Als erstes Werk von herausragender Bedeutung ist allerdings ein noch früheres zu nennen.
















„Bahnwärter Thiel“

Entstehung

Die „novellistische Studie“ „Bahnwärter Thiel“ erschien 1888. Die Entstehung wird auf das Jahr 87 datiert, in dem Hauptmann enge Kontakte zu dem jungen Naturalisten Verein „Durch!“ pflegte. Er beschäftigte sich intensiv mit Georg Büchner und seinem „Woyzeck“. Er hält einen Vortrag über Büchner vor seinen Vereinsfreunden, über die er auch Arno Holz kennen lernt. Im Sommer unternimmt er mit Hugo Ernst Schmidt eine Wanderung durch das Riesengebirge, bei der er Schlesien als Heimat wieder entdeckt. Seine literarischen Werke spielen ab diesem Augenblick fast ausschließlich in Schlesien.

Inhalt

Der Bahnbeamte Thiel ist ein braver, pflichtbewusster Mann. Aus seiner ersten ehe mit der im Wochenbett verstorbenen, schmächtigen Minna hat er einen kleinen Sohn, Tobias.
Um seinetwillen hat Thiel sehr rasch ein zweites mal geheiratet. Seiner zweiten Frau Lene fühlt sich Thiel nicht gewachsen. Sie bringt für ihn neben ihrer „Wirtschaftlichkeit“ eine unbekannte Herrsch- und Zanksucht sowie eine brutale Leidenschaftlichkeit in sein Leben. Sie zieht ihn in den Bann fleischlicher Begierde und so wird er von ihr beherrscht. Er kann sich ihr auch nicht widersetzen, wenn sie seinen geliebten Sohn misshandelt. Diese Misshandlungen nehmen zu, als Lene ein eigenes Kind von Thiel gebärt. Aus dieser Ohnmacht gegenüber seiner zweiten Frau entwickelt er ein Schuldbewusstsein gegenüber Minna, der er am Sterbebett in die Hand geschworen hat, dass er für Tobias sorgen wird. Er beginnt sein Leben zu teilen, sein Heim gehört der fleischlichen Begierde und der rohen Lene, während das Wärterhäuschen in dem er seinen Dienst versieht zur „Kapelle“ seiner vergeistigten Liebe zu der Verstorbenen wird. Er verbringt die Tage in Gedanken an die zarte Frau, die in den Nächten zu einer ekstatischen Andacht werden und dazu führen, dass er seine verstorbene Frau wahrhaft vor sich zu sehen glaubt. In der Zeit in der „Bude“ erkennt er sein Verbrechen an Tobias, doch wenn er zurückkehrt verliert er seine Entschlüsse wieder.
Einmal kehrt Thiel sehr bald unerwartet zurück und erlebt mit, wie Lene Tobias beschimpft und misshandelt. Er bringt allerdings nicht die Kraft auf, ihr Einhalt zu gebieten und Tobias muss ansehen, wie sein Vater wortlos wieder verschwindet.
In dieser Nacht hat Thiel einen Alptraum in seinem Häuschen. Er sieht wie jemand sein Tobiaschen misshandelt. Darauf sieht er wie Minna mit etwas Blutigem, Bleichem in Tüchern einem Schienenstrang entlang vor etwas unsichtbarem Flieht und an Thiel vorbei hastet ohne ihn zu sehen. Er erlebt diese Nacht wie im Wahn, die Züge und die Natur zeigen ihr dämonisches Gesicht. Des Morgens eilt Thiel nach hause, doch als er Tobias gesund und munter vorfindet, vergisst er alles.
Lene beschließt bald darauf, auf den neuen Acker zu gehen, den Thiel in der Nähe des Häuschen geschenkt bekommen hat. Obwohl Thiel dies als Eindringen in das reich Minnas empfindet unternimmt er nicht, sein Unwohlsein schwindet, als er sieht, wie sehr sich Tobias auf den Ausflug freut.
Thiel nimmt Tobias auf die Streckenbegehung mit. Dieser ist fasziniert von dem Neuen, er stellt sonderbare Fragen. So will er beispielsweise wissen, ob das Eichhörnchen, dass den Weg kreuzt, der „liebe Gott“ sei. Die Geleise und die vorbeirasenden Züge faszinieren Tobias unglaublich. Nach der Jause überlässt Thiel seinen Sohn Lene mit der Warnung vor den Geleisen.
Thiel erwartet den Schnellzug, den er abfertigen soll, als er diesen mehrmals Gefahr pfeifen hört, und Zeuge wir, wie der auf den Geleisen spielende Tobias von dem Zug erfasst und schwer verletzt wird. Lene fährt mit Tobias in dem Zug zum Bahnarzt. Thiel der seinen Posten nicht verlassen darf, wird von Wahnvorstellungen und Ohnmacht heimgesucht. Er „sieht“, dass Tobias den Unfall nicht überlebt. Wieder hat er die Vorstellung, dass Minna mit dem toten Tobiaschen auf dem Arm dem Geleis entlang flieht. Er versucht sie aufzuhalten, beschwört sie Tobias zurück zu geben und verspricht Lene zur Verantwortung zu ziehen und zu „mit dem Beil“ zu bestrafen. In einer weiteren Bewusstseinstrübung versucht er seinen zweiten Sohn zu erwürgen, die Signalglocke bringt ihn wieder zu sich und der Zug mit Lene fährt ein. Lene, von der alles Grobe abgefallen zu sein scheint, erschrickt beim Anblick ihres Mannes. Als man Tobias´ Leiche heraushebt bricht Thiel bewusstlos zusammen. Der tote Knabe wird in das Häuschen gelegt und Thiel auf der Bahre nach Hause. Lene kümmert sich liebevoll um ihn, bis sie selbst einschläft.
Als die Bahrenträger mit Tobias´ Leiche wiederkehren, entdecken sie den Mord an Lene und ihrem Säugling.
Am Morgen darauf findet der diensthabende Wärter den völlig umnachteten Thiel am Unglücksort auf dem Bahndamm sitzen und Tobias´ Mützchen streicheln. Er wird in eine Anstallt gebracht, wo er bei der Einlieferung die Mütze immer noch zärtlich in den Händen hält.

Hauptmann und der Inhalt, Aufbau und Stil

Die „novellistische Studie“ ist wohl Hauptmanns hervorragendstes episches Werk. Wenn auch noch nicht ganz auf der „Höhe des Naturalismus“, oder vielleicht gerade deswegen, entwickelt Hauptmann einen äußerst dichten Erzählstil, der Elemente des Expressionismus und des Impressionismus vorweg nimmt. Hauptmann beschreibt schon in „Bahnwärter Thiel“ die meisten seiner Lieblingsthemen. Fast alle Konstellationen und Motive finden sich später wieder. Die Unentschiedenheit seiner eigenen Person, die zarte Frau und der sanfte Riese, der Konflikt zwischen geistiger Liebe und fleischlicher „Notwendigkeit“, den Einfluss der Umgebung, die Macht der Umstände und letzten Endes der Einbruch des Elends durch den „Fortschritt“.
Hauptmann schildert uns das Scheitern eines ungefestigten Mannes an dem Wunsch, sein Leben zwischen zwei Prinzipien, die durch zwei Frauen verkörpert werden, aufzuteilen, da es ihm unmöglich ist, sich für eines zu entscheiden. Sein Leben verläuft sozusagen zwischen zwei Geleisen, zwischen Wirklichkeit und Ideal, Wahn und Klarheit, Lust und Liebe, zwischen dämonisch und lauter, nützlich und rein, „böse“ und „gut“, letztendlich zwischen der „Hure“ und der „Heiligen“. Hauptmann „studiert“ an dieser Novelle, dass sein höchstes Ziel, selbst wenn es erreicht wird, zum scheitern verurteilt ist. Er hat erkannt, dass die Vereinigung der Gegensätze unmöglich ist, und strebt nach einem Nebeneinander, einem Zustand, in dem die Unentschlossenheit zu einem von Entscheidungszwang freien Zustand wird. So erklärt Hauptmann einen gewissen Grafen von Gleichen, der auf päpstliche Bescheid mit zwei Frauen leben darf, zu seinem Ideal. In „Bahnwärter Thiel“ erkennt er, dass auch dieser Zustand zum Scheitern verurteilt ist, was ihn allerdings nicht abhält weiter nach ihm zu streben.
Ein weiteres Motiv ist die Unabwendbarkeit des „Schicksals“, es ist zwar nicht göttlich, dafür aber umso unbarmherziger. Wieder sind die Geleise eine Metapher, diesmal für die vom Menschen „geschaffenen“ Umstände, die den Verlauf des Schicksals bestimmen. Sie gleichen einer „eisernen Netzmasche, deren schmale Strähne sich [...] in einem Punkte des Horizontes zusammenz[ieht]“. Die Vorzeichen des Schicksals, der Verengung der „Masche“, sind schon deutlich zu sehen, das Unglück kommt nicht nur unaufhaltsam wie auf Schienen, sondern tatsächlich in Form eines Zuges. Hauptmann sieht als erster auf das Diktat und das Elend, dass der Fortschritt mit sich bringt, indem er einen weiteren Zwang in unser Leben einflicht, den der unaufhaltbaren, geplanten, ja letztendlich übernatürlichen Maschinerie, in der das Schicksal des einzelne Rädchens ebenso unwichtig wie vorbestimmt ist. Interessant ist, dass Thiel als Bahnwärter nicht nur das Zwischenfallfreie passieren der Züge überwachen soll, sondern auch einen Wächter an den Grenzen zwischen Natur und „Zivilisation“ und zwischen der Menschheit und dem Fortschritt darstellt. Er kann letzten Endes die zerstörerischen Mächte nicht aufhalten und er wird zwischen den „Fronten“ aufgerieben. Die dünne Schicht des Bewusstseins wird durchbrochen und das Unbeherrschbare tritt auch im Menschen hervor.
Das Brechen dieser Dämme wird ausgelöst, indem die „reale“ Welt in das Heiligtum Minnas eindringt und so die fragile Lebensordnung Thiels zu schwanken beginnt. Tobias, der eigentlich in der „falschen“ der beiden Welten lebt, ist dadurch aber der Anker der „geistigen“ Welt, denn ohne ihn hätte sich Thiel schon längst vollkommen in den Bann der groben Lust, den Lene „leicht gleich einem feinen Spinnengewebe und doch fest wie ein Netz aus Eisen“ um ihn zu legen vermag.
Die Novelle gliedert sich in drei Teile, während der erste in straffer geraffter Form Thiels Lebensverhältnisse und die Kernaussagen seiner Biographie auf den Punkt bringt, führt der zweite Teil in kontrastreichen, stimmungsvollen und metaphorisch - reichen Szenen in die wahre psychologische Situation Thiels und somit auf eine fast mythische Ebene, und leitet so weist so auf den Ausbruch des Bestialischen im dritten Teil hin. Dieser schildert nach einer Entspannung den Unfall und das Irrsinnig werden Thiels und letztendlich den Mord an seiner Frau und seinem Baby. Hauptmann legt eindeutig das Gewicht auf den Unfall und das Hervorbrechen des Wahnsinns in Thiel, der Mord ist nach dem Aufbrechen des Unkontrollierbaren ein vorhersagbares „Phänomen“ und eigentlich nicht geschildert. Das von Hauptmann betonte Ereignis ist die Verwandlung eines liebevollen, sanftmütigen Riesen zum psychopathischen Mörder. Er beschreibt ihren Höhepunkt in leicht gelockertem, in das Präsens verschobenen, Sekundenstil, der von Metaphern expressionistischer Dimension durchwirkt ist und so Thiels Seelenerleben in den Vordergrund rückt. Sein Fühlen findet in für Naturalisten außergewöhnlichen Metaphern Ausdruck: „Da fiel etwas in sein Hirn wie ein Tropfen heißen Siegellacks,[...]“.
Fast alle Themen und Motive die Hauptmann später ausführlicher behandelt finden sich schon in „Bahnwärter Thiel“. Besonders der Hüne und die Kindfrau sind immer wieder seine liebsten Charaktere.

Charakteristik der Hauptpersonen

Thiel
Der Bahnwärter ist ein einfacher Mann von hünenhaftem Wuchs. Er ist allerdings sehr gutmütig und nicht von besonderem Durchsetzungsvermögen. Er ist in seinen Aktionen sehr entschlossen, in seinen Reaktion dagegen überhaupt nicht, was mit seinem unglaublich Phlegma begründet wird. So lässt er sich durch kein Bedenken des Priesters von seiner zweiten Heirat abbringen, kann aber seiner zweiten Frau überhaupt nicht widersprechen. Selbst dann nicht, wenn sie seinen über alles geliebten Sohn Tobias schlägt. Thiel ist ein äußerst gläubiger Mensch mit einem Hang zum mythischen. Er liebt Kinder und die Einsamkeit. Er verbringt die Nächte in seiner Kapelle, am Vorposten der Zivilisation, indem er die geistige Liebe zu seiner verstorbenen Frau Minna zelebriert und Kirchenlieder singt. So erscheint er als Wächter auf einer Insel im „Meer“ des Forsts, der durch seine Wacht das Dämonische der Technik, den Ausbruch aus der vorgeschriebenen Bahn, garantiert indem er das ungehinderte Passieren der schwarzen „Ungetüme“ ermöglicht. Er wird zum Opfer dieser Mächte, als er seine Kraft, die er in Form von Routine und Gewissenhaftigkeit über Jahre aufrecht erhalten hat, verliert. Als er, als träger des Seelisch-Geistigen Prinzips, in das Reich der fleischlichen Lust eingeht und seine Triebe ihn überwältigen.

Minna
Die erste Frau des Bahnwärters ist die erste Darstellung der „Kindfrau“ in Hauptmanns Werk und das Urbild aller ihr folgenden. Hauptmann beschreibt die Konstellation, die er auf einer seiner Wanderungen erlebt hat so: „..., ein Mädchen mit Glutaugen,...., halbnackt, am Spinnrad. Dagegen am Webstuhl ein Riese, Gesicht und Haupt umwuchert von rotblonden Haarmassen, bärtig wie Wotan oder Zeus.“
Minna wird als klein, zierlich aber kränkelnd beschrieben. Sie hat äußerlich nicht zu Thiel gepasst. Allerdings verkörpert sie Prinzipien, die sie und Thiel zu „Seelenverwandten“ gemacht hat. Da sie selbst nur in Thiels Träumen und in der Überschau über Thiels Leben auftritt, ist ein Teil ihres Charakters sicherlich eine Verherrlichung durch Thiel, der sie zu einer Heiligen erhebt und sie förmlich anbetet. Sie ist gleichzeitig Tobias’ Mutter erscheint so als heilige Mutterfigur, die Tobias nach Thiels Vorstellung nach seinem Tod zu sich und von ihm genommen hat.
Thiels Verehrung für sie verstärkt sich erst durch den Kontrast durch Lene, bricht dann allerdings an der vollkommenen Niederlage Thiels vor Lene, nach der er träumt Minna habe „sich von ihm losgesagt“. Seit dem kämpft er umso erbitterter darum, sie zurück zu bekommen, was in seinem Wahn wohl schlussendlich zu dem Mord führt.

Lene
Die ehemalige Kuhmagd Lene ist Thiels zweite Frau. Er heiratet sie weil er eine Mutter für den einjährigen Tobias braucht und sie eine gute Wirtschafterin ist, allerdings ist sie auch Zank- und Herrschsüchtig und geprägt durch eine grobe Leidenschaftlichkeit, mit der sie Thiel mehr als mit allem anderen beherrscht. Sie ist Tobias gegenüber umso mehr abgeneigt, je mehr Thiel sich ihm widmet und je größer seine Vaterliebe wird, als sie selbst Mutter wird, entwickelt sie sogar einen Hass gegen das kleine Tobiaschen. Die Nachbarn bezeichnen Lene als „Tier“ und Thiel fällt auf, dass sie mit ihrem Körperbau, der seinem gleicht, arbeitet wie eine „Maschine“. Als Tobias verunglückt scheint alles Grobe von ihr abzufallen, sie wird zur führsorglichen Ehefrau, allerdings kann sie Thiel Tobias nicht zurückgeben und er kann sich von ihrer Wandlung und ihrer Unschuld nicht überzeugen, da er schon dem Wahn verfallen ist. So wird sie sein erstes Opfer, er schlagt ihr mit dem Küchenbeil die Schädeldecke ein, wie er es Minnas „Geist“ versprochen hat.

Tobias
Der ältere Sohn Thiels ist klein und kränklich und entwickelt sich nur langsam. Er erinnert durch sein äußeres an seine Mutter Minna und wird dafür von Thiel umso mehr geliebt und von seiner Stiefmutter umso mehr gehasst. Sie gibt ihm die schwerste Arbeit, schimpft und prügelt ihn. Er wird ausgerechnet dann aus dem Leben gerissen, als er das Reich betritt, das Thiel seiner Mutter gewidmet hat. In Thiels Augen nimmt ihn Minna zu sich, um Thiel zu strafen und Tobias vor seiner Stiefmutter zu schützen. An Tobias’ Unfall wird deutlich, wer die letzten Auswirkungen des Fortschritts, aber auch der Verfehlungen der Erwachsenen, zu tragen hat, die Kinder und somit die Generationen der Zukunft.

„Vor Sonnenaufgang“

Entstehung

„Vor Sonnenaufgang“ entsteht in der ersten Hälfte des Jahres 1889. Die Arbeit ist kaum dokumentiert, da Hauptmann erst nach Vollendung dieser Arbeit zu Zolas Notizbuchmethode übergeht. Gerhart lebt derzeit in Berlin, wo der Sechsundzwanzigjährige enge Beziehungen zu Arno Holz und Johannes Schlaf pflegt. Er trifft im Sommer erstmals auf die 14-jährige Margarete Marschalk. Er erlebt die Gründung der „Freien Bühne“ am Lessingtheater in Berlin mit und tritt dem Vorstand knapp vor der Eröffnungsvorstellung (Ibsens „Gespenster“) bei. Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ (ursprünglich „Der Sämann“) wird schon am 20. Oktober in an der „Freien Bühne“ uraufgeführt. Der Bühnenskandal der Aufführung eröffnet Hauptmann den Weg zum Weltruhm, den er mit „Die Weber“ erreicht.

Inhalt
Personen

Da sich „Vor Sonnenaufgang“ in erster Linie um unterschiedliche Personen dreht, deren wahre Persönlichkeit und Geschichte sich nur langsam lichtet, erkläre ich hier schon die Personen, ihre Berufe, Meinungen und Blutsbande.
Inhalt

1.Akt. Alfred Loth plant in Witzendorf, Schlesien, einen Bericht über die Grubenarbeiter der „boomenden“ Kohleindustrie Schlesiens zu erarbeiten. Er erfährt durch ein zufällig im Wirtshaus belauschtes Lästergespräch, dass sein Gymnasialfreund Hoffmann in der Gegend befindet. Aufgrund seiner kritischen Finanzlage sucht Loth Hoffmann auf und bittet ihn um 200 Mark, die dieser ihm auch in Scheckform sofort überreicht. Man spricht über alte Zeiten und berichtet, wie es einem ergangen ist. Hoffmann interessiert sich besonders für die Kritik die Loth über ihn gehört hat. Loth erzählt, dass es sich um Äußerungen über Hoffmanns angeblich unehrlichen Aufstieg in den Rang des Kapitalisten gehandelt habe. Man unterhält sich über die Ideale der Jugend, denen Loth treu geblieben ist, die Hoffmann allerdings nur belächelt.
Loth lernt Helene kennen. Loth erzählt über sein Vorhaben. Helene scheint sich für Loth zu interessieren.
Zum luxuriösen Abendmahl erscheint Kahl. Die Gesellschaft bewegt sich ständig auf dünnem Eis: Der Widerspruch zwischen den Bäuerlich-Reichen und dem Bürgerlich-Sittlichen, dem Idealisten und dem Wirtschafter, und letzten Endes auch die Spannung Helenes zwischen dem verehrten Gast und dem verabscheuten Verlobten, lauert, wohin sich das Gespräch auch wendet.
Als Loth es mehrfach und vehement ablehnt Alkohol zu trinken, kommt es zur Diskussion über den Genuss im allgemeinen, insbesondere den des Alkohols. Der Kreis ist, abgesehen von Helene, die Loth mehr und mehr zu verfallen scheint, dem Alkoholgenuss nicht abgeneigt. Scheinbar zum Amüsement soll Loth seine Abneigung erklären. Loth prangert das Elend an, das der Alkohol (eigentlich der Alkoholismus) weltweit anrichtet. Helene versteht ihn. Die Bestrebungen der Schwiegermutter werden deutlich, Helene mit Kahl zu verheiraten. Es entwickelt sich ein Streit zwischen Helene und ihrer Schwiegermutter. Es soll auf den Frieden getrunken werden, doch Helene folgt Loths Weigerung, Alkohol zu trinken.
Loth spricht über „Trinkerfamilien“ und die Vererbung solcher Neigungen und seine Absicht, sein Erbgut von solchen Einflüssen frei zu halten, da dies seine Verpflichtung gegen seine Ahnen sei.
Die Anwesenden münzen Loths Aussagen auf die Bergarbeiter. Er widerspricht und bringt das Beispiel eines steinreichen Bauern der im benachbarten Wirthaus den Tag durch säuft, ohne zu wissen, das jener Bauer der Besitzer des Gutes ist, auf dem er gastiert. Kahl, der sich vor lachen schon nicht mehr halten kann, verweist darauf, das es der „Alte“ gewesen sei. Loth versteht das nicht. Helene ist allerdings entrüstet und gekränkt über Kahl, da sie sich vor Loth zu schämen scheint und verlässt aufgeregt das Zimmer.

2.Akt. Des Morgens um 4 Uhr erwacht das Leben im Hof. Beibst dengelt seine Sense. Der Bauer kommt stock betrunken nach Hause. Helene will ihm ins Haus helfen, er versucht allerdings sich an ihr zu vergreifen. Sie lässt ihn fallen. Beibst hilft ihr, ihn ins Haus zu bringen. Kahl schleicht halb bekleidet aus dem Haus und besticht Beibst, damit er darüber schweige. Kahl kommt von Fr. Krause, seiner Cousine, mit der er ein Verhältnis hat.
Loth ist erwacht und tritt auf den Hof, er unterhält sich mit Beibst über die Landwirtschaft und erzählt ihm von den Ikariern. Man hört die Schüsse des Jagdnarren Kahl. Loth geht auf einen Spaziergang. Er trifft Kahl, der eine Lerche geschossen hat, und rügt ihn deshalb.
Loth trifft auf Helene. Sie sprechen über die „Verkehrtheiten“ im Leben. Helene sieht Loths Anschauung und befürchtet von ihm Verachtet zu werden. Sie wird von Traurigkeit befallen und entfernt sich von ihm.
Frau Krause will eine Magd entlassen, da sie ein Verhältnis mit einem Knecht pflegt. Helene zwingt sie, die Magd weiterhin zu behalte, indem sie sie mit ihrem Wissen über das Verhältnis mit Kahl erpresst.

3. Akt. Kurz später. Dr. Schimmelpfennig spricht mit Hoffmann über den Zustand seiner hochschwangeren Frau. Schon ein Kind ist durch den Alkoholismus gestorben, so rät der Doktor, der Alkoholkranken das Neugeborene diesmal zu nehmen und es getrennt von ihr zu erziehen, um es zu schützen und sein Überleben zu garantieren. Der Arzt schlagt vor, Helene mit der Erziehung zu betrauen. Hoffmann trifft auf die traurige Helene. Er umgarnt sie, mit dem Vorwand sie zu trösten, drängt er sich ihr auf. Er versucht sie für die Erziehung des Kleinen zu gewinnen und redet ihr ein, dass er wie sie unter den bestehenden Verhältnissen leiden würde. Er versucht sie zu verführen, doch sie widersetzt sich und erkennt seine dunklen Machenschaften. Er sei bewusst und zu seinem Nutzen schlecht, nicht wie die anderen unter denen sie leidet. Er versucht das auf den schlechten Einfluss Loths zurückzuführen, den er vor ihr schlecht zu machen versucht.
Hoffmann bittet Loth zum Frühstück. Man spricht über Loths Vorhaben. Hoffmann lenkt ab, er gedenkt scheinbar Loth vor Helene bloßzustellen und kommt auf Loths Verlobte zu sprechen. Loth ist allerdings mittlerweile getrennt. Man spricht über Loths hohe Forderungen, die die Frau erfüllen müsste, die er heiraten würde. Er spricht aber auch von „Frauenemanzipation“.
Helene geht in die Wirtschaft. Hoffmann versucht Loth von seinem Vorhaben abzubringen, da er sich, wie Loth auch, bewusst ist, dass ihm eine solche Arbeit schaden würde. es kommt zum Streit, Hoffmann muss in die Stadt.
Helene, die im Nebenzimmer gelauscht hat, gesteht Loth ihre Liebe.

4. Akt. Hoffmann kehrt in dem Augenblick reuig zurück, als Loth sich an den Umzug in das Gasthaus macht. Er überredet ihn zu bleiben. Man erlebt wie die Wirtschafterin Kahl aufhetzt, indem sie ihm deutlich macht, er solle ein Auge auf Loth und Helene haben.
Zwischen Loth und Helene bahnen sich in der Laube Zärtlichkeiten an. Sie küssen sich, Pläne entsehen. Sie ist immer wieder versucht Loth die Wahrheit über die Alkoholkrankheit ihres Vaters und ihrer Schwester zu beichten, da sie allerdings trotz seiner Liebesbeteuerungen befürchtet, es wäre das Ende seiner Liebe, bringt sie es nicht übers Herz. Sie spricht von ihrer Angst, ihn durch die Wahrheit zu verlieren. Er sagt ihr jedoch, dass es Gründe gebe, derentwegen er eine Geliebte nicht heiraten würde, dass diese allerdings nicht in Frage stehen würden. Er würde es nur tun, wenn er zum Verräter seiner selbst werden würde. Helene vergleicht sich mit dem was sie über Loths Anforderung an seine Frau weis. Bei der Forderung nach geistiger Gesundheit hilft er ihr über ihre Minderwertigkeitsgefühle hinweg. Sie ist durchaus gesund. Bei der Frage nach der Gesundheit der Eltern, meint sie, der Vater müsse sogar eine starke Natur haben. Zur Beantwortung der wichtigsten Frage, was er denn tun würde, wenn ihre Eltern nicht gesund wären, kommt er nicht: bei Martha haben die Wehen eingesetzt. Helene muss sich darum kümmern, dass der Arzt geholt wird.

5. Akt. Spät in der Nacht trifft der Arzt Schimmelpfennig Loth in der Stube. Die Wehen dauern schon 15 Stunden. „Schimmel“ erzählt wie er nach Witzdorf gekommen ist, und dass er hier viel Geld verdient. Man erzählt, wie es einem ergangen ist und kommt auf Heiratsfragen, Loth verweist auf eine Verlobung. Der Arzt erzählt von der Degeneration in der Region, wegen der er sich von den reichen Töchtern ferngehalten hätte. Während der Doktor zur Gebärenden und der Hebamme begibt, kommt es zu einer Szene zwischen Loth und Helene. Diese beschwört ihren Geliebten, sie nicht im Stich zu lassen und so schnell wie möglich mit ihr das Gut zu verlassen. Loth willigt ein. Als die Studienfreunde wieder allein sind, spricht Schimmelpfennig Loth auf Helene an, dieser beteuert seine Liebe und versteht die Andeutungen des Arztes in Bezug auf Loths Ideale offensichtlich nicht. Die Unterhaltung nimmt eine Wendung. Schimmelpfennig sieht sich verpflichtet Loth zu warnen. Er erzählt ihm, dass Hoffmanns erster Sohn schon mit 3 an Alkoholismus gestorben ist und sowohl Martha als auch der Bauer Alkoholiker sind. Des weiteren beschuldigt er Hoffmann, Helenes „Ruf“ sicher schon verdorben zu haben. Loth ist erschüttert und beschließt, sich von Helene zu trennen. Er macht sich mit dem Kutscher auf den Weg, nachdem er einen Abschiedsbrief verfasst und Hoffmann vom Abbruch seiner Recherche berichtet hat.
Helene kommt und berichtet dem Schwager, dass seine Frau eine Totgeburt hatte. Sie entdeckt das Schreiben Loths und erdolcht sich in Hoffmanns Zimmer. Unter dem Gegröle des Bauern wird, dies klar, als die Magd schreiend aus eben jenem Raum zurück kommt. Der Bauer kommt nach hause und schreit wie immer: „Hoa iich nee a poar hibsche Tächter!“.


Hauptmann und der Inhalt

Inhaltlich ist Hauptmann sicherlich auch durch Zolas Roman „Germinal“ (franz. „Keimmonat“ zu vergleichen mit dem ursprünglichen Namen „Der Sämann“) geführt. Er stammt aus einer Romanfolge, die unter anderem der Frage der Vererbung nachgeht, der Roman selbst beschäftigt sich mit Grubenarbeitern und einem Aufstand („die Weber“!!).
Hauptmanns Eltern sind in Schlesien selbst Hotelbesitzer, später Betreiber eines Bahnhofrestaurants, der Alkoholismus wird Gerhart so wohl gut bekannt sein, ebenso seine Opfer - die entwurzelte Schicht der neureichen Bauern.
Hauptmann selbst verkehrt in unterschiedlichsten politischen und idealistischen Kreisen und erlebt hautnah ihren Idealismus und sein Scheitern. So muss Hauptmann wegen seinen Beziehungen zu dem Ikarier Verein „Pacific“ 1887 vor Gericht aussagen.
Diese Inhalte fügt Hauptmann zusammen. Er prangert den Verfall der Gesellschaft an und zeigt erbarmungslos die Konflikte, in die jeder Mensch verwickelt ist. Seine eigene Position ist dabei schwer festzulegen. Sie befindet sich nämlich in genau dem Spannungsfeld, das den Zuschauer so ergreift. Er zeigt diese Spannungen in und zwischen den männlichen Hauptfiguren, die sich bezeichnenderweise von dem selben Mädchen angezogen fühlen. Die Spannung zwischen Erfolg, Reichtum etc. und dem Idealismus zeigt sich in Hoffmann – in ihm hat schon vor dem Beginn der Handlung der Reichtum gesiegt. Der Konflikt zwischen Idealismus, Prinzip etc. und der Menschlichkeit vollzieht sich hingegen in Loth, in dem letzten Endes der Idealismus siegt. Zwischen den beiden baut sich eine Spannung auf, die sich auf die Frage „Verrat oder Selbstverrat?“ zurückführen lässt. Die Position des Autors ist genau in dieser Spannung, zwischen der Preisgabe und der Verteidigung der Ideale bzw. des sozialen Standpunktes zu orten. Seine Unentschiedenheit ist ein Verweis auf die Kraft dieses Konflikts. Trotzdem kann man sagen, dass Hauptmann in seiner Jugend der Haltung Loths etwas näher ist, während er sich im Laufe seines Lebens immer mehr Hoffmann annähert.

Aufbau und Stil

„Vor Sonnenaufgang“ ist in Anlehnung an das klassische Drama in 5 Akten gestaltet. Das „Soziale Drama“ zeigt auch allgemein Strukturen des Handlungsaufbaus der Klassik. Allerdings sind diese überlagert durch Handlungsstränge epischer Reihung. Bei genauer Betrachtung erschließen sich sogar mehrere Strukturinterpretationen der Handlung. Aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten erhält das Drama unterschiedliche Prägungen.
Die Art, in der Helenes Schicksal dramatisiert wird, zeigt den Aspekt des bürgerlichen Trauerspiels den Hauptmann in den Aufbau einband. Betrachtet man das Stück, als sei Helene die Hauptperson, erscheint der Aufbau klassisch dramatisch: Das Kennen - lernen leitet die Handlung ein (I), die Liebe wächst(II), der Höhepunkt findet sich ein, als Helene sich aus dem Einfluss Hoffmanns rettet und Loth ihre Liebe gesteht(III). Ihr Unvermögen, ihm die Wahrheit zu gestehen, die Angst, die Liebe würde seinen Ansprüchen nicht standhalten(IV), führt zur Katastrophe. Er erkennt die Umstände in der Familie, verlässt sie und treibt sie so in den Selbstmord(V).
Die Handlung erfährt durch Loths Unwissenheit eine ganz andere Interpretation. Wäre die Wahrnehmung des Zuschauers vollkommen an die Loths gebunden, würde der Aufbau als reine epische Reihung empfunden werden. Die Handlung steigt bis in den 5. Akt an: Ein Gast lernt die Tochter des Hauses kennen(I), sie verlieben sich(II), der Streit mit dem Gastgeber wird von ihm ruhig und als Wahrheitsgewinn angesehen und sie gesteht ihm ihre Liebe (III), man schmiedet Heiratspläne (IV) und sie bittet letztendlich ihn begleiten zudürfen (V). Dort kommt es letztendlich zur Katastrophe: er erfährt die Wahrheit und muss sich zwischen seiner Geliebten und seinem Anspruch auf eine garantiert gesunde Vererbung entschließen. Er gibt sein Projekt auf, verlässt sie und treibt sie so in den Selbstmord.
Dem Zuschauer sind beide Positionen bekannt. Er erlebt die Handlung stets „eingespannt“ zwischen den zwei Informationsständen und den daraus resultierenden Haltungen. Dadurch verliert sich der Eindruck eines beabsichtigt strukturierten Aufbaus. Das Stück erhält den Aspekt des Zufälligen, je nachdem mit wem sich der Zuseher (augenblicklich) identifiziert, „ändert“ sich die Struktur des Geschehens. So wird das Drama dem Naturalismus gerecht, es verliert den Anschein des Beabsichtigten, das Künstliche wird nahezu „Natur“.
Der Stil steht ebenfalls im Zeichen des Naturalismus. Die Sprache ist gänzlich der sozialen Stellung und der Bildung der Figuren angepasst. Der Dialekt wird von den bäuerlichen Charakteren benutzt, aber auch die Gebildeten sprechen umgangssprachlich. Die Sätze sind nicht immer zu ende geführt, durch gekennzeichnete Gedankenpausen unterbrochen und von Emotionen verstümmelt. Besonders auffällig ist das ausgeprägte Stottern Kahls und das Ein und Ausatmen von Frau Spiller („-m-“).
Das Motiv des Boten aus der Fremde ist ebenfalls vorhanden aber bei weitem nicht so ausgeprägt wie in „Die Weber“. Im Blick auf das Ganze ist eindeutig Loth der Bote aus der Fremde. In den 3 mittleren Akten, die direkt aufeinander Folgen wird der Bote praktisch überflüssig. Überhaupt ist Loths Impuls so stark, dass nach seinem Eintreffen jeder weitere Impuls ein Auftreten von Information ist, das letzten Endes durch Loth selbst ausgelöst wird.

Charakteristik der Wichtigsten Figuren

Die Figuren in „Vor Sonnenaufgang“ treten in erster Linie als Persönlichkeiten auf, besonders da man sie im privatesten Umfeld zu Gesicht bekommt bewirkt, dass man sie als solche betrachtet. Dass man sie weniger als Produkte ihrer Umgebung auffasst liegt auch daran, dass man ihrer Vergangenheit nicht genau kennt. Aber die Einflüsse der Umwelt, des Milieus und der Vererbung sind doch sehr präsent, nicht nur als gesprochener Inhalt. Durch diese Einflüsse werden die Charaktere zu Vertretern gewisser Gruppen - dieser Aspekt ist allerdings weit kleiner als in „Die Weber“. Interessant ist, dass die männlichen Hauptfiguren als „Opfer“ ihrer selbst betrachtet werden können (Loth ist Opfer seines Idealismus, Hofmann das seines Geizes und Erfolges), während Helene, die weibliche Protagonistin, als Opfer der männlichen Charaktere gezeigt wird und selbst nicht an ihrem Elend schuld ist, sondern gegen es ankämpft.
Die Namen der Figuren scheinen im übrigen auch nicht Willkürlich gewählt zu sein.

Alfred Loth
Loth ist Doktor der Volkswirtschaft und Mitglied einer sozialistischen Partei. Er gehört einem „Kolonialverein“ an, der eine Ikariersiedlung in Amerika geplant hat. Er verfasst Anklageschriften über die Situation des Proletariats („deskriptive Arbeiten“). So versucht er gegen das soziale Elend und die „Verkehrtheiten“ anzukämpfen. Er sieht diesen endlosen Kampf „um das Glück aller“ als seine erste Pflicht. Und wird von Helene deshalb für einen „sehr, sehr guten Menschen“ gehalten. Er sieht seine hohen Ideale allerdings nicht als Verdienst sondern als Veranlagung, die durch bestimmte Erlebnisse erwächst, wenn man einen „Sinn für das Verkehrte“ hat.
An sich selbst stellt Loth hohe Ansprüche, wegen ihnen könnte er sich nur „als letzter an die Tafel setzen.“. Nachdem er aus dem (politischen?) Gefängnis entlassen wurde, hat er dem Alkohol für immer abgeschworen.
Loth ist nicht verheiratet und lebt ohne Familie, da weder er noch die Frauen in seinem Leben seine hohen Forderungen erfüllen konnten. Loth kennt das Gefühl der Liebe, sieht aber in der Ehe in erster Linie eine praktische Allianz, deren Ziel vor allem ein Gesunder Nachwuchs ist. Ansonsten fordert er von seiner Frau vollkommene Emanzipation und den Mut alles zu fordern, was „nicht seiner Lebensarbeit gehört“. Diesem Teil, den er als weit größer beschreibt, müsste seine Braut entsagen, denn wer ihn zum „Verräter seiner selbst machen wollte, über den müsste er hinweggehen.“. Weiters müsste die Mutter seiner Kinder rundum Gesund sein und ein gesundes Erbgut mit sich bringen, denn seine Vorfahren hätten ansonsten umsonst jeden schädlichen Einfluss von sich fern gehalten.
Der Name Loth scheint auf die Strenge des Charakters hinzuweisen. Das Lot ist das einfachste und gleichzeitig genaueste Messinstrument, das beim Bau eines Hauses (bessere Zukunft) zum Einsatz kommt.
Interessant ist, dass Loth den Naturalismus als Medizin bezeichnet. Er fordert von der Literatur einen „klaren, erfrischenden Trunk“, denn er sei nicht krank. In seinen Augen solle die Literatur vorbildlich wirken, und die Menschen zeigen, wie sie einmal sein werden, nicht wie sie sind.
Loth kann als Inbegriff des Scheiterns des Menschlichen an den Idealen gesehen werden. Das scheitern der Ideale und der idealistischen Bestrebungen muss Hauptmann selbst in seiner Umgebung erlebt haben. Viele seiner Freunde waren Sozialisten und Ikarier und die politische Lage dieser Gruppen war seit 48 eine sehr kritische (Sozialistengesetze!!).

Helene
Helene ist die 21 jährige Tochter des Bauern Krause. Ihre verstorbene Mutter hatte veranlasst, dass sie in einem Kloster erzogen worden ist. Sie bildet eine Ausnahme in dem bäuerlichen „Sumpf“, in den sie zurückgekehrt ist. Sie ist äußerst unglücklich, da ihr Vater und ihre Schwester Alkoholkrank sind, ihre Stiefmutter sie mit deren Cousin und Geliebten (Kahl) verheiraten will. Sie steht auf dem Gut vollkommen alleine da. Einzig Hoffmann, der sie und die ganze Familie nur ausnutzt ist ihr durch seine Bildung näher. Zu den Bediensteten hat sie ein gutes Verhältnis, sie verhindert die Kündigung einer Magd und wird vom Hausdiener als „´n jutes Mä’chen“ bezeichnet. Sie ist fast das Opfer der sexuellen Anwandlungen ihres Vaters und wird von Hoffmann wohl öfters ausgenutzt. Loth ist für sie der letzte Strohhalm, an den sie sich auch mit der letzten Hoffnung klammert. Seine freien Gedanken und seine schönen Visionen sind für sie in der von Krankheit und Materialismus geprägten Welt eine Erlösung.
Sie ist die absolute Ausnahme in ihrer Familie, der Gegenbeweis der absoluten Determiniertheit durch die Gene. Doch scheitert ihr Ausbruchsversuch mit Loth wieder an ihrer Familie, denn die Erkenntnis der Verhältnisse aus denen sie hervorgegangen ist sind für Loth ein Grund, sie im Stich zu lassen. So wird sie nun auch das Opfer Loths, der sie, nachdem sie durch ihn die Hoffnung wieder gefunden hat, in die Aussichtslosigkeit zurückstößt und sie so in den Freitod treibt. Sie begeht ihren Selbstmord bezeichnenderweise mit einem „Dekor“ Hirschfänger, von der Art her ein Symbol der alten bäuerlichen Gesellschaftsform, von der Funktion als Jagddolch allerdings ein Zeichen männlicher Macht.

Hoffmann
Ist ein Ingenieur, der durch die Heirat mit der Bauerntochter Martha zum Unternehmer aufgestiegen ist. Durch ein Wirtshausgespräch erfährt man, dass er die Hochzeit mit den durch den Kohlebergbau reichgewordenen Eltern arrangiert hat. Er soll den damalige Verlobten verdrängt haben, ihm sowohl die Geliebte als auch den Bauauftrag entrissen und ihn so in den Freitod getrieben haben. Des weiteren soll er die Bauern in unaufrichtiger Weise zur Unterzeichnung eines Kohlefördervertrages bewegt haben.
Als Leser dieser Einführung kann man die Annahme schwer von der Hand weisen, dass möglicherweise er seine Frau durch diese Handlungsweise in den Alkoholismus getrieben hat.
Er ist ein Freund des Genusses und des Luxus´.
Sein Reichtum und Erfolg haben ihn dazu gebracht seine Ideale aus der Jugend zu verraten. Er bezeichnet diese als „Mit- dem- Kopf – durch – die – Wand - Rennen“ und ist zu dem Schluss gekommen, dass man erst zu Reichtum kommen müsse, bevor man in der Welt etwas ändern könne. Er meint außerdem, dass alles von oben herab geschehen müsse, da dass Volk nicht weis was ihm „not tut“.
Seine „idealistischen“ Aussagen wirken allerdings alle rein pragmatisch, zur Hälfte erlogen um Loth nicht zu kränken, zur anderen Hälfte verbogen um sein Handeln vor sich selbst zu rechtfertigen.
Er verkörpert den zurechtgebogenen Revoluzzer, der seine Ideale schon beim kleinsten Widerstand ablegt und sich aus Egoismus oder Angst der Norm unterordnet.
Hoffmann wird darüber hinaus als zu „allem fähig“, „wenn für ihn ein Vergnügen dabei herausspringt.“ dargestellt. Als Helene seine Macht, seinen Einfluss und seine Absicht erkennt, nennt sie ihn den „Schlecht’sten von allen hier“.

Die anderen Charaktere stellen in erster Linie unterschiedliche Vertreter der Landbevölkerung da. Während die Bediensteten eher positiv gezeichnet sind, werden die neureichen Bauern als degeneriert und zerstört gezeigt. Herr Krause als Alkoholiker, Kahl als verblödeter Jagdnarr, der mit seiner Brutalität alles Schöne und Reine(Lerche als Sinnbild) zugrunde zu richten vermag.

„Die Weber“

Entstehung

Im Juni 1890 beginnt Gerhart Hauptmann die für die Naturalisten so typische Materialsammlung in seinem Notizkalender. Er selbst datiert den Anfang seiner Arbeit auf seinen Schweizbesuch 88, auf dem ihn ein Freund seines Bruders (Ferdinand Simon- August Bebels späterer Schwiegersohn) auf Die Schlesischen Weber Heines aufmerksam gemacht hat. Gerhart Hauptmann, der das Stück später seinem Vater widmen wird, ist von dem Thema gefesselt, ist doch sein Großvater selbst noch Weber gewesen. Durch eine „neue“ Webernot wird das Geschehen von 1844 erneut in den Zeitungen und unter Intellektuellen diskutiert. Die Not ist die selbe, das Wissen über das Funktionieren bzw. Nicht-Funktionieren des Kapitalismus allerdings schon ein ganz anderes. Umso kritischer und genauer werden die Geschehnisse „in den vierziger Jahren“ analysiert und mit den Entwicklungen vor der Jahrhundertwende verglichen. 1891 unternimmt Hauptmann zwei Reisen und Wanderungen durch das Eulengebirge. Sein Begleiter Max Baginski, Redakteur und eben erst ausgeschlossener Sozialdemokrat, berichtet später wie Hauptmann das Elend und den Verfall vor Ort, in den Hütten der Weber betrachtet und Augenzeugen des Aufstandes von 1844 befragt.
1892 lag die erste Fassung in originalem schlesischem Dialekt unter dem Titel „De Waber“ vor. Diese wurde allerdings sofort Verboten. Auch die noch im selben Jahr fertiggestellte eingestrichene, dem Hochdeutsch angenäherte Fassung wurde erst verboten. Im Oktober 93 wurde sie endlich für die Aufführung am Deutschen Theater freigegeben.
Interessant ist, dass Hauptmann die Anfangs von seinem Anwalt Grelling zur Genehmigung des Stückes erdachte Umfärbung der ins Auge stechenden dominierenden politischen Interpretation in ein christlich-mitleidiges Thema später selbst übernimmt und sie sogar, wie fadenscheinig sie auch ist, in seiner Autobiographie „Das Abenteuer meines Lebens“ (1937) niederschrieb.
Inhalt

1. Akt (Peterswaldau im Eulengebirge, Schlesien- heute Pieszyce, Polen)
Die Weber sammeln sich am Zahltag mit ihren Geweben, die wie vor einem Gericht begutachtet werden. Die überheblichen Angestellten des Fabrikanten Dreißiger sind gnadenlos. Der Lohn ist sehr niedrig, keines der vorgelegten Gewebe ist gut genug. Die Angestellten nehmen einen nach dem anderen das Tuch ab. Sie weisen jede Bitte auf Vorschuss von sich und ziehen von dem eh schon knappen Lohn auch noch bestehende Schulden ab. Bäcker, ein junger, ausnahmsweise gut gebauter Weber der von allen bestaunt wird, spricht kurz mit dem „alten Baumert“, und stellt sich zur „Abfertigung“ an. Der Alte erzählt den Umstehenden, das er eben seinen Hund habe schlachten lassen. Mittlerweile steht Bäcker an der Schranke- er fordert seinen Lohn, den er ein Almosen nennt das er nicht erbetteln will. Er soll ihm wenigstens auf die Hand gezählt werden. Bäcker beschreibt die Ausbeutung und schafft, was kein Bitten davor geschafft hat- Dreißiger betritt den Saal. Dreißiger ist erbost über die Weber, die vor seinem Haus „Das Blutgericht“ gesungen haben. Er beginnt einen Streit mit Bäcker, der das Lied verteidigt, ja es sogar lobt. Er wird als einer der Sänger erkannt und entlassen. Im Saal fällt ein Weberjunge vor Hunger und Hitze in Ohnmacht. Dreißiger veranlasst, dass man sich um ihn kümmert. Er spricht vor den Webern über die Schwierigkeiten seines Berufes und klagt die Verantwortungslosigkeit der Weber an, einem Kind das anzutun. Er ist der Meinung, bei ihm sei noch nie ein fleißiger Weber ungerecht behandelt worden. Er gibt sich sehr milde und sozial. Die Masse scheint ihm Recht zu geben, obwohl ihre Erscheinung ihn Lügen straft.
Als Dreißiger sofort die Löhne senkt, um noch mehr Webern das Überleben zu ermöglichen, kommt das erste Mal Bewegung in die Menge.

2. Akt (Kaschbach im Eulengebirge, Schlesien- heute Potoczek, Polen)
Im Haus des alten Ansorge warten die Frauen der Familie Baumert auf die Rückkehr des Vaters und Gatten. Die verwitwete Tochter, ihr Sohn, die jüngere Tochter, Ansorge, die Alte und eine verwundete Nachbarin sprechen über das Elend. Wider der Befürchtung der Gattin bringt der alte Baumert das Geld nach Hause anstatt es zu versaufen und bringt auch noch den Reservisten Moritz Jäger mit, der auch gleich eine Runde ausgibt und von der Zeit beim Militär erzählt, die ihn Reich und erfahren gemacht hat. Sie kommen auf das Elend zu sprechen und erzählen sich, wie die Fabrikanten in der „guten alten Zeit“ den Webern noch ihren gebührenden Teil zugestanden. Heute sei die Arbeitkraft Ware geworden. Der gebildete Jäger liest Teile des „Blutgerichts“, dessen Wahrheit besonders der alte Baumert schon fast exstatisch immer wieder beschwört. Als Jäger erzählt, wie er mit Bäcker einen Gerichtsschulzen überfallen hat, meint man einstimmig, er solle die Sache in die Hand nehmen, denn man leide es nicht mehr, was auch kommen möge.

3.Akt (Peterswaldau)
Eine Woche später, wieder ist Zahltag, sitzen in der Wirtsstube des Dorfschulzen der Tischler und ein reicher Reisender, der die Wirtstochter umwirbt. Sie unterhalten sich über ein „pompöses“ Begräbnis eines Webers, während der Reisende meint, bei so einem Begräbnis könne von Armut nicht die Rede sein, verweist der Tischler auf die Gläubigkeit der Weber, die durch die Priester ausgenützt werde um ihnen teure Feiern einzureden. Der Tischler ist darüber erfreut, denn für einen guten Sarg nehmen die Hinterbliebenen sogar Schulden auf und er kann gut leben, in letzter Zeit umso Besser, da so viele Weber und Kinder verhungern. Ältere Weber, der Förster und ein reicher Bauer kommen in die Stube. Die Weber sprechen wieder über ihre Ausbeutung, doch diesmal nicht über die durch die Fabrikanten. Sie prangern die Ausbeutung durch die adeligen Grundbesitzer an, denen die Förster und Bauern auch nahe stehen. Diese verlassen die Stube, während die Weber ausgelacht werden. Der Lumpensammler Hornig, der das Elend in allen Orten kennt, steht zu den Webern. Als das Weberlied vor der Tür erschallt, betreten Jäger und Bäcker gefolgt von jungen Webern die Stube. Sie sprechen mit den Webern und schwören sie wider den Willen des Wirts mit dem Lied auf den Marsch zu Dreißiger ein. Der Schmied Wittig berichtet als Zeitzeuge von der Französischen Revolution und verstrickt sich in einen Streit mit dem Gendarmen, der die Stube betritt um das Verbot des Blutgerichts (auf Dreißigers Geheiß) zu verbieten. Wittig wirft den Gendarmen eine unaufrichtige Lebensweise vor und stellt ihn als Schergen der Fabrikanten hin. Er muss gewaltsam zurückgehalten werden. Unter dem Verbot des Liedes und der Androhung der Gefängnisstrafe verlässt der Gendarm das Gasthaus. Das Weberlied wird angestimmt und die Weber machen sich auf den Weg zu Dreißigers Haus.

4.Akt (Peterswaldau)
In Dreißigers Villa hat sich eine Gesellschaft versammelt. Als der junge Hauslehrer mit Dreißiger eine Auseinandersetzung über die Webernot hat, schaltet sich der Pastor ein und weist den Lehrer zurecht, nicht gegen die „bestehenden Verhältnisse“ anzugehen. Der Lehrer will nur die Position der Weber verständlich machen und erklärt, als der singende Zug vor der Villa hält, deren Haltung durch „Unzufriedenheit“. Als Dreißiger ihn erneut zurecht weist, quittiert er seinen Dienst. Die Färbereiarbeiter nehmen Jäger gefangen (! 4. Stand gegen die Weber!!). Als er hereingeführt wird, ist er sichtlich amüsiert. Der Pastor macht ihm Vorwürfe, während die johlende Menge vor den Fenstern die Freilassung fordern. Jäger erkennt die Frau des Fabrikanten und stellt sie als aus der untersten Schicht stammend bloß. Er wird abgeführt. An dem Gebrüll der Menge erkennt man, das man Jäger aus der Gewalt der Polizei befreit hat. Der Pastor ahnt eine „Revolution“ und möchte gegen den Willen seiner Frau die Menge beruhigen. Er scheitert und die Dreißigers fliehen. Die Weber brechen die Türe ein und taumeln beinahe durch das luxuriöse Haus. Da sie niemanden vorfinden demolieren sie die Einrichtung und beschließen in den Nachbarort zu ziehen um den dortigen Fabrikanten ebenfalls zu verjagen und seine mechanischen Webstühle zu zerstören.

5. Akt (Langenbielau am Eulengebirge, Schlesien- heute Bielawa, Polen)
Man erlebt den Einmarsch der aufständigen Weber von der Stube der Weberfamilie Hilse aus. Erst wirt der Alltag der scheinbar sehr gläubigen und arbeitsamen, jedoch mittellosen Familie gezeigt. Der Lumpensammler Hornig kommt, und nach ihm auch noch andere Boten (Chirurgus usw.). Er berichtet von dem Aufstand. Der Alte Hilse glaubt ihm kaum, ist er doch mit seiner Lage zufrieden. Darüber bricht ein Konflikt ans Tageslicht. Die Schwiegertochter Luise kann die rebellierenden Weber verstehen. Der Vater und sein ihm höriger Sohn Gottfried möchten sich allerdings nichts zu schulden kommen lassen. Als die 6 jährige Tochter einen Silberlöffel nach Hause bringt, den sie nach dem Aufstand in Peterswaldau gefunden hat, schickt der Alte Hilse Gottfried damit auf das Amt, obwohl die Familie damit mehrere Wochen leben könnte. Dort trifft er seinen Paten, den alten Baumert, der ihn auffordert ebenfalls beim Aufstand mit zu helfen. Als Gottfried dies zuhause erzählt, kommt es zum Streit zwischen dem Alten und Luise. Im Zorn stellt sie ihre Forderungen als Mutter und geht zu den Aufständischen, nachdem sie die Männer als Feiglinge beschimpft hat. Der Vater verteidigt sich, er habe schon gegen Napoleon gekämpft. Allerdings erträgt er die Leiden des Diesseits in der Hoffnung auf das Gericht und die Rache Gottes. Mittlerweile haben die Weber auch hier gesiegt, das „Blutgericht“ erschallt hundertfach. Luise und unterschiedliche Weber betreten das Haus, darunter Baumert und Jäger. Es wird deutlich, dass aus dem Maschinensturm ein Aufbegehren gegen die Obrigkeit und das System wird, dass sich die Hungerrevolte zur Revolution entwickelt. Als das Militär aufzieht, schließt sich Luise den Truppen Jägers erneut an, angesichts der Feigheit der Hilses erklärt sie, sie habe gar keinen Mann. Die ersten Schüsse fallen, Gottfried bewaffnet sich und stürmt wider den Willen seines Vaters hinaus in den Kampf. Die Weber gewinnen langsam wieder die Oberhand. Die anderen Hausbewohner warnen Hilse zwei mal, doch er reagiert nicht und wird, am Fenster webend, von einer Kugel tödlich getroffen. Die Weber siegen.

Inhalt aus historischer Sicht und historische Hintergründe

Die Industrialisierung und „Globalisierung“ der Textilerzeugung führten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Preis und Lohnkrise. Nicht nur das Proletariat, sondern auch besonders die Handwerker hatten besonders zu leiden. Gerhart Hauptmann bricht mit der „klassischen“ Sicht des „Proleten“ als dem einzigen Ergebnis und größten Opfer der Industrialisierung, indem er den Schauplatz seines Schauspiels in die Bergdörfer weit ab der Industriezentren verlegt. An diesen Orten „lebt“ die Masse der Handwerker, die eigentlich schon durch Maschinen ersetzt sein könnten oder es schon sind, aber vor ihrem Untergang noch einmal ordentlich ausgenützt werden. Diese 5. Klasse, die im Moment ihres Entstehens schon dem Untergang geweiht ist, wird sowohl von den Bauern, auf deren Boden sie Leben, als auch von den Fabrikanten, die ihre Produkte zu Preisen kaufen unter denen die günstigsten Maschinen wohl kaum produzieren würden, ausgebeutet. Zudem sind sie das Gespött aller, da sie durch diese Ausbeutung sowohl körperlich als auch seelisch Schaden nehmen. Der Weberaufstand vom 4. bis zum 6. Juni 1844 im Eulengebirge wird von Hauptmann den historischen Gegebenheiten entsprechend dargestellt: Das Verbot des Protestliedes „Das Blutgericht“, das die Masse in seiner Prägnanz begeisterte, führt zu einer Festnahme. Durch die Ablehnung der Forderung nach der Freilassung des Gefangenen, wird die verbale und geistige Auflehnung zur „gewalttätigen“ Revolte. Hauptmann beschreibt, wie die Organisation des Mobs sie zum Keim einer Revolution macht, die wie das oft zitierte Vorbild der Französischen Revolution, in ihrem entstehen erst ihre ganze politische Tragweite erkennt und erst da ihre Forderungen zu stellen beginnt. Die Armee rückt an und der Aufstand wird nach anfänglichen Erfolgen niedergeschlagen.
Hauptmann hält sich an die geographische und zeitliche Gegebenheiten dieser Entwicklung. Die einzigen historisch belegten Figuren, die Verleger und Fabrikanten, färbt er um, deklariert dies aber auch durch eine Änderung ihrer Namen. Der eigentliche Held, die Masse der Weber wird anhand von erfundenen Repräsentanten verkörpert, die die Charakteristik und den Zustand des Weberstandes, wie er 1890 noch bestand, sehr genau traf. Der nach der naturalistischen Sicht nur sehr kleine Teil der Persönlichkeit, der außerhalb des Einflusses von Erbgut und Umgebung besteht, ist der Funktion der Figur im Stück angepasst und Bekannten Hauptmanns, historischen, mythologischen oder symbolischen Persönlichkeiten nachempfunden. (Siehe „Charakteristiken“).

Aufbau und Stil

Die Gliederung der „Weber“ in 5 Akte erinnert an den Aufbau eines klassischen Dramas. Das „Schauspiel“ ist allerdings eher eine logische Reihe von Bildern, die der Autor scheinbar zufällig einfängt. Obwohl von einem Bild zum nächsten nicht unbedingt ein sofort erkennbarer Zusammenhang ersichtlich ist, wird im Laufe der Ereignisse die Verzahnung mit den vorhergegangenen Szenen ersichtlich. Nicht einmal das Hauptereignis, der Aufstand, ist in allen Akten voll präsent. Allerdings zieht sich die Masse der Weber in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen durch das ganze Drama. Die Figur des alten Baumert, der als passiver „Held“ immer nur als Produkt seiner Umgebung dargestellt wird, allerdings auch nie an Sympathie verliert, ist ebenfalls in allen Akten wenigstens kurz gegenwärtig.
Das Hauptmotiv und Rückrat des Stückes ist allerdings „Das Blutgericht“. In seinem Einsatz kommt der klassische Aufbau des Dramas wieder zum Einsatz. Das klassische Einleitung, Aufsteigen, Höhepunkt, Abfallen, Katastrophe Schema ist im Einsatz des Weberliedes 1:1 auf die 5 Akte übertragbar.
Hauptmann nutzt den typisch-naturalistischen Boten aus der Fremde um die Situation aus ihrem natürlichen Gleichgewicht, der Ruhe, in Bewegung zu bringen. Der Bote aus der Fremde ist meist begleitet von dem „Blutgericht“, das als der eigentliche Bote a. d. Fremde betrachtet werden kann.
Zur Schilderung nicht darstellbarer Ereignisse nutzt Hauptmann den Botenbericht, wie er schon zuvor bekannt war. Was bei ihm wegfällt ist das zur Seite sprechen von Gedanken und der Publikumsdialog.
Der originalgetreue Einsatz des schlesischen Dialekts und der wahrhaftige Umgang mit den Schwächen dieser Bevölkerungsschicht macht Gerhart Hauptmanns die Weber zu einem naturalistischen Drama. Auffallend ist allerdings, dass er sich nicht immer an die naturalistischen Gesetze hält. Er entwickelt sogar einen breiten Symbolismus, und formiert die Figuren letztendlich als abstrakte Repräsentanten bestimmter Prinzipien, wie sie so in der Realität nicht aufeinander treffen könnten.
Wahrscheinlich ist es dieser meisterliche Umgang mit den Mitteln des Naturalismus und der Kompromiss, die Realität auch aufzubereiten, die „Die Weber“ zum erfolgreichsten naturalistischen Drama machte.

Charakteristik der wichtigsten Charaktere

Auffallend an Hauptmanns Figuren ist, dass sie trotz ihrer Individualität oft als Archetypen auftreten und handeln. Sie wirken allerdings trotzdem nicht in erster Linie „fiktiv“ oder künstlich. Die Repräsentanz, die bei Hauptmann einzelne für Gruppen übernehmen, begründet sich in dem „wissenschaftlichen“ Glauben der Naturalisten an die Bestimmung des Wesens durch das Erbgut und vor allem durch das Milieu. Nach der naturalistischen Sicht ist jener Teil der Persönlichkeit, der außerhalb des Einflusses von Erbgut und Umgebung besteht, nur sehr klein. Hauptmann nutzt ihn, indem er den archetypischen Figuren je nach ihrer Funktion im Stück in diesem Teil verdichtete Eigenschaften zukommen lässt. Hauptmann lässt sich zu dieser Verdichtung natürlicher Eigenschaften von Bekannten, sich selbst, sowie von klassischen, literarischen, mythologischen Figuren inspirieren. So werden Vertreter zu Repräsentanten.


Die Weber
Die Masse der Weber ist der eigentliche Protagonist des Stückes. Hauptmann charakterisiert sie im allgemeinen als untersetzte, geschundene Menschen. Sie haben gekrümmte Beine, rote Augen und weitere gesundheitliche Schäden an ihrem Körper, in der Seele tragen sie teilweise ganz andere Merkmale aus ihrem Leid. Auch wenn Hauptmann nicht vordergründig für sie Partei ergreift, werden sie mit all ihren Schwächen nicht nur interessant, sonder auch sympathisch. Die Weber werden äußerlich durch Massen von Statisten verkörpert, während einige Archetypen die Masse über das äußerliche hinaus vertreten.
Andere erheben sich über die Masse und dienen z.B. als Kontrast zu ihr, wie auch Bäcker.

Familie Baumert
Repräsentiert in sich schon große Teile der Weberschaft, nur die jungen Männer sind nicht vertreten. Die Sorgen und Probleme werden hier gezeigt, sowie das Leben der Weber im Allgemeinen. Die Familie ist einzig eine Ebene, das Elend zu zeigen. So ist die größte Sorge der Mutter, der Mann könnte das ganze Geld versaufen. Man sieht den Zusammenhalt unter den Webern durch die Nachbarschaft und die vielfache Belastung der Weberfrauen, die neben der Arbeit meist noch viele Kinder durchzubringen haben.

Der alte Baumert
Ist ebenfalls ein Repräsentant. Er repräsentiert die Masse der „Mitläufer“. Sein Verhalten wirkt immer aufgezwungen. Er selbst wie ein Produkt äußerer umstände. Er leidet scheinbar an einer psychopathologischen Erscheinung, die mit ihm manchmal durchgeht. Er beginnt dann wirr zu reden. So ist er ein sensibler Indikator für den Zustand der Masse, bevor dieser überhaupt ans Tageslicht tritt.

Ansorge
Der Häusler und Weber ist ein literarisches Denkmal, das Hauptmann sich seiner eigenen ewigen Unentschlossenheit setzte. Das andauernde „NU JAJA- NU NE NE“ ist Ausdruck Hauptmanns persönlicher Lebenshaltung und wird im Umfeld einer Rebellion wie des Weberaufstandes zur Stimme der Unentschlossenen, Besänftigenden.

Der alte Hilse
Vertritt die historische Haltung der Weber. Er ist Sinnbild für die historische „Weber-Idylle“. Als gottesfürchtiger Weber, scheut er vor dem Auflehnen zurück, auch wenn er die Ungerechtigkeit sieht. Er hat in seiner Jugend in den Befreiungskriegen gegen Napoleon gekämpft, und tritt so auch in die Figur des Reaktionärs. Die Interpretation seiner Figur ist sehr widersprüchlich, vor allem sein Tod macht zu schaffen. Von „der einzige Sympathieträger des Stückes“ über „unfreiwillig komisch wirkend“ bis zu „Vereinigung aller naturalistischer Feindbilder“ reicht das Spektrum der Interpretation. Fest steht, dass sein Tod an der Schwelle zu einer neuen Zeit zu liegen scheint, dass er von der Schutzmacht des alten Systems getötet wird und ihm scheinbar nur zwei Warnungen zukommen, und das Napoleon, gegen den er kämpfte, für die Naturalisten die Ideale der Französischen Revolution vollendete.

Luise
Steht im Kontrast zu ihrem Schwiegervater. Sie ist ein Verfechterin des Kampfes. Besonders, dass sie diesen als ihre „Mutterpflicht“ zu sehen scheint, macht sie zu einer besonderen Figur. Ihre Forderungen stellt sie als Mutter die 4 Kinder an den Hunger verloren hat und überzeugt mit ihrem Elan letztendlich auch ihren Mann.

Wittig
Der Schmied Wittig ist ebenfalls ein Gegenpol zu Hilse. Er kämpfte für die Franz. Rev. und nimmt im Kampf eine führende Position ein. Als Schmied ist er die Verkörperung von Mut und Kraft. Er ist im Zusammenhang mit Hauptmanns „Veland“ (1923) als Zunftgenosse des nordischen Helden Wieland und wegen seines Mutes auch als Bruder des schweizer Schmiedes Winkelried zu sehen, denn wie er entschied er die Schlacht für seine, technisch unterlegene Seite durch sein furchtloses Voranstürmen.

Moritz Jäger
Der Reservist tritt als „Bote aus der Fremde“ in das Geschehen und wird zum Auslöser und Führer der Rebellion. Er ist als einziger im Besitz des ganzen Textes des „Blutgerichts“, das eine besondere Stellung im dramatischen Aufbau des Stückes einnimmt. Das Blutgericht, seine genaue Analyse der Situation und seine Erfahrung machen ihn zum Anführer der Weber. Er erst macht aus dem richtungslosen Aufbegehren einen Aufstand, organisiert diesen 2militärisch“ und gibt ihm eine politische Dimension und eine Chance auf Zukunft– der König und die Regierung sollen fallen.
Bäcker
Ist der einzige Weber, der Jäger sowohl körperlich als auch geistig ebenbürtig ist. Er begehrt auch ohne Jäger auf und tritt als Sänger des Weberliedes in Erscheinung. Er begeistert scheinbar die Menge. Sein Spot für das System und die Verachtung für die Fabrikanten machen ihn ebenfalls zu einem Abführer, der mit Wittig als Erfahrungsträger und Hornig als Informant an Jägers Seite kämpft. Sein Betitelung „roter“ Bäcker ist sicherlich weit mehr als eine Anspielung auf seine Haarfarbe. Neben der politischen Assoziation mit dem Sozialismus die dieser Name aufdrängt, gibt es eine 2. Fährte, die allerdings ebenfalls bei der selben Orientierung endet, nämlich bei Marx und Engels, deren engster Mitarbeiter Johann Philipp Becker auch „roter Becker“ genannt wurde. Er arbeitet für führende sozialdemokratische Zeitungen und war ein glühender Verfechter der Literatur des 4. Standes.

Ende des Auszuges


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