Inhaltsverzeichnis:
1)Einführung:
1.1) Götter und Mythologie im Alten Ägypten:
Das uralte mächtige Reich, welches die Pharaonen und Ptolemäer
beherrschten, hatte in seiner größten Ausdehnung ungefähr 6000
Quadratmeilen; es liegt in der nordöstlichsten Ecke von Afrika, ist von dem
breiten Nil, dem es seinen ganzen Segen verdankt, in seiner vollen Länge
durchströmt, und von zwei Gebirgen gegen Osten und Westen begrenzt. Die
üppigste Fruchtbarkeit wohnt hier neben den schrecklichsten
Erscheinungen der Wüste: im Niltal ein unerschöpflicher Boden,
außerhalb desselben eine dürre, unendliche Sandebene. Diese
Gegensätze prägten sich in den Bewohnern aus, und gaben der Mythologie
des Landes ihre eigentümliche Richtung.
Der Raum zwischen der
östlichen und westlichen Bergkette hat eine Breite von 3 bis 4 Meilen
(Anm.: 1 deutsche Meile = 7420,40m), gegen Norden öffnet sich das Land, die
Berge treten zurück, der Nil hat sich aus seinem eigenen Schlamm eine
Grenze gebildet, welche er nur mit Mühe überschreitet, das Delta
zwischen den zahlreichen Mündungen des mächtigen Stromes; ehemals so
bedeckt mit unzähligen Städten, wie jetzt mit Ruinen. Jeder Fuß
breit Landes war benutzt - weil nur wenig Boden da war darum gab es auch keine
Begräbnisplätze, sondern Begräbnishöhlen in dem westlichen
Gebirge, welches das Land vor der Wüste verwahrte; während der
östliche Strich die Steine zu den noch jetzt Bewunderung und Staunen
erregenden Bauwerken lieferte, deren Maße, deren Zahl und deren
Größe stieg, je weiter man aufwärts an dem Strome kam. Die
ungeheuren Pyramiden, und die, ganze Tagereisen lange Strecken bedeckenden
Tempeltrümmer, danken alle der Eigentümlichkeit des Landes ihr
Entstehen.
Die Totenwohnungen sollten geschützt werden vor dem
Eindringen des Wassers, die Priesterwohnungen vor dem Eindringen der Sonnenglut,
daher diese Aufhäufung der gewaltigsten Massen, daher ein Kultus, welcher
die Haupterscheinungen des Jahreswechsels zum Fundament hat.
Die alten
Griechen und Römer geben an, dass der Urstamm der Bewohner negerartig, mit
krausem wolligem Haar, gewesen sei, und auf vielen der alten Intaglios -
(Bildwerke im Gegensatz von Relief, nicht erhaben auf dem Stein ausgearbeitet,
sondern vertieft), welche die Tempelruinen bedecken und durch den Sand der
Wüste vor der Zerstörung geschützt sind, erblickt man wirklich
unzählige Gestalten, welche ganz eine Negerphysiognomie, und wo die
Luft oder Menschenhand das Pigment nicht weggewischt, auch noch die Farbe der
Neger tragen.
Zu diesen Schwarzen wanderte ein hellfarbiger Stamm aus
Meroë ein, welcher in politischer und religiöser Hinsicht der
herrschende wurde, aber wahrscheinlich nicht auf jener mächtigen
Nilhalbinsel zu Hause war, sondern aus Indien Weisheit und Kultur dahingebracht
hatte; eine Meinung, welche sich nach dem berühmten Feldzuge in
Ägypten (unter Napoleon) auffallend bestätigte.
Jene Bewohner von
Meroë brachten die Kasten Einteilung nach Ägypten Die Priester - Kaste
war im Besitz aller Wissenschaft, Kunst und Geschicklichkeit, stand den
Königen, ihre Gewalt vielfach beschränkend, zur Seite und verwaltete
alle Staats - Ämter. Das Volk wurde von den Priestern in Krieger,
Kaufleute, Gewerbetreibende, Ackerbauer, Hirten und Schiffer geteilt.
Anfangs war das Land in kleinere Königreiche geteilt; sie waren durch
Priesterkolonien entstanden, welche von Meroë kamen, Tempel und Städte
gründeten, sich die roten Einwohner unterwarfen, und als das ganze Land
unter einem Herrscher vereint war, das Land in 36 Nomen (Kreise) einteilten.
Das tropische Klima, das regelmäßige Steigen und Fallen des Segen
bringenden Nil, die Abhängigkeit dieser Erscheinungen von den Jahreszeiten
etc. musste bei dem Urvolke eine Religion erzeugen, welche sich auf Pflanzen-,
Tier- und Sternen-Dienst gründete, wobei das Wohltätigste, der Nil
selbst, der größte Fetisch wurde.
Nun kamen die fremden Priester,
brachten eine neue Mythologie mit, modifizierten aber dieselbe nach dem schon
vorhandenen, und neben dem rohen Fetischismus entwickelte sich eine
Priesterreligion, welche sich in ihren Symbolen genau mit jener bestehenden
verband, die Verehrung der heiligen Tiere dadurch, dass ihnen höhere
Begriffe unterlegt wurden, sanktionierte, aber auch die Hauptgottheiten,
Isis und
Osiris, als Geber alles Guten einführte, und ihrem Dienst alles andere
unterwarf.
Der Ackerbau war die wichtigste Beschäftigung des
Ägypters, darum mussten sich seine Gottheiten hauptsächlich auf diesen
beziehen und den Landmann lehren, das Nomadenleben, welches der Kultur so sehr
hinderlich ist, zu verlassen.
Die richtige genaue Bestimmung der
Jahreszeiten war das erste Bedürfnis für den Ackerbau treibenden
Staat, dessen Gedeihen von der periodisch wiederkehrenden Nilflut abhing. Daher
die vorgerückte Kenntnis der Gestirne, der Astronomie überhaupt; und
aus der Notwendigkeit, gewisse Erscheinungen mit Bestimmtheit voraussagen zu
können, erklärt sich der Wunsch, diese Prognostica noch weiter
auszudehnen, und so entstand die Astrologie, welche den größten
Einfluss auf das praktische Leben erhielt.
Die alten Ägypter dachten
sich eine Klasse von Göttern, welche, als der erste Ausfluss des
alleinigen, höchsten Gottes, erhaben stehen über dem irdischen Sein,
und noch nicht in die Körperwelt eingetreten sind: Kneph, das Urlicht, das
überall vorwaltende befruchtende Prinzip; Athor, die Urnacht, das
älteste empfangende, urweibliche Prinzip; Phtha, das Urfeuer, der erste
Odem, Lebenshauch - und das zweite männliche Prinzip, vergesellschaftet mit
der goldenen Venus, dem zweiten Weiblichen, Empfangenden; Mendes, das Erzeugende
im dritten Grade (der Himmel oder Pan, oder der Phallus des Phtha) und
Neïth, das Weibliche in dritter Abstufung, die aus der Feuchtigkeit
aufgestiegene Erde; ferner Sonne und Mond als zeugende und empfangende Kraft im
vierten Grade. Osiris und Isis sind die angebeteten Beherrscher des Reichs;
allein die Mensch gewordenen Götter sind allen Gebrechen, allen Unbilden
der Menschennatur ausgesetzt, darum haben sie auch von dem bösen Typhon
viel zu dulden, unterliegen ihm eine Zeit lang, besiegen ihn aber endlich
vollständig.
In dem Stiere Apis wird der Entwilderer der Menschheit,
der Lehrer des Ackerbaues, in dem Bock Mendes der Ernährer, der Hüter
des Viehes, im Krokodil der gefährliche Feind des Fischers, im Ichneumon
der Vertilger dieses Feindes, in der Schlange die Feindin der Reisfelder, in dem
Ibis der wohltätige Vogel, welcher die junge Brut dieses bösen Wesens
verzehrt etc. etc. angebetet; vor allen aber ist der Nil ein Gegenstand der
höchsten Verehrung.
Wie die alten Traditionen fast aller Völker,
sprechen auch die der Ägypter von einem frühesten Unschuldszustand.
Allein die menschliche Natur war nicht rein genug, um den Lockungen des
Sinnenreiches zu widerstehen; die Begierde zog sie in die tieferen Sphären
des Irdischen, und zur Strafe wurden sie in irdische Körper eingeschlossen,
um durch einen Jahrtausende dauernden Kampf mit den Übeln der Materie sich
wieder zu reinigen, bis wohin sie in der Körperwelt, und den Gesetzen
derselben vollkommen unterworfen, von Geschöpf zu Geschöpf wandern, um
endlich, durch solch eine Prüfung geheiligt, reif zu werden zur Wiederkehr
in den Himmel.
Mutmaßlich war indessen dieser Glaube an
Seelenwanderung bloß Eigentum der Priesterkaste, denn sonst bliebe der
Widerspruch zwischen einem solchen Volksglauben und der allgemein herrschenden
Sitte der Einbalsamierung der Toten unerklärbar, durch welche die
Ägypter offenbar die Fortdauer des menschlichen Individuums als gebunden an
die Fortdauer der körperlichen Hülle bezeichneten. Die einbalsamierten
Leichname, Mumien, wurden teils in großen Begräbnisgrüften
beigesetzt, teils von den Angehörigen im eigenen Hause verwahrt, ja sogar
bei Gastmählern ausdrücklich zu dem Zwecke herbeigebracht, um die
Gäste fröhlich zu stimmen, worin der Glaube sich ausspricht, daß
die Gewissheit, auf solche Weise unaufhörlich fortzudauern, der
größte Trost gegen alle Übel sei.
Das Leben der jetzt
bestehenden Welt dauert, nach der Mythologie der Ägypter, ein großes
Jahr - eine astronomische Periode von 36,525 gewöhnlichen Sonnenjahren. Ein
ungeheurer Brand verzehrt dann das Vorhandene; eine neue, verjüngte Welt
geht aus der Asche der zertrümmerten hervor. Ihr Kalender war genau
ausgebildet, die Jahreslänge von 365 1/4 Tagen hatten die Ägypter
gefunden, und sie führte zu der sogenannten Sothis-Periode von 1461 Jahren,
nach welcher der Sirius (bei den Ägyptern Sothis) wieder am ersten Tage des
Jahres vor der Sonne aufging. Auch die Periode von 25 Jahren, nach welcher Neu-
und Vollmonde wieder auf dieselben Tage des Jahres fallen, war ihnen bekannt.
Planeten zählten sie sieben, nämlich Saturn, Jupiter, Mars, Sonne,
Venus, Mercur, Mond. Diese Planeten waren die Beherrscher der Tagesstunden, so
dass der erste den ganzen Tag, die folgenden aber immer eine Stunde nach der
andern regierten. So haben nun denn schon hier unsere sieben Wochentage vom
Sonnabend angefangen, wie sie in Griechenland, Rom, und von da aus in ganz
Europa noch jetzt genannt werden.
Die Priester-Kaste, deren Geschäft es
war, alle Beobachtungen zu machen, aufzubewahren und in Denkmälern auf die
Nachwelt zu bringen, setzte ihre Erfindungen und die Erfinder, oder die Heroen
jener Zeit, die Wohltäter der Menschheit, in Sterngruppen an den Himmel -
so bevölkerte derselbe sich bald mit Menschen und Tieren, welche letzteren
zu Symbolen der Götter umgeformt wurden, bis endlich die Götter selbst
in Tiergestalt erschienen; auf Holz und Stein, auf Papyrus und Pergament wurden
nun diese Tiergestalten mit anderen Zeichen, Attributen, oder ihre Eigenschaften
näher bestimmenden Gegenständen gezeichnet, und es entwickelte sich
aus diesen Göttervorstellungen eine Tierschrift, eine Hieroglyphenschrift:
Hermes oder Thoth (Thaut), d.h. die Priestercorporation, hatte sie den Menschen
überliefert.
1.2) Entstehung der Götter
Am Anfang gab es nur das Wasser...An der Oberfläche dieses Urmeers
genannt Nun erschien eine Blume und hieraus entstand Re, der Sonnengott. Mit
seinem Thron auf den beiden Sonnenbooten befährt Re tagsüber und
nachts den Himmelsozean. Er ist der Erschaffer der Welt und der Herr des Lebens.
Denn Re machte aus seinen Augen die Menschen und mit Hilfe eines magischen
Wortes ließ er die 4 Götterkinder, Shu (Luft),
Geb
(Erde), Tefnut (Feuchtigkeit) und Nut (Himmelsgewölbe) entstehen. Geb und
Nut hatten die Söhne Typhon und Osiris sowie die Töchter Isisund
Nephthys.
Osiris vermählte sich mit Isis und trat gemeinsam mit ihr die
Herrschaftsnachfolge von Re an. Durch ihre Gesetzgebung ermöglichten sie
gute Lebensbedingungen. So führten sie den Anbau von Getreide ein und
schafften die bis dahin gebräuchliche Sitte des Verzehrs von
Menschenfleisch ab. Ihr gemeinsamer Sohn Horus wurde in der Folge König von
Ägypten. Osiris Bruder Typhon, ehelichte Nephthys, die ihrerseits jedoch
Osiris zugetan war. Durch ein Täuschungsmanöver gelang es Nephthys von
Osiris einen Sohn zu empfangen, denn Osiris hielt sie für seine Gemahlin.
Typhon neidete Osiris die Herrschaft und als sich die Gelegenheit ergab,
dass Osiris sich in einen Holzsarg bettete, schloss Typhon den Deckel zu und
warf den Holzsarg in den Nil. Nephthys, die inzwischen Osiris einen Sohn
geboren hatte, setzte diesen aus Furcht vor ihrem Gatten aus. Während Isis
verzweifelt nach dem toten Körper des Osiris suchte, erhielt sie Kenntnis
von dem anderen Nachkommen ihres Gefährten. Sie ließ ihn
aufspüren. Als man ihn gefunden hatte, nahm sie ihn als Sohn zu sich und
gab ihm den Namen Anubis. Endlich bekam sie auch Nachricht von Osiris. Der
Kasten, in welchem sich dessen Körper befand, war vom Nil ins Meer
geschwemmt und von diesem weiter an Land auf einen jungen Schößling
gespült worden. Der Holzkasten war inzwischen mit dem Baum verwachsen und
der Stamm des Baumes zierte als Säule den Palast eines Königs.
Auch Typhon erfuhr, dass der tote Körper von Osiris gefunden worden war
und bemächtigte sich seiner. Er verstreute die Körperteile des
Leichnams über die Felder des Landes. Isis sandte Anubis, der inzwischen
zum Manne gereift war aus, um die Körperteile ihres Mannes
zusammenzusuchen. Isis bekam alle Teile des Leichnams zurück, bis auf den
Phallus des Osiris, dieser war nicht zu finden. Sie fügte die Leichenteile
zusammen und fertigte einen Phallus aus Holz. Mit Hilfe von Magie erweckte sie
Osiris zu neuem Leben. Fortan herrschte dieser nun über die Unterwelt.
Horus, der Sohn von Isis und Osiris besiegte Typhon später in einer
gewaltigen Schlacht und brachte ihn als Gefangenen zu seiner Mutter.
Erzürnt darüber, dass Isis dem Typhon die Freiheit schenkte, riß
er seiner Mutter die Krone vom Haupt. Von nun an trug sie als Kopfschmuck die
Hörner einer Kuh.
Aus der ägyptischen Götterlehre und dem
Schicksal des Osiris ergab sich, dass auch der ägyptische König, der
als Gott verehrt wurde, in seinem 30. Regierungsjahr getötet wurde, da sich
seine Fruchtbarkeit dann erschöpft hatte. Die Teile seines Leichnams wurden
ebenso wie die des Osiris über die Felder des Landes verstreut, um dessen
Fruchbarkeit zu erhalten. Die Seele des Königs steigt nach dem Tod des
Körpers auf, um in der Welt der Götter zu wohnen.
Man ging davon
aus, dass die Lebenskraft nach dem Tod des Körpers weiter wirkt. Die Seele
begibt sich auf eine lange Wanderung. Die Stationen dieser Reise sind in Bildern
auf der Innenseite des Sarges dargestellt, damit die Seele ihren Weg findet. Als
Grabbeigaben erhielten die Verstorbenen Speisen und Getränke und die
sterbliche Hülle wurde mit Pflanzenextrakten einbalsamiert, um sie zu
erhalten.
ei dem anschließenden Totengericht fungiert Osiris als
Richter mit 42 Beisitzern. Das Herz des Toten wird auf einer Waagschale gewogen
und die Ergebnisse werden im Buch des Lebens aufgeschrieben. Horus geleitet nun
die gerichteten Seelen weiter in die Unterwelt.
1.3) Die Pharaonen
Der Pharao war sowohl menschlich als auch göttlich - der Vermittler
zwischen Menschen und Göttern. In seinem Leben war er die Personifizierung
des Gottes Horus, nach seinem Tod wurde er zu Osiris.
Seine Aufgabe war es
die Maat, womit die Göttin der Gerechtigkeit und gleichzeitig auch die
Weltordnung gemeint ist, aufrecht zu erhalten und Isfet, das Chaos und Unrecht,
zu vernichten. Dies konnte natürlich nur durch göttlichen Beistand
geschehen, so dass der Pharao Tempel erbauen und erhalten und wertvolle Opfer
darbringen musste.
Mit dem Tod des Pharao kam gleichzeitig die Angst vor dem
Chaos. Immerhin lagen auch die Reichsgeschäfte in den 90 Tagen Trauerzeit
lahm. Mit dem Nachfolger fing so eine neue Ordnung an, und er vereinigte noch
mal symbolisch Ober- und Unterägypten.
Das Streben nach der Maat, ohne
dessen Erfüllen man auch nicht das Totengericht passieren und so das ewige
Leben antreten konnte, reichte soweit, dass sich viele Pharaonen auf Bildnissen
und Schriften als erfolgreiche Feldherren priesen, ohne auch nur jemals bei
einer Schlacht teilgenommen zu haben. Das Bildnis vom Zerschlagen oder
Zertrampeln der Feinde wurde zum typischen Bild der Pharaonenzeit.
Während der Jahrtausende hat sich das Aussehen des Pharaos eigentlich
kaum verändert. Als Kleidung trug er oft nur Schurze aus Leinen (schendit),
die mit einem Gürtel festgehalten wurden. An den Gürtel wurde zu
besonderen Anlässen ein Tierschwanz angesteckt - ein Überbleibsel aus
früheren Zeiten, als der Häuptling Anführer der Jagd war und sich
ganz oder teilweise in den Balg des erlegten Tieres einhüllte. Manchmal
hatte der Pharao auch einen Umhang oder sogar ein Pantherfell um.
Auf dem
Kopf trug der Pharao eine Krone oder ein Tuch. Manchmal auch nur eine Kappe oder
eine Perücke.
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Seit der 11. Dynastie des Mittleren Reiches, wählte der Pharao bei
seiner Thronbesteigung 5 Königstitel. Die 5 Namen zeigten das "Programm"
des Pharao, das er während seiner Regierungszeit ausführen wollte.
Außerdem konnte man erkennen, welchen Gott er besonders gewogen
war.
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Name
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eingeleitet mit
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1. Der Horusname: unterstreicht die Position des Pharao als Horus auf Erden
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2. Der Nebti-Name: (Nebti = Herrinnen) betont den Herrscher als König
von Ober- und Unterägypten, die Herrinnen sind: Nechbet, geiergestaltige
Schutzgöttin von Oberägypten, und Wadjet, schlangenartige
Schutzgöttin Unterägyptens
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3. Der Goldhorusname: die genaue Funktion ist bis heute unbekannt
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4. Der Thronname: durch "König von Ober- und Unterägypten"
eingeleitet
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5. Der Geburtsname: Der Name, unter denen wir auch den jeweiligen Pharao
kennen, eingeleitet durch "Sohn des Re"
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1.4) Die Priester
Die Priester hatten neben der "Versorgung" des Gottes, noch für die
landwirtschaftlichen Betriebe des Tempels, für die Tempeldiener und
für die Armee des Tempels zu sorgen. In jeder Kultstätte arbeitete
eine große Schar von Priestern. Der Ranghöchste war der Hohepriester,
der für die Leitung des Tempels verantwortlich war.
Die Arbeit dort war
übrigens mehr ein Teilzeitjob als Vollzeitarbeit. Die meisten arbeiteten
auch noch in anderen Bereichen, wie als Schreiber, Lehrer, Magier oder
Arzt.
Die Priester trugen weiße Leinengewänder und manchmal auch
Papyrussandalen. Priester mit bestimmten Funktionen wichen auch mal von der
Kleidernorm ab, so wie sich z.B. der Sem-Priester, für eine Bestattung ein
Leopardenfell überstreift (und eine Perücke und falschen Bart
trägt). Es gab auch weibliche Priesterinnen, die vornehmlich weiblichen
Gottheiten dienten. Die Priester hatten das größte Reinhaltsgebot zu
erfüllen. Sie mussten sich alle Haare, sowohl auf dem Kopf, als auch am
Rest des Körpers, abrasieren und sich noch 4 mal am Tag (2 mal
tagsüber, 2 mal nachts) waschen. Enthaltsamkeit mussten Priester
übrigens nicht ausüben. Viele waren verheiratet und hatten mehrere
Kinder. Nicht nur der Priester, sondern auch der Gott musste reinlich sein. So
wurde die Statue des Gottes vom Hohepriester, der sich als einziger (neben dem
Pharao) den Gott nähern durfte, mehrmals täglich gewaschen,
eingekleidet und parfümiert. Der Priester wollte damit die Statue für
den jeweiligen Gott so attraktiv machen, dass er sich in ihr niederlässt.
Ernährt wurden die Götter von dem Duft der Speisen, die ihnen jeden
Tag aufs Neue dargereicht (und von den Priestern später gegessen) wurden.
Zur Unterhaltung des Gottes gab es Tempeldienerinnen, die vor dem Gott tanzten
und musizierten. Einige Götter besaßen sogar einen ganzen Harem, in
dem die schönsten Frauen des Landes versammelt waren.
2) Das Neue Reich
2.1) Die 18. Dynastie
2.1.1) Ahmose I.
Ahmose befreite Ägypten aus der Hand der fremdländischen
Eroberer.
Der Ruhm des Mittleren Reiches war durch die zweite Zwischenzeit so gut wie
verlorengegangen. Erst herrschte die Anarchie und danach folgte eine Invasion.
Um 1650 v. Chr. fielen die "Hyksos" im Delta ein. Wobei diese Invasion sehr
langsam von statten ging. Im Laufe der Jahre hatten die Fremdländischen
gemerkt, das es leicht war, in Ägypten einzudringen. Die Hyksos
zerstörten Ägypten nicht, sei nutzten es aus. Sie übernahmen die
typischen Sitten und auch die heiligen Worte, sogar ägyptische Namen nahmen
sie an. so gewöhnte sich die Bevölkerung an die neuen Herrscher, die
sich wohl kaum von den schwachen Herrschern der 13.Dynastie unterschieden. die
Invasion hatte sogar ein paar Vorteile für das ägyptische Heer.
Brachten die Hyksos doch höher entwickelte Waffe wie Dolche und Schwerter
aus Bronze sowie Bögen und pferdebespannte Streitwagen mit.
Gleichzeitig mit den Hyksos - die im Delta und in Mittelägypten
herrschten- herrschte in Theben die 17. Dynastie. Die thebanischen Fürsten
ertrugen die Fremdherrschaft nicht länger und planten einen
militaristischen Umsturz. Kamose, der damalige Fürst begann den Feldzug
gegen die Hyksos, und verhinderte ein asiatisch-nubisches Bündnis. Er
kehrte siegreich heim nach Theben, doch der Befreier wurde sein Nachfolger
Ahmose. Kamose war es nicht gelungen die Festung Auaris zu unterwerfen. Zwar
waren die Hyksos weit gen Norden gedrängt worden, doch ihre Hauptstadt
stand noch. Ahmose marschierte mit seinem Heer hin und besiegte die Stadt. Doch
Ahmose und seine Armee gaben sich nicht mit diesem großartigen Sieg
zufrieden. Drei Jahre lang belagerten sie die Stadt Scharuhen im
südwestlichen Palästina. Der König wollte die Feinde
entgültig aus seinem Land verbannen und ihnen keine Gelegenheit geben
zurückzukehren.
Doch nachdem das vollbracht war, ging die Schlacht weiter. Nubien hatte den
Hyksos mehr oder minder tatkräftig zur Seite gestanden. Ahmose marschierte
gen Nubien und jagte den Thronräuber fort. Damit holte er Nubien
zurück in den Schoß Ägyptens. Nach drei Feldzügen war
Nubien wieder fest in ägyptischer Hand. Er machte seine Heimatstadt
wieder zum Hauptsitz eines Ägyptens das sich wieder selbst gehörte. Er
wurde zum König gekrönt und besserte die Tempel aus und bezog sich auf
seine göttliche Kraft, durch die er gesiegt
hatte.
2.1.2) Amenhotep I. ; Thutmosis I. ; Thutmosis II.
Amenhotep I. führte einige Feldzüge gegen das Land Kusch.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass er seinen Totentempel weit entfernt vom Ort
seiner Bestattung errichtete.
Thutmosis I. war kein Sohn von Amenhotep I. sondern ein hochrangiger
Offizier, der seinen Herrschaftsanspruch dadurch begründete, dass er
Prinzessin Ahmose, Tochter von Amenhotep I. heiratete. Er errang einige
glänzende Siege, von deren Erträge die gesamte 18. Dynastie zehren
sollte. Syrien, Palästina und Nubien fallen unter Ägyptische
Oberhoheit. In Nubien wird ein Kolonialverwalter unter einem Vizekönig
eingerichtet, in Syrien-Palästina stütz sich Ägypten auf die
loyalen Stadtfürsten, denen ägyptische Schreiber und Offiziere zur
Seite stehen. Dazu entstehen rege Beziehungen mit Kreta und Punt.
Gleichzeitig wuchs unter seiner Herrschaft der Einfluss der Amun-Priester
in Theben. Seit Thutmosis I. wurden die Königsgräber als
Felsgräber im Tal der Könige (bei Luxor) angelegt, die Pyramidenform
wurde aufgegeben und zugleich als neues Dekorations-Element die illustrierten
Unterweltsbücher.
2.1.3) Königin Hatschepsut (Pharao
Maatkare)
Als Pharao Thutmosis II. starb ernannte er, wie üblich, seinen Sohn
Thutmosis III. zum nachfolgenden Pharao. Da der Pharao noch sehr jung war wurden
seine Regierungsarbeiten von seiner Tante und Stiefmutter Hatschepsut
unterstützt. Diese wartete aber nur ab bis sie sich der Unterstützung
hoher Beamter sicher sein konnte. Sie stieg dann auf den Thron unter dem Namen
Maatkare. Über 3000 Jahre wusste niemand um sie bescheid da ihr Sohn nach
ihrem Tod versuchte alle Erinnerungen von den Mauern zu bannen.
Schon bald begann sie mit dem Bau ihres Totentempels in Deir-el-Bahari.
Unter der Aufsicht ihres Haushofmeisters und Architekten Senenmuts entstand der
einzigartige Terrassentempel Hatschepsuts in unmittelbarer Nähe des
Totentempels Mentuhotep I.. Eine Besonderheit des Tempels war seine Ausrichtung
nach Osten, die genau parallel zum mächtigen Amun-Tempel bei Karnak auf dem
anderen Nilufer verlief. Senenmut war privilegierter Vertrauter Hatschepsuts,
den die Königin in die allerhöchsten Staatsämer katapultierte.
Gerüchte behaupten, dass er seinen Aufstieg einer Liebesbeziehung zur
Königin zu verdanken hätte. In jedem Fall war er unter anderem
Vorsteher des Amuntempels sowie Verwalter der Kornspeicher, Felder, Herden,
Gärten und Webstühle des Amun. Die Verwaltung des Landes lag
ausschließlich in seinen Händen und nur der Hohepriester des Amun,
Hapuseneb, konnte ihm in religiösen Dingen das Wasser
reichen.
Während der Regierungszeit Hatschepsuts fanden zahlreiche
Handelsexpeditionen statt, speziell die in das Land Punt (vermutlich dem
heutigen Somalia) ist an den Wänden des Totentempels abgebildet.
Detailgenaue Darstellungen beschreiben Fauna und Flora dieser
Reise.
Hatschepsut starb um 1483 v. Chr. und es wird vermutet, dass Thutmosis
III. an ihrem Tod nicht ganz unschuldig war. Die größte
Demütigung erfuhr Hatschepsut in dem Verschweigen ihres Namens in den
Königslisten.
2.1.4) Thutmosis III.
Erst nach dem Tode Hatschepsuts konnte Thutmosis III. sein Erbe und damit
die Macht über Ober- und Unterägypten antreten. Kurz nach seiner
Machtergreifung ließ er das Andenken an seine Stiefmutter von den meisten
Denkmälern tilgen. Besonders in ihrem Totentempel Deir-el-Bahari ließ
er Reliefs ausmeißeln und zahlreiche Statuen zerstören. Die von
Hatschepsut errichteten Obelisken im Tempel von Karnak ließ er einmauern,
um die Inschriften unzugänglich zu machen, was die Inschriften
ausgezeichnet konservierte. Thutmosis war ein ausgezeichneter Feldherr was er
bei seinen insgesamt 17 Feldzügen in den Vorderen Orient ausreichend unter
Beweis stellen konnte. Er hinterließ seinem Sohn, Amenhotep II. ein
mächtiges und wohlgeordnetes Reich und dank der Beute seiner Feldzüge
gelangte Ägypten zu Wohlstand.
Er starb um etwa 1450 v.Ch. Sein Grab liegt im Tal der Könige auf
halber Höhe einer Felswand. Nach Versiegelung des Grabes schlugen die
Steinmetze die Treppe zum Eingang weg, was die Grabräuber jedoch nicht
hinderte, das Grab auszuplündern und zu verwüsten.
2.1.5) Thutmosis IV
Die sogenannte "Traum-Stele", eine monumentale Stele aus Granit, die vor
der Sphinx in Gizeh errichtet wurde und möglicherweise nach dem ersten
Regierungsjahr Thutmosis datiert, erzählt von einer Vision oder einem
Traum, den der junge Thutmosis hatte, während er im Schatten der Sphinx
ausruhte. Der Gott Haramachis, Sinnbild des Monuments, prophezeite dem Prinzen
die Thronbesteigung und bat ihn, die Last des Sandes von seinem Körper zu
entfernen.
Drei der vier Gemahlinnen von Thutmosis IV, deren Namen uns bekannt sind,
nämlich Iaret, Nefertari und Nebetnehet waren königlichen
Geblüts. Seine vierte Ehefrau Mutemwia, die Mutter seines Nachfolgers
Amenophis III, trug keine eigenen Königstitulaturen.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger engagierte sich Thutmosis IV kaum in
militärischen Aktionen. Es mag einige Feldzüge im Süden Syriens
gegeben haben, möglicherweise um rebellische Prinzen in ihre Schranken zu
weisen und sie die ägyptische Präsenz spüren zu lassen. Einen
formellen Frieden mit Mitanni könnte durch die Heirat einer mitannischen
Prinzessin mit Thutmosis IV besiegelt worden sein.
Es gibt kaum einen Beweis für militärische Aktivitäten des
Königs in Nubien
Die Bautätigkeiten Thutmosis IV beschränken sich in erster Linie
auf die Erweiterung vorhandener Bauten, nicht hingegen auf die Errichtung neuer
Bauwerke. Vom Totentempel des Thutmosis IV, südlich des Ramesseums am
thebanischen Westufer gelegen, ist kaum mehr als das Fundament und Teile des
ersten Pylons und der Umfassungsmauer aus Lehmziegeln übrig.
Es scheint, als hätten während der Regierungszeit von Thutmosis
IV die militärischen Beamten an Bedeutung verloren und die staatliche und
religiöse Beamtenschaft stetig an Einfluss gewonnen. Der Sonnenkult und die
"Sonnengöttlichkeit" des Königs wurde in der offiziellen Kunst immer
stärker betont, diese Tendenz nahm unter der Herrschaft seines Sohnes
Amenophis III noch weiter zu.
2.1.6) Amenhotep III.
Die Regierung Amenhotep III. brachte eine Zeit der Stabilität und
wirtschaftlichen Blüte mit sich, wie sie die ägyptische Geschichte
selten gesehen hat. Es waren kaum militärische Unternehmungen notwendig,
das Reich war gefestigt und die Grenzen waren sicher. Er besaß einen
großen Harem in dem sich auch Prinzessinnen aus fremden Ländern
befanden, die aus Gründen der Staatsräson geheiratet wurden. Seine
Hauptfrau, Teje, war jedoch nicht von königlichem Blut sondern war die
Tochter eines Fürsten namens Juja und seiner Frau Tuja. Er heiratete sie
bereits vor seiner Thronbesteigung und sie gebar ihm sechs oder mehr Kinder. Der
älteste Sohn starb, bevor er die Nachfolge antreten konnte und
überließ den Thron dem jüngeren Bruder, Amenhotep IV., der sich
später Echnaton nennen sollte.
2.1.7) Echnaton
Mit Amenhotep IV., besser bekannt unter dem Namen Echnaton (Diener des
Aton), begann eine religiöse, geistige und politische Revolution. Er
erklärte den Gott Aton als alleinigen Gott und die traditionellen
Götter Ägyptens zu falschen Göttern. Dies betraf vor allem die
Priesterschaft des Gottes Amun, die sehr mächtig geworden war und zu
starken politischen Einfluß ausübte. Die Verehrung des Gottes Aton
übernahm Echnaton von seinem Vater, Amenhotep III., der bereits als
Sonnenkönig bekannt war. Es war auch eine künstlerische Wende
spürbar, da die Darstellungen nicht mehr dem einheitlichen Kunstkanon
entsprachen sondern eine möglichst natürliche Darstellung der Personen
und Dinge angestrebt wurde. Einige wenige Restriktionen waren dennoch vorhanden,
wie z.B. die etwas kleinere Darstellung der Königin Nofretete bei
Reliefdarstellungen. Aber zurück zu dem Aton-Kult: Echnaton setzte den
Aton-Kult mit Gewalt durch und verbot unter der Verhängung strengster
Strafen die Anbetung der alten Götter. Erst erbaute er in unmittelbarer
Nähe des Amun-Tempels in Karnak einen Aton-Tempel und ließ nach
kurzer Zeit den Amun-Tempel schließen und übernahm seine
Einkünfte um das Nebeneinander der beiden Kulte zu verhindern. Trotzdem war
ihm die Nähe der Amun-Priester ein Dorn im Auge und er machte sich auf die
Suche nach einem unberührten Stück Land, das er seinem Gott Aton
weihen konnte und fand etwa 150 km nördlich von Luxor eine Ebene, die er
Achet-Aton (“Horizont des Aton”) nannte und dort seine neue
Hauptstadt gründete. Heute ist diese Stadt unter dem Namen Tell el-Amarna
bekannt und es sind von ihr nicht mehr als die Grundmauern übrig. Zur Zeit
Echnatons mußte es sich jedoch um eine prachtvolle und blühende Stadt
gehandelt haben. Ihm zur Seite stand die schöne und kluge Nofretete. Sie
war die einzige Königin, die bei Opferhandlungen gleichberechtigt dem
König zur Seite stand und Aton huldigte. Sie unterstützte den
König und saß an seiner Seite wenn er Würdenträger ehrte.
Vermutlich starb Nofretete im 12. Regierungsjahr Echnatons und wurde im
Königsgrab von Amarna beigesetzt. Noch heute kann Nofretetes Schönheit
im Ägyptischen Museum Berlin bewundert werden, denn dort befindet sich die
von dem Bildhauer Thutmosis geschaffene Büste von unvergänglicher
Schönheit. Während Echnaton Hymnen zu Ehren Atons schrieb
vernachlässigte er die Regierungsgeschäfte und unterschätzte die
kriegerischen Absichten der Hethiter und der Syrer. Bittschriften der Babylonier
um militärische Unterstützung wanderten ungelesen in die Archive, so
sehr nahm die Verehrung Atons Echnaton in Anspruch da er glaubte, nur durch ihn
könne Aton sprechen. Echnaton starb vermutlich im 16. Regierungsjahr und
nach seiner Amtszeit wurde er als Ketzerkönig verfemt und aus
sämtlichen Königslisten gestrichen. Um die Ruhe in Ägypten
wiederherzustellen wurden die alten Götter wieder eingesetzt und
Ägypten kehrte zu seiner vorherigen Ordnung zurück.
2.1.8) Tutanchamun
Nach der Amarna-Periode und der kurzen Regentschaft von Semenchkare wurde
Tutanchaton, der erste Name Tutanchamuns, zum Pharao gekrönt. Er wurde mit
Echnatons Tochter Anchesenpaaton verheiratet und kehrte bald nach seiner
Einsetzung zur alten Religion zurück und änderte seinen Namen in
Tutanchamun auch seine Gemahlin änderte ihren Namen in Anchensenamun. Die
Entscheidungen wurde jedoch nicht von diesem Kindkönig getroffen, sondern
von seinen ‘Beratern’ im Hintergrund, Aja (oder Eje) und Haremhab.
Tutanchamun war 9 Jahre als er zum Pharao gekrönt wurde und seine
Regierungszeit währte ungefähr 9 Jahre. Obwohl er als Kriegsherr
dargestellt wurde nahm er vermutlich nicht an den Schlachten gegen Nubien oder
Syrien teil. Die militärischen Erfolge wurden von seinem General Haremhab
erkämpft.
Der frühe Tod Tutanchamuns stellte seine Witwe
Anchesenamun vor eine schwierige Situation. Aus dieser Situation heraus traf sie
eine ungewöhnliche Entscheidung. Sie schrieb an den hethitischen König
Schuppiluliuma I. und erklärte ihm, dass ihr Mann verstorben sei und sie
keine Söhne hätte, die die Nachfolge antreten könnten. Um die
Herrscherlinie zu erhalten, bat sie den König ihr einen seiner Söhne
zum Manne zu geben. Obwohl die ägyptischen Quellen darüber schweigen,
wurde in der ehemaligen hethitischen Hauptstadt Hattuscha, dem heutigen
türkischen Bogazkale, eine Kopie des Schreibens gefunden. Nachdem der
König Erkundigungen eingezogen hatte, war er bereit den hethitischen
Prinzen Zannanza nach Ägypten zu entsenden. Dieser erreichte sein Zielt
jedoch nie, denn er wurde offenbar bereits an der Grenze ermordet. Eine Tat, die
General Haremhab ohne weiteres angelastet werden kann.
Das meiste Aufsehen
erregte dieser, in der Geschichte eher unbedeutende Pharao, durch die Entdeckung
seines Grabes 1922 durch Howard Carter. Das Grab war nahezu unversehrt und
enthielt großartige Schätze als Grabbeigaben. Dennoch ist der Fund
seines Grabes nicht einfach zu bewerten. Das Grab ist für einen König
zu klein dimensioniert und es wird angenommen, dass es ursprünglich
für den hohen Beamten Aja vorgesehen war. Auch stammen einige der
Grabbeigaben “von der Stange” und waren ursprünglich für
andere Zwecke vorgesehen. Selbst die Sarkophagkoste stammte aus zweiter Hand. An
ihr wurden nachträglich umfangreiche Änderungen vorgenommen;
Originaltexte wurden weggeschlagen und mit neuen Inschriften überschrieben.
Auch war zumindest einer der Holzschreine ursprünglich für Semenchkare
vorgesehen, ebenso die viergoldenen Miniatursärge für die
königlichen Eingeweide. Hier und da lässt sich erkennen, dass ein
älterer Name ausgehackt und mit Tutanchamuns Kartusche überschrieben
wurde.
2.1.9) Haremhab
Haremhabs Herkunft liegt vollständig im dunkeln. Sein
militärisches Talent wurde bereits früh erkannt und er diente bereits
unter Amenhotep III. als Offizier, wurde Oberster Befehlshaber und Echnaton und
wurde später königlicher Stellvertreter von Tutanchamun. Nach dem Tode
Tutanchamuns und seines Nachfolgers Aja sah Haremhab sah er endlich seine Chance
auf den Thron und ernannte sich 1321 v. Chr. selbst zum König und
bekräftigte den Anspruch durch die Heirat mit der Hofdame Mutnodjme, einer
Schwester Nofretetes. Sobald er Pharao war stellte er die ursprüngliche
Ordnung wieder her und eröffnete die Tempel des Amun erneut und setzte die
Priesterschaft wieder ein. Um jedoch den Druck der Priesterschaft auf den
König zu verringern, ernannte er nur Militärs zu Priestern, auf deren
Loyalität er sich verlassen konnte. Während seiner
dreißigjährigen Herrschaft begnügte er sich mit der Absicherung
nach innen, für auswährtige Beziehungen gibt es kaum Hinweise, wenn
man von einem Feldzug nach Kusch und einer Handelsexpedition nach Süden
absieht.
2.2) Die 19. Dynastie
2.2.1) Ramses I.
Ramses I. war nicht von königlichem Geblüt und vor seiner
Ernennung zum König Wesir und engster Freund und Vertrauter Haremhabs, der
ihn zum Nachfolger ernannte. Ramses war Sohn eines Truppenkommandanten namens
Sethos. Seine kurze Regierungszeit von etwa 2 Jahren hinterließ keine
historisch bedeutsamen Spuren.
2.2.2) Sethos I.
Wie sein Vater Ramses I, dem er bald nachfolgte, hatte Sethos I. die Titel
eines Wesirs und Oberbefehlshabers der Armee innegehabt. Er nahm Tuja, die
Tochter des Streitwagen-Offiziers Raja, zur Frau, die ihm drei Kinder gebar. Ein
Sohn der früh verstarb, eine Tochter namens Tija. Das dritte Kind, wieder
ein Junge, wurde nach seinem Großvater benannt. Als Ramses II. sollte er
als mächtigster Pharaon Ägyptens auf dem Thron regieren.
Sethos
unternahm bereits im ersten Amtsjahr eine Militärexpedition nach Syrien und
innerhalb von sechs Jahren mehrere Feldzüge von denen die Nord- und
Ostfassade des Karnak-Tempels berichten. Vorbild bei den militärischen
Interventionen war sein Vorgänger Thutmosis III. und er war fest
entschlossen, an den Tatenruhm seiner Vorgänger anzuknüpfen. Ein
weiteres militärisches Glanzstück war die Eroberung der hethitischen
Festung Kadesch, die er jedoch bald wieder an die Hethiter abtreten
musste.
Auch auf dem architektonischen und künstlerischen Sektor erlebte
Ägypten und Sethos eine erneute Blütezeit. Er begann mit dem Bau der
großen Säulenhalle im Tempel des Amun, die später von seinem
Sohn Ramses fertiggestellt wurde. Diese Halle, ein Wunderwerk antiker
Architektur, nimmt eine Grundfläche von 102 mal 53 Metern ein. Sie wird von
134 monumentalen Pfeilern getragen; die inneren zwölf überragen knapp
die äußeren Reihen mit ihren 23 Metern Höhe. Die einzige
Beleuchtung war das durch Steingitter in der Decke hereinfallende Sonnenlicht,
welches die Strahlen des Sonnengottes Ra symbolisieren sollte. In Abydos, dem
Kultzentrum des Totengottes Osiris entstand der Totentempel Sethos, der von
seinem Sohn Ramses II. fertiggestellt wurde, da Sethos während der
Bauarbeiten verstarb. Ein besonderes interessantes Detail in diesem Tempel ist
die sogenannte “Ahnenhalle” oder “Galerie der Listen”.
Hier ließ sich Sethos mit dem jungen Ramses vor den langen offiziellen
Königslisten abbilden. Es fällt dabei auf, das die Könige der
gesamten Amarna-Periode nicht genannt werden. Die Kartuschenreihe springt von
Amenhotep III. direkt zu Haremhab über.
Mitten in der abydenischen
Wüste errichtete Sethos das Osireion, ein rätselhaftes Monument.
Ursprünglich betrat man es durch einen langen Tunnel, dessen Wände mit
Szenen aus dem “Buch der Tore” bemalt waren. Dort wurde Sethos
Leichnam zusammen mit den Grabbeigaben aufbewahrt, bevor er zur Bestattung in
das Tal der Könige überführt wurde.
Von allen
Königsmumien ist diejenige des Sethos am besten erhalten. Sie wurde 1881 im
königlichen Mumiendepot von Deir-el-Bahari gefunden.
2.2.3) Ramses II.
Ramses II., der im Alter von 25 Jahren an die Macht kam, trägt seinen
Beinamen “der Große” zu Recht. Während seiner
67-jährigen Regierungszeit ließ er so viele Tempel errichten, wie
noch kein Pharao zuvor und auch in militärischer Hinsicht war er
äußerst erfolgreich und schloss den ersten Friedensvertrag der
Geschichte.
Zu seinen beiden Hauptfrauen gehörten Nefertari und
Isisnofret. Ramses große Liebe war Nefertari, die bis zu ihrem Tod im 24.
Regierungsjahr des Herrschers seine Große Königliche Gemahlin war.
Sie war auch die Mutter seines erstgeborenen Sohns, Amenhirchopschef sowie
mindestens drei weitere Söhne und zwei Töchter. Isisnofret brachte
einen Sohn Ramses zur Welt sowie zwei weitere wichtige Söhne, Chaemwaset
und Merenptah. Chaemwaset sollte wegen seines Interesses für die
Denkmäler der Vorzeit und ihre Konservierung als erster Archäologe in
die Geschichte eingehen. Merenptah wurde der spätere Thronfolger. Nach
königlichem Brauch wählte Ramses weitere Ehefrauen aus der
allernächsten Verwandtschaft und auch einige hethitische Prinzessinnen
sowie syrische und babylonische Königsfrauen zierten seinen Harem.
Die
Beziehungen zu den Hethitern waren nicht wohlgesonnen und im Frühjahr des
fünften Regierungsjahres musste der König die Armee mobilisieren. Eine
Streitmacht von 20.000 Soldaten, gegliedert in vier Divisionen zu je 5.000 Mann,
die jeweils nach den Göttern Amun, Ra, Ptah und Seth benannt waren, wurde
aufgestellt. Ramses folgte in dem Feldzug größtenteils der Route, die
Thutmosis III. durch den Gaza-Streifen genommen hat und stand im Mai etwa 16 km
vor Kadesch. Während des Marsches auf Kadesch wurden zwei feindliche Spione
gefangengenommen, nach deren Angaben das Heer der Hethiter über 150 km
weiter nördlich stand. Dies sollte sich jedoch als einen Hinterhalt
herausstellen. In Wahrheit lagerte das hethitische Heer direkt hinter der
Festung Kadesch im Hinterhalt. Der hethitische König Muwatalli ging mit
seinem beeindruckenden Heer von zwei Abteilungen zu je 18.000 bzw. 19.000 Mann
dazu 250 Kampfwagen direkt zum Angriff auf die Division Ra über. Das
ägyptische Heer sowie das Lager wurden überrollt und nur die getrennt
marschierende Hofgarde konnte Ramses vor einer Niederlage retten. Muwatalli zog
sich zurück und Ramses hielt während der Nacht das Schlachtfeld
besetzt. Anderntags griffen die inzwischen wieder vereinten ägyptischen
Streitkräfte an, doch das Ergebnis war ein Patt. Ramses erinnerte sich wohl
daran, daß sein Vater Sethos Kadesch nicht halten konnte und unterbreitete
Muwatalli ein Friedensangebot. Wieder in der Heimat wurden bombastische Bericht
über die Schlacht von Kadesch verkündet, denen zufolge Ramses allein
unter dem Schutz Amuns den Sieg herbeigeführt habe. Entsprechende
Darstellungen finden sich auf den Tempelwänden von Abu Simbel, des
Ramesseums sowie in den Tempen von Karnak und Luxor.
Ramses überzog das
ganze Land mit seinen Bauten, darunter die weiteren Baumaßnahmen an den
Tempelanlagen von Karnak und Luxor, die Vollendung des Totentempels seines
Vaters Sethos sowie sein Totentempel, das Ramesseum, auf dem Westufer bei
Theben. Seine größte architektonische Leistung waren die Tempel von
Abu Simbel, die er in den Fels hauen ließ. Mit dem Großen Tempel
setzte sich Ramses selbst ein unvergleichliches Denkmal. Der Eingang wird von
vier kolossalen 18 Meter hohen Sitzstatuen des Königs flankiert und wirkt
schlechthin überwältigend. In seinem Inneren ließ sich Ramses in
8 Statuen als Osiris abbilden, an den Wänden finden sich Szenen der
Schlacht von Kadesch. In dem Heiligtum, dem Naos, sind vier Sitzstatuen
abgebildet, Ptah, Amun, Ramses und Harmakhis. Es ist schon ein Meisterstück
antiker Baukunst, dass zweimal im Jahr zur Tag- und Nachtgleiche, jeweils am 22.
Februar und am 22. Oktober, die Strahlen der aufgehenden Sonne direkt in den
Eingang fallen und drei der in 60 Meter Tiefe befindlichen Götter
anstrahlen. Der Gott Ptah bleibt als Gott der Unterwelt im Verborgenen. Der
kleineren Tempel der Nefertari war seiner Lieblingsfrau und der Göttin
Hathor geweiht. Einzigartig ist, das die Königliche Gemahlin in gleicher
Größe wie der König dargestellt wurde. Vermutlich kam Nefertari
zur Einweihung der beiden Tempel im 24. Amtsjahr des Königs selbst nach Abu
Simbel und starb im darauffolgenden Jahr.
Ein weiteres architektonisches
Ereignis war die Gründung der Hauptstadt Pi-Ramesse im östlichen
Nildelta in der Nähe des heutigen Quantir. Es wurde gegründet auf den
Grundmauern der ehemaligen Stadt Auaris, der ehemaligen Hauptstadt der Hyksos,
der Fremdherrscher während der 15. Dynastie. Für die Bauarbeiten
wurden möglicherweise Hebräer als Arbeitskräfte geholt, denn von
hier ging wohl 1263/62 v. Chr. im siebzehnten Amtsjahr des Ramses, der Exodus
aus. Aus ägyptischen Quellen ist darüber kaum etwas bekannt, der
einzige bekannt Hinweis auf Israel findet sich unter Ramses Nachfolger
Merenptah. Leider ist von dem damaligen Glanz dieser Hauptstadt kaum mehr etwas
übrig.
Im 67. Amtsjahr wurde Ramses II., mit vermutlich 92 Jahren zu
den Göttern berufen. Seine Mumie befand sich in dem Mumiendepot von
Deir-el-Bahari und wurde 1881 entdeckt. 1976 wurde der Leichnam nach Paris
gebracht und dort mit gebührendem Zeremoniell empfangen. Danach folgten
umfangreiche Konservierungsmaßnahmen nach dem neuesten Stand der Technik.
Heute ruht der König im Ägyptischen Museum in Kairo in der Abteilung
der Königlichen Mumien. Sein ursprüngliches Grab im Tal der
Könige ist heute zerstört und unzugänglich.
2.2.4) Merenptah
Als 13. Sohn von Ramses II. war Merenptah wohl selbst schon hoch in der
Sechzigern als der die Nachfolge seines Vaters antrat. Seine rund
zehnjährige Regierungszeit wird in drei ausführlichen Inschriften
dokumentiert. Alle drei Quellen beziehen sich auf Militärkampagnen und
ergänzen sich gegenseitig. Der Frieden, der an den Reichsgrenzen sowie
unter den Vasallen herrschte, war es bald vorbei. Ein Aufstand im Süden
Syriens wurde bald niedergeschlagen. Der Hethiterkönig musste sich gegen
nördliche Angreifer zur Wehr setzen und obendrein litt das Hethiterreich
nach einer Missernte unter einer Hungersnot. Merenptah sandte aufgrund einer
Aufforderung des Hethiterkönigs Weizen nach Hatti. Aber auch die Libyer
gaben keine Ruhe und drangen ins Nildelta vor. Im fünften Regierungsjahr
Merenptahs gingen sie zum Angriff über und entfachten Aufstände in
Nubien sowie in den westlichen Oasen. Dank des raschen Eingreifens Merenptahs
konnten die Libyer vernichtend geschlagen werden und auch die Nubier, die den
Libyern zu Seite stehen wollten, wurden in einer kurzen Schlacht
geschlagen.
Merenptahs Mumie wurde zuerst weder in seinem Grab noch in dem
Mumiendepot von Deir-el-Bahari gefunden sondern erst etwas später, nach der
Entdeckung des Grabes von Amenhotep II. Damit wurde die Theorie von
Bibelforschern zu Fall gebracht, Merenptah sei der Pharao des Exodus und im
Roten Meer untergegangen.
2.2.5) Das Ende der 19. Dynastie
Nach dem Tod Merenptahs gab es einen Bruch in der Königslinie. Statt
des Kronprinzen Seti-Merenptah bestieg der unbekannte Amenmesse den Thron. Die
folgenden Herrscher hatten nur kurze Regierungszeiten inne und nach dem Tode
Siptahs erhob seine Stiefmutter Tausret Anspruch auf die Königskrone und
nahm, wie 300 Jahre zuvor Hatschepsut, die vollen Pharaonentitel an. Die 19.
Dynastie endete mit Thronwirren.
2.3) Die 20. Dynastie
2.3.1) Sethnacht
Die Herkunft von Sethnacht, dem Begründer der XX. Dynastie, ist
umstritten. Es wird davon ausgegangen, dass sich im Süden Ägyptens
eine Verschwörung gegen Tausret entwickelt hatte, die wahrscheinlich sogar
von Teilen der ägyptischen Armee unterstützt wurde. Man kann davon
ausgehen, dass Tausret die Gegnerin von Sethnacht war. Sethnacht und sein Sohn
Ramses III. zerstörten später das Andenken an Tausret durch eine
Zerstörung ihrer Statuen und durch die Usurpation ihres Grabes. Sethnacht
wurde zum neuen Herrscher in Ägypten, aber er hatte um seine Herrschaft zu
kämpfen. Er mußte Revolten gegen die Asiaten niederschlagen und
belagerte Städte befreien. Ramses III. war bereits während der kurzen
Regierungszeit seines Vaters Sethnacht Mitregent von Ägypten. Der Bau des
Grabes KV 11 für Sethnacht wurde abgebrochen, da das Grab von Amenmesse im
Weg lag. Das Grab KV 11 wurde dann später für Ramses III.
fertiggestellt. Für Sethnacht wurde das Grab von Tausret (KV 14) usurpiert
und erweitert. Die Namen und Darstellungen im Grab wurden
verändert.
2.3.2) Ramses III.
Ramses III. war der letzte große Pharao auf dem ägyptischen
Thron. Während seiner ersten vier Amtsjahre verlief alles ruhig und er
bemühte sich, seine Position zu festigen und die Stabilisierung des Reiches
fortzuführen. Nubien war unterworfen und war eine mehr oder weniger
unterjochte Kolonie. Erst im fünften Amtsjahr versuchten die Libyer das
Delta zu überfallen, aber waren dem ägyptischen Heer nicht gewachsen.
Wer nicht in der Schlacht fiel, geriet in ägyptische Gefangenschaft. Damit
hatte der Pharao ein Exempel statuiert und für eine Zeitlang kehrte Ruhe an
den Grenzen ein.
Im achten Amtsjahr verursachten mehrere Missernten und der
Versuch der Nomadenvölker, Fuß zu fassen, einen weiteren Aufruhr im
Mittleren Osten. Der Papyrus Harris berichtet folgendermaßen:
“Die Fremdländischen verschworen sich auf ihren Inseln, die
Völker wurden im Gefecht auf einen Schlag zerstreut und vertrieben, und
kein Land konnte ihrer Waffengewalt trotzen.” Dies bedeutete, dass
bedingt durch eine Massenflucht von bewaffneten Nomadenvölkern das Reich
der Hethiter von einem Bündnis von Inselstämmen, der “Allianz
der Seevölker”, hinweggefegt wurde. Die Seevölker wollten sich
jedoch mit Gewalt nach Ägypten durchschlagen und dort niederlassen. Ramses
wusste, dass nur ein rascher Gegenschlag die Angreifer aufhalten würde.
Eine Schlacht an der syrischen Grenze konnte die Invasion auf dem Landweg zwar
abwenden, aber die Armada der Seevölker gelangte eines östlichen
Seitearms des Nildeltas und somit konnten die Ägypter dem Feind praktisch
eine Landschlacht liefern. Gleichzeitig von den Ufern und von Deck der Schiffe
schossen Bogenschützen Pfeile gegen die Gegner ab. Ramses konnte mit dem
Beistand Amuns siegreich heimkehren. Diese Seeschlacht schmückt auch die
Wände seines gut erhaltenen Totentempels in Medinet Habu. Es ist nicht
überliefert, ob Ramses die Schlacht gegen die Seevölker fortsetzte
oder nicht. Es gab insgesamt noch einen Feldzug gegen die Libyer, weitere
Feldzüge gegen die Nordvölker bzw. gegen Nubien werden im Totentempel
von Medinet Habu erwähnt, sind aber historisch nicht verbürgt.
Ein
bemerkenswerter Papyrus aus der Regierungszeit Ramses’ berichtet von einem
Verfahren gegen eine Gruppe von Verschwörern, die einen Anschlag auf den
König plante. Die Hauptangeklagte war Tiji, eine Nebenfrau, die ihren Sohn
Pentewere als Thronfolger einsetzen wollte. Zum Glück kamen diese Umtriebe
rechtzeitig ans Licht und die Verschwörer wurden verhaftet.
Ungewöhnlich ist, dass eine Kommission mit allen Rechten eingesetzt wurde,
auch dem Recht, die Todesstrafe auszusprechen, was normalerweise nur dem Pharao
vorbehalten war. Dies bedeutet, dass Ramses noch vor Ende der Verhandlungen
verstarb, wenn auch nicht notwendigerweise infolge des Attentats. Sein Grab
erlangte Bekanntheit durch die weltlichen Szenen, die darin abgebildet waren,
unter anderem zwei blinde Harfner
2.3.3) Ramses IV
Ramses IV war der Sohn von Ramses III, aber der Ruhm der früheren
ramessidischen Herrscher konnte sich während seiner Regierungszeit nicht
fortsetzen. Sein Name fand sich auf Skarabäen in Palästina, es gibt
jedoch keinen weiteren Hinweis auf militärische Expeditionen oder
Handelsmissionen ins Ausland.
Obwohl in den Aufzeichnungen jeglicher Nachweis für Auslandskontakte
fehlt, rühmte sich Ramses IV für seine Expeditionen mit Tausenden von
Arbeitern in die Steinbrüche des Wadi Hammamat. Ferner ließ er auf
dem Sinai nach Türkisen schürfen. Bei Deir el-Medine in Westtheben
errichtete Ramses IV seinen Totentempel, erweiterte die Dekorationen an Bauten
in Abydos, Heliopolis und Karnak und ließ Statuen aufstellen. Sein Name
wurde ebenfalls in Buhen in Nubien gefunden.
Trotz der erfolgreichen Bergbauprojekte und der Verschönerung der
Tempel, war die Regierungszeit Ramses IV mit Problemen behaftet. Papyri aus
jener Zeit berichten von Prozessen wegen Bestechung, Ehebruch und Diebstahl.
2.3.4) Ramses V und Ramses VI
Es ist nicht ausgeschlossen, dass beide Könige eine Zeit lang zusammen
regierten. Ramses V. erlag allem Anschein nach den Blattern, wie sein
pockennarbiges Gesicht vermuten lässt.
Unter der Herrschaft Ramses VI war Ägypten ein geschwächter
Staat. Die Türkisminen auf dem Sinai wurden aufgegeben und die
östlichen Grenzen immer weiter ins Land gezogen. Ramses VI versuchte seine
Herrschaft aufzuwerten, indem er seinen Namen auf die Liste der Söhne
Ramses III in Medinet Habu setzen ließ. Diese Maßnahme verband ihn
mit den hochverehrten Herrschern der Vergangenheit. Aber nichts davon half, die
königliche Macht wiederherzustellen. Ägypten steuerte auf seinen
Niedergang zu, während sein Sohn Ramses VII auch das Problem hatte, die
zentrale Macht zusammenzuhalten.
2.3.5) Die Zeit von 1133 – 1070 v.Chr.
Ramses VII war der Sohn von Ramses VI, aber sonst ist nur wenig über
seine siebenjährige Regierungszeit bekannt. Zeugnisse belegen, dass
Ägyptens Macht und Einfluss während dieser Zeit ständig abnahm.
Der Name von Ramses VII wurde an Bauwerken in Tell el-Yahudia, Memphis, Karnak
und Elkab gefunden. Papyri und Ostraka deuten an, dass seine Herrschaft eine
Zeit der Misswirtschaft und hohen Preise war.
Es wird angenommen, dass der achte Ramses nur wenig länger als ein
Jahr regiert hat, ein kurzlebiger König der späten 20. Dynastie also.
Nur ein einziges Mal ist er dargestellt, in der Prozession der Prinzen im
Totentempel von Ramses III in Medinet Habu. Dort wurde dem vierten Prinzen,
namens Set-her-chepeschef, ein zweiter Text hinzugefügt, in dem Titel und
Thronname von Ramses VIII in einer Kartusche genannt werden.
Über die Ereignisse am Ende des Neuen Reiches ist wenig
überliefert. Ramses IX herrschte 18 Jahre lang, länger als seine
Vorgänger dieser Dynastie, und er scheint mehr als die vorhergehenden
Herrscher der 20. Dynastie die Beziehungen zu Fremdländern gepflegt zu
haben: Inschriften erwähnen Reisen nach Palästina, Nubien und Antinoe.
Sein bedeutendstes, architektonisches Werk wurde in Heliopolis gebaut, aber er
erweiterte auch den siebten Pylon in Karnak.
Das wichtigste Ereignis während der Regierungszeit von Ramses IX war
die Plünderung der königlichen Nekropolen von Theben im Tal der
Könige, im Tal der Königinnen, sowie von einigen
Königsgräbern der 17. Dynastie. Die Ermittlungen und Prozesse gegen
die Diebe in den Jahren 9 und 16, führten zur Versiegelung von Gräbern
und der Überführung der königlichen Mumien in ein anderes Grab in
Deir el-Bahari.
Ramses XI war der letzte ramessidische König und regierte am Ende des
Neuen Reiches. Wie schon unter der Herrschaft von Ramses IX gab es in Theben
viele Probleme, so auch die Plünderung der Königsgräber. Die
königlichen Mumien wurden aus ihren ursprünglichen Gräbern in
sicherere gebracht, um das Schicksal dieser wichtigen Ahnen zu schützen. In
Theben brach ein Bürgerkrieg aus und es drohte eine Hungersnot.
Ramses XI herrschte von Tanis im Delta aus, es scheint aber, dass sich die
Macht in Theben in den Händen der Amunpriester befand. Zu den
architektonischen Zeugnissen der wachsenden Macht dieser Priester gehören
Statuen von eben diesen und Darstellungen ihrerselbst an Monumenten. Zu guter
Letzt verlor Ramses XI wesentlich seine Macht, behielt jedoch seinen Titel,
während der Hohe Priester Herihor im Süden regierte und dessen Sohn,
Smendes, im Norden herrschte.
3) Die dritte Zwischenzeit
Die Könige der 21. Dynastie residierten in Tanis (Ostdelta).
Oberägypten wird weitgehend durch die Hohepriester des Amun verwaltet. Die
Bautätigkeit erlahmt, dafür bricht eine Blüte der Sarg- und
Buchmalerei und des Bronzegusses über das Volk herein.
Orakelentscheidungen des Amun und anderer Götter regeln rechtliche und
sogar politische Fragen.
4) Quellenverzeichnis
Zeitschriften:
GEO:
Ausgabe 07 /Juli 2002
Hatschepsut – Die Frau, die sich zum Pharao machte
Ausgabe 2 / Februar 1999
Ramses – Ein Pharao als Superstar
Internet:
Ausarbeitungen:
Friedl Bernd
2001/2002
5CEN