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clemens clemens clemens
Referat

TitelAggressionen und Möglichkeiten der Aggressionsvermeidung 
Anzahl Worte7805 
SpracheDeutsch 
ArtSpezialgebietsausarbeitung 
SchlagworteVerhaltensforschung; Sigmund Freud; Konrad Lorenz; Emotionen 
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Auszug aus dem Referat (ohne Grafiken)

Aggressionen und Möglichkeiten zur Aggressionsverminderung


Der Begriff „Aggression“

Unter Aggression kann sich jeder etwas vorstellen. Die Frage ist nur, stellen sich alle dasselbe vor?
Die Unterschiede im individuellen Begriffsverständnis können sehr vielfältig sein. Manche Menschen denken nur an intensives Verhalten, wie körperliche oder verbale Angriffe oder Sachbeschädigung. Für andere Menschen ist aber auch schon Missachtung oder mangelhafte Hilfeleistung eine Art der Aggression. Für manche gehört zur Aggression eine affektive Erregung (Ärger, Wut). Viele Menschen sprechen nur dann von Aggression, wenn sie das Verhalten ungerecht finden. Und einige fassen vor allem das Adjektiv „aggressiv“ so weit, dass jedes offensive, energische oder tatkräftige Handeln sich mit einschließen lässt.
Auch in der Psychologie gibt es keine eindeutige Definition für Aggression. Es ist schwer eine Grenze zwischen aggressiven und nichtaggressiven Verhalten zu ziehen.
Einige Definitionsmöglichkeiten:

Verhalten oder Emotion?

In den meisten Definitionen heißt es, Aggression sei ein „Verhalten, welches ...“. In weiter gefassten Definitionen ist auch von Disposition, Energie und anderen Escheinungen die Rede, die eher so etwas wie eine innere Bereitschaft, aggressiver Impulse und dergleichen meinen.
Doch nicht jedes aggressive Gefühl drückt sich auch in aggressivem Verhalten aus, und nicht jedes aggressive Verhalten beruht auf aggressiven Gefühlen. Beispielsweise beruhen aggressive Handlungen aus Gehorsam oder zwecks Bereicherung nicht auf aggressiven Emotionen. Es kann beim Versuch der Aggressionsverminderung sinnvoll sein, die Gefühle so zu akzeptieren, wie sie sind, aber das Verhalten- die Art, wie man die Gefühle ausdrückt- zu verändern. Zwischen aggressiven Verhalten und aggressiven Emotionen gibt es also keine feste Bindung.
Typische Erscheinungsformen aggressiven Verhaltens:

Obwohl es solche typischen Erscheinungsformen gibt, kann sich auch hinter äußerlich sanften und unauffälligen Verhaltensweisen durchaus eine aggressive Intention verstecken. Einige Beispiele:

Erklärung aggressiven Verhaltens

Aggressionen gibt es in ungemein vielfältigen Erscheinungsformen. Trotz ihrer äußerlichen Unterschiede fallen sie alle unter denselben Begriff der Aggression, weil sie gemeinsam das Definitionsmerkmal des mehr oder minder gezielten Schädigens erfüllen.
Die klassischen Aggressionstheorien der Psychologie versuchen, jeweils auf ihre Weise, die menschliche Aggression zu erklären:
Im Organismus gibt es eine angeborene Quelle, die spontan und fortwährend aggressive Impulse produziert. Diese müssen in der einen oder anderen Form, wenn auch nicht unbedingt zerstörerisch, zum Ausdruck kommen. Anderenfalls führen sie zu seelischen Störungen.

Der Todestrieb bei Freud
In seinem berühmten Aufsatz „ Das Unbehagen in der Kultur“ (1930) spricht Freud von der „angeborenen Neigung des Menschen zum Bösen“, zur Aggression, Destruktion und damit zur Grausamkeit. Früher hatte Freud angenommen, dass Aggression eine elementare Reaktion auf alle Behinderungen und Versagungen (Frustrationen) der sexuellen und lebenserhaltenen Bedürfnisse ist. Heute ist sie, in den Worten Erich Fromms (1974, S.15) „ein ständig fließender Impuls, der in der Konstitution des menschlichen Organismus wurzelt“.
Laut Freud muss es außer dem lebenserhaltenen Trieb, dem Eros, einen anderen, ihm gegensätzlichen geben, der diese Einheiten aufzulösen und in den uranfänglichen anorganischen Zustand zurückzuführen strebt. Also einen Todestrieb. Das Todesziel bedeutet zugleich eine Erfüllung des „Nirwanaprinzips“. Damit meint Freud die Tendenz des Organismus, Spannung zu reduzieren und einen Zustand der Spannungslosigkeit herbeizuführen.
Das eigentliche Ziel des Todestriebes ist die Selbstzerstörung und deshalb muss erklärt werden, wie der Mensch mit einem Todestrieb leben kann. Nach Freud wirkt der Todestrieb- außer in pathologischen Ausnahmefällen (extrem: Selbstmord)- nie frei für sich allein, sondern in einer Mischung der Energie des lebenserhaltenen Eros, der Libido. So ist der Sexualakt eine Aggression mit der Absicht der innigsten Vereinigung (1938, S.71). Zweitens lenkt der Eros die Energie des Todestriebes über das Muskelsystem nach außen, und somit tritt dieser als Aggression in Erscheinung.
Der Aggressions- oder Destruktionstrieb ist also der abgelenkte Todestrieb des Menschen. Das Lebewesen schützt sein eigenes Leben dadurch, dass es Fremde zerstört.
Da die Ablenkung, also die Aggression, gegen andere von der menschlichen Gesellschaft wenig gestattet wird, wird die Aggression zum Teil „dorthin zurückgeschickt, wo sie hergekommen ist“, als sich gegen das eigene Ich wendet.

Vergleichende Verhaltensforschung: Vom Mensch zum Tier
Lorenz’ Theorie
Der Tierverhaltensforscher Konrad Lorenz formuliert was die Lehre vom Aggressionstrieb bedeutet: „Die Spontaneität des Instinktes ist es, die ihn so gefährlich macht.
In unserem Organismus werden also ständig aggressive Impulse erzeugt, die sich so lange aufstauen, bis eine bestimmte Schwelle überschritten wird. Dann kommt es zur Entladung in einer Aggressiven Handlung. Nach dieser Aggressionstheorie ist der Mensch nicht wütend, weil ihm z.B. Ärgerliches widerfuhr, das hat nur das Ventil geöffnet, sondern weil der spontane Trieb wieder einmal entladen musste. Nach der „Abreaktion“ herrscht Ruhe, bis wieder ein gewisser „Druck“ erreicht ist.
Je länger die Entladung aufgeschoben wird, um so größer ist der Triebstau und damit umso kleiner der Anlass, der für einen aggressiven Ausbruch nötig ist.
Im Extremfall kann es nach Lorenz sogar ohne äußeren Auslöser zu aggressiven Abreaktionen kommen (Lehrlaufreaktion).
Da Aggression nach Lorenz ein angeborener Instinkt sehr vieler Trierarten und eben auch des Menschen ist, muss für jeden, der darwinistisch zu denken gelernt hat, ein solcher Trieb einen arterhaltenden Sinn haben. Lorenz definiert daher Aggression als den „auf Artgenossen gerichteten Kampftrieb von Tier und Mensch“.
Den biologischen Zweck dieser innerartlichen Aggression beschreibt Lorenz unter dem Titel „Wozu das Böse gut ist“ in folgenden Funktionen:
  1. Die Artgenossen stoßen sich gegenseitig ab; auf diese Wiese verteilen sie ihren Lebensraum, dass jeder sein Auskommen hat.
  2. Die Auswahl der besten, d.h. stärksten, für die Fortpflanzung wird gewährleistet (in sogenannten Rivalenkämpfen).
  3. Damit wird zugleich die Selektion eines kämpferischen Familienverteidigers für die Brutpflege gesichert.
  4. Bei in Gemeinschaft lebenden höheren Tieren dient die Aggression auch der Bildung von Rangordnungen, die für die Gemeinschaft von Bedeutung sind.

In der heutigen Situation kommt nach Lorenz als Problem für den Menschen hinzu, dass die Hemmungsmechanismen, die jede Art neben ihrem Aggressionstrieb zur Vermeidung einer grenzenlosen gegenseitigen Ausrottung mitbekommen hat (z.B. Demutsgebärden bei Tieren, Schreien des Opfers beim Menschen) durch die Entwicklung von Fernwaffen, deren Wirkung man nicht mit ansehen muss, außer Kraft gesetzt werden.
Als Ethologe beschäftigt sich Lorenz in erster Linie mit dem Verhalten von Tieren. So werden bei dem wichtigen Punkt der Spontaneität der Aggression der Schmetterlingsfisch, der Drückerfisch und der Buntbarsch genannt. Doch insgesamt ist bei Lorenz kein einziger stichhaltiger Beweis dafür zu finden, dass das aggressive Verhalten von Menschen nach dem Modell des Buntbarsches zu erklären ist.
Andere Ethologen weisen sogar darauf hin, dass der biologische Sinn einer spontanen Aggression kaum möglich ist, da sich die Tiere damit unnötig in Gefahr begeben würden.

Aggression beruht auf aggressiven Impulsen, die nicht spontan, sondern als Reaktion auf störende, unangenehme Ereignisse, sogenannte Frustrationen, entstehen. Einmal entstanden, müssen sie sich in irgendeiner Aggressionsform äußern.
Diese bei weitem populärste Vorstellung geht davon aus, dass Aggressionen eine Reaktion auf negative, frustrierende Erfahrungen ist. Im Jahre 1939 veröffentlichten die Amerikaner Dollard, Doob, Miller, Mowrer und Sears das Buch „Frustration und Aggression“. Sie definierten Frustration als Störung einer zielgerichteten Aktivität. Mit dieser Definition lagen sie recht nahe am lateinischen Ursprung des Wortes: frustra= vergebens.

Hindernisfrustration: Barrieren, Fehlschläge
Eine Frustration im engeren Sinn liegt vor, wenn eine zielbezogene Aktivität durch eine Barriere gestört wird. Dieser Typ wird Hindernisfrustration genannt.
Es reicht nicht aus, dass ein Wunsch unerfüllt bleibt, es muss eine Aktivität in Richtung auf ein Ziel in Gang gekommen sein (eine erwartete Zielrichtung bzw. Befriedigung wird verhindert).

Experiment von Tamara Dembo:
Eine Versuchsperson musste sich in ein Quadrat von 2.5m stellen. Außerhalb des Quadrats stand ein Holzblock mit einer Blume. Die Versuchsperson hatte die Aufgabe, die Blume zu ergreifen, ohne dabei mit den Füßen das Quadrat zu verlassen. Es gab zwei Lösungen: 1. man konnte einen innerhalb des Quadrats stehenden Stuhl nach außen stellen, sich mit einer Hand darauf stützen und die Blume ergreifen; 2. man konnte sich niederknien und dabei die Füße im Quadrat lassen. Die Lösungen wurden im allgemeinen nach einiger Zeit gefunden. Nun sagte die Versuchsleiterin es gäbe noch eine dritte Möglichkeit, die es jedoch nicht gab. Die Versuchspersonen stießen bei ihren Lösungsversuchen über eine unüberwindliche Barriere. Auf diese Weise wurden sie frustriert.
Mit zunehmenden Misserfolgen der Teilnehmer kam es
Die Frustration hatte also auf die meisten Versuchspersonen eine deutliche Wirkung. Es gab jedoch auch einige, die ohne Ärger blieben und kein aggressives Verhalten zeigten.
Ebenso ist im Alltag oft zu beobachten, dass Menschen auf ein Hindernis oder einen Fehlschlag keine aggressiven Reaktionen zeigen. Wenn aggressives Verhalten nur eine der möglichen Frustrationsfolgen ist, welches sind dann die nichtaggressiven?
Mögliche Alternativen:

Provokation: Angriffe, Belästigungen
Zur Frustration im weiten Sinne lassen sich Bedingungen zählen, die nicht eine Zielaktivität stören, sondern einfach aversiv auf einen Menschen einwirken. Das können physische Einwirkungen wie Lärm oder Hitze sein. Vor allem aber ist an körperliche Angriffe wie Beleidigungen, Drohungen, Belästigungen und andere unfreundliche Behandlungen durch andere Menschen zu denken. Die Vorkommnisse bezeichnet man als Provokation und die Reaktion auf solche Provokationen ist oft ein aggressives Verhalten. Einige Experimente zur Hindernisfrustration enthielten auch Elemente, die als Provokation angesehen werden können. Es sind nämlich meist andere Personen, die das Hindernis verursachen.
Doch auch bei Provokationen sind nicht- aggressive Reaktionen möglich. Je nach Einzelfall können das sein:

Physische Stressoren

Neben schlechter Behandlung durch andere Menschen gibt es viele externe Bedingungen, die als unangenehm empfunden werden, z.B. Hitze, Lärm, schlechte Luft, Menschengedränge usw.
Unter Umständen können diese Faktoren zu aggressiven Verhalten führen. Dies gilt etwa für die Zusammenballung von Menschen auf engen Raum. Falls sie sich gegenseitig stören, kann dies eine gereizte Stimmung fördern und im Extremfall sogar zu Gewalttätigkeiten führen.
Hitze kann dazu beitragen, die Gemüter zu erhitzen. So weist eine Analyse von Anderson nach, dass in heißeren Regionen und in heißeren Jahresabschnitten mehr Gewalttätigkeiten auftreten als in kühleren.
Ebenso kann Kälte eventuell eine momentane Aggressionsbereitschaft begünstigen. Viele äußere aversive Bedingungen können offenbar aggressives Verhalten erleichtern, aber sie haben nicht dasselbe Gewicht wie Provokationen.

Ärger und andere Emotionen

Leonard Berkowitz, der wohl wichtigste Weiterentwickler der Frustrationstheorie, wandelte die ursprüngliche Sequenz: Frustration Aggression ab, indem er „anger“ (Ärger/ Wut/ Zorn) als emotionales Bindungsglied dazwischenstellte: Frustration Ärger Aggression.
Heute stellt Berkowitz nicht mehr „anger“ in den Mittelpunkt, sondern einen „negativen Affekt“. Er weist darauf hin, dass Schmerz, Hitze und andere Beeinträchtigungen, ja sogar Depressionen aggressive Tendenzen wachrufen können. Willkürliche und ungerechte Behandlung machen nur deshalb aggressiv, weil sie besonders starke negative Gefühle hervorrufen. Die Sequenz bedeutet allerdings nicht: jede Frustration führt zu Ärger und nicht jeder Ärger führt zu Aggression.
Die Art, wie man ein Ereignis auffasst, bestimmt die Art des Gefühls. Die selbe Kritik kann von Person A als Beleidigung und von Person B als Denkanstoß aufgefasst werden, eine Panne als Störung oder als Herausforderung. Entscheidend für die Emotion ist, wie wir die Ereignisse interpretieren und inwieweit wir sie auf uns selbst beziehen.
Einige Emotionen kann man als Verwandte des Ärgers ansehen. Wut ist eine sehr intensive Ärger- Emotion. Verachtung und Hass sind emotionale Dauerhaltungen, sozusagen eingefrorener Ärger, gegenüber bestimmten Personen. Dabei hat die Verachtung mehr kognitiv- wertenden und der Hass mehr affektiven Charakter. Während bei Verdruss und Enttäuschung der Schuldvorwurf keine Rolle spielt, steht er bei Zorn und Empörung im Vordergrund.
Zornig und empört ist man einfach, weil eine Norm verletzt wurde, auch dann, wenn man selbst nicht zu Schaden gekommen ist. Zorn und Empörung haben eine deutlich engere Verbindung zu aggressiven Verhalten, als Enttäuschung und Verdruss.

Frustrations- Antriebs- Hypothese

Fast alle Verhaltensweisen in einer Frustrationssituation sind sehr intensiv. Für aggressive Verhalten ist dies ohnehin typisch (heftig, laut, usw.), doch auch konstruktive Anregungen, Flucht, Tagträume oder verbales Argumentieren können intensiver werden. Bandura und Walters (1963) haben daher als Alternative zur ursprünglichen Frustrations- Aggressions- Hypothese die Frustrations- Antriebs- Hypothese formuliert. Danach führt die Frustration zu einer Aktivierung des Organismus, zu einer Erhöhung von Erregung und Antrieb, der sich in verschiedenen Verhaltensweisen umsetzten kann.
Ob Ärger, Angst oder einfach negativer Affekt, die Emotionen haben neben einer Gefühls- auch eine Antriebsseite. Aber auch diese Hypothese hat ihre Grenzen. So ist es etwa möglich, dass Hindernisfrustrationen mit Resignation, also mit einem Antriebsverlust, beantwortet werden. Auch andere Verhaltensweisen, wie humorvolle Bemerkungen und sogar einige Aggressionsformen („links liegen lassen“) sind nicht intensiv. Im Ganzen aber wird die Antriebs- Hypothese der Vielfalt möglicher Frustrationen sicher besser gerecht, als die ursprüngliche Frustrations- Aggressions- Hypothese.

Aggressives Verhalten beruht nicht auf speziellen Impulsen, sondern wird von Lerngesetzen bestimmt wie anderes Verhalten auch. Das heißt vor allem: Es tritt in Situationen auf, wo es erfolgreich was bzw. Erfolg verspricht und es wird über das Vorbild von Mensch zu Mensch weitervermittelt.

Die dritte grundlegende Position neben der Trieb- und Frustrationstheorie geht davon aus, dass aggressives Verhalten keine Erklärung bedarf, sondern, wie soziales Verhalten generell, überwiegend auf Lernvorgängen beruht. Als prominenteste Vertreter dieser Richtung gelten Albert Bandura und Walters.
Lernen bedeutet die Veränderung personaler Dispositionen aufgrund von Erfahrungen. Mit Dispositionen können gemeint sein: Einstellungen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse, Gewohnheiten, Motive, Vorlieben, usw.

Modell- Effekt:
Durch Beobachtung können sehr schnell und einfach Verhaltensweisen gelernt werden, die der betreffende Mensch zuvor nicht ausführen konnte. Das gilt für das Bedienen einer Maschine oder für das Sprechen ebenso wie für aggressives Verhalten. In verschiedenen Experimenten ahmten Kinder Verhaltensweisen nach, die sie vorher nie gezeigt hatten. Bei diesem „Modellier- Effekt“ handelt es sich um Lernen bzw. um einen Entwicklungsprozess. Das Vorbild anderer vermittelt eine Orientierung für das eigene Verhalten, wirkt stimulierend oder reduziert eventuelle Hemmungen. Vor allem ist an die „ansteckende Wirkung innerhalb einer Gruppe“ zu denken. Jede Aggression erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Aggressionen.

Familie und Erziehung

Die wichtigsten Modelle für die Entwicklung eines Menschen sind in der Regel die Eltern. Aber auch andere Erzieher, wie Lehrer oder Jugendbetreuer, sind potentielle Vorbilder. Der Einfluss aggressiver Erziehermodelle kann sich bei den Kindern auf verschiedene Weise manifestieren, z.B. in deren aggressiven Umgang mit anderen Kindern oder auch bei der eigenen Kindererziehung. Wirksam werden können die Modelle dann, wenn die Kinder sie nur beobachten, aber auch dann, wenn sie selber darunter leiden.
Bandura und Walters fanden, dass Kinder von aggressiven Vätern zwar nicht ihnen gegenüber, wohl aber gegenüber Mitschülern erhöhte Aggressivität zeigten. Zwar sind diese Kinder durch die häuslichen Erfahrungen auch frustriert, doch dis würde nicht ausreichen, um speziell aggressives Verhalten zu erklären. Das Lernen am Modell stellt hier eine sehr direkte Verbindung her.
Das elterliche Erziehungsverhalten setzt sich womöglich in der nächsten Generation fort. Jedenfalls unterliegen Menschen, die in ihrer Kindheit misshandelt wurden, einem erhöhten Risiko, später als Eltern selbst Gewalt gegen ihre Kinder auszuüben.
Auch Gewalt der Eltern untereinender kann als Modell für die Kinder dienen, und zwar als Verhalten des Täters (meist der Ehemann) als auch das Verhalten des Opfers (meist die Frau). Gewalt auszuüben und Gewalt zu erdulden kann gewissermaßen als „normaler Umgang“ gelernt und möglicherweise in das spätere eigene Eheleben übertragen werden.
Eltern und Lehrer sind besonders wirksame Modelle, da sie die Kinder nicht nur oft sehen, sondern auch, weil sie Personen mit Macht und hohem Status sind.

Gruppe, Gesellschaft

Kinder und Jugendliche schauen auch auf ihre Altersgenossen. Vor allem Jungen, die bereits zu antisozialem Verhalten neigen, suchen meist spätestens im Jugendalter Anschluss an eine entsprechende Gruppe. Manche Gruppen verfolgen rein kriminelle Ziele, manche lieben die Rivalität mit anderen „Banden“ und einige engagieren sich in gewalttätigen politischen Extremismus. Alle gruppentypischen Verhaltensweisen bis hin zu bestimmten Kampftechniken oder Bestrafungsritualen werden über das Lernen am Modell rasch an neue Mitglieder weitergegeben. Es kommt noch dazu, dass das Nachahmen der Modelle in manchen Kreisen durch Anerkennung belohnt wird.
Auch in Großgruppen wie Völkern, Religionen oder politischen Bewegungen werden über das Lernen am Modell die dort gültigen Verhaltensnormen von einer Generation an die nächste weitergegeben. Völker, deren Leben sich um den Krieg dreht, neigen z.B. dazu, schon Kindern und Jugendlichen ein militärisches oder vormilitärisches Training zu vermitteln, bei dem das Vorbild der Erwachsenen eine wichtige Rolle spielt.

Film und Fernsehen

Eines der meist diskutierten aggressiven Modelle sind die Medien. Viele Menschen schreiben ihnen einen besonders gefährlichen Einfluss zu.
Beispiel:
Zwei Mädchen (13 &14 Jahre) brachten einen siebenjährigen Jungen um: sie lockten ihn auf den Dachboden und erstickten ihn. Wie sie bei der Vernehmung sagten, hatten sie den Entschluss zu diesem Mord gefasst, als sie im Fernsehen in dem Film „Die Lustpartie“ miterlebten, wie ein Mann seine Frau zu Tode trampelte. Der Entschluss kam allerdings nicht plötzlich. Vielmehr waren sie schon seit längerer Zeit neugierig, einmal auszuprobieren, was sie so oft in Krimis und Western gesehen hatten (Der Spiegel Nr. 38, 1975)
Es scheint gesichert, dass Gewaltdarstellungen aggressives Verhalten von Kindern nicht nur bei einer nachfolgenden filmähnlichen Gelegenheit, sondern auch in einer unmittelbar anschließenden, freien Spielsituation in gewissem Maße stimulieren. Solche kurzfristigen Affekte können auch bei Erwachsenen vorkommen.
Doch die meisten Untersuchungen ergeben einen schwachen statistischen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Gewaltdarstellungen und der individuellen Aggressivität.
Fördern Die Filme die Aggressivität, oder haben umgekehrt Menschen mit aggressiven Neigungen eine Vorliebe für aggressive Filme? Der Fernsehkonsum fördert ein wenig die Aggressivität und umgekehrt. Der Zusammenhang entsteht dadurch, dass beide Erscheinungen- Aggressivität und ausgiebiger Fernsehkonsum- sich auf einen dritten Faktor gründen, nämlich auf ein ungünstiges familiäres und soziales Milieu. Trotzdem ist es wichtig, wer sich die Filme anschaut. Zu achten ist also nicht nur auf die Art der Filme, sondern ebenso auf die Psyche der menschlichen „Fernsehempfänger“. Doch Gehässigkeiten in der eigenen Familie sind für die Entwicklung eines Kindes sicher weit schwerwiegender als ganze Horden knallender Cowboys.

Lernen am Effekt (Erfolg und Misserfolg)
Die Tatsache, dass durch Beobachtung von Modellen aggressives Verhalten gelernt werden kann, erklärt nicht, warum sich die Modelle aggressiv verhalten. Modelllernen kann die Weitergabe aggressiven Verhaltens erklären, nicht aber die Tatsache, dass es überhaupt auftritt.
Die Selbstdurchsetzung eine kleinen Kindes, das ein Spielzeug haben möchte ist ein Beispiel für ein allgemeines, für die Lebenserhaltung wichtiges, Grundgesetz menschlichen und tierischen Verhaltens.
Für diese Lernart haben sich in der Psychologie mehrere Bezeichnungen eingebürgert: Lernen am Erfolg, Lernen durch Bekräftigung (oder Verstärkung), operante oder instrumentelle Konditionierung. Da die lerntheoretische Auffassung behauptet, dass aggressives Verhalten keine Sonderstellung einnimmt, sondern nach denselben Gesetzen gelernt wird, wie anderes Verhalten auch, muss diese Prinzip auch hier Geltung besitzen. Das Lernen am Erfolg erklärt allerdings nicht, warum einem Menschen aggressives Verhalten möglich ist, sondern warum er davon Gebrauch macht.
Das Verhalten kann möglich sein,
In allen Fällen aber bestimmt die Erfolgserwartung mit, ob der betreffende Mensch dazu neigt, sich aggressiv zu verhalten. Durch die Bekräftigung wird das Verhalten stabilisiert, aufrechterhalten und weiterentwickelt. Modelle lehren uns neue Verhaltensweisen; Erfolge lehren uns, Verhaltensweisen einzusetzen.
Positiv erlebte Effekte aggressiven Verhaltens:

Es gibt kaum etwas, was nicht unter Umständen durch Aggression erleichtert werden kann. In allen Fällen wird auch der Schaden und Schmerz des Opfers angestrebt. Dies ist allerdings für die eigentlich gesuchte Befriedigung in einigen Fällen nur eine Art „Zwischeneffekt“, in anderen hingegen ganz normal.

Durchsetzung, Gewinn

Diese beiden Begriffe umfassen ein breites Spektrum von Effekten, bei denen die Person bekommt, was sie will. Beim aggressiven Vorgesetzten, der sich Respekt verschaffen will, geht es um die Durchsetzung des eigenen Willens. Weitere Beispiele: Ein Vater spricht ein „Machtwort“ und nun macht es die ganze Familie so, wie er es wünscht. Ein Schüler zwingt einen Mitschüler durch Gewalt, ihm von seinem Taschengeld abzugeben. Ein Bankräuber verschafft sich Beute durch die erhobene Pistole.
Wie solche Erfolge auf die Person zurückwirken und ihr Verhalten verändern, illustriert recht gut eine Langzeitbeobachtung von Patterson, Littmann und Bricker:
Sie beobachteten neun Monate lang bei Kindergartenkindern aggressives Verhalten (körperliche Angriffe, verbale Angriffe, Drohungen dem anderen etwas wegzunehmen) sowie die Reaktion des Opfers darauf. 80% dieser Konsequenzen wurden von den Autoren als Bekräftigung eingestuft: alle Reaktionen wie sich- zurückziehen, nachgeben, weinen. Es verwunderte nun nicht mehr, dass viele Kinder, die beim Eintritt in den Kindergarten wenig aggressiv waren, im Laufe der Zeit deutlich aggressiver wurden. Das galt besonders für solche, die zunächst passiv waren, aber häufig angegriffen wurden und mit ihren Gegenangriffen viel Erfolg hatten. Passive Kinder, die wenig angegriffen wurden und mit Gegenangriffen Misserfolge hatten, zeigten keine oder nur eine sehr geringe Zunahme.
Weitere Untersuchungen bestätigten, was man auch im Alltag gelegentlich beobachten kann: dass andere Menschen aggressive Verhalten oftmals durch Nachgeben positiv bekräftigen. Diese Gewohnheit ist z.B. häufig bei Eltern von aggressiven Kindern zu finden. Zwar ist es verständlich, wenn genervte Eltern ihrem brüllenden Kind seinen Wunsch erfüllen, um endlich Ruhe zu haben, aber langfristig stabilisieren sie damit das Verhalten.

Beachtung und Anerkennung

In Gruppen oder Kulturen, in denen Aggression als ehrenhaft gilt, wird sie Anerkennung und Bewunderung hervorrufen, während ihre Unterlassung vielleicht gar mit Spott und Verachtung gestraft wird. Aggressive Kinder und Jugendliche werden sich zwar bei den meisten Altersgenossen unbeliebt machen, doch in einer Gruppe von Gleichgesinnten haben sie durchaus Unterstützung zu erwarten.
Zu denken ist weiter an die „Heldenverehrung“ im ereich politischer Gewalt, sei es für „unsere tapferen Soldaten“ oder für „unsere Freiheitskämpfer“.
Experimente und Feldstudien bestätigen die Wirkung von Lob, Zustimmung und Ermunterung für aggressives Verhalten:
Selbst wenn Anerkennung und Respekt ausbleiben, kann schon die bloße Beachtung als positive Bekräftigung wirken. Manchmal ist aggressives Verhalten im Kern nur eine unbeholfene Form der Kontaktsuche. Manche Kinder neigen zu störendem Verhalten oder Wutanfällen, weil sie vielleicht auf diese Weise die Aufmerksamkeit ihrer Eltern oder Lehrer erregen.
Auch Gewalttaten Erwachsener sind manchmal von der Sehnsucht begleitet, einmal im Blickpunkt des Interesses zu stehen.

Abwehr, Verteidigung, Selbstschutz
Bei diesem Typ liegt der Nutzeffekt nicht darin, etwas zu bekommen, sondern etwas abzuwenden, z.B. Angriffe, Unannehmlichkeiten, usw. Verschiedene Erscheinungsformen: die warnende Drohung eines Kindes gegenüber seines Bruders: “Wehe du gehst an meine Sachen“; die aggressive Zurückweisung einer peinlichen Frage; persönliche Notwehr bei einem Überfall; Verteidigungsschlacht in einem Krieg. Auch die gehorsame Gewaltausübung auf Befehl dient als Selbstschutz, wenn eine Verweigerung bestraft würde. Lernpsychologisch sind solche Effekte als negative Bekräftigung anzusehen. Die negative Bekräftigung ist keine Bestrafung, sondern im Gegenteil ein subjektiv positives Ergebnis.

Erfolglosigkeit und Bestrafung

Häufig hat aggressives Verhalten keinerlei Erfolg. Nicht nur das; oft folgen sehr unangenehme Konsequenzen wie physische oder materielle Bestrafung.
Manche Aggressionen schauen zwar für Außenstehende erfolglos aus, sind aber für die aggressive Person mit inneren Effekten wie Nervenkitzel oder Stolz verbunden. So ist es nicht erforderlich, dass ein Verhalten jedes Mal Erfolg haben muss. Die dauerhafte Wirkung unregelmäßiger Bekräftigungen hängt vermutlich damit zusammen, dass Misserfolge in der Erfolgserwartung miteingeplant werden. Es reicht also völlig aus, dass sich ein Kind mit Wutausbrüchen hin und wieder durchsetzt, oder dass ein Straßenräuber nur ab und zu Beute macht, bei den übrigen Fällen lediglich nicht erwischt wird. Gerade unter diesen Lernbedingungen ist es besonders schwer, das Verhalten wieder zu ändern.
Das Beispiel des Kriminellen legt die Frage nahe, ob nicht eine Bestrafung, also ausgesprochen negative Konsequenz statt vorübergehender Erfolglosigkeit, das aggressive Verhalten abbauen oder verhindern kann.
Gewöhnlich haben Bestrafungen nur eine zeitlich und situativ begrenzte Wirkung. Sofern nämlich weiterhin Erfolge erwartet werden, wird das Verhalten nur unterdrückt oder getarnt, kann aber leicht wieder auftreten, wenn kein Risikofaktor mehr besteht.
Entstanden ist dann nur eine Aggressionshemmung aus Angst vor Strafe.
Ein weiterer Punkt, der für die Wirkung negativer Konsequenzen von Bedeutung ist, ist der zeitliche Abstand, mit dem sie auf das aggressive Verhalten folgen. Unter sonst gleichen Bedingungen ist eine Konsequenz umso wirksamer, je unmittelbarer sie auf das Verhalten folgt. Viele schädliche Folgen, sei es durch Rauchen oder aggressives Verhalten, haben deshalb eine s geringe Rückwirkung auf das Verhalten, weil sie erst mit großer Verzögerung eintreten, während die angenehmen Folgen sehr schnell verspürt werden.
Aus diesen Zusammenhängen ist zu folgern, dass eine Verminderung aggressiven Veraltens ein konsequentes Ausbleiben von Bekräftigungen, also eine durchgehende Erfolglosigkeit erfordern würde.


Verminderung aggressiven Verhaltens


1. Die Anreger verändern
In diesem Kapitel geht es um die Anregungsfaktoren der Situation. Dabei gehören zur Situation alle Faktoren, die ein Individuum umgeben, vor allem andere Menschen.
Aus der Frustrationstheorie wurde die Konsequenz gezogen, man müsse Frustrationen nach Möglichkeit vermeiden oder zumindest reduzieren. Die Verminderung aversiver Bedingungen ist ein wichtiger Ansatzpunkt. „So kann der bösartigste Angestellte ein erträglicher Mitarbeiter werden, wenn er an einen Arbeitsplatz kommt, wo er sich wohl fühlt, wo er seltener gestört wird, wo er die gestellten aufgaben beherrscht“ (Fürntratt 1974).
Von allen aversiven Erfahrungen sind Provokationen die wirksamsten Aggressionsanreger. Es sind Verhaltensweisen, die man als Verstoß gegen Regeln des Zusammenlebens bewertet und/oder die man gegen sich gerichtet sieht.
So lassen sich vielleicht manche Menschen von der Vorstellung leiten, dass man mit persönlicher Kritik und Herabsetzung anderer Menschen besonders wirksam erziehen oder zur Vernunft bringen könne, und bedenke dabei nicht die schweren Nebenwirkungen, zu denen oft heftiges Vergeltungsbedürfnis gehört.
Grundsätzlich geht es nicht darum, jedes Schimpfwort und jeden Tadel aus der Welt zu schaffen, sondern Kritik so zu verpacken, dass niemand sich in seinem Selbstwertgefühl getroffen fühlt.. Was aber vermieden werden sollt, sind Angriffe, die die Welt als bedrohlich und feindselig erscheinen lassen, sowie starke persönliche Abwertungen, z.B. Menschen wegen eines Leistungsversagens lächerlich zu machen oder zu verachten; andere wegen einer Schwäche zu hänseln und zu verspotten; Menschen wegen eines Fehlverhaltens zu demütigen und herabzuwürdigen.
Solche Verhaltensweisen sind nicht nur starke Aggressionsanreger, die auf Dauer die Persönlichkeitsentwicklung schädigen können. Sie sind auch sachlich nicht gerechtfertigt, weil sie weit über die Anlässe hinausgehen. Statt dessen sind negative Botschaften möglich , die sich eng an die Anlässe halten. Diese kritisieren das als falsch empfundene Verhalten, nicht pauschal die Person. z.B.



Pauschale Personalabwertung Verhaltensbezogene Kritik
- Du bist ein ausgesprochener - Du hast bisher nur von deinen
Egoist. Wünschen gesprochen und zu
meinen noch nichts gesagt.

- Was kann man von dir schon - Du hast unsere Veraredung jetzt
anderes erwarten, als dass du schon mehrmals nicht eingehalten.
uns hängen lässt.

Wie hier zu erkennen ist, läuft der Abbau von Aggressionsanregern darauf hinaus, eigene aggressive Äußerungen durch weniger verletzende zu ersetzen.


Durch das Beobachten aggressiver Modelle können neue Verhaltensweisen erworben oder bereits vorhandene aktiviert werden. Bei der Frage nach den Anregern geht es darum, dass aggressives Verhalten eines Menschen die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich auch andere aggressiv verhalten.
Das aggressive Modell kann Emotionen stimulieren, eine Orientierung für das eigene Handeln geben, Hemmungen lösen und den anderen provozieren. Zum Glück gibt es auch den umgekehrten Fall, z.B. ein Mensch mit einem eher aggressiven Benehmen wird durch eine friedliche Umgebung selbst auch friedlicher. Die Konsequenz daraus ist, dass man durch die Verminderung aggressiven Verhaltens aggressives Verhalten vermindern könnte.
Wo aggressive Modelle nicht zu verhindern sind, können jedoch nichtaggressive Gegenmodelle zur Wirkung kommen:


In aggressionsträchtigen Situationen sollte demnach das Auftreten aggressiver Modelle von vornherein verhindert werden, indem ruhige, konstruktive Modelle frühzeitig die Stimmung zu prägen versuchen. Manche Leiter von Gruppen, Versammlungen oder Demonstrationen erkennen dies und bemühen sich, durch das eigene Verhalten und organisatorische Sicherungen Gewalt zu verhindern.
Auch aggressive Modelle in Filmen können, wie andere Modelle in geeigneten Einzelfällen ein Faktor sein, der aggressive Handlungen erleichtert. Nun ist es prinzipiell weder nötig noch möglich, Gewalt in Filmen und Fernsehprogrammen zu vermeiden. Schließlich geht es ja nicht nur um Spielfilmen, sondern auch um Nachrichtensendungen um reale Gewalt.
Neben aggressiven Verhalten als Modell könne auch aggressive Signalreize eine fördernde Wirkung haben. Verschiedene Autoren (z.B. Berkowitz 1968, Schmidt-Mummendey 1973) meinen, dass solche Reize, die unsere Aggressionsbereitschaft ansprechen und ein aggressives Klima verbreiten können, abzubauen sind.
Beispiele: Aggressive Symbole (z.B. geballte Faust), Reizworte und Parolen (z.B. zerschlag die...), Waffen und aggressives Spielzeug, aber auch der Anblick von Polizeibeamten, vor allem wenn sie Helme, Schilde und Gesichtsschutz tragen, oder Waffen-. Militärfahrzeuge, lautes sprechen oder brüllen.
Solche Dinge können vielen Alltagssituationen eine aggressive Tönung geben Anders als das Anschauen von Filmen, sind aggressive Symbole, Reizworte usw. meist in reale Lebenssituationen eingebunden (z.B. in Versammlungen, in Wahlpropaganda, Wettkämpfe).
In diesem Zusammenhang ist auch auf Gegenstände aufmerksam zu machen, die aggressive Hinweisreize bieten, weil sie sich als Instrumente zur Ausführung aggressiver Handlungen eigenen, also Waffen, Messer, Stöcke, Sprengstoff, Gift.

So wünschenswert eine Verminderung aggressiver Signalreize ist so schwierig ist auch die Frage, wie im konkreten Fall eine Reduzierung erreicht werden kann. Es ist klar , dass Gesetze und eine strenge Kontrolle von Nutzen sind. Das Beispiel der USA zeigt aber auch, wie schwer es ist, solche Gesetze zu erlassen, wenn sie festen Traditionen entgegenlaufen oder Profit und Arbeitsplatz vieler Bürger an der Waffenproduktion hängen.
Auch aggressive Signalreize bildlicher und sprachlicher Art könne nicht einfach abgebaut werden. So ist die aggressive Aufmachung der Polizei in vielen Fällen unvermeidbar. Und was Bilder und Texte betrifft so bringen gesetzliche Verbote bei einer breite Auslegung die Gefahr mit sich, für eine Demokratie unzumutbare Zensuren einzuführen.

Man sollt nicht nur fragen, wie man das unerwünschte Verhalten abbauen, sonder auch, wie man das erwünschte Verhalten fördern kann. Kann man Situationen so gestalten, dass mit einiger Wahrscheinlichkeiten alternatives Verhalten stimuliert wird? Im Grunde ist uns eine solche Strategie aus dem Alltag geläufig: Man sucht z.B. eine Umgebung auf, die einen auf andere Gedanken bringt-. Sucht Zerstreuung und Ablenkung, um Ärger oder Langeweile wenigstens vorrübergehend zu vertreiben. Ähnlich geht man vor, um andere Menschen zu beeinflussen. Lehrer bemühen sich um einen interessanten, Unterricht-. Regierungen sorgen vielleicht durch Filme, sportliche Wettkämpfe usw. für gute Stimmung im Land. Es werden einige Beispiele beschrieben, bei denen es um das Ziel der Aggressionsverminderung geht. Im ersten Beispiel geht es um eine Maßnahme in einem Schulhof. Bietet man Kindern sinnvolle Aktivitäten an, so machen sie weniger Unsinn.
In diesem Experiment (Murphy 1983), das über 300 Kinder des ersten und zweiten Schuljahres sowie der Volkschule einschloss, wurden auf dem Schulhof einige Tage lang von Helfern Spiele organisiert (Seilspringen und Wettlaufen). In seltenen Fällen kam als weitere Maßnahme hinzu, dass Kinder für ernstere Verstöße für zwei Minuten auf die Strafbank mussten. Systematische Beobachtungen zeigten, dass Aggressionen wie Schlagen, Treten, Wegnehmen und zerstören von Gegenständen während der Spielphase deutlich seltener auftraten als in den Tagen vorher und nachher.
Man kann sagen, dass reizvolle Aufgaben und Aktivitäten ein wichtiges Prinzip zur Verminderung von Disziplinproblemen und manchmal auch von aggressiven Verhalten sind. Vermutlich wecken solche Anreger nicht nur die Motivation für sinnvolles Verhalten, sondern sie regulieren auch das Verhalten.
Auch im Falle akuter Frustrationen können Anreger das Verhalten in eine nichtaggressive Richtung lenken. Das könne Ablenkungen sein, z.B. belustigen oder Mitleid erregen (Baron 1976).
Experiment: Das in Frankreich durchgeführte Experiment (Moser und Levy-Leboyer 1985) beschäftigt sich mit Aggressionen in Telefonzellen, die weder funktionierten (erste Frustration) noch das Geld wieder rausgaben (zweite Frustration). Es zeigte sich, dass sowohl Schläge auf den Apparat als auch ausgesprochene Gewaltakte (Tritte mit voller Kraft) wesentlich seltener auftraten, wenn in der Zelle gut sichtbare Hinweise zum Verhalten in solchen Störfällen ausgehängt waren.
Da hier die momentan Frustration nur teilweise gemildert werden konnte, liegt der entscheidende Einfluss in der Anregung positiver Handlungsweisen für die Bewältigung der Situation.
Manchmal könne die alternativer Anreger lange Ketten destruktiver Interaktionen durchbrechen und somit den Einstieg in weiterführendes umlernen vorbereiten.

Instrumentelle Aggression ist auf die Erreichung von Nutzeffekten gerichtet. Diese Nutzeffekte bilden daher Anreize, ohne die das Verhalten nicht ausgeführt würde. Die Anreize selbst lassen sich kaum vermindern. In Ausnahmefällen mag die zwar sinnvoll sein (Bekämpfung von Rauschgift- Kriminalität durch Verminderung des Rauschgift- Anbaus).
Ebenso wenig hätte es Sinn, immaterielle Reize wie Beachtung und Anerkennung vermindern zu wollen. Das Problem liegt ja auch nicht in den Anreizen selbst, sondern in etwas anderem: erstens sind vielleicht die Güter zu ungleich verteilt, so dass sich ein Teil der Menschen benachteiligt fühlt. Zum zweiten werden Anreiz wie Reichtum, Macht oder Geltung von manchen Menschen so sehr überbewertet, dass sie sie ohne Rücksicht auf andere Werte zu erreichen versuchen.
Und schließlich ist ganz entscheidend, für welches Verhalten die Anreize eine Belohnung bilden, für aggressives oder für alternatives Verhalten.
Im erzieherischen Bereich kann man gier häufig einen „doppelten Anregungsfehler“ beobachten. Viele Eltern und andere Erzieher provozieren zunächst aggressives Verhalten, indem sie das Kind z.B. durch unnötige Eingriffe verärgern oder seine leisen Bitten nicht beachten (Frustration als erster Anreger). Wenn das Kind aber nun schreit und jammert, machen sie eine Kehrtwendung, um dies schnell zu beenden. Sie belohnen das nervige Verhalten durch Beachtung und Nachgebe (zweiter Anreger: Anreiz für unerwünschtres Verhalten).
Eine andere Art erzieherischer Kehrtwendung wäre hier zweifellos sinnvoller: Entweder ist der Eingriff nicht nötig, dann sollte man ich von vornherein unterlassen; oder man hält ihn wirklich für erforderlich, dann ist auch Brüllen kein Gegenargument, und man sollte es ignorieren und auf ein Entgegenkommen des Kindes warten. Außerdem sollte man leise Wunschäußerungen nicht übergehen, sondern mit Beachtung und gegebenenfalls mit Wünscherfüllung belohnen.
Die Bedürfnisse von Menschen sind eine Sache, das Verhalten, das sie zur Bedürfnisbefriedigung einsetzen eine andere. Die Empfehlung lautet daher, den Blick auf die gewünschten Verhaltensweisen (z.B. bitten, verhandeln, usw.) zu richten und sie mit Beachtung, Anerkennung und Entgegenkommen zu belohnen.


2. Aggressionen abreagieren
Eine verbreitete Theorie zur Aggressionsverminderung besagt, dass man aggressive Impulse abreagieren soll und zwar in möglicht harmlosen, erträglichen formen, und früh genug, um einen Stau zu vermeiden. Der Gedanke ist der, dass man aggressive Bedürfnisse an einer Stelle befriedigen kann, um ihre Äußerungen an einer anderen Stelle zu verhindern.

Man spricht davon, dass man „Dampf ablassen“ müsse. Manche Erzieher oder Therapeuten ermuntern Kinder, ihre Aggressionen auszuleben, und lassen sie dazu z.B. Schießspiele machen oder Ton zerquetschen, damit die Affekte sich austoben und in schöpferisch Kanäle fließen können. Erwachsenen wird vorgeschlagen, für kurze Zeit einander anzuschreien oder mit wattierten Schlägen zu prügeln.
Besonders bekannt geworden sind die Empfehlungen von Konrad Lorenz, dem Aggressionstrieb in sozial akzeptablen Bahnen Befriedigung zu schaffen, etwa in sportlicher Betätigung und Wettkämpfen verschiedener art. Lorenz sah sogar die Möglichkeit, solche Maßnahmen auf internationaler Ebene zu nutzen. So erhoffte er sich vom Wettstreit der Völker eine Minderung der Kriegsgefahr.
Die vorschriftsmäßig ausgestatteten Aggressionsäußerungen erfüllen die Funktion, unerlaubte Gewalt zu verhindern. Somit soll das Ausleben von Aggressionen nicht nur der individuellen Seelenhygiene, sondern auch dem gesellschaftlich- politischen Frieden nützlich sein.
Nicht nur eigener, auch beobachteter Aggression wird eine aggressionsabführende Wirkung zugeschrieben, z.B. das Anschauen von Wildwestfilmen oder Gewalt in den Medien. Die Vorstellung, um die es hier geht, wird in der Psychologie als Katharsis- Hypothese bezeichnet. Sie wird vorwiegend von Triebtheoretikern vertreten, gehört aber auch zum ursprünglichen System der Frustrations- Theorie. Nach Dollard wird durch die Frustration ein Aggressionsbedürfnis erzeugt, und dies kann nur durch einen aggressiven Akt wieder entspannt werden. Wird diese verhindert, ist dies eine zusätzliche Frustration, die die Aggressionstendenz noch verstärkt. Mit mehrfachen Frustrationen kann sich ein größeres Aggressionspotential anstauen.
Es ist aber zu beachten, dass unterschiedliche Wege und Wirkungen des Auslebens gemeint sein können. Strenggenommen gibt es nicht die Katharsis- Hypothese, sondern verschiedene Versionen. Außerdem ist zu unterscheiden zwischen der Vorstellung, dass ein Zustand akuten Ärgers abgebaut werde, und der anderen Vorstellung, dass man vorbeugend aggressive Impulse abreagieren kann. Uns schließlich werden dem Abreagieren unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben. Es soll (1) weiteres aggressives Verhalten vermindern und (2) emotionale Erleichterung mit sich bringen.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Katharsis- Problem haben gemeinsam, dass sie zwei Gruppen von Versuchspersonen in bezug auf ihr aggressives Verhalten miteinander vergleichen, von denen die eine vorher Gelegenheit hatte, Aggression auszuleben, die andere nicht. Unterschiede liegen vor allem in der Art der Aktivitäten und der Messung der Aggression.

Es geht hier um die Vorstellung, dass der angeblich natürlich anwachsende aggressive Energiedruck, auf die eine oder andere Weise abgelassen werden soll. Schon Allport (1954/ 1971) hat die Theorie von de Ableitung kritisiert. Allport zitiert einige Untersuchungen, die ihn zu dem Schluss führen: „ eine Person, die Aggression in eine Richtung „kanalisiert, „kanalisiert sie wahrscheinlich ebenso in andere Richtungen.“ Dass dies wahrscheinlicher als eine Ableitung ist, besagt auch eine Untersuchung von Sipes (1973):
Sipes untersuchte an einer größeren Zahl von „primitiven Völkern“ den Zusammenhang zwischen Krieg und Kampfspielen. Nach de Ventiltheorie müssten Volksstämme, die viel Kampfsport treiben, auf diesem Weg ihre aggressiven Impulse abreagieren und daher weniger zur Kriegsführung neigen. Snipes fand aber genau das Gegenteil heraus. Offenbar dienten die Kampfspiele eher der Vorbereitung, als der Verhinderung kriegerischer Handlungen.

Untersuchung von Feshbach:
Feshbach (1956) gab über vier Wochen Kindern mehrfach Gelegenheit zum Spiel mit aggressivem Spielzeug (z.B. Cowboys, Soldaten, usw.), während eine Kontrollgruppe neutrales Spielzeug erhielt (z.B. Eisenbahn, Zirkus, usw.). Es zeigte sich, dass die Kinder mit den aggressiven Spielzeugen häufiger Aggressionen ( wie Kämpfe zwischen Soldaten) zeigten.
Auch wenn solch ein Ereignis noch nichts über langfristige Gefahren für die Persönlichkeitsentwicklung aussagt, eine aggressionsvermindernde Wirkung hat das Spielzeug sicher nicht.

Sport und Bewegung

Am populärsten ist wohl die Annahme, dass man über Sport und andere heftige körperliche Betätigungen (z.B. Holzhacken) seine Aggressionen loswerden kann. Die wissenschaftlichen Befunde sprechen jedoch eindeutig dagegen.
Einige Beispiele:
Bei Zillmann (1972) hatten verärgerte Versuchspersonen kräftig in die Pedale eines Hometrainers zu treten. Dies steigerte ihre Neigung, den Provokateur in einem anschließenden Lernexperiment mit Elektroschocks zu bestrafen. (im Vergleich zu einer Gruppe mit ruhiger Tätigkeit).

  1. In einer Studie von Peper (1981) wurden 15 jährige Schüler während der Sportstunde bei einem Ballspieltest durch einen Sporthelfer provoziert und um ihre Punkte gebracht. Anschließend macht ein Teil der Schüler Übungen, die Kraft und heftige Bewegung erforderten. Die Vergleichsgruppe macht Geschicklichkeitsübungen. Eine motorische Abreaktion von Aggressionen durch den Kraftsport war nicht festzustellen.
  2. In einer Untersuchung von Stützle- Hebel (1993) verminderte Skigymnastik die durch Provokation entstandenen aggressiven Gefühle nicht stärker als gleich langes warten. Als wirksamer erwies sich eine Konzentrationsaufgabe.

Wie schon bei der vorbeugenden Abfuhr von aggressiven Energien ist also auch bei akuter Ärger- Erregung eine besondere Wirkung motorischer Aktivitäten nachzuweisen.

Stellvertretendes Schimpfen

Anders als die vorhergehenden Ersatzformen ist dies nicht nur irgendeine aggressive Aktivität, sondern eine, die sich inhaltlich auf den Ärger- Anlass bezieht.
Untersuchung:
  1. Bohart (1980) bat Studenten sich vorzustellen, dass ihnen der Provokateur gegenübersitzt, und dann ein bis zwei Minuten zu schimpfen. Nach diesem Verfahren fühlten die Teilnehmer mehr Groll auf den Provokateur als vorher. Andere Vorgehensweisen, wie z.B. das Nachdenken über die eigenen Gefühle oder das Sprechen mit einem verständnisvollen Zuhörer, wurden dagegen als ärgermindernd empfunden.

Das spricht sicher nicht grundsätzlich dagegen, in aggressiver Form über Ärgernisse zu reden. Das Schimpfen als solches, ohne auch nur das Ohr des verantwortlichen zu erreichen, ist offenbar kein „Stuhlgang der Seele“.

Reale Vergeltung

Manche Aggressionen werden nicht auf Ersatzwegen ausgedrückt, sondern durch direkte Aggression gegen den Verursacher. Dies ist zwar eine Aggression und insofern keine Aggressionsverminderung, aber man kann fragen. Ob es ruhe schafft oder nichts bewirkt oder sogar das Aggressionsbedürfnis wachhält, wenn man den Provokateur treffen kann.
In den psychologischen Untersuchungen wird dies so überprüft:
  1. Jemand wird von einer anderen Person provozierend beurteilt und erhält seinerseits Gelegenheit, mit einer negativen Beurteilung zu antworten. (Thibaut & Coules)
  2. Die provozierte Person hat die Möglichkeit sich über das unverschämte Verhalten eines Kollegen beim Versuchsleiter zu beschweren. Dieser zeigt Verständnis und verspricht den Kollegen zur Rechenschaft zu ziehen., oder tadelt sie vor den Augen der provozierten Person. (Peper 1981)

In vielen dieser versuche zeigten sich Katharsis- Effekte. So war in dem Experiment von Thibaut und Coules die abschließende Einstellung zum Gegenspieler weniger negativ, wenn die Versuchsperson ihren Ärger in ein Gegenbeurteilung abladen konnte. Offenbar können durch die Vergeltung verschiedene Prozesse ausgelöst werden. Wo die Vergeltung weitere Aggressionen steigert oder aufrechterhielt, kann dies folgende gründe haben: 1. die Beschäftigung mit der Provokation wird wachgehalten; 2. man strebt ein konsequentes Verhalten gegen den Provokateur an; 3. die erste Vergeltung wird nachträglich gerechtfertigt, indem man den Provokateur als „wirklich schlimm“ beurteilt; 4. der Racheakt ist einfach angenehm und wird deshalb wiederholt.
Andererseits ist es möglich, dass uns Ärgergefühle wach halten werden, wenn der Provokateur ungeschoren davonkommt. Im Vergleich dazu könnte die Vergeltung einen Schlusspunkt setzen. Dies zeigt sich auch darin, dass gewöhnlich nicht mit irgendeiner Vergeltung reagiert wird, sondern mit einer, die der Provokateur seiner Tat entsprechend verdient. Auch eine Bestrafung durch eine dritte Person kann sehr befriedigend sein.


3. Aggressionshemmung fördern
Jeder hat wohl schon erfahren, dass er einem anderen gern „mal die Meinung gesagt hätte“ und dass er es dann doch nicht tat. In solchen Fällen, in denen eine Aggressionstendenz vorliegt, die Handlung jedoch nicht ausgeführt wird, spricht man von einer Aggressionshemmung. Bei der Aggressionshemmung geht es um eine Stärkung der Gegenmotivation. Von allen Lösungsansätzen zur Aggressionsbewältigung wird das Erzeugen von Hemmungen am häufigsten praktiziert.





Angst vor Bestrafung bzw. negativen Folgen
In vielen Situationen unterlassen Menschen aggressives Verhalten, weil sie unangenehme Konsequenzen fürchten, z.B. Tadel, böse Blicke, Schläge, Geldstrafen, Rausschmiss, usw. Die Hemmungen sind meist besonders groß gegenüber Stärkeren, z.B. Vorgesetzten oder Autoritäten.

Moralische Hemmungen bzw. Werthaltungen
Bei moralischen Hemmungen ist nicht, wie bei der Angst vor Bestrafung, die Reaktion der anderen, sondern die eigene Reaktion, der entscheidende Faktor. Die Verletzung eigener Wertmaßstäbe erregt Schuldgefühle bzw. ein schlechtes Gewissen. Während man z.B. gegenüber Stärkeren Aggression aus Angst unterlässt, beruht dies gegenüber Schwächeren auf einer moralischen Einstellung.

Die leid- induzierte Hemmung
Damit bezeichnet man den Impuls eine aggressive Handlung zu beenden oder zu unterlassen, weil der Schmerz des Opfers instinktiv als unerträglich empfunden wird. Ein solcher Faktor wird vor allem von Konrad Lorenz hausgestellt, der meint, dass der Mensch, wie viele Tierarten, neben dem Aggressionstrieb auch natürliche Hemmungen besitzt, die jedoch durch die heutigen Waffen, insbesondere die Fernwaffen, außer Kraft gesetzt würden. So wirke es aggressionshemmend, wenn man Schmerz und Qual des Opfers mit ansehe: „Kein Mensch würde auf Hasenjagd gehen, müsste er das Wild mit Zähen und Fingernägel töten“ (Lorenz). Im direkten Kampf zwischen Menschen könnten also die instinktiven Hemmungen wirksam werden, nicht aber wenn die Entfernung zwischen Aggressor und Opfer so groß sei, wie das z.B. für einen Bomberpiloten der Fall ist.
Im Falle von Vergeltung oder Sadismus empfinden Menschen das Leiden anderer bei bestimmtem Motivationen jedoch befriedigend. Die leid – induzierte Hemmung wirkt jedenfalls nicht immer und automatisch bei jedem wahrgenommenen Schmerz, sondern nur unter bestimmten Umständen. Unklar ist aber auch hier, wieweit es eine angeborene instinktive Erscheinung eigener Art ist. Denn sicherlich kann das Leid anderer auch deshalb Hemmungen hervorrufen, weil man lernt, dass man anderen nicht weh tun darf und dass Menschen, die man getroffen hat, häufig zurückschlagen.


Auch ohne die Gefahr von Strafen oder anderen Unfreundlichkeiten vermeiden Menschen aggressives Verhalten, wenn sie sich von Werthaltungen (Einstellungen) leiten lassen, die es ihnen verbieten. Wer nach eigenen Normen aggressive Handlungen als falsch bewertet und sie unterlässt, wird mit sich zufrieden sein. Wer sie trotzdem ausführt, weil andere Kräfte stärker sind, bekommt Schuldgefühle. Einstellungsbedingte Hemmungen sind insofern wirksamer als Angst vor Bestrafung, weil sie auch dann wirken, wenn man ohne Risiko aggressiv sein könnte. Aber abgesehen davon, dass andere Kräfte die Hemmungen überwinden können (z.B. akute Affekte, Befehle), lassen die moralischen Einstellungen viele Ausnahmen zu.
Beispiele:
  1. Man schlägt andere Menschen nicht, ausgenommen ungezogene Kinder
  2. Man greift nicht al erster an, darf aber zurückschlagen
  3. Man ist gut zu anständigen Menschen und Angehörigen der eigenen Gruppe, aber nicht zu Feinden
  4. Man darf nicht für persönliche Vorteile Gewalt einsetzten, wohl aber im Dienste einer guten Sache

Die Liste der Rechtfertigungen umfasst vor allem folgende Typen:
  1. höhere Zwecke („Erziehung zu einem „anständigen“ Menschen“, „Heiliger Krieg“)
  2. Schuld des Opfers (Gegengewalt ist eine gerechte Strafe)
  3. Minderwertigkeit des Opfers („Ungeziefer“, Menschen, die es nicht wert sind)
  4. Vorteilhafte Vergleiche („Was hat denn XY damals gemacht?)

Auch ohne ein bewusstes Abschieben von Verantwortung kann der Einfluss anderer die eigenen Werthaltungen auf die Probe stellen. So zeigten z.B. Kinder in einer Untersuchung von Siegel und Kohn (1959) zunehmende Aggression im Spiel, wenn ein Erwachsener nicht eingreifend danebenstand, während ohne ihn sogar eine Abnahme eintrat. Vielleicht erweckt ein Erwachsener, der nicht eingreift, den Eindruck, hier darf man aggressiv sein.
Doch selbst wer an seinen Einstellungen festhält, handelt vielleicht nicht danach, weil er Angst hat, alleine dazustehen, oder weil er sich gegenüber einer Autorität zum Gehorsam verpflichtet fühlt. Eigenständigkeit kann also0 sehr wichtig sein für die Unterlassung einer Aggression.
Aus alldem ergibt sich, dass man bei der Förderung von aggressionshemmenden Einstellungen zwei wichtige Ziele im Auge behalten muss:
  1. Es ist wichtig, die gängigen Rechtfertigungen zu durchschauen und sich mit ihnen kritisch auseinandersetzen. Denn je mehr man davon akzeptiert, um so kleiner wird der tatsächliche Wirkungsbereich der hemmenden Normen.
  2. Es ist wichtig zu lernen, sich mit seinen moralischen Einstellungen auch gegen Druck anderer Personen zu behaupten.


Ende des Auszuges


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