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Referat

TitelCaligula 
Anzahl Worte7968 
SpracheDeutsch 
ArtFachbereichsarbeit 
SchlagworteWahnsinn, Rom, Kaiser, Familie, Nero, Brand, 
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Caligula







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Personifizierter Wahnsinn oder rationelles Wesen?



Von
Clemens Leitner

Caligula


Vorwort:
Gaius Caesar Germanicus ist wohl einer der umstrittensten Figuren des römischen Reiches. Die antiken Autoren werfen ihn Wahnsinn, Sadismus und Unberechenbarkeit vor, und diese Urteile blieben fast 2000 Jahre aufrecht. In dieser Arbeit versuche ich jedoch Caligula aus einer anderen Sicht zu betrachten und seine oft „komischen“ Verhaltensweisen zu interpretieren und zu erklären.

Rom zu Zeit seiner Geburt:
Am 31. August des Jahres 12 n. Chr. Wurde Gaius Caesar Germanicus als Sohn des Germanicus und der Älteren Agrippina geboren.
Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt erwarten, dass er im Alter von nur 24 Jahren am 18. März 37- bekannt unter dem Spitznamen Caligula- römischer Kaiser werden würde. Doch noch war sein Urgroßvater Augustus an der Macht mit seinem Herrschaftssystem der doppelbödigen Kommunikation: Die Senatoren hatten so zu handeln, als besäßen sie eine Macht, die sie nicht mehr hatten. Der Kaiser hatte seine Macht so auszuüben, dass es schien, als ob er sie nicht besitze.
Doch es gab noch ein anderes Erfolgsgeheimnis des Augustus: Die Verneinung des aristokratischen Bedürfnisses, die eingenommene Machtposition auch gesellschaftlich in Erscheinung treten zu lassen. Er benahm sich im täglichen Leben wie ein Senator und pflegte Freundschaftsbeziehungen zu anderen Aristokraten, als wären sie seinesgleichen.
Dieses paradoxe Verhalten des Augustus kann man wohl am besten so beschreiben:
„Herrscher zu sein, ohne zu befehlen, Machthaber sein, ohne als solcher in Erscheinung zu treten.

Die komplizierten Familienverhältnisse:
Da Augustus im verfassungsrechtlichen Sinne keine Monarchie eingeführt hatte, war die Frage seiner Nachfolge in rechtlicher Hinsicht offen geblieben. Es Hatte sich nach dem Tod eines jeden Kaisers zunächst zu erweisen, wer der politisch Mächtigste war und als solcher vom Militär zum neuen Kaiser ausgerufen und vom Senat bestätigt wurde. Dies bedeutete oft den Ausbruch eines Bürgerkrieges wie nach dem Tode des Neros oder Commodus. Im Normalfall aber traf der Kaiser Vorbereitungen für den Fall seines Ablebens. Wenn er einen Sohn besaß oder einen adoptierte, war dieser prädestiniert zum Nachfolger.
Augustus selbst besaß keinen Sohn, nur eine Tochter aus einer früheren Ehe, mit Namen Julia. Seine Frau Livia hatte ihrerseits zwei Söhne mit in die Ehe gebracht: Tiberius und Drusus ( I ) .Augustus wollte zuerst andere als Nachfolger bestimmen, aber nachdem er diese alle überlebte fasste er seinen Stiefsohn Tiberius ins Auge. Dieser hatte Julia zu ehelichen und war somit Thronanwärter Nummer 1.
Aber die augusteische Familienpolitik hatte noch andere Aspiranten: Drusus, der Bruder r des Kaisers Tiberius, wurde mit einer Nichte des Augustus verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: Claudius, der spätere Kaiser, und Germanicus, der Vater Caligulas. Während der erste wegen körperlichen Behinderungen zuerst im Kampf um den Thron ausschied, wurde Germanicus mit der Älteren Agrippina verheiratet, einer Enkelin Augustus. Aus deren Verbindung waren unter anderem 3 Söhne: Nero (nicht ident mit dem späteren Kaiser), ein Drusus und eben Caligula. Sie waren Urenkeln und Großgroßneffen des Augustus. Schließlich adoptierte Tiberius, auf Wunsch des Augustus, Germanicus damit der Weg für die Urenkel zum Kaisertum offen ist.

Die Kindheit Caligulas:

Seine ersten Lebensjahre verbrachte das „Soldatenstiefelchen“ in Germanien, Rom; Griechenland und dem Orient. Sein Vater Germanicus, der durch die augusteischen Adoptionsregelungen in einen Prinzenstatus gerückt war und der sich, wie die antiken Quellen vielfach berichten, aufgrund seiner stattlichen Erscheinung und seiner extrovertierten Art größter Beliebtheit und Popularität bei allen Gruppen der Bevölkerung erfreute, war seit dem Jahr 13 Befehlshaber der römischen Legionen am Rhein. Im kam dort die Aufgabe zu, Krieg gegen die rechtsrheinischen Germanenstämme zu führen, die den Römern wenige Jahre zuvor im Teutoburger Wald eine empfindliche Niederlage zugefügt hatten. Seine Ehefrau Agrippina folgte ihm nach, und wenig später wurde auch der kleine Sohn hinterhergeschickt, der so in einem Legionslager seine frühe Kindheit verbrachte. Agrippina, die sich gelegentlich auch energisch in militärische Angelegenheiten einmischte, soll es gewesen sein, die den kleinen Gaius in eine Art Miniuniform steckte, um somit den einfachen Soldaten zu schmeicheln und ihre Zuneigung zu gewinnen. Nach den Soldatenstiefelchen, die das Kind trug, bekam es den Spitznamen Caligula, der ihm sein ganzes Leben lang anhing.
Agrippina hatte die Reaktion der Soldaten richtig eingeschätzt. Der Kleine wurde der Liebling des Legionslagers. Bei einer gefährlichen Meuterei der Rheinarmeen, die nach dem Tod des Augustus ausbrach und in deren Verlauf die Soldaten versuchten Germanicus, gegen seinen Willen, zum Kaiser auszurufen, soll Caligula sogar eine entscheidende Rolle gespielt haben. Als der Feldherr wegen der unsicheren Lage Frau und Kind mit ihrem Gefolge aus dem Lager entfernen und nach Trier schicken wollte, sollen die Soldaten. Beschämt über die Folge ihrer Meuterei, eine Umkehr vollzogen haben. Eine andere Quelle berichtet, sie hätten Caligula als Geisel genommen, um so seine Entfernung zu verhindern.
Im Frühsommer des Jahres 17 erfolgt die Rückkehr nach Rom; wo Germanicus für seine Feldzüge gegen die Germanen mit einem Triumph geehrt wurde. Dieser Triumphzug des Germanicus soll mit außerordentlichem Pomp veranstaltet worden sein.
Aber nur wenige Monate dauerte der Aufenthalt in Rom. Schon im Herbst desselben Jahres wurde Germanicus die Aufgabe übertragen, die Verhältnisse im orientalischen des römischen Reiches neu zu ordnen. Wieder begleiteten ihn seine Frau Agrippina und sein Sohn Caligula, während die übrigen Geschwister in Rom zurück blieben. Die Fahrt gestaltete sich als eine Mischung aus Bildung und Herrscherreise. Von Syrien aus ging es nach Armenien, das unter römischen Einfluss stand und wo ein neuer König inthronisiert wurde. Nach der Reorganisation der Verwaltungen in Kappadokien und Kommagene fuhr die Familie in die berühmte antike Weltstadt Alexandria. Nach einer Fahrt Nilaufwärts ging es zurück nach Syrien. Hier nahm die Reise ein plötzliches und tragisches Ende. Germanicus erkrankte und starb am 10. Oktober des Jahres 19 im Alter von 33 Jahren. Er selbst hatte noch den Statthalter von Syrien, Calpurnius Piso, mit dem eine offene Feindschaft ausgebrochen war, beschuldigt, ihn vergiftet zu haben. Er hat damit ein Gerücht in die Welt gesetzt, das auch bald später Kaiser Tiberius betraf: Dieser habe den Mord an seinem Adoptivsohn initiiert, da dieser ihn an Beliebtheit beim Volke übertraf. Der Tod des Vaters bedeutete nicht nur in familiärer Hinsicht einen gravierenden Einschnitt im Leben des Caligulas:
Bis jetzt wurde er immer von seinen Eltern beschützt und wurde als Sohn eines zukünftigen Kaisers behandelt. Doch nun war die Lage lebensgefährlich. Tiberius wollte nämlich die Thronfolge für seinen Enkel absichern, wusste aber, dass die Familie Germanicus auch 3 Thronaspiranten hervorgebracht hatte: Drusus, Nero, und Caligula.





Rom unter Tiberius:

Nicht nur für die persönliche Erfahrung des jungen Caligulas, sondern auch für die Entwicklung der kaiserlichen Position als solcher und damit für die Art, wie Caligula selbst sie später bekleiden sollte, war die Herschafft des Tiberius (14-37) von zentraler Bedeutung
Der komplexen kaiserlichen Rolle, die ihm sein Stief- und Adoptivvater Augustus hinterlassen hatte, war er kommunikativ nicht gewachsen. Er schaffte es somit nicht, wie Augustus, die Paradoxie von Alleinherrschaft und republikanischen Institutionen durch eine doppelbödige, dass heißt letztlich eine unehrliche Kommunikation, zu überdecken. Er verhielt sich stattdessen ehrlich und konfrontierte die Senatoren mit paradoxen Verhaltensanforderungen: Sie sollten ihn als Kaiser akzeptieren, zugleich aber so agieren, als gäbe es ihn nicht, als sei der Senat wie in Zeiten der Republik das reale Machtzentrum des römischen Reiches. Es gehörte für die Senatoren großes Geschick dazu, das zu tun, was der Kaiser wolle, ohne zu wissen, was er wolle.
Unter Augustus, so wird berichtet, erschienen der gesamte Senat, die Ritterschaft und viele aus dem Volk regelmäßig zum Morgenempfang im kaiserlichen Haus. Dies war eine Art Pflegung dieser „Freundschaften“ zwischen Kaiser und Aristokratie.
Von Tiberius wird nun berichtet, er sei bestrebt gewesen, sich von diesen traditionellen Kontakten mit der Aristokratie und der opportunistischen Freundschaft, die dabei zutage trat, nach Möglichkeit zu entziehen. So empfing er bei der Salutatio die Senatoren lediglich als Gesamtgruppe, was das Verfahren zwar vereinfachte, aber die Möglichkeit der persönlichen Kommunikation mit dem Kaiser stark einschränkte. Er soll auch bei anderen Gelegenheiten den Senatoren aus dem Weg gegangen sein, da ihm die übliche Schmeichlerei der Aristokratie zutiefst verhasst war.
Da die inneraristokratischen Rivalitäten unter Tiberius die Austragung in Form einer geregelten, von oben gesteuerten Konkurrenz um kaiserliche Gunst versperrt war, verbreitete sich ein neues, äußerst hässliches aristokratisches Konfliktverhalten: gegenseitige Intrigen und Denunziationen. Die Senatoren erhofften sich durch das Anzeigen anderer Amtskollegen die kaiserliche Gunst zu bekommen oder die Ausschaltung ihrer politischen Gegner zu erwirken. Da Tiberius nicht einschritt, blieb dem Senat nichts anderes übrig als diese Selbstzerstörung durchzuführen.
Die Zunahme von Schmeichelei und Intrigen bzw. Denunziationen bewegte Tiberius dazu Rom zu verlassen und sich woanders- fernab von jeglicher Aristokratie- niederzulassen. Als sein Domizil wählte er Capri aus. Hand in Hand mit der Flucht Tiberius ging der Aufstieg des Prätorianerpräfekten Sejans einher. Die Folge war, dass nun die ganze Aristokratie sich um die Gunst des ersten Günstlings bemühte.
Zuviel Misstrauen gegen alle, zuviel Vertrauen in einen, so lässt sich Tiberius Verhalten charakterisieren. Tiberius überforderte damit offensichtlich die Loyalität Sejans, da dieser eine Verschwörung gegen ihn plante, um endlich die Nummer 1 in Rom zu sein. Doch Sejan wurde ertappt und hingerichtet. Damit waren die Karten neu gemischt und eine weitere Reihe von Majestätsprozessen begangen wieder. Damit war das Verhältnis von Kaiser und Aristokratie wieder auf null.

Die Lebensbedrohliche Jugend des Caligulas:

Die gesellschaftlichen Zustände, unter denen Caligula aufwuchs, waren alles andere als humanitätsfördernd. Unbegrenzt. Es herrschte die unbegrenzte Gewalt des Kaisers, der aber zugleich gehasst wurde und in ständiger Angst aufgrund von Verschwörungen leben musste. Morde und Hinrichtung als Alltagserfahrung, eine unehrliche Kommunikation zwischen Kaiser und Adel
und skrupellose Aristokraten, die sich gegenseitig ans Messer lieferten, waren Caligulas monotone Tagesabläufe. Doch wie erging es Caligula dabei?
Caligulas Glück war es, dass seine älteren Brüder Nero und Drusus als potentielle Nachfolgekandidaten galten und er selber, aufgrund seines kindlichen Alters, nicht in Erwägung gezogen worden ist. Das Schicksal von seinen nahen Verwandten wurde sehr durch das Umtreiben des Sejans bestimmt. Dieser verleumdete nämlich Agrippina, die Mutter des Caligulas, bei Kaiser Tiberius und zog Drusus auf seine Seite, um einen Streit zwischen ihn und seinen Bruder zu provozieren. Im Jahre 27 wurden Nero und seine Mutter Agrippina unter Hausarrest gestellt, und jeder, der das Haus Germanicus betrat, musste mit Proskriptionen rechnen.
Für Caligula selber, der diese Ereignisse als knapp 14-jähriger hautnah mitbekam, und für seine 2 jüngeren Schwestern, musste ein neues Heim gefunden werden. Die Kinder zogen als erstes zu ihrer Urgroßmutter, die Witwe des Augustus, und 2 Jahre später zu ihrer Großmutter.
Diese 2 alten Damen hatten sehr gute Beziehungen zur römischen Aristokratie und zu orientalischen Königshaüsern. Diese Beziehungen werden Caligula Jahre später noch vom Vorteil sein. Als Sejan schließlich den Höhepunkt seiner Macht erreichte, folgte der Sturz der Mutter und der Brüder Caligulas. Sejan erklärte sie zu „Hostis“, also zu Feinden des römischen Reiches. Nero wurde verbannt und kam Jahre später durch mysteriöse Umstände ums Leben. Drusus wurde in einen Kerker auf den Palatin geworfen, wo er niemals wieder rauskam.
Man muss sich jetzt einmal in die Lage des Caligulas versetzen. In dieser Zeit war er zwischen 17 und 18 Jahren alt und er musste miterleben wie seine eigene Mutter und seine Brüder umkamen. Diese Umstände prägen natürlich den Charakter eines Menschen, und man muss sich nicht wundern, dass durch diese und andere Verschwörungen das Vertrauen des Caligula in die römische Aristokratie gleich null war. Auch ohne große Kombinationsgabe wusste man jetzt, wer als nächstes in der Reihe dran war und wenn Tiberius Caligula nicht auf die Insel Capri beordert hätte, hätte es wahrscheinlich nie einen Princeps Caligula gegeben.

Insel des Glücks?

Gegen Ende des Jahres 30, also vor dem oben geschilderten Sturze Sejans, wurde Caligula nach Capri beordert. Kaiser Tiberius versetzte nämlich seinen Herrschaftssitz von Rom nach Capri wegen der ständigen Gefahr, die er sich in Rom ausgesetzt fühlte. Aber man wusste noch immer nicht genau, was genau der Kaiser mit Caligula vor hatte und wie er zu Caligula steht. Nur eines wusste man sicher: Die Beliebtheit der Germanicussöhne war beim Volk noch ungebrochen.
Tiberius besaß noch einen Enkel, Tiberius Gemellus: Dieser war zwar noch zur damaligen Zeit im Knabenalter, aber da der Kaiser keine Anzeichen von Schwäche zeigte, wurde Tiberius Enkel als Nachfolger in Erwägung gezogen. Nun gab es aber nur ein Problem: Caligula war der einzige, der der Thronbesteigung des Tiberius Gemellus im Wege stand, und war somit in einer lebensgefährlichen Lage. Gaius wusste dies genau, und setzte ein Motiv für seine Handlungen fest: ÜBERLEBEN!
Seine prekäre Lage sollte noch 6 Jahre andauern und erst mit der Thonbesteigung 37 aufhören. Als im Jahre 33 seine Mutter und sein Bruder Drusus starben, wusste Caligula, dass er nicht um sie trauern durfte, da er sich sonst der Gefahr aussetzen würde, zu einem „Hostis“ erklärt zu werden. Und gerade dieser überlebenswichtige Zug Caligulas, wurde von Sueton als eiskalt und heuchlerisch interpretiert:
Hier auf Capri erprobte man an ihm alle nur erdenklichen Intrigen, suchte, ihn aus sich herauszulocken und zu Beschwerden hinzureißen, doch lieferte er niemals eine Handhabe, sondern schien das Schicksal der Seinen so vergessen zu haben, als wäre niemanden jemals etwas geschehen. (...) Er legte so eine Unterwürfigkeit an den Tag, dass nicht ohne Berechtigung gesagt wurde, es habe nie einen besseren Sklaven und schlechteren Herren gegeben. (Sueton, Caligula (10, 2 )
Anders als seine Verwandten schaffte es Caligula sich in dem Meer der Intrigen zu behaupten.
Der Umgang des Tiberius auf Capri bestand hauptsächlich aus griechischen Philosophen und Astrologen. Der jüdische Autor Iosephus schreibt, dass Gaius über profunde Kenntnisse der griechischen Sprache verfügte und dass er ein ausgezeichneter Redner war. Außerdem wird berichtet dass sich Caligula sehr für die Wissenschaft und Literatur auf Capri interessierte. Witzigerweise wird über diese Interessen während seiner Regierungszeit nichts mehr berichtet, was wohl soviel heißen mag, dass er wieder sein Verhalten geschickt anpasste. Das Verhältnis zwischen Kaiser Tiberius und Gaius schien sich auch in den ersten Jahren auf Capri gebessert zu haben: Tiberius legte seinem Großneffen keine besonders freundliche, aber auch keine feindliche Haltung an den Tag. Im Jahre 33 bekleidete er das Amt der Quästur und wurde mit Iunia Claudia verheiratet, die Tochter eines Konsularen. Die Ehe sollte nur kurze Zeit dauern und war unbedeutend. Doch diese Ehe war doch ein guter Schachzug des Tiberius. Da die Gattin nicht aus dem iulisch-claudischen Kaiserhaus oder aus einer alten aristokratischen Familie entstammt, wurde die Nachfolge seines Enkels auf seinen Thron nicht tangiert. Im Jahre 35 verfasste Tiberius ein Testament, das wiederum keinen Beschluss über die Nachfolge beinhaltete. Doch jeder wusste, dass das Reich nicht teilbar ist und dass sich der Stärkere durchsetzen wird...
Sueton berichtet, dass sich der schlechte Charakter des Gaius schon auf Capri zeigte und dass er damals schon verdorben war:
So wohnte er mit größtem Vergnügen bei Hinrichtungen und Folterungen der zum Tode Verurteilten bei, suchte nachts, durch Perücke und lange Kleidung unkenntlich gemacht, Kneipen und übelberüchtigte Häuser auf und war begeistert für Theater, Tanz und Gesang. Tiberius ließ dies gerne geschehen, in der Hoffnung, dass dadurch die rohe Art seines Enkels etwas gemildert werde. Der weit blickende Greis hatte ihn nämlich bis auf den Grund durchschaut und oft geäußert, Gaius lebe zu seinem und Aller Verderben. (suet. Cal. 11)
Um das beschriebene Verhalten des Caligula zu verstehen, muss man die Rahmenbedingungen begreifen. Nach dem Tode Sejans wurde jeder bei Hinrichtungen beobachtet, um ihrer möglichen feindlichen Einstellung dem Kaiser gegenüber auf die Schliche zu kommen. Über Kneipen und Bordelle auf der Insel Capri gibt es weder schriftlich, noch archäologische Aufzeichnungen. Und vor allem die Postulierung Suetons, dass der Kaiser Caligula durchschaut hat, würde Tiberius eine Eigenschaft zusprechen, die er nie besaß: Menschenkenntnis.
Für den letztendlich erfolgreichen Weg zur Kaiserwürde war die Unterstützung eines Mannes besonders wichtig: Die, des Macro und seiner Frau Ennia. Nachdem Iunia Claudia im Kindbett verstorben war, soll Caligula eine Affäre mit der Frau des Macro gehabt haben. Dies berichten zumindest Iosephus und Cassius Dio. Vermutlich war aber keine sexuelle Dimension im Spiel und die 3 versuchten nur, sich für die Machtübernahme nach dem Tode des Tiberius vorzubereiten. Tiberius verstarb am 16. März 37 in Misenum ohne die Nachfolge geregelt zu haben. Um seinen Tod ranken sich mehrere Legenden: Caligula und Macro sollen ihn angeblich erstickt und erwürgt haben. In einen anderen Bericht wurde erwähnt, dass Caligula ihn vergiftet haben soll, und wiederum woanders steht, dass Macro ihn verhungert hat lassen. Wie immer sich es auch zugetragen hat, es zeigt nur, wie unterschiedlich die berichte der Autoren sind.
Noch am selben Tag wird Caligula von den Prätorianern in Misenum zum Kaiser ausgerufen und der römische Soldat folgt auch den Beschluss der Prätorianer. Gaius Caesar Germanicus wird im Alter von 24 römischer Herrscher über das römische Reich.


Der junge Augustus
Das Prestige und die Beliebtheit des Germanicussprosses hat die Herrschaft des Tiberius überdauert und das Volk stand am Anfang 100% hinter den jungen Gaius. Sie hatten ihn noch immer als den lieben, kleinen Jungen aus den germanischen Militärlagern in Erinnerung.
Doch wie aber reagierte die Aristokratie auf den 24-jährigen neuen Herrscher? Würde es mit Schmeicheleien, Denunziationen und Intrigen weitergehen wie unter Tiberius? Und wie würde sich der junge Kaiser den Senatoren gegenüber verhalten, die schließlich die Urteile gegen seine Mutter und Brüder ausgesprochen haben? Gerade die Handhabung der Kommunikation zwischen Aristokratie und Kaiser machten den Erfolg oder das Scheitern aus. Als erste Amtshandlung hielt er eine Rede im Senat, in der er den Senatoren sehr schmeichelte. Gaius befreite auch die Personen, die unter Tiberius eingeschlossen worden sind. Doch gleich stand schon das erste Problem ins Haus: Was soll man mit dem toten Kaiser machen? Soll er die damnatio memoriae verhängen oder soll er ihn konsekrieren? Caligula entschloss sich dann zu einem relativ aufwendigen Begräbnis im Mausoleum des Augustus. Ein weiterer symbolträchtiger Akt galt den zu Tode gekommenen Verwandten. Er fuhr bei stürmischer See zu den Inseln auf denen Mutter und Bruder umkamen, barg deren sterbliche Überreste und brachte sie nach Rom. Er nannte den Monat September von nun an Germanicus, adoptierte schließlich seinen Cousin Tiberius Gemellus und machte diesen somit zu seinen potentiellen Nachfolger. Der Verzicht auf besondere Ehrungen und großen Pomp waren die nächsten Elemente des neuen Kaisertums von Caligula. Er verhinderte die Aufstellungen seiner Statuen im städtischen Bereich und nahm am 1. Juli 37 das Konsulat an. Den Antritt des Konsulats nützte Gaius für eine im Senat, in der er sich von Tiberius distanzierte und das Verhalten des ehemaligen Kaiser tadelte. Da diese Rede genau dem Gemüt des Senates entsprach, beschloss man diese Rede jedes Jahr wieder vorzulesen um eine Gemütsänderung des Princeps zu verhindern. Außerdem senkte Caligula noch die Steuern.
Summa summarum kann man sagen, dass Caligula versuchte das augusteische Herrschaftssystem zu kopieren. Er wollte seine Alleinherrschaft nicht demonstrieren, sondern tat so als ob die ganze Macht der Senat innehatte. All dies bedeutet aber zugleich, dass die doppelbödige Kommunikation, die sich unter Augustus etabliert hat, und unter Tiberius kollabierte, wieder fortgesetzt wurde. Den Senatoren war diese Form der Kommunikation bestens bekannt aber wie konnte der junge Gaius dies gleich am Anfang so perfekt beherrschen? Es lag an seinen Lehrern. Einer war Macro, der Prätorianerpräfekt, der ihm zur Macht verholfen hat und der Caligula beibrachte, wie man sich als Kaiser zu verhalten hatte. Der Zweite war Silanus, der den höchsten Senatorenrang innehatte, und Caligulas ehemaliger Schwiegervater war.

Erste Schicksalsprüfung
Die engsten Vertrauten des jungen Kaisers waren dessen Schwestern, vor allem Drusilla, die mit Aemilius Lepidus verheiratet war. Ihr soll er mit besonderer Liebe zugetan gewesen sein, aber die Inzest, die Sueton den Kaiser vorwirft, kann nicht bewiesen werden. Nun war die Frage, wie dieses Lager sich mit Macro und Silanus verstehen würde.
Ende Oktober 37 zog sich Caligula eine schwere lebensbedrohliche Krankheit zu und jeder dachte, dass Gaius diese nicht überleben wird. Wie auch Macro und Silanus. Diese bereiteten nämlich schon die Nachfolge des Caligulas vor, indem sie die Thronbesteigung des Tiberius Gemellus vorbereiteten. Als Gaius dies hörte, erklärte er seine Schwester zu seiner Erbin, und damit Aemilius zu seinen Nachfolger. Als er aber jedoch wieder gesund wurde, griff er beinhart durch: Er zwang seinen Adoptivsohn Tiberius Gemellus zu Selbstmord, ebenso Macro, den er zuerst das Kommando über seine Leibgarde entzog, und schließlich Silanus, der sich das Leben aufgrund der kaiserlichen Ungnade nahm. In dieser Zeit rollten noch einige Köpfe, vor allem die der alten Feinde der Familie Germanicus.
Die Beseitigung des letzten Herrschaftskonkurrenten, der beiden mächtigsten Männer in der engsten kaiserlichen Umgebung war natürlich mit einer enormen Aufbruchsstimmung verbunden. Gaius beschloss ein zweites Mal zu heiraten, aber aus dieser Ehe wurde auch nichts da die junge Livia kein Interesse an der Kaiserrolle hatte. Schließlich wurde die Ehe geschieden und Livia verbannt. Von den üblichen Neujahrseiden auf die Anordnungen früherer Kaiser wurde Tiberius 38 ausgeschlossen, was dem Senat sehr entgegenkam.
Die meisten politischen Maßnahmen des Kaisers zu dieser Zeit fanden beim Volk große Zustimmung, da vor allem die unterste Schichte am meisten von der Steuersenkung profitierte. Caligula wusste auch über die Qualität der „homo novus“, die ohne den Kaiser nichts sind da sie keiner alteingesessenen aristokratischen Familie entsprangen. Diese neuen Männer waren somit extrem loyal und gefügiger als Mitglieder alter Adelsfamilien:
Ein ziemlich makaberer Fall fand zu dieser Zeit Auch noch statt:
Als Caligula krank war, schwörten 2 Männer dass sie sich das Leben nehmen würden bzw. als Gladiator auftreten würden, wenn der Kaiser wieder gesund werden würde. Da Gaius sie bei Worte nahm, fanden sie den Tod. Sie konnten nämlich nicht zugeben, dass sie das nicht ernst meinten, und nur wollten, dass der Kaiser sie für ihre Loyalität belohnen würde. Der junge Princeps spielte nun zum ersten Mal den Ball der doppelbödigen Kommunikation zurück und nahm diese 2 Senatoren einfach beim Wort. Und die übrigen Aristokraten wussten noch gar nicht, was auf sie zukommen wird........

Die Vorteile eines Kaisers
Noch nie zuvor war Rom von einem jungen Mann wie Caligula regiert worden. Iulius Caesar und Octavian mussten sich erst durch langjährige Bürgerkriege behaupten, und sowohl Kaiser Tiberius durchlief eine lange politische und militärische Aufgabe bevor er das Amt des Kaisers bekleidete. Nun stellte sich die Frage wie die Senatoren, meistens sehr alte Adelige, auf den jungen Princeps reagieren würden. Natürlich konnten sich alle sehr gut mit dem Kaiser arrangieren, da er, wie oben erwähnt, die Rolle eines augusteischen princeps weiter spielte. Es blieb nur noch offen, wie Gaius seinen Haushalt gestalten sollte. Sollte er es so machen wie Augustus, der keinen Wert auf Luxus und Prunk legte, der sogar in einer „Bruchbude“ in Vergleich zu seinen Aristokratenfreunde lebte. Oder so wie Tiberius, der am Ende keinen Menschen mehr empfing?
Gaius wusste, dass das Treffen zwischen dem Kaiser und der Aristokratie ein sehr wichtiges Gesellschaftliches Zusammensein war, und dass er nicht darauf verzichten konnte.
Durch das Erbe von Tiberius (ca. 2 Milliarden Sesterzen) hatte Caligula genug Mittel um alle seine Träume zu erfüllen. Er baute neue Tempel am Palatin und seine Gastmähler wurden prunkvoller als die anderer Aristokraten. Er brach die Etikette indem er seinen Schwestern den Platz links von ihm beim Essen reservierte und einige Rennwagenlenker dazu einlud. Er kreierte eigenartige Speisen wie z.B. Mit Blattgold verzierte Speisen und in Essig aufgelöste Perlen. Sueton schilderte dies als sinnlosen Luxus und Wahnsinn. Man muss sich aber vorstellen, dass diese eine besondere Art der Standesmanifestation waren. Der Machtverlust der alten Familien spiegelte sich eben in diesen Speisen wieder. Sie wussten dass sie NIE mit Caligula konkurrieren können, geschweige ihn zu übertreffen.
Außerdem gab sich Caligula öffentlich dem Wagenrennen hin, indem er einer der 4 Zirkusparteien in Rom als aktiver Anhänger beitrat. Ebenso fing er an mit Gladiatoren an zu trainieren und gewaltige Tierhetzen zu veranstalten. Alle Versuche Macros, dieses Zügellose Verhalten einzuschränken, fruchteten nicht. Man muss aber auch erwähnen, dass sich Caligula in keinster Weise von der jungen Nobilität in seinem Verhalten unterschied. Vielleicht war es nur die Ausdrückung seiner beinahe grenzenlosen Macht, die Caligula reizte. Aber eines war sicher: Rom hatte noch nie einen verschwendungssüchtigen, und Zirkusbegeisterten Kaiser gesehen.

Tod der Lieblingsschwester
Am 10 Juni des Jahres 38 starb unerwartet Caligulas Lieblingsschwester Drusilla, die er stets besonders bevorzugt hat und die er zu seiner Alleinerbin erklärt hatte. Dieser Tod traf den jungen Kaiser so hart, dass er sich für Wochen zurückzog und sich einen Bart wachsen ließ. Auf seinen Beschluss hin wurde Drusilla divinisiert, eine Ehre die vorher nur Caesar und Octavian zuteil geworden ist. Drusillas Geburtstag wurde zu einem Feiertag erklärt und großartige Spiele mussten an diesen Tag gehalten werden. Und eines war jetzt wieder total offen: Die Frage der Nachfolge. Daher heiratete Caligula erneut, und zwar Lollia Paulina, die sich durch große Schönheit und großen Reichtum auszeichnete. Auch diese Ehe dauerte nicht allzu lange. Vermutlich im Sommer des folgenden Jahres ließ sich Caligula scheiden, weil sie vermutlich unfruchtbar war. Doch eine noch unangenehmere Nebenerscheinung hatte der Tod der Drusilla zu verantworten. Die Wut des Aemilius Lepidus, der jetzt nicht mehr der Nachfolge des Kaisers werden konnte. Und dies nahm er nicht ohne weiteres hin, was sich ein Jahr später zeigen wird.

Reisen und erste Vorbereitungen für den Germanienfeldzug
Die letzte Reise eines Kaisers in eine Provinz, ein Aufenthalt des Augustus in Gallien, lag fast schon ein halbes Jahrhundert zurück. Tiberius verließ während seiner ganzen Regierungszeit Italien nicht. Caligula bereiste kurz nach dem Tode der Drusilla Sizilien. Dort ordnete er den Bau einer Hafenanlage an, und reiste, wegen eines bevorstehenden Ätnaausbrauches, gleich wieder nach Rom zurück. Schließlich musste er in diesem Jahr die Vorbereitung für einen groß angelegten Feldzug in Germanien beginnen. Grund dafür waren die immer wieder in Gallien einfallenden Rechtsrheinischen Germanen, die unbedingt gebändigt werden mussten. Außerdem war ein Krieg auch ein Prestigeunternehmen für einen Kaiser.
Doch wie musste der Senat über ihn gedacht haben? Hatte doch dieser Kaiser in kurzer Zeit alle Thronrivalen ausgeschaltet und hatte dieser doch eine Haushaltung, die alles Frühere bei weiten übertrifft. Profilierte sich dieser Kaiser auch mit sachlich sinnvollen Aufgaben wie z.B. Die Erweiterung des Ritterstandes bis zur Wasserversorgung in Rom, nicht zu Vergessen die Vorbereitungen für einen Germanienfeldzug. Alles in Allen geht man wohl nicht fehl in der Annahme, dass manchen im Senat mulmig bei den Taten des Kaisers innerhalb von 20 Monaten wurde.

Eskalation der Streitigkeiten

Caligula wurde in den ersten beiden Jahren seiner Herrschaft als äußerst großherzig und wohlwollen beschrieben. Es wird auch berichtet, dass er im Frühjahr des Jahres 39, beim Antritt des zweiten Konsulats völlig normal alle Nötigen Eide schwor. Doch auf einmal überliefert Cassius Dio, das es „In der Tat nur mehr Morde gab.“ Vor allem die Männer wurden verfolgt, die vor allem unter Tiberius schon in Ungnade gefallen sind und in dieser Ära gefangen gehalten wurden. Doch wie kam dieser plötzliche Sinneswandel?
Cassius Dio erwähnt vor allem das Wort „Protoi“. Diesen Ausdruck verwendet er nur für Männer im höchsten senatorischen Rang, und dass diese schon unter Tiberius in Ungnade gefallen waren, deutet auf die Majestätsprozesse hin, also auf eine Verschwörung. Von den übrigen Autoren wird diese Verschwörung, die sein späteres Handeln erklären hätte können, nicht erwähnt. Dieses Frühjahr im Jahr 39, indem sich Caligulas Verhalten gegenüber der Senatsaristokratie so drastisch verändert hat, wird von den zeitgenössischen Autoren im Dunkeln gelassen. Doch die Indizien deuten darauf:
In der Zeit nach der Niederlegung seines Konsulates am 30 Januar wird eine Verschwörung aufgedeckt, in der größere Kreise der Senatsaristokratie verstrickt waren. Es handelte sich somit um die Menschen, die bislang- bei aller Prachtentfaltung, die ihnen missfallen haben mag- ein loyales Verhalten an den Tag legten. Die Verschwörer, angeblich 6, wurden verurteilt und gerichtet.

Rede im Senat
Der Kaiser hielt eine Rede im Senat, die ausführlich von Cassius Dio zitiert wird.
Zunächst erfolgte eine Generalabrechnung mit dem Verhalten des Senats in den letzten Jahren. Er tadelte sie sogar für die Kritik an seinen Vorgänger Tiberius!! Er erwähnte auch noch, dass Tiberius und Sejan gar keine so großen Bösewichte gewesen sein konnten, da der Senat sie sonst nicht so gelobt hätten. Er unterstellte den Senat, dass er diese Menschen erst verdorben hat und fügte hinzu, dass er nichts Gutes von den Senatoren erwarten kann. Als beweise benutzte Gaius die Dokumente, die er nach dem Tod des Tiberius angeblich verbrannt hatte. Mit Hilfe dieser Unterlagen konnte er einiges ausdrücken: Die Heuchlerei und Verstellung des Senats.
Mit dieser Tat gab er der Aristokratie einen Schlag mitten in das Gesicht. Nicht nur, dass das falsche Verhalten der Aristokratie nun aufgedeckt war, leitete Caligula mit dieser Rede auch das Ende des augusteischen Prinzips ein. Gaius tat nun nicht mehr so, als ob der Senat wirklich noch die Macht besitzt. Doch wie reagierten die Senatoren?
Am Anfang waren sie natürlich geschockt, denn das trauten sie Caligula nicht zu. Aber so viele Möglichkeiten hatten die Senatoren nicht. Entweder führen sie die Schmeicheleien weiter, die zuvor als falsch und heuchlerisch abgestempelt wurde, oder sie konnten gegen den Kaiser agieren, was sich damals keiner traute. Also führten sie ihre Selbsterniedrigung weiter und schmeichelten wieder beim Kaiser, indem sie den Tag dieser Rede zu einem Feiertag kürten. Gaius erniedrigte somit die gesamte Aristokratie und gab sie den Lächerlichen preis. Hand in Hand mit der Rufschädigung der Senatoren ging auch die materielle Schädigung. Später, bei der Geburt seiner Tochter, forderte er Geld von den Senatoren als „Freundschaftsdienst“. Er wusste, dass jeder mehr Geld als der andere geben wollte, und somit stürzten sich einige Senatoren in den gesellschaftlichen Ruin.
Damit noch nicht genug. Caligula lud sein Lieblingspferd zum Abendessen ein und plante es zum Konsul zu ernennen. Diese eigentlich völlige irrsinnige Aktion hat einen guten Grund:
Das Konsulat war die Position, die jeder Aristokrat erreichen wollte, da sie die höchste gesellschaftliche Position war. Und eben durch dieses Handeln setzte er die Aristokratie mit einem Pferd gleich und gab sie der Lächerlichkeit preis. Und noch etwas wollte er damit ausdrücken: Seine unglaubliche Macht. Er konnte sogar ein Pferd zum Konsul machen!

Im Sommer 39 heiratet Kaiser Caligula erneut. Gaius heiratet die schwangere Milonia Caesonia und erklärte sich zum Vater des Kindes. Dieser Schritt hatte einen unerwünschten Nebeneffekt. Agrippina, die Schwester des Kaisers, hatte nun fast keine Chancen mehr auf den Thron. Und dass sie starke Ambitionen hatte, muss wohl nicht geleugnet werden. Sie befand sich nun in einer ähnlichen Position wie Aemilius Lepidus, der nach dem Tode der Drusilla auch keine Aussichten mehr auf das Prinzipat hatte. Ebenfalls Caligulas forsches Vorantreiben gegen die Germanen, löste bei einem gewissen Gaetulicus, dem Kommandeur der römischen Truppen in Obergermanien ein mulmiges Gefühl aus. Gaetulicus wusste, dass er stark um seine Position bangen musste, da er viel Dreck (Korruption, Misswirtschaft) am Stecken hatte.

Gefährlicher Schwager und Untertan

Den Kern der großen Verschwörung im Sommer des Jahres 39 bildeten Lepidus, der wichtigste senatorische Vertraute des Kaisers, sowie Gaetulicus, der Kommandeur in Obergermanien. Beteiligt waren auch die 2 ältesten Schwestern Caligulas, Agrippina und Livilla. Auch die 2 Konsularen, die am erste Juli das Amt antraten, waren eingeweiht. Mit Agrippinas Sohn Nero ergab sich sogar eine Thronfolgeperspektive für die nächste Generation. Man musste nur Gaius ermorden.
Doch es kam anders. Wer die Verschwörung aufgedeckt hat, wird nicht berichtet. Zuerst war aber nicht das ganze Ausmaß bekannt. Verdächtigt wurden nur Gaetulicus und beide Konsuln. Die beiden Konsuln wurden angeklagt und nahmen sich daraufhin das Leben. Caligula brach danach gleich nach Germanien auf, um zu verhindern, dass Gaetulicus noch seine Legionen formieren konnte. Er überraschte und Gaetulicus gab, im Angesicht des Todes, die anderen Namen der Verschwörer preis. Er wurde trotzdem hingerichtet und durch Galba ersetzt. Ebenso traf es Lepidus. Er wurde hingerichtet und Caligulas Schwestern wurden auf die Pontischen Inseln verbannt. Caligula informierte den Senat und verbot für die Zukunft irgendeinen Verwandten Ehrungen zukommen zu lassen.
Doch was in dem jungem Kaiser vorging wird nicht überliefet, aber man kann es sich vorstellen. Diesmal waren es nicht hochrangige Senatoren in Rom, sondern sein eigen Fleisch und Blut, seine eigenen Schwestern. Diesen Menschen, denen man eigentlich blind vertrauen können sollte. Jetzt musste sich Gaius eine wichtige Frage stellen: Wenn kann ich noch vertrauen? Senatoren und eigene Familienmitglieder konnten nicht mehr in Betracht gezogen werden. Die einzigen, auf die er sich stützen konnte, waren die so genannten „homo novi“, die ihre ganze Position nur den Kaiser selbst verdanken, und ohne ihn keine Bedeutung haben. Den Germanienfeldzug musste Caligula erstmals verschieben, da es sich rein terminlich nicht mehr ausging, ganz zu schweigen vom desolaten Zustand der Rheinregionen.
Den Winter verbrachte Caligula in Lyon. Angeblich soll Caligula dort, laut Dio, die reichsten Gallier getötet und sich ihren Geld bemächtigt haben. Dies lässt sich allerdings bezweifeln. Zugleich wird nämlich berichtet, dass Gaius den gesamten Haushalt seiner Schwestern und Vorgänger versteigert hat. Und diese Geldmittel, die dabei in die Kassa flossen, reichten vollkommen.
In Gallien fällte der Kaiser auch eine wichtige Entscheidung. Er schob den Germanienfeldzug auf und beschloss stattdessen die Eroberung Britanniens zu versuchen. Man ist auch hier aufgrund der Quellenlage auf Spekulationen angewiesen. Die Gründe dürften aber wohl klar sein: Eine Militäraktion war schon immer eine wichtige Prestigeaktion, und es gab derzeit Thronstreitigkeiten in Britannien. Die Berichterstattung ist knapp und wir. Einerseits wird berichtet, dass sich der britannische Königssohn Caligula unterworfen hat, andererseits wird berichtet, dass Gaius den Männern den Befehl gegeben hat, einen großen Leuchtturm zu bauen, als Zeichen für einen Sieg. Die plausibelste Erklärung, ist aber die, dass die römischen Truppen meuterten. Britannien galt nämlich damals nicht mehr als Teil der zivilisierten Welt, und die Legionen sahen keinen Grund es anzugreifen.
Was genau passiert ist wird sich nicht mehr feststellen lassen können. Das einzige was sicher ist, ist dass es keine bedeutende Eroberung gab.

Die neue Rolle des Kaisers
Nach der großen Verschwörung im Sommer wusste Caligula das die Personen in seiner Umgebung oft die gefährlichsten sein konnten. Es war dadurch die paradoxe Situation gegeben, dass der Kaiser den Personen, den er am meisten vertraute, zugleich am meisten misstrauen musste. Im engsten Kreis seiner Vertrauten dominierten nach seinen Gallienaufenthalt ganz andere: Die Freigelassenen Callistus und Protogenes. Diese beiden waren die Handlanger des Kaisers und waren als besonders tyrannisch bekannt. Eine wichtige Rolle spielte schließlich der ägyptische Sklave Helikon, der als ein Art Leibwächter und Berater fungierte. Zum neuen Kreis gehörte ferner seine Frau Caesonia, die ihm eine Tochter geboren hat. Wie man anhand der drei oben erwähnten Personen feststellen kann, handelt es sich um eine Entaristokratierung seiner Umgebung. Es beweist aber auch, dass der Kaiser nach dem Jahr 39 bewusst neue Wege einschlug.
Außerdem unterband Caligula Ehrungen vom Senat, damit klar ist, dass er keine Gefälligkeiten von seinen „Freunden“ will. Doch die Umgebung von Caligula war nicht frei von Aristokratie, nur von römischer Aristokratie. Laut Cassius Dio befanden sich 2 Klientelkönige des griechischen Ostens, Iulus Agrippa und Antiochos IV unter dem Gefolge des Gaius. Diese beiden Könige symbolisierten eine Herrschaftsform, die total unabhängig von irgendeiner Aristokratie ist.
Genau das wollte Caligula auch. Er wollte eine Monarchie einführen......

Der symbolische Ritt über das Meer
Gaius schnelle Reise nach Italien im Mai des Jahres 40 endete vor den Toren Roms. Er betrat die Stadt nicht, da er die Lage nicht einschätzen konnte. Bei einer Ansammlung großer Menschenmengen konnte es leicht zu einem Tumult kommen. Doch er musste irgendetwas tun, um seine schier unvorstellbare macht zu demonstrieren: Wie z.B. ein Ritt über das Meer!
Dazu wurde am Golf von Baiae (bei Misenum) eine ca.) 5km lange Schiffbrücke angelegt. Caligula bekleidete sich bei der Überquerung dieser Schiffsbrücke mit dem Brustpanzer des Alexanders des Großen, der extra aus seinem Grab geholt worden war. Am folgenden Tag marschierte er wieder zurück. Caligulas Ritt über das Meer hat, wie das Echo der antiken Quellen zeigt, einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Seneca und Iosephus nutzten dieses Ereignis, um den Wahnsinn des Kaisers darzustellen. Sueton kam der ganzen Sache ein bisschen näher. Er überlieferte, dass Gaius den Perserkönig Xerxes übertreffen wollte, und die Germanen und Briten in Angst und Schrecken versetzen wollte. Nach meiner Deutung, wollte Caligula einfach nur zeigen was er erreichen kann, dass sogar das Meer kein Hindernis für ihn ist.


5 Monate Monarchie

Die weitere Unterwerfung der Aristokratie
An seinem 28. Geburtstag, dem 31. August des Jahres 40, zog Caligula nach einjähriger Abwesenheit mit einer Ovatio in Rom ein. Die Atmosphäre in diesen Tagen dürfte sehr angespannt gewesen sein, da keiner wusste wie Caligula nun weiter mit den Senat verfahren würde.
Er setzt tatsächlich auf Angst und Gewalt, aber in der ihm eigene Art. Er ließ den Senat sich selbst erledigen. Die Situation damals hatte Ähnlichkeit mit der unter Tiberius. Diverse Senatoren zeigten ihre Standesgenossen an, um den Kaiser zu zeigen, dass sie ihn schützen wollen. Aber die Behauptungen, dass Caligula reihenweise Senatoren hinrichtete, können nicht bestätigt werden. Allerdings denunzierten sich die Senatoren nicht nur gegenseitig, um ihre angebliche Besorgnis um des Kaisers Sicherheit zum Ausdruck zu bringen und um sich persönliche Vorteile zu schaffen. Einige versuchten, erneut zu zuschlagen und den angestauten Hass auf den Kaiser Taten folgen zu lassen. So kam es zur 3. aristokratischen Verschwörung, die aber genauso erfolglos war wie die vorigen. Verwickelt darin waren ein Sohn eines Konsulars und ein weiterer Senator. Die beiden wurden hingerichtet, aber nicht grundlos, wie Seneca berichtet, sondern um eben diese Verschwörung schnell wieder zu beenden.
Ein besonderer Fall der Taktik des Caligula wird von Sueton überliefert: Als Protogenes das Senatsgebäude betrat, reichten ihm alle Senatoren die Hände zur Begrüßung. In diesem Moment sprach er zu einen der Senatoren:“ Auch du willst mich grüßen, obwohl du den Kaiser hast?“. Er wurde noch am selben Tag von seinen Kollegen mimt Schreibgriffeln zerfleischt. Natürlich war Caligula nicht schuldlos an dieser Inszenierung, aber im Endeffekt gab er nur die Denkanstöße für das handeln der Aristokratie.
Nach der dritten Verschwörung wurde Caligula in der Curia von seiner Leibgarde beschützt und er erließ das Gesetz, dass die Sklaven ihre Heeren anzeigen konnten. Und das bedeutete einiges für die Aristokratie: Jetzt waren sie nicht mal in ihren eigenen Häusern mehr vor Verrat sicher. Aber eines muss gesagt werden: Gaius mischte sich nicht in die Prozesse ein.
Sueton berichtet ohne Zeitangabe, dass Caligula, um seine Einnahmen zu erhöhen, ein Bordell am Palatin einrichtete. Eine weitere Geschichte, die wieder die geistige Umnachtung des Kaisers darstellte. Cassius Dio, der im gleichen Bericht nie das Wort Bordell erwähnte, sagte, dass Caligula die Frauen und Kinder der vornehmsten Familien in Rom bei sich am Palatin aufnahm. Sie sollten ihm sozusagen als menschliches Schuldschild dienen.
Außerdem mussten die Männer und Väter Gold und Silber für die Unterbringung ihrer Angehörigen zahlen. Natürlich basierte das alles auf der „Freiwilligkeit“ der Senatoren. Caligula hatte es seinen Standesgenossen wieder gezeigt: Er hatte sie in der Hand. Er hatte endgültig ihren Widerstand gebrochen.


Die Entehrung der Aristokratie
Gaius war noch lange nicht mit seinen „Freunden“ fertig. Er wollte ihnen noch das wegnehmen, was ihnen am wichtigsten war: Ihre Ehre. Dazu schaffte er die Ehrenplätze für Senatoren und Ritter im Theater ab, sodass diese mit dem „einfachen Volk“ um die Plätze streiten mussten. Mitgliedern der vornehmen alten Familien verbot er es, ihre Ehrenzeichen zu tragen. Gewisse Senatoren mussten beim Gastmahl vor seinen Füßen am Boden essen und mussten sich somit wie Sklaven verhalten. Ebenfalls streckte er bei der Begrüßung den Senatoren nur mehr Hand und Fuß entgegen, um sie noch weiter zu demütigen.
Der Schrecken, den er fortan auf die Senatoren ausübte, und deren systematische Entehrungen waren somit Teil der bewussten neuen kaiserlichen Verhaltensstrategie. Viele davon müssen dem persönlichen Rachebedürfnis des Kaisers zugesprochen werden.

Caligula als Gott?
„Teils aus Furcht, teils aus ehrlicher Überzeugung“, schrieb Dio, nannten Gaius manche Senatoren „Heros“, also Halbgott, und manche sogar Gott. Doch damit nicht genug. Auf Senatsbeschluss hin wurde dem Kaiser ein Tempel errichtet. Es wurde sogar eine Priesterschaft gebildet, die für den Kaiserkult zuständig war. Aber dies war nicht der erste senatorische Versuch einen Kaiser als Gott zu verehren. Es war Teil ihrer doppelbödigen Kommunikation. Nur war Gaius der erste der sich als Gott von der Aristokratie verehren ließ. Berichte von Sueton lassen darauf schließen, dass Caligula die morgendliche Salutio dazu nützte von den Senatoren als Gott verehrt zu werden. Zudem wird auch berichtet, dass er sich oft in der Gestalt anderer Götter präsentierte. Ist Caligula jetzt völlig durchgedreht?
Die Frage lässt sich mit einem klaren nein beantworten. Gaius beschränkte seine Verkleidungen auf bestimmte Anlässe. Es war nicht so, dass er ständig den Gott spielte, also kein Zeichen von einer permanenten göttlichen Verehrung. Gaius wollte vermutlich seine Verbindung zum Hellenismus ausdrücken, wie er es schon bei seinem Ritt über das Meer getan hat.
Das „Soldatenstiefelchen „ nutzte aber auch schamlos seine Position als Gott aus. Der Eintritt in sein Priesterkollegium war dermaßen teuer, dass sich die meisten Senatoren in finanziellen Ruin stürzten.
Einige antike Quellen behaupten, dass sich Caligula selber für einen Gott hielt und wollten auch hier seinen Wahnsinn deutlich machen. Doch einiges spricht dagegen: Keine nicht literarische Quelle (Münzen, Inschriften) titulieren Caligula als einen Gott oder als ein göttliches Wesen. Ebenso ist es aufschlussreich, dass die frühesten Quellen über Caligula (Seneca, Plinius) den Kaiser eine geistige Umnachtung in die Schuhe schieben, obwohl es ihnen gepasst hätte den Kaiser als monströse Missgeburt darzustellen. Die ersten, die behaupten, dass Caligula selber an seine Göttlichkeit glaubte, waren Iosephus und Philo. Diese stellte er wahrscheinlich nur so da, weil er sie einmal bei einem Essen verspottete und befahl gegen aufständische Juden mit dem Militär vorzugehen. Der nächste Autor, der Caligula so hinstellte, war Sueton (Cal. 22,4). Er behauptet, dass Gaius Zwiesprache mit Jupiter und der Mondgöttin hielt. Dies kann genauso angezweifelt werden wie fast sein ganzes Werk. Seneca berichtet, dass Caligula, als einmal Donner und Blitz ein Gastmahl von ihm störten, in den Himmel schrie: “Beseitige mich oder ich will´s mit dir tun“! (Ein Vers von Homer). Das stellt zwar den Kaiser als überheblich dar, aber nicht als wahnsinnig. Und sein Gespräch mit der Mondgöttin erfand Gaius nur um den Schmeichler Vitellius einen Denkzettel zu verpassen. Als Vitellius bei Caligula am Abend eingeladen war ( Er war ein stadtbekannter Schleimer ) fragte Gaius in, ob er denn nicht die Mondgöttin in seiner Umgebung sehe. Mit dieser Aussage wollte er Vitellius provozieren.
Caligulas Witz war für die Beteiligten durchschaubar aber Suetons Technik ist gar nicht witzig. Er entriss den Aussagen des Kaisers ihren ursprünglichen Sinn.
Gaius war also weit davon entfernt sich wirklich für einen Gott zu halten. Er nützte nur die heuchlerische Unterwürfigkeit der römischen Aristokratie aus, um sie in aller Öffentlichkeit des Lächerlichen preis zu geben.

Absicherung der Herrschaft
Die kaiserliche Gewalt war unangefochten. Die Prätorianergarde profitierte von den Umständen seiner Herrschaft und war ihm somit loyal ergeben. Die germanische Leibgarde, die der lateinischen Sprache nicht mächtig war, fixierte sich nur auf den Kaiser, der sie großzügig behandelte. Das einfache Volk stand einheitlich hinter ihm, ebenso wie die Legionen am Rhein. Im Zentrum der macht des kaiserlichen Umfeldes standen nach wie vor seine Frau Caesonia, Callistus, Protogenes und Helikon. Sie waren Freigelassene (außer seine Frau) und wussten, dass wenn der Kaiser stürzt, sie auch fallen würden.

Alexandria, eine Alternative?
Nach den 4 Monaten in Rom, mussten sich viele schon die Frage gestellt haben, was nach der Befriedigung seiner Rache passieren wird. Ich nehme auch an, dass sich das Caligula auch gefragt hat. Er wollte einfach nicht mehr in Rom bleiben, die ganzen aristokratischen Strukturen widerten ihn an und so überlegte er ernsthaft seinen Herrschaftssitz zu verlagern. Und zwar in eine Stadt, die durch monarchische Prinzipien geführt wird und ihn der noch immer ein hartes Einreiseverbot für Ritter und Adelige gilt. Außerdem hat Kaiser Tiberius es vorgeführt, dass man problemlos das Reich außerhalb von Rom lenken kann. Alexandria war auch die Stadt, in der ihm große Ehren zugekommen waren als er sie mit seinem Vater Germanicus bereist hatte.
Auch ein anderer Fall dürfte Gaius dazu bewegt haben Rom zu verlassen. Nach der Aufdeckung der letzten Verschwörung nannte Capito, der Vater des Verschwörers Bassus, einige andere Namen der Mitverschwörer. In dieser rede sollen auch Namen des engsten Umfeldes des Kaiser genannt worden sein, und wenn nicht die 2 Prätorianerpräfekte und Caesonia erwähnt wurden, so hätten vermutlich Protogenes und Helikon ihren Kopf verloren. Aber etwas war sicher. Der Kaiser misstraute nun auch seinen engsten Vertrauten.
Doch Callistus und die 2 Prätorianerpräfekte wussten, dass der Kaiser nie wieder das Vertrauen in sie haben würde, dass er am Anfang gehabt hat. Und wenn Gaius noch misstrauischer wurde, so bliebe ihnen nur eine Option offen um ihr eigenes Leben zu retten.
Caligulas Abreise nach Alexandrien war laut Iosephus für den 25. Januar 41 vorgesehen




Mord am Palatin
Der genaue Kreis der Verschwörer kann nicht exakt eingegrenzt werden, da dafür die Autoren immer eigene Vorstellungen des Todes von Gaius haben. Sicher ist aber, dass viele vom kaiserlichen Umfeld eingeweiht waren. Es dürfte sich ca. so abgespielt haben.
Callistus und die 2 Prätorianerpräfekten initiierten, um ihre eigene Haut zu retten, die Ermordung des Kaisers. Sie wussten aber, dass sie nicht selber die Ermordung durchführen dürften, da sie sonst ziemlich sicher hingerichtet werden. Folglich mussten sie nur einen finden, der nicht besonders klug aber dafür sehr motiviert war. Diesen fanden sie in den Tribun Cassius Chaerea, der oft von Caligula ins Lächerliche gezogen wurde. Die Nachfolge des Caligulas war von vornherein geklärt. Sein Onkel Claudius, ein eher als harmloser eingeschätzter Kandidat, wurde dafür vorgesehen. Cassius Chaerea zog einen Freund von sich, Cornelius Sabinus ins Vertrauen, der sofort mitmachen wollte.
Als Zeitpunkt des Anschlages wurde das augusteische Theater ausgewählt, dass vom 21-24 Januar stattfand. Der Mord wurde am 24 Januar begangen. Caligula verließ das Theater vor dem Ende der Vorstellung, weil er müde war und sich für die bevorstehende anstrengende Reise ausruhen wollte. Im kaiserlichen Gefolge waren auch Chaerea und Sabinus. Die zwei begleiteten Caligula in seine Privatgemächer. Verschiedene Versionen des Mordes werden erzählt: Einmal tötete Chaerea Caligula von hinten, einmal von vorne, einmal enthauptete er ihn. Doch eines war sicher, der Kaiser ist tot, ebenso wie seine Frau und seine Tochter. Aber seine macht hielt noch ein paar Stunden. Die Germanentruppe ergriff einige Mörder sofort und tötete sie auf der Stelle. Die Senatoren, die noch im Theater waren, bekamen es mit der nackten Angst zu tun, da sie nicht wussten, ob der Kaiser wirklich tot ist oder ob es sich nur um einen kleinen Test handelte. Keiner wagte es seinen Platz zu verlassen, geschweige davon sich zu freuen. Plötzlich wurde das gesamte Theater von der germanischen Leibgarde umzingelt. Das drohende Blutbad wurde durch einen stadtbekannten Auktionator verhindert, der im Trauergewand den Tod des Kaisers verkündete. Die germanische Truppe hatte nun keinen Grund mehr den Kaiser zu schützen und ließ von den Senatoren ab. Das Volk strömte zum Forum und forderte die Bestrafung seiner Mörder. Daraufhin wurde Claudius zum neuen Kaiser ausgerufen und führte seine erste Amtshandlung aus: Er ließ die Mörder seines Neffen hinrichten. Was aber passierte mit Callistus?
Callistus fungierte noch unter Kaiser Claudius als wichtiger Berater und starb, was wenige Aristokraten zur damaligen Zeit schafften, eines natürlichen Todes.

Die Erfindung des wahnsinnigen Kaisers
Die denunziatorische Entwertung der toten Kaiser bildete das unmittelbare Gegenstück zu ihrer Unterwürfigkeit der Autoren zu Lebzeiten. Man kann Caligula eigentlich fast nichts vorwerfen, nicht einmal willkürliche Morde. Bei fast allen Morden gab er nur indirekte befehle. Das einzige, was man ihn vorwerfen kann, ist, dass er alle Senatoren zynisch ernst nahm und sie somit der Lächerlichkeit preisgab. Nach dem Tod des Caligulas wurde im Senat zwar von dem Joch seiner Herrschaft gesprochen, aber das Wort Wahnsinn wurde NIE erwähnt. Wie sollte man auch? Es gab ja keinen Grund dazu. Seneca war der erste der von „insania“ spricht, betitelte Seneca aber auch Alexander den Großen so. Iosephus und Philo berichteten aufgrund seines Wahnsinns, da er den Kaiserkult in Jerusalem durchführen wollte. Plinius der Ältere berichtete von seinem Furor aufgrund seiner Bauwut, fügt aber noch im selben Satz hinzu, dass dieser noch vom Stiefsohn des Sullas übertroffen wird.
Wer aber kam auf die Idee, Caligula sei psychisch krank gewesen? Sueton tat dies als Erster. Er sprach als erster vom kompletten Wahnsinn des Kaisers, von seiner Epilepsie, und von seiner Kur des Gehirns, welche Caligula durchführen wollte. Ein halbes jahrhundert also brauchte es, bis aus dem Schimpfwort Realität wurde und die Ehre der Senatoren gerettet wurde. Doch wie weit Sueton kreativ war und wie weit er Zeugnisse des frischen Hasses, die Tacitus in seine Annalen nicht einbauen wollte, benutzte, wird nicht überliefert.

Ende des Auszuges


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