BUDDHA, DER
„ERLEUCHTETE“
Der historische Buddha hieß mit Vornamen Siddharta, sein Familienname
lautete Gautama. Er war der Thronerbe seines Vaters, des gewählten
Königs der Sakyas, einer reichen Sippe, deren Adelsrepublik im heutigen
West-Nepal lag. Siddharta wurde um 543 v.Chr. geboren – nach der
Überlieferung zur Zeit des Vollmonds in unserem Kalendermonat Mai.
Darüber erzählt man sich folgende Legende:
„Vor der Geburt als Mensch lebt der zukünftige Buddha im
Tushita-Himmel. Er beschließt, in Gestalt eines weißen Elefanten auf
die Erde hinabzusteigen. (Der Elefant ist seither in Indien ein Sinnbild
für Würde und Weisheit.) Es ist Frühling, die schönste der
Jahreszeiten. Da läßt sich der Herr der Welten nach genauer
Prüfung zur richtigen Zeit aus dem Himmel herab. Klar und bei vollem
Bewußtsein geht er als junger weißer Elefant mit sechs
Stoßzähnen zur rechten Seite in den Leib seiner Mutter ein, als diese
gerade Fastentage hält. Derweilen schläft Maya beseligt auf ihrem
Lager ein und träumt, daß sie noch nie zuvor so etwas Schönes
gesehen und gehört, nie eine ähnliche Freude empfunden
habe.“
Königin Maya starb sieben Tage nach der Geburt. Mayas Schwester, die
Zweitgemahlin Siddhartas Vaters, nahm den Neugeborenen in Pflege.
Obwohl Siddharta als Kind all die Annehmlichkeiten genoss, die ihm sein
Vater zuteil werden ließ, wuchs er zu einem recht ernsthaften jungen Mann
heran. Er erhielt die bestmögliche religiöse und weltliche Ausbildung
und wurde als der zukünftige politische und militärische Herrscher
seiner Sippe erzogen.
Siddharta wurde während seiner Kindheit gegen alle bedrückenden
Erfahrungen wie Alter, Krankheit und Tod abgeschirmt. Sein Vater wollte ihn auf
diese Weise vor dem wersten Teil einer Prophezeiung bewahren, die zu seiner
Geburt ausgesprochen worden war. Danach würde das Kind entweder ein
bedeutender spiritueller Lehrer oder ein grosser Krieger und weltlicher
Führer werden. Der Vater hoffte natürlich, dass sein Erstgeborener
seinem Vorbild folgen würde, und diesem Wunsch entsprechend wurde er
ausgebildet. Siddharta wurde alles geboten was er sich nur wünschen konnte.
Bei einem Staatsbesuch außerhalb des königlichen Bezirks
versäumten es seine Begleiter jedoch, den Befehlen des Königs in
vollem Umfang zu folgen und Siddharta sollte schließlich das erblicken,
was sein Vater vor ihm verheimlichen wollte. Als man ihm erklärte, dass
dies das ganz gewöhnliche Schicksal der Menschen war, keimte in ihm der
Wunsch, den Grund für das Leiden und, falls möglich, einen Ausweg zu
finden. Mit 29 Jahren hatte er sich entschlossen seine Suche zu beginnen. In der
Überzeugung einen Ausweg aus diesem menschlichen Dilemma finden zu
können, verließ er den Palast, seine Frau und seinen eben erst
geborenen Sohn. In den folgenden sechs Jahren suchte Siddharta Gautama als
wandernder Bettelmönch bei den Lehren und Praktiken der Philosophen jener
Tage nach Erkenntnis. Manche lehrten, dass man sich selbst verwöhnen
müsse, um durch übermäßiges Essen, Trinken und sexuelle
Praktiken Verachtung für die Bedürfnisse des eigenen Körpers zu
entwickeln. Einige aßen nur einen einzige Pflanze oder Frucht. Etliche
betrieben Selbstgeisselung oder ließen sich von anderen körperlich
peinigen. Viele ergingen sich in allen möglichen Arten von Yogaübungen
und fielen in tiefe Trancezustände, andere nahmen an bedeutsamen
Diskussionen teil. Doch durch keine dieser Praktiken fand Siddharta zu seinen
ersehnten Antworten.
Schließlich versuchte er es mit langem und extremem Fasten. Sein
Körper sollte dadurch so ausgezehrt und schwach werden, dass Siddharta
eines Morgens beim Baden in einem Strom fast ertrunken wäre. Er nahm etwas
zubereitetes Essen an und wurde dafür von den fünf Asketen verurteilt,
die ihn begleiteten. Daraufhin überdachte er seine Erfahrungen der
vergangenen Jahre und stellte fest, dass keine ihm die erhoffte Weisheit
gebracht hatte.
Als er wieder gesund wurde, schwor er, so lange unter einem Pippalbaum
(Ficus religiosa) zu sitzen und zu meditieren, bis er zu jener Weisheit gelangte
oder starb. Der Baum, der später als Bodhi-Baum bekannt wurde, stand in
Bodh Gaya in Indien. Dieser Ort wurde nach Kusingara, wo der Buddha starb, der
von buddhistischen Pilgern am meisten verehrte Ort.
Siddharta saß im Gras, im so genannten Lotussitz, die Hände im
Schoß, die rechte Hand auf der linken, und begann seine folgenschwere
Suche. Buddha widerstand während 49 Tagen jeder Verlockung und erkannte
schließlich die tiefe Wahrheit: Die Ursache des Leidens sind das Begehren
und das Nichtwissen. Ihm wurde bewusst, dass die Welt darum so unglücklich
ist, und er erschaute, wie man dieses Unglück in seiner Gänze
überwindet: indem man aufhört zu begehren.
Die Nacht des Wesak, in der Siddharta Gautama diese Erkenntnis am
Fluß Neranja unter dem Baum der Erleuchtung gewann, wird noch heute von
den Buddhisten als heilige Nacht gefeiert.
An dieser Stelle scheint es angemessen, auf die großen Unterschiede
zwischen dem Buddha und den zentralen Gestalten anderer Religionen hinzuweisen:
Buddha war nicht der Abkömmling eines Gottes und hat dies auch niemals
geäußert. Er erhielt keine Botschaften und Anweisungen aus
mysteriösen Quellen. Erleuchtung hatte nichts mit Engelsboten oder
göttlichen Stimmen zu tun. Erleuchtung war etwas, das man für sich
selbst entdecken musste – und das gilt auch heute noch. Er behauptete
niemals, sein Weg sei der einzig richtige, sondern lud jene, die es
wünschten, ein, seinen Weg zu erproben. Der Buddhismus setzt nicht auf
Proselyten, er will die Menschen nicht bekehren. Der dharma – die Lehren
des Buddha – wird an Einzelne oder Gruppen weitergegeben, die darum
bitten. Der Lehrer sucht nicht nach seinen Schülern. Der Buddha nahm sich
aller an, die zu ihm kamen, ob Könige, Brahmanen, Wanderasketen, Verwalter
oder Sudras. Auch der Frauen nahm er sich an.
DIE „VIER EDLEN
WEISHEITEN“
UND DER „ACHTFACHE
PFAD“
Was sind die Hauptlehren des Buddhismus? Sehr kurz gefasst bezeichnet man
sie gewöhnlich als Leiden (dukha), Unbeständigkeit (Aanicca) und
Nicht-Selbst (anatta).
Die wichtigsten Inhalte, aud die sich die buddhistische Lehre stützt,
sind die Vier edlen Weisheiten und der Achtfache Pfad.
Ü
Die erste Wahrheit...
... behauptet, alles Leben sei Leiden (dukha). Das Leben mündet
zwangsläufig in der
Krankheit, dem Altern und dem Tod. Doch Leiden besteht nicht immer
nur aus
Schmerzen, Kummer und Sorgen. Auch Freude und Lust sind unabwendbar
mit
dem Leiden verknüpft.
Ü
Die zweite Wahrheit...
... bezeichnet den Ursprung des Leidens: es ist der Durst. Gemeint ist
das
Begehren, die Gier, die unablässig befriedigt werden
möchte. Auch das
„Sterben-Wollen“ ist eine besondere Form des
„Durstes“. Buddha betrachtete
den Menschen als verkörperte Lebensgier. Sie führt dazu,
dass neues Karma
entsteht; eine neue nächste, leidvolle Wiedergeburt wird
notwendig werden.
Ü
Die dritte Wahrheit...
... zeigt, dass es einen Ausweg aus dem Leiden gibt. Jeder muss selbst
dafür sorgen,
dass die Begierde in ihm erlischt. Doch wie sieht dieses Aufgeben
der Gier aus?
Aus diese Frage hat der Buddhismus in seiner Geschichte
verschiedene
Antworten gegeben. Die einen hofften, das Erlöschen der
Trischna durch
schwere Selbstkasteiung zu erreichen, die anderen durch das
abgeschienene
Leben im Kloster, die dritten durch eine rein geistige
Distanzierung von der
Welt.
Ü
Die vierte Weisheit...
... beschäftigt sich mit folgender Frage: Welches ist der wahre
Weg zur Erlösung?
Der „edle, achtgliedrige Pfad“ weist den rechten Weg,
der zur Pforte des
Nirwana führt. Er wird im Rad der Lehre mit seinen acht
Speichen symbolisiert.
Vom Grundkonzept seiner Lehre her kennt Buddha bei denen, die ihm
auf dem
Weg zur Erleuchtung nachfolgen, keinen Unterschied der Abstammung
(Kaste),
Herkunft, Rasse oder Religion, wie aus des Alters oder gar des
Geschlechts.
Entscheidend ist für ihn, dass alle (Männer wie Frauen,
Mönche wie Nonnen)
den achtfachen Pfad gehen. Dieser gibt praktische Anweisungen
für die
Lebensführung und weist den Weg zur Überwindung des
Leidens.
DER ACHTGLIEDRIGE
PFAD
- Rechte Ansicht
Das Karma hat eine
Wirkung und alle Dinge weisen Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und
„Nicht-Ich“ auf.
- Rechte Einstellung
Sie wird
gebildet aus der Einstellung des Verzichts, der Gewaltlosigkeit, des Mitleids
und der liebenden Güte. Sie beschreibt die Haltung, mit der man sich selbst
und andere betrachten und behandeln sollte.
- Rechte Rede
Dies bedeutet nicht
zu lügen, keine groben Worte zu benutzen und nicht zu tratschen oder
übel Nachrede zu äußern.
- Rechtes Handeln
Man darf nicht
töten, stehlen und unerlaubten Geschlechtsverkehr haben.
- Rechter Lebensunterhalt
Es ist
untersagt Berufe auszuüben, die schädlich für einen selbst oder
andere sind (z.B.: Handel mit Fleisch, berauschendem Getränk, Gift, Waffen,
Lebewesen)
- Rechte Anstrengung
„Alles
Schlechte aufzugeben, das Gute zu entfalten, seinen Geist zu reinigen, das ist
die Lehre des Buddha.“
- Rechte Achtsamkeit
Die 4
Grundlagen der Achtsamkeit sind...
Ü Körper:
besteht aus 4 Grundelementen: Erde, Feuer, Wasser, Wind. .
Die Buddhisten betrachten seine Widerlichkeit
(Körperhaar, Kopfhaar,
Finger- und Fußnägel, Zähne, Haut,
Fleisch, Sehen, Knochen, Mark,
Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lungen,
Dickdarm, Dünndarm,
Kehle, Fäkalien, Galle, Lungenschleim, Eiter,
Blut, Schweiß, Fett,
Tränen, Speck, Speichel, Nasenschleim,
Gelenkschmiere, Urin) und
seine Vergänglichkeit (man stellt sich
die verschiedenen Stadien der
Leiche vor, bis sie zu Staub verfallen
ist).
Ü
Gefühle: Das Verständnis der Vergänglichkeit der
Gefühle nimmt den
Gefühlen viel von der Macht über
uns.
Ü
Geist: Die Buddhisten versuchen sich ganz klar bewusst zu
sein, in welchem
Zustand er ist (konzentriert oder zerstreut, Lust,
Hass, Ignoranz....)
Ü
Geistesobjekte: Man ist sich der Vergänglichkeit der 5
Anhaftungsgruppen
(Form, Gefühl, Wahrnehmung,
Willensentschluss,
Bewusstsein) bewusst.
- Rechte Konzentration
im
großen und ganzen Meditation
RICHTUNGEN
Buddha hat vor seinem Tode keine Nachfolger eingesetzt, sondern seinen
Jüngern gesagt, fortan solle die Lehre ihr Meister sein. Da die Mönche
aber über die Auslegung der Lehre und die Vorschriften des Meisters bald
uneins wurden, bildeten sich verschiedene Richtungen:
Ü
Großes Fahrzeug: (Mahayana)
Seinen Namen hat die Richtung davon, weil alle Menschen mit einem
großen
Fahrzeug in das Nirwana gelangen. Sie entstand im ersten Jahrhundert
nach
Christus.
Ü
Kleines Fahrzeug: (Hinayana)
Im Gegensatz zum Mahayana gelangen mit dem kleinen Fahrzeug nur
Mönche ins
Nirwana. Der Hinayana-Buddhismus stellt den strengsten mönchischen
Buddhismus
dar.
Ü
Diamantenes Fahrzeug: (Yajrayana)
Dies ist die Bezeichnung einer Richtung, nach deren (Geheim-) Lehre man
mit
Hilfe von Riten, heiligen Sprüchen und Formeln wie mit einem
Fahrzeug den
Ozean des Kreislaufs des leidvollen Daseins überqueren und ans
jenseitige Ufer,
Nirwana, gelangen kann.
ALLGEMEINES
Wie wird man Buddhist?
Zuerst einmal muss man das Bedürfnis haben „Zuflucht“ zu
suchen. Das bedeutet, dass man zumindest eine gewisse Vorstellung davon hat,
worauf man sich einlässt (es sei denn, eine Person folgt einfach dem
Vorbild der Eltern oder das Bedürfnis entspringt einem kulturellen
Hintergrund – beides sind häufige Gründe Buddhist zu werden).
Man geht zu einem Mitglied der Sangha derjenigen buddhistischen Schule oder
Gemeinschaft, die man für sich ausgewählt hat, und bittet um die
Gewährung von Zuflucht. Nun werden das Gelübte und die Fünf
Buddhistischen Regeln erklärt. Ist man mit all den Erklärungen
einverstanden, wird eine Zeremonie vorbereitet. Es ist üblich, durch
Opfergaben die Kosten zu tragen, doch kein aufrichtiger Kandidat würde
zurückgewiesen, weil er dafür zu arm ist.
Die Zeremonie findet im Tempel statt, dies ist jedoch nicht
ausdrücklich vorgeschrieben. Ob die Zeremonie einfach oder sehr festlich
ist, hängt von den Konventionen der jeweiligen Kultur ab. Dreimal
erklärt man, dass man Zuflucht begehrt bei dem Buddha, dem Dharma und dem
Sangha. Anschließend erhält man die Fünf Buddhistischen Regeln,
nach denen man als buddhistischer Laienanhänger zu leben
versucht.
- Nicht lügen
- Nicht stehlen oder nehmen, was nicht angeboten wird
- Nicht töten
- Keine ungesetzlichen oder unnatürlichen sexuellen Praktiken
- Keine Rauschmittel (Drogen, Alkohol u.s.w), die den Geist trüben und
den Menschen dumm machen.
Es gibt drei weitere Regeln, die man in gewissen Abständen für
jeweils einen Tag befolgt:
- Am Tag nur eine Mahlzeit, und zwar vormittags, zu sich nehmen
- Nicht auf einem erhöhten Bett schlafen (das heißt auf
Bequemlichkeit und Luxus verzichten)
- Sexuelle Abstinenz
Mönchtum
- Ich beobachte das Gebot, mich zu enthalten des Essens zu ungehöriger
Zeit.
- Ich beobachte das Gebot, mich zu enthalten des Tanzes, Singens, der Musik
und unanständiger Schauspiele, ferner des Gebrauchs von Blumenkränzen,
Wohlgerüchen, Schönheitsmitteln, Salben und Schmuckstücken.
- Ich beobachte das Gebot, mich zu enthalten der Benutzung hoher und breiter
Betten.
- Ich halte das Gebot, mich zu enthalten des Annehmens von Gold und
Silber.
- Ich halte das Gebot, keinen Besitz außer den acht Utensilien eines
Asketen zu haben. ( 3 Kleidungsstücke, 1 Gürtel, 1 Nadel, 1
Almosenschlae, 1 Wassersieb, 1 Rasiermesser)
- Ich halte das Gebot, mich zu enthalten jedem
Geschlechtsverkehr.
Im Leben eines jeden Mönchs sind der Eintritt in die
Mönchsgemeinschaft und die Mönchsweihe die beiden großen
Rituale. Ein Novize muß mindestens 15 Jahre alt sein, wenn er die Tonsur
des Haupthaares und des Bartes empfängt und mit dem ockergelben
Mönchsgewand bekleidet wird. Für seinen weiteren geistig-geistlichen
Fortschritt tragen zwei Helfer die Verantwortung, die ihm bei seinem Eintritt
zugewiesen werden: ein Begleiter und ein Lehrmeister (Guru). Mit dem Ablauf der
Probezeit, nicht vor dem 20. Lebensjahr, kann der Novize die Weihe zum
Mönch empfangen, die von mindestens 10 Mönchen vorgenommen
wird.
Was ist das Ziel eines
Buddhisten?
Nach buddhistischer Auffassung ist die Wurzel des Leides die Unwissenheit
und das daraus erwachsende Begehren. Unwissenheit aber muss, so Buddha, durch
die differenzierte Macht der Weisheit überwunden werden. Hören,
Meditieren und Nachdenken sind es, die den buddhistischen Jünger Zeit
seines Lebens beschäftigen, um zur „rechten Erkenntnis“ zu
gelangen. Alles ist ein ständiges Werden und Vergehen. Vor diesem
Hintergrund muß man auch die buddhistische Überzeugung sehen,
daß der Mensch durch unendlich viele Wiedergeburten nie ein echtes Selbst
besitzt. Bei jedem neuen Erdenleben verbrennt das jeweils angesammelte negative
Karma (Schuld) aus dem vorangegangenen Dasein. Die menschliche Existenz ist
folglich – wie sehr wir uns subjektiv auch als Individuen erleben
mögen – nur der auflodernde Verbrennungsprozeß des Karmas,
sozusagen das Abarbeiten einer in vorangegangenen Leben erworbenen Schuld. Das
restlose Erlöschen dieser Flamme ist das Ziel des Buddhismus und wird
Nirwana (Erlösung) genannt.
Das Buddhistische Weltbild
Alles ist aus ewigem Raum hervorgegangen, und in diesem Bereich materiellen
Geschehens schwebt ein Makrokosmos unendlich vieler Weltsysteme nebeneinander.
Jede von ihnen hat eine Ober-, Mittel- und Unterwelt. In der Unterwelt liegen
die heißen und kalten Höllen, in denen Übeltäter
schreckliche, zeitlich begrenzte Qualen erleiden. Darüber erhebt sich die
von Meeren umflossene Erdscheibe mit dem Berg Meru als Mittelpunkt, um
den sich vier meerumspülte Erdteile legen. Auf der Erde leben Tiere,
Menschen, Geister und Dämonen. Um den Meru herum kreisen Sonne, Mond und
Sterne, und auf ihm und in den fliegenden Palästen über ihm wohnen
Götter. Über der Region der Begierde der alle bisher genannten
Stockwerke angehören, erstrecken sich die Regionen der „reinen
Formen“ und der „Nicht-Formen“ in denen begierdelose
Götter leben.
Der Buddhistische
Festkalender
Als Beginn der buddhistischen Zeitrechnung gilt das Jahr, in dem Buddha ins
Nirwana eingeht. Der buddhistische Festkalender richtet sich nicht nach dem
Sonnen-, sondern nach dem Mondjahr und enthält daher bewegliche Festtage.
Besondere Festtage sind:
Ü Buddhas Geburt,
Erleuchtung, Tod und Eingang ins Nirwana
Ü Sterbetage
großer buddhistischer Heiliger
Ü Sterbetage von
Stifter von Schulen und Richtungen
Jährlich wiederkehrende Feste sind:
ÜNeujahrsfest
ÜTempelweihfest
ÜWeihefest eines
Klosters
ÜFeste zu Ehren
von Verstorbenen
Im Mai wird das Wesa-Fest gefeiert. Dafür gibt es drei
Gründe: Buddha wurde geboren, Buddha bekam in der heiligen Nacht das Wissen
und ging nach seinem Tod ins Nirwana ein. (Zu diesem Fest werden immer
Postkarten an Bekannte verschickt, die Familie wird reich beschenkt, Pilger
werden zum Essen eingeladen, Straßen werden geschmückt)
Am 15. Tag des sechsten Monats findet das große Esala
Perahera-Fest statt. Es erinnert daran, dass Buddha auch dem Palast seiner
Eltern ausgezogen ist, und dass er seine erste Predigt gehalten hat. An diesem
Tag findet in Kandy ein großer Umzug statt, wo der Zahn Buddhas in einem
sehr großen Behälter aufbewahrt wird. Am Esala Perahera wird dieser
Zahn auf dem Rücken eines Elefanten durch die bunt geschmückten
Straßen getragen.
Gibt es auch im Buddhismus heilige
Bücher?
Das wichtigste heilige Buch heißt Tripitaka, der Dreikorb, weil die
auf Palmblättern geschriebenen Texte in drei Körben gesammelt wurden.
Der erste Korb enthält die Regeln für das Leben der Mönche und
Nonnen. Der zweite Korb erzählt vom Leben Buddhas und enthält seine
Predigten. Der dritte beschäftigt sich mit der Lehre.
FRAGEN &
VORURTEILE
Gibt es im Buddhismus „Gebote“ wie im
Christentum?
Nein, es gibt nur Regeln. Und Regeln sind keine Gebote. Im Buddhismus gibt
es kein „du sollst nicht“. Wenn etwas einem Gebot ähnelt, dann
ist es die Aufforderung „denke“: Denke über das nach was du
tust, warum du es tust und welche Konsequenzen es vermutlich haben wird. In
dieser Hinsicht bemühen sich Buddhisten um rechtes Handeln und die
Vermeidung extremen Verhaltens. Sie versuchen dem „Mittleren Weg“ zu
folgen.
Sind alle Buddhisten
Vegetarier?
Dem ist nicht so. Der Vegetarismus im buddhistischen Glauben erklärt
sich durch die Regel, nicht zu töten. Hinter dieser Regel steht der
ursprüngliche Gedanke, dass alles Leben heilig ist und dass es darum
grausam und unnötig ist, Tiere für religiöse Opfer zu töten.
In den Texten finden wir folgende Aussage des Buddha: „Esst, was man euch
gibt, doch verlangt nicht, dass ein Tier für euch getötet wird.“
Wenn die Mönche und Nonnen jeden Morgen mit ihren Bettelnäpfen in die
Dörfer oder Städte gingen, schauten sie nicht auf das, was die Laien
in ihre Näpfe legten, und niemals hätten sie bestimmte Wünsche
geäußert oder irgendetwas abgelehnt. Was sie erhalten hatten,
brachten sie der Gruppe und aßen es gemeinsam als einzige Mahlzeit des
Tages.
Sexualität und
Zölibat
Die Regel des Zölibats aus dem früheren Buddhismus entstammte
keineswegs der Auffassung, Sexualität sei „sündhaft“,
„schmutzig“, unwichtig oder unanständig. Der Grund dafür
bestand ganz einfach darin, dass sexuelle Aktivität nicht zu dauerhafter
Befriedigung führt und somit ein wiederkehrendes Verlangen darstellt. Ein
weiterer Grund ist, dass sie den Geist von der tiefen Versenkung ablenkt, die
notwendig ist, um in möglichst kurzer Zeit zur Erleuchtung zu gelangen. Es
wurden einige ausgesprochen abstoßende Übungen entwickelt, um jenen,
die in Zukunft im Zölibat leben sollten, zu helfen. Vor allem führten
sie jedoch u der verbreiteten Ansicht, dass der Buddha Frauen hasste, dass ihm
Sex zuwider war. Doch nichts könnte in größerem Widerspruch zu
den eigentlichen Lehren des Erleuchteten stehen. In seinen Lehrreden spricht
der Buddha über die Schwierigkeiten des Zölibats für die
Mitglieder der Sangha:
„Mönche, keine Gestalt, die ich erblicke, ist so
verführerisch, so begehrenswert, so berauschend, so verwirrend, solch ein
Hindernis auf dem Weg zu unübertrefflichem Frieden, Mönche, wie die
Gestalt einer Frau.“
Dieser Ermahnung folgt der Rat, sich die begehrenswerte Gestalt als einen
Sack aus Haut gefüllt mit Eiter, Blut, Knochen, Schleim, Urin und Kot
vorzustellen.
Im Buddhismus soll niemand persönliche Wünsche oder Gelüste
unterdrücken, ob es sich nun um Speisen, Seelentrost, Sex, Anerkennung oder
irgendetwas anderes handelt. Vielmehr versucht man zu ergründen, wie und
warum diese Bedürfnisse entstehen und wie man sie als eine Art Werkzeug
für sich einsetzen kann, statt sie als Hindernisse zu betrachten, wenn sie
sich nicht einfach beseitigen lassen.
Meditation
Als erstes sollte man sich unbedingt klar machen, dass die Meditation im
Buddhismus nichts mit einem Trancezustand zu tun hat. Eine Person, die sich in
Trance befindet, nimmt nicht wahr, was um sie herum geschieht, daher auch die
erstaunlichen Leistungen, die gewisse Yogimeister mit ihrem Körper
vollbringen können. Bei der Meditation im Buddhismus hingegen wird man sich
der Dinge umso bewusster, da der Geist nicht jedem Sinneseindruck und jedem
Gedanken nachjagt. Das Bewusstsein wird geschärft, ist jedoch gleichzeitig
von jeder Form des Festhaltens und Anhaftens befreit.
Wir neigen zu der Annahme, dass wir in wachem Zustand alles bewusst
wahrnehmen. Wie viel tatsächlich zwischen uns und einem wachen Bewusstsein
steht, erkennen wir dabei nicht. Ständig lassen wir uns durch Radio,
Fernsehen, Zeitung, Filme und unablässige Grübeleien ablenken, sodass
unser Geist unentwegt beschäftigt ist. Wir haben uns daran gewöhnt
ständig „unterhalten“ zu werden. Lieber beschäftigen wir
uns mit allen möglichen Ablenkungen, statt zu erkennen, wie die Dinge
wirklich sind und was, als Konsequenz daraus, für uns wichtig ist. Wichtig
ist die Tatsache, dass unsere Wahrnehmung durch unsere Sinne und unsere ganz
persönliche Prägung getrübt ist. Wir müssen die hektische
Aktivität unserer Gedanken abstellen und uns dadurch die Möglichkeit
geben zu erkennen, was tatsächlich geschieht.
Im Buddhismus fördert man die Meditation nicht durch angenehme
Klänge und beruhigende Vorstellungen von sich selbst in einer schönen
Umgebung. Derartige Übungen sind nützlich, um sich auf schnelle Art
und Weise von großem Stress zu erholen, aber stets handelt es sich dabei
nur um eine zeitweilige Flucht. Im Grunde stellen diese populären Formen
der Meditation nur eine weitere Strategie dar, um sich wieder einmal der
Realität einer Situation entziehen zu können.
Wollen wir erfahren worum es sich bei Meditation tatsächlich handelt,
müssen wir uns mit der korrekten Übersetzung des Wortes bhavana
beschäftigen. Das aus dem Sanskrit kommende Wort bedeutet Entfaltung oder
Kultur, geistige Entfaltung, geistige Kultur. Gemeint ist geistiges Yoga, und
zwar deutlich unterschieden von dem rein körperlichen Yoga. In der
buddhistischen Meditation wird die Kontrolle des Geistes entfaltet, und zwar die
Kontrolle des eigenen Geistes. Diese ist so wichtig, weil der Geist den Weg
bestimmt, den der Körper beschreitet, zum Guten wie zum Schlechten. Die
buddhistische Meditation hilft vor allem jenen, die erkennen wollen, worum es im
Leben geht und warum sich die Dinge auf eine bestimmte Weise ereignen.