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Referat

TitelAlemannia Latina 
AutorDaniel Brickmann mr.brick@gmx.at 
Anzahl Worte2879 
SpracheDeutsch 
ArtSpezialgebietsausarbeitung 
SchlagworteWalahfrid Strabo; Visio Wettini; Reichenau; Purgatorium;  
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)



Alemannia Latina



Übersicht:

I: Walahfrid über sich selbst

II: Walahfrid Strabo, Vita S. Galli I 5-6 und 8-9



III: Walahfrid Strabo, Beschreibung der Insel Reichenau (Visio Wettini 22-28)


IV: Jenseitsvorstellungen im frühen Mittelalter (Inhaltsangaben)


1.1) Die Hölle: Der Ort der Verdammten (lat.)
1.2) Die Hölle: Der Ort der Verdammten

2.1) Das Purgatorium: Die Bestrafung des Abtes und des Bischofs (lat.)
  1. Das Purgatorium: Die Bestrafung des Abtes und des Bischofs

  1. Das Purgatorium: Die Bestrafung eines prominenten Sünders (lat.)
  2. Das Purgatorium: Die Bestrafung eines prominenten Sünders

  1. Das himmlische Jerusalem (lat.)
  2. Das himmlische Jerusalem













I: Walahfrid über sich selbst


Walahfrid Strabo, der im Jahre 849 (AD) seinen Lebensatem aushauchte, war der Gelehrte der für das Goldene Zeitalter in der Reichenau stand. Walahfrid ist ausserdem der zu unserer Zeit am meisten beachtete Dichter der Karolingerzeit. Was ihn für uns alle sehr sympathisch macht ist, dass er zur Zeit Karls des Großen, wo man mit Namen wie David, Homer und ähnlichen kokettierte, er sich „Strabo“ nannte, „der Schieler“ oder auch Strabus. Der Grund hierfür war, dass er von Geburt an mit dem Schielen bestraft war und so seinen lateinischen Beinamen in verdorbener Form führen wollte.

Edidit haec Strabus, parvissima portio fratrum,
Augia quos vestris insula alit precibus.
Strabonem quamquam dicendum regula clamet,
Strabum me ipse volo dicere, Strabus ero.
Quod factor vitiavit opus, si dicere fas est,
hoc vitiato edam nomine, parce deus.

„Dies hat Strabus verfasst, der geringste under den Brüdern,
die die Insel Reichenau auf Eure [Kaiserin Judiths] bitten nährt.
Obwohl die Regel fordert, dass man Strabo sagt,
will ich mich Strabus nennen; ich will Strabus sein.
Das Werk, das der Schöpfer verdorben hat, wenn ich das sagen darf,
das will ich mit einem verdorbenen Namen nennen. Gott sei mir gnädig.“

Der arme, gezeichnete Mensch, der seinen Mangel fühlt: das ist ein neuer Ton; die Sehnsucht nach menschlicher Nähe, Freundschaft, Geborgenheit in dem heimatlichen Kloster ein andrer.




II: Walahfried Strabo, Vita S. Galli I 5-6 und 8-9


Es ist unklar wann und wo Gallus geboren wurde, was allerdings klar ist, ist, dass er mit Columban und seinen Brüdern um das Jahr 610 (AD) am Bodensee eintraf. Auch kann nur vermutet werden wer seine Vorfahren waren, am wahrscheinlichsten ist aber, dass es sich um Alemannen oder Franken gehandelt hat. Als Columban jedoch noch weiter nach Italien zog, folgte ihm Gallus jedoch nicht, vermutlich weil es zwischen den beiden oft zu Streitigkeiten gekommen war. Der Bann der gegen Gallus von seinem Lehrer ausgesprochen wurde besagte, dass er so lange keine Messe lesen dürfe wie sein Meister noch unter den Lebenden weile. Gallus hielt sich auch an das Verbot seines Meisters und erst ab dem Jahre 615, als er von einem Boten erfuhr, dass sein ehemaliger Meister verschieden ward, begann er wieder Messen zu lesen. Gallus galt zu Lebzeiten als sehr angesehener und wundertätiger Mann, der zum Beispiel auch die Töchter des Alemannenherzogs von der Besessenheit kuriert haben soll. Die ihm zum Danke angebotene Bischofswürde wies er aber genauso dezent zurück wie auch die Abtwürde, die ihm von den Mönchen aus Luxeuil angeboten wurde. Gallus starb vermutlich im hohen Alter von 95 Jahren in Arbon, wohin er sich auf Bitte des Priesters begab um dort eine Messe zu lesen. Seine wichtigsten Historischen Leistungen waren, dass er das Ideal des Irischen Mönchstums an das des Alemannischen angenähert hat und auch, dass er die kulturelle Erschliessung des Bodensees entscheidend vorangetrieben hat.

Der erste Lebensbericht von Gallus, die sogenannten „Vita S. Galli vetustissima“ ist nur in Fragmentarischer Form überliefert. Sie wurde wahrscheinlich um das Jahr 680 von einem Unbekannten Verfasser angefertigt. Das nur 2 Doppelblätter und 11 Kapitel umfassende „Werk“ wurde vor rund hundert Jahren im Einband einer Zürcher Handschrift entdeckt. Neben der ältesten Version lassen sich in der „vetustissima“ auch andere erst in den Jahren 720 bzw. 780 entstandene Kapitel nachweisen. Im 9 Jahrhundert schien der Abt der Kirche mit dem einzigen Vermächtnis des Gallus nicht mehr zufrieden zu sein und deshalb beauftragte er einen Mönch mit Namen „Wetti“ eine überarbeitete und sprachlich ausgefeiltere Version der „vetustissima“ anzufertigen. Dies geschah zwischen den Jahren 816 und 824. In St. Gallen wo dies passierte, war man aber offensichtlich nicht allzu lange mit dieser neuen Version zufrieden und so beauftragte noch derselbe Abt den berühmten Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo mit einer erneuten Überarbeitung des Werkes. Dieser reinigte das Werk von allen „barbarischen“ Einflüssen des Merowingerlatein und übertrug das Werk in die weit ausgefeiltere und schönere Sprache der Karolingischen Renaissance. Zwar fügte Strabo an manchen Stellen Exkurse, biblische und klassische Zitate ein, blieb aber was die Quellentreue angeht, viel näher am Urwerk. Da Strabo’s Werk sich im Mittelalter als Lesestoff einer sehr großen Beliebtheit erfreuen konnte, ist mehr als verständlich, dass über 60 mittelalterliche Handschriften überliefert sind.

Walahfrid Strabo der selbst um 808/809 in Alemanien geboren wurde, benannte sich schon sehr früh mit ebendiesem Strabo bzw. Strabus was soviel wie „der Schieler“ bedeutet. Er wurde schon sehr früh von seinen Eltern ins Kloster Reichenau überwiesen. Er war sehr talentiert und verfasste schon im Alter von 16 bzw. 18 Jahren erste lateinische Dichtungen. Wegen eben dieser Begabung wurde er im Jahre 826 zur weiteren Ausbildung ins Kloster „Fulda“ geschickt. Auf den Einfluss seines Gönners und Förderers Erzkaplan Grimald ist zurückzuführen, dass Walahfrid schon 829 als Prinzenerzieher an den Hof des Kaisers Ludwigs des Frommen gerufen wurde. Als sein Schützling, der spätere Kaiser Karl der Kahle volljährig wurde, kehrte Strabo 838 als Abt in sein Heimatkloster Reichenau zurück. 849 starb er als er gerufen wurde die Söhne Ludwigs des Frommen zu versöhnen beim überschreiten der Loire.

Walahfrid hinterließ ein äußerst reichhaltiges literarisches Werk, welches theologische, hagiographische sowohl als auch historiographische Werke umfasste. Zu diesen gehörten unter anderem auch die „Visio Wettini“ ein epischer Visionsbericht in 945 Hexamtern über die Visionen und den Tod seines Lehrers und Förderers Wetti, die er auf Reichenau im alter zwischen 16 und 18 Jahren verfasste.
















III: Walahfrid Strabo, Beschreibung der Insel Reichenau (Visio Wettini 22-28)

Die „Visio Wettini“, die Walahfrid vermutlich zwischen dem 16 und 18 Lebensjahr schrieb, war die erste ganz einer Jenseitsvision gewidmete Versdichtung. Diese „Visio Wettini“ geht auf ein konkretes Erlebnis, nämlich auf 2 Traumvisionen des erkrankten Reicherauer Mönches Wetti zurück. Die erste dieser 2 Visionen befasste sich mit seinem eigenen Seelenheil und die zweite offenbarte ihm das elendigliche Schicksal vieler Prominenter im Jenseits. Zuletzt wurde ihm sein Tod vorhergesagt und aufgetragen, das gesehene zu verbreiten. Um ja nicht in Ungnade zu fallen, verkündete er das Geschaute sofort nach seinem Aufwachen, den Mönchen die an seiner Ruhestätte gesessen und hieß sie an dieses niederzuschreiben. Am 4. November starb Wetti, ohne jegliche Anzeichen, nur kurze Zeit nachdem er seinen Bericht auch dem Abt und den anderen Mitbrüdern vorgetragen hatte. Bald nach seinem Tode zeichnete ein Bischof von Basel namens Helto, der damals als einflussreicher Mönch auf Reichenau lebte, diese Visionen auf. Nur kurze Zeit später übernahm Walahfrid Strabo diese Aufzeichnungen und schrieb sie in Hexametern nieder. Dabei hielt er sich weitgehend an die Prosavorlage Heltos. Diese „Visio Wettini“ wurde als eine der schönsten sprachlichen Schöpfungen der karolingischen Literatur, ja der lateinischen Literatur überhaupt bezeichnet.

Rhenus ab Ausoniis quo ducitur Apibus, aequor
Miscet, in occiduis diffusus partibus, ingens.
Illius in medio suspenditur insula fluctu,
Augia nomen habens, iacet hanc Germania circa.
Haec solet egregias monachorum gignere turmas.
Primus in hac sanctus construxit moenia praesul
Pirminius ternisque gregem protexerat annis.

Dort wo der Rhein von den Höhn der ausonischen Alpen herabfliesst,
Weitet er sich gegen Westen und wird zum gewaltigen Meere.
Mitten in dieses Meeres Flut erhebt sich die Insel,
Aue wird sie genannt, ringsum liegen Deutschlands Gebiete;
Sie aber bringt hervor der Mönche treffliche Scharen.
Erstmals baute auf ihr ein Kloster der heilige Bischof
Pirmin und hütete dort drei Jahre hindurch seine Herde.

Wer auch immer den Wunsch hat, sein heiliges Leben zu kennen,
pilgre zu seinem Grab; genug wird er hören in Hornbach.
Sieben Jahre hatte nach ihm dann Eto die Führung.
Für deren zwei folge Geba, ein Priester, würdig des Lobes.

(Dieser zweite Abschnitt ist nur in der Deutscher Version enthalten.)










IV: Jenseitsvorstellungen im frühen Mittelalter (Inhaltsangaben)


1.1) Die Hölle: Der Ort der Verdammten (lat.)

His igitur dictis assumens angelus idem
Infirmum, duxitque via praecessor amoena.
Dum vadunt, montana vident, quae sidera tangunt
Marmoris in specie pulchro commixta colore,
Quaeque in circuitu praecingens igneus amnis
Ambit inexhaustos tribuens intrantibus ignes.
In quo multa nimis monstrata est turba reorum,
Inque locis aliis diversas facta sequentes
Agnovit poenas, multosque recumbere dudum
Quos habuit notos; ibi maior et alter in undis
Ordo sacerdotum praefixo stipite vinctus
Terga dedit vinclis, quae curis carne superbis.
Contra quemque stetit mulier pro crimine stupri;
Fomes adulterii est consors poenalis Averni.
Tertia cum radios semper produxerit aura,
Dicuntur caedi genitalibus artubus ambo;
E quibus ille aliquos sese cognosse ferebat.
«Magna sacerdotum numero pars,» angelus inquit,
«Lucra petunt terrena quibusque inhianter adhaerent
Atque palatinis pereuntia praemia quaerunt
Obsequiis, ornantque magis se veste polita
Quam radiis vitae, pomposis fercula mensis
Glorificare parant, animarum lucra relinquunt,
Deliciis ducti per scorta ruendo volutant.
Hac ratione alios neque se defendere possunt.
Peste fameque inopem possent solarier orbem,
Si tota virtute deo sua lucra referrent.
Hanc summam mercedis habent, qui talibus instant
Rebus, ut aeternam capiant in finibus iram.»
(„Visio Wettini“ 310 – 338)


1.2) Die Hölle: Der Ort der Verdammten

Hier nimmt der Engel selbst den Kranken bei der Hand und führt ihn mit sich. Sie queren liebliche Pfade und sehen Berge, die bis in den Himmel reichen, und wie Marmor schimmern.
Sie werden bei ihrem Weg von einem feurigen Fluss umschlossen und jedem der ich betritt bringt er nie erlöschende Gluten. In ihm spiegelten sich die Seelen der Sünder wider und Wetti sah vielerlei Strafen für die Sünder, die, einer schon länger, der andere erst seit kurzem, den Qualen ausgesetzt waren. Was ihn sehr verblüffte war, dass es unterschiedliche „Schmerzzonen“ gab und auch, dass er einige wohlbekannte Gesichter erblicken konnte. SO sah er zum Beispiel Geistliche jedes Ranges an Pfähle gebunden und mit der Frau die ihn zu seinem Laster verführt, gegen die tobende Brandung ankämpfen. Auch werden an jedem dritten Tage, so heisst es, beide gepeitscht an ihrem Geschlechte. Als Wetti sich zu wundern begann wieso manch wohlbekannter Geistliche solche Strafen zu ertragen hatte, griff der Engel erklärend ein und prangerte an, dass ein beträchtlicher Teil von diesen zu sehr nach irdischem Hab und Gut strebte und sich an vergänglichen Lohn am Hofe zu schmücken suchten anstatt ein gutes Vorbild zu sein. So rühmten sie mehr die Tafel des Besitzenden denn ihren Gott und vergessen die verlorenen Seelen zurückzuführen. Auch wälzten sich viele, von Dirnen verführt, im Schlamm der Lüste und können so kein Fürsprecher mehr für niemanden sein. So ist der nun der wohlverdiente Lohn für ihre Vergesslichkeit, dass sie am Ende dem ewigen Zorne zum Opfer fallen.


2.1) Das Purgatorium: Die Bestrafung des Abtes und des Bischofs (lat.)

His visis celsum caelo montemque propinquum
Aspiciunt. Tum ductor ait: «Hac arce tenetur
Abbas ante decem corpus qui liquerat annos,
Ventorum incursus tempestatumque furores,
Vim pluviae multumque ferens discrimen. Ibidem
Abluit, incauto quicquid neglexerat actu,
Laetus ut aeterni ducatur regis in aulam,
Deliciasque sacrae sanctorum sedis in aevum
Obtineat, poenaque carens ubi vita sequatur.
Angelus haec addit, quidam quod praesul eundem
Deberet precibus factisque iuvare benignis.
Ante dies multos ceu demandaverat ipsi
Legato ostensus, quem tunc per somnia ferre
Hortatur sibi dicta patri. Sed episcopus ille
Esse ratus soliti mendacia inania somni
Ludendo excepit, dispecto fratris amore.
Mente piger, nec corde sagax, succurrere tardus
Vi tormentorum iam nunc succumbit amare
Sortiturque suas proprio pro crimine poenas.
(„Visio Wettini“ 391 – 409)

  1. Das Purgatorium: Die Bestrafung des Abtes und des Bischofs

Als Wetti und der Engel weitergingen kamen sie an einen hohen Berg, der bis in den Himmel hinauf ragte. Der Engel erzählte ihm, dass dort oben ein Abt gefangen ist, schon seit zahn Jahren und Tag für Tag der Wut der Winde und dem Tosen der Stürme ausgesetzt ist und in mancher Nacht auch der Gewalt des Regens, was ihn von der Schuld läutern soll, die er einst begangen, als er sich sein Leben lang darauf gefreut, die Wonnen des Himmels blicken zu dürfen und für ewig ohne Leid zu existieren. Dem noch nicht genug, ward er einst durch einen Boten des Vaters angeheissen worden die Taten der Liebe zu verbreiten, doch sah dieser nur der Träume Hirngespinste in all dem missachtete die Liebe zum Bruder. Bitter leidet er nun die unerträglichen Qualen, die er als Strafe zugelost bekam, weil er eins Matt im Geist, im Herzen ein Tor und zu träge zum Helfen gewesen war.






  1. Das Purgatorium: Die Bestrafung eines prominenten Sünders (lat.)

Contemplatur item quendam lustrata per arva,
Ausoniae quondam qui regna tenebat et altae
Romanae gentis, fixo consistere gressu,
Oppositumque animal lacerare virilia stantis.
Laetaque per reliquum corpus lue membra carebant.
Viderat haec, magnoque stupens terrore profatur:
« Sortibus hic hominum, dum vitam in corpore gessit,
ustitiae nutritor erat saecloque moderno
Maxima pro domino fecit documenta vigere
Protexitque pio sacram tutamine plebem
Et velut in mundo sumpsit speciale cacumen,
Recta volens dulcique volans per regna favore.
Ast hic quam saeva sub conditione tenetur,
Tam tristique notam sustentat peste severam:
Oro, refer.» Tum ductor: «In his cruciatibus,» inquit,
« Restat ob hoc quoniam bona facta libidine turpi
Fedavit, ratus inlecebras sub mole bonorum
Absumi et vitam voluit finire suetis
Sordibus. Ipse tamen vitam captabit opimam,
Dispositum a domino gaudens invadet honorem.»
Ammonet hic hominem qui dignis moribus horas
Has servare cupit, ne quodam crimine cuncta
Perdat, et omne probum fundat vastante ruina.
Talis aquas haurit pertuso vase receptans,
Quodque diu inmisit sorbente foramine linquit.
Est labor iste gravis, malus atque miserrimus, ex quo
Semper habet damnum, numquam mercedis honorem.
Omnibus in rebus vitam moderetur in arvis,
Qui cupit in caelis regnum retinere perenne.
(„Visio Wettini“ 446 – 474)

  1. Das Purgatorium: Die Bestrafung eines prominenten Sünders

Als sie weitergingen, sah Wetti einen einstmals so stolzen, wie auch guten König, des großen römischen Reiches stehen, der sich nicht bewegte, und von einem Tier sein Geschlechtsteil zerfleischt bekam. Sonst allerdings ward sein makelloser Körper verschont von der Seuche.
Wetti, noch ehe er wirklich begriffen hatte, was hier vor sich ging, sprach voller Entsetzen aus, was sich so mancher in diesem Fall hätte denken mögen. Er sprach über all das Gute, was dieser Herrscher einst vollbracht und all diejenigen die er einst gefördert hat, ja gar über all die Dienste die er auch dem Herrn zuliebe vollbracht hat, in vielerlei Weise und auch insofern, als dass er immer dem heiligen Volke Schutz anbot wann immer sie ihn benötigten. Auch sprach Wetti über all das Recht welches dieser im Sinne hatte und den Ruhm, welcher ihm deswegen zuteil wurde. Nachdem er all dies gesagt hatte fragte er seinen Begleiter, wieso dieser ach so stolze König derlei Strafe verdient hatte. Der Geleiter erklärte ihm, dass dieser König, so viel gutes er auch getan hat, all seine guten Taten mit Wollust besudelt hatte. Er lebte all seine schändlichen Lüste aus und glaubte mit Hilfe der guten Taten über dieses ungebührliche Verhalten hinwegtäuschen zu können. Jedoch, so erklärte der Engel, wird er das Selige Leben noch erlangen, jedoch erst wenn all die Wollust aus seinem Körper verschwunden ist, so habe es der Herr unser Gott befohlen. Dies sah Wetti als Mahnung für all jene, die versuchen mit Hilfe von Ersatzhandlungen über ihre dunkle Seite hinwegzutäuschen. Der Gesandte Gottes erklärte ihm noch, dass solche Leute versuchen Wasser mit einem lecken Gefäße zu schöpfen, wo dann alles durch das Loche hinausrinnt, was man so mühselig geschöpft hat. So ist dieses tun zwar Mühselig, nie aber wird ihm die Ehre einer Belohnung zuteil. Deswegen soll maßvoll jeder sein Leben führen auf Erden, wer im Himmel dereinst das ewige Reich erlangen will.


  1. Das himmlische Jerusalem (lat.)

His visis multisque aliis, quae scribere longum est,
Quaeque stilus currens stricta brevitate reliquit,
Ducitur ad quaedam praepulchrae moenia sedis,
Quae naturali consistere mole ferebat.
Hoc opus inmenso nituit splendore coruscans,
Arcubus effulgens variisque ornatibus aureis,
Argentique gerens multum structura metallum
Praebuit arte oculis anaglipha pascere mentem
Moenia, quae tantum latam longamque tenebant
Mensuram, pulchrumque statum, mirabile factum,
Altaque per volucres pandebant culmina ventos,
Quantum nulla potest intentio mentis in usum
Claudere tractandi nec quis sermone fateri,
Aut operi tanto veracem aptare staturam
Aut decus excellens veris disponere verbis.
(„Visio Wettini“ 525 – 539)


  1. Das himmlische Jerusalem

Zu guter letzt wurde Wetti an die Mauern eines herrlichen Baues hingeführt, der wie er sagte, sich von selbst zusammengefügt haben musste. Es war von herrlichem Glanze, prachtvoll mit Bögen verziert und reich an goldenem Schmuck, sowohl als auch an Silbernem. Ein Wunderwerk waren auch die Mauern die jedes Bildhauerherz hätten höher schlagen lassen, von solch enormen Ausmaßen und herrlichen Formen waren sie. Ja selbst ihre Giebel waren so hoch, dass kein Menschenverstand es jemals erfassen könnte. Und so schloss Wetti seine Erzählung indem er betonte, dass kein Mensch weit und breit in der Lage wäre diese Herrlichkeit auch nur annähernd mit Worten zu beschreiben.




Notiz des Autors: Es ist sehr interessant zu lesen, dass einerseits alles prachtvolle und prunkvolle verpönt ist, das Himmelreich davon aber direkt zu strotzen scheint. Auch soll der wert von Silber und Gold nie zu sehr geschätzt werden ... wieso sind dann die Giebel und Palisaden davon umhüllt?


© Daniel Brickmann 2002/03

Ende des Auszuges


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